LOGINLéonIch hebe den Blick zu ihr. Der Dampf tropft an ihrem Gesicht herunter, vermischt mit neuen, stillen Tränen. Sie weint nicht vor Kummer. Sie weint, weil sie so gesehen wird. Weil sie gewaschen wird. Weil sie bis in diese Reinigung hinein besessen wird.— Dreh dich um, befehle ich, meine Stimme heiser vor Emotion, die ich nicht zeige.Sie gehorcht. Ich wasche ihre Beine, lang und schlank, meine Hände gleiten von den Knöcheln zu den Oberschenkeln hoch. Ich verweile an ihren Kniekehlen, an der Innenseite ihrer Schenkel. Jede Zone wird gereinigt, beansprucht.Als ihr Körper mit Schaum bedeckt ist, makellos, richte ich mich auf. Ich nehme sie um die Taille und ziehe sie weg vom Hauptstrahl. Ich bleibe unter dem Wasser, schließe für einen Moment die Augen, lasse es über mich laufen, um meinerseits die Stigmata unserer Nacht fortzutragen.— Jetzt du, sagt sie plötzlich, mit leis
LéonDas Morgenlicht ist jetzt grell, unbarmherzig. Es zeichnet jedes Detail des Desasters, das wir sind, auf das blasse Leder. Der Schweiß ist zu salzigen Schlieren auf ihrer Haut getrocknet, auf meiner. Der Geruch unserer geteilten Wut hat sich verdichtet, ist zu einem animalischen, bittersüßen Duft geworden, der den Raum erfüllt.Ich sehe sie schlafen, zusammengesackt auf meiner Brust. Ihre Züge sind glatt, fast kindlich, aber die Ringe unter ihren Augen und der leicht verzogene Mund sprechen von der Verwüstung. Meiner Verwüstung. Ein roher, primitiver Stolz steigt in mir auf. Und etwas anderes, Beunruhigenderes, das ich nicht benenne. Etwas, das einer Art heiliger Scheu ähnelt.Mein ursprünglicher Plan, dieses kleine, saubere Geschäft, scheint zu einem anderen Leben zu gehören, zu einem anderen Mann. Dieser Mann war ein Idiot. Er hatte die Schwachstelle in sich nicht gesehen, diese Lücke, die nur darauf wartete, sich mit ihr zu füllen. Jetzt ist sie darin. Und nichts wird sie jema
CéliaIch schüttle den Kopf, stumm, die Augen voller Tränen der Scham und des Bedürfnisses. Ich will es nicht sagen. Es sagen heißt, es einzugestehen. Einen neuen Pakt unterschreiben, viel schlimmer als den meines Vaters.Sein Finger drückt fester zu. Ein langsamer, unerbittlicher Kreis. Die Empfindung ist unerträglich. Eine Mischung aus scharfem Schmerz und so tiefem Vergnügen, dass es zu einem Leiden wird. Meine Schenkel schließen sich, fangen seine Hand ein. Ich winde mich, aber es ist, um mich anzubieten, nicht um zu fliehen.— Sag...dass...du...Mein. Bist.Jedes Wort wird von einem eindringlicheren Druck begleitet. Die Welt schrumpft auf diesen einen brennenden Berührungspunkt. Auf seinen Blick, der mich durchbohrt. Auf den Geruch von uns, von Sex und Besitzergreifung, der meine Lungen füllt.Ich verliere. Ich verliere alles.— Ich bin dein, schluchze i
CéliaDas Bewusstsein kehrt in Wellen zurück. Zuerst die Empfindung einer schweren Wärme entlang meines Rückens. Ein Arm, solide wie ein Eisenbalken, quer über meiner Taille, der mich gegen eine breite und regungslose Brust nagelt. Die Wärme. Die seine. Sie durchdringt die Luft, das Leder der Couch, meine eigene Haut. Ich bin in seine Wärme eingetaucht.Dann die Erinnerungen. Zuerst keine Bilder. Empfindungen. Der kalte und unerbittliche Aufprall der Fensterscheibe gegen meine Stirn, meine Handflächen. Das Feuer seines Mundes, verschlingend, erfahren, erbarmungslos. Der Geschmack von abgetretener Macht. Die brutale Besitzergreifung, dieses Eindringen, das weniger zu nehmen als ein urzeitliches Recht zu behaupten schien. Das Hämmern, das alles, was ich zu sein glaubte, alles, was ich zu ertragen dachte, in Stücke zerschlug. Und schließlich dieser Fall. Dieser gemeinsame Fall, ein Sprung ins Leere mi
LéonDie Stille ist dicht, bevölkert nur von ihrem langsamen, tiefen Atem neben mir. Ein erschöpfter Atem. Eroberter Atem. Ihr Körper, hingegeben auf dem zerknitterten Leder, trägt die Landkarte meiner Hände, meines Mundes. Blutergüsse entstehen auf ihren Hüften, der Rundung ihrer Taille. Strophen, in Rot auf ihre milchige Haut geschrieben. Mein Gedicht.Ich starre an die Decke, auf die weißen Adern des Sichtbetons. Die Stadt da unten blinkt mit ihren tausend gleichgültigen Lichtern. Sie weiß es nicht. Sie weiß nicht, dass sich das Universum gerade neu zentriert hat, dass es sich auf diesen Raum reduziert hat, auf diesen Geruch, auf diesen weiblichen Körper, der neben mir zusammengebrochen ist.Alles war so klar am Anfang. Eine Kalkulation. Eine Transaktion. Ihr Vater, ein erbärmlicher Spieler mit krummen Fingern und feuchten Augen, hatte mir ein Papier unterschrieben. Seine
LéonMein Mund findet sie, voll, offen, brennend. Ich koste sie, wirklich, zum ersten Mal. Ohne Barriere. Ihre reine Essenz, komplex, berauschend. Ich trinke sie. Meine Zunge erkundet jede Falte, jede geheime Mulde, findet das nervöse, pulsierende Zentrum und verweilt dort mit zarter Grausamkeit. Ich esse sie. Wie man eine Opfergabe zu sich nimmt. Mit Hingabe und Gefräßigkeit.Ihr Körper krümmt sich, wölbt sich gegen die kalte Scheibe. Ihre Schreie sind nicht mehr erstickt. Sie hallen im leeren Penthouse wider, raue Schluchzer, zusammenhanglose Flehen. Sie spricht. Sie sagt meinen Namen, Flüche, Gebete. Ihre Beine zittern, schließen sich um meinen Kopf, gefangen nehmen mich. Ich bin verloren in der Dunkelheit, im Geschmack, im Geruch von ihr. Die Vibration in mir erreicht ein Crescendo, verwandelt sich in ein dumpfes Grollen, das aus der Erde selbst zu kommen scheint.Sie explodiert. Gewaltsam, pl&ou
ElaraDie Worte, die ich gerade ausgesprochen habe, „Ich akzeptiere, deine Untergebene zu sein“, hängen in der Luft, schwer von unwiderruflichen Konsequenzen. Das Echo des Satzes „So sei es“ von Kael hallt noch in meinen Knochen nach. Der Pakt ist besiegelt. Es gibt keinen Ausweg mehr, nur einen la
ElaraDas goldene Licht des Nachmittags filtert durch die dicken Vorhänge und zeichnet warme Streifen auf das dunkle Parkett. Ich knie bereits auf dem Bett, die Hände auf meinen Oberschenkeln abgelegt, die Haut empfindlich unter der Berührung des kühlen Bettlakens. Die Luft ist schwer, geladen mit
ElaraDer kalte Boden weicht der Wärme und der Härte seiner Schulter. Mein Körper, eine weiche und verletzte Masse, wird wie ein Sack schmutziger Wäsche auf seine Schulter geworfen. Mein Kopf hängt in der Leere, das Blut strömt mit schmerzhaften Pulsationen dorthin. Ich schließe die Augen, unfähig
Elara Die Realität löst sich auf im Geschmack seines Körpers, im erstickenden Druck tief in meiner Kehle. Meine Tränen fließen lautlos und salzen meine Unterwerfung. Jeder Stoß seiner Hüften ist ein kalkuliertes Ersticken, eine Erinnerung an meinen Platz. Das Geräusch seiner Entzückung, die tiefen