LOGINJasons Sicht
Auf dem Bildschirm erschien der Name der einzigen Person auf der Welt, die mich selbst mit einunddreißig Jahren noch wie ein reumütiges Kind fühlen lassen konnte. Ich zögerte einen Moment und sah Brenda in der Umkleidekabine verschwinden. Dann wischte ich, um den Anruf anzunehmen. „Mutter.“ „Jason.“ Ihre Stimme war scharf und kurz angebunden, der Tonfall, den sie nur anschlug, wenn sie unzufrieden war. „Ich versuche dichBrendas SichtIch sah zu, wie die Elite Chicagos herbeieilte, um ihr zu gratulieren. Die Vanderbilts, die Rockefellers, die Astors – alle wollten sich in ihrem Glanz sonnen. Sie küssten ihre Wangen, hielten ihre Hände, sagten ihr, wie wundervoll sie sei, wie viel Glück Mikel habe, wie perfekt sie zusammen aussähen.Perfekt. Sie sahen perfekt aus.Und ich stand im Schatten, unsichtbar und vergessen.Ich beobachtete Jason auf der anderen Seite des Ballsaals, sein Gesicht blass, seine Augen auf Katherine gerichtet. Er sah aus wie ein Mann, der gerade mit ansehen musste, wie die Liebe seines Lebens einen anderen heiratete.Ich sah Katherine lachen, den Kopf zurückgeworfen, ihre Freude unbändig. Ich sah Mikel, wie er ihre Hand küsste, seine Augen unentwegt auf ihr Gesicht gerichtet. Ich sah die Enzograndes herankommen, ihre Glückwünsche und Bewunderung aussprechen.Alle liebten Katherine.Alle bewunderten Katherine.Und ich war nichts. Ich spürte, wie mir die Tränen in die Augen stiegen,
Brendas SichtIch sah zu, wie Eleanor die Aufmerksamkeit der Menge fesselte. Ihre Stimme trug mühelos durch den Ballsaal. Sie sprach von Vermächtnis, von Geschichte, von der Entscheidung, zurückzutreten und ihrem Sohn seinen rechtmäßigen Platz zu überlassen.Als sie den Namen „Mikel O’Connor“ rief, stockte mir der Atem.Mikel O’Connor. Der geheimnisvolle Erbe. Der Mann, der jahrelang vor der Öffentlichkeit verborgen geblieben war.Die Türen schwangen auf, und der Erbe trat ein.Und meine Welt zerbrach.Es war Mikel. Mikel Parker. Der stille Basketballstar aus der High School. Der Mann, der neben Katherine gewohnt hatte.Aber das war nicht, was mich schockierte.Was mich schockierte, war die Frau an seiner Seite.Katherine.Sie trug das Vera-Wang-Kleid. Das, das Jason mir gekauft hatte. Das, das von einem mysteriösen Käufer mit tiefen Taschen gestohlen worden war. Sie trug mein Kleid.Mir stockte der Atem, meine Hände ballten sich zu Fäusten. Der silberne Stoff schimmerte im Schein de
Jasons SichtDer Ballsaal des O'Connor-Anwesens war wahrlich eine Kathedrale des Reichtums und der Macht. Niemand musste mir erklären, warum sie zweifellos die reichste Familie der Vereinigten Staaten waren.Ich stand hinten im Saal und ließ meinen Blick über die Menge schweifen. Die Elite Chicagos mischte sich untereinander und tuschelte. Ihr Lachen klang hohl, ihre Lächeln aufgesetzt. Ich erkannte Gesichter, die ich mein ganzes Leben lang kannte: die Vanderbilts, die Rockefellers, die Astors. Sie alle waren hier, um dem O'Connor-Imperium ihre Ehre zu erweisen.Und alle beobachteten mich.Ich spürte die Schwere des Abends auf meinen Schultern. Matteo Enzogrande war irgendwo in der Menge und musterte mich, wog meinen Wert ab. Meine Mutter beobachtete das Geschehen von der Seite, ihre Erwartungen eine ständige, erdrückende Präsenz.Ich war noch in Gedanken versunken, als Eleanor O'Connor die Bühne betrat, und der Saal verstummte augenblicklich. Eleanor war in ihrem taubengrauen Kleid
Mikels SichtDie Garderobe war still, nur das leise Rascheln des Stoffes und das ferne Summen der Vorbereitungen aus dem Ballsaal unten waren zu hören. Ich stand vor dem Ganzkörperspiegel, mein Spiegelbild blickte mich mit einer Intensität an, die meiner eigenen entsprach.Der Smoking war makellos – schwarz, maßgeschneidert, jede Naht perfekt. Der Stoff war luxuriös, der Schnitt makellos, die Linienführung darauf ausgelegt, Macht und Selbstbewusstsein auszustrahlen.Dies ist die Nacht. Dies ist die Nacht, in der sich alles ändert.Ich spürte die Schwere des Abends wie eine physische Kraft auf mir lasten. Jahrelang war ich der unsichtbare Erbe gewesen, der Schatten hinter dem Namen O’Connor. Heute Nacht würde sich das ändern. Heute Nacht würde ich ins Licht treten und mein Geburtsrecht einfordern.Heute Nacht wurde ich der offizielle Erbe des O’Connor-Imperiums.Ich dachte an meine Großmutter – die Frau, die mich erzogen hatte, die mir beigebracht hatte, was es heißt, ein guter Mann zu
Jasons Sicht„Der Wohltätigkeitsball der O’Connors“, sagte Matteo. „Ich werde da sein. Alle werden da sein. Ich möchte sehen, wie du dich in diesem Saal bewegst. Ich möchte sehen, wie du mit den O’Connors umgehst, wie du dich präsentierst, wie du die Aufmerksamkeit der Chicagoer Elite auf dich ziehst.“Er hielt inne, seine Augen verengten sich. „Wenn du mich dort beeindrucken kannst, wenn du beweisen kannst, dass du die nötige Autorität hast, diese Partnerschaft zu führen, sprechen wir weiter.“Ich spürte einen Anflug von Triumph, doch ich behielt meine Fassung. „Du wirst nicht enttäuscht sein, Matteo. Das verspreche ich dir.“„Das hoffe ich auch.“ Er stand auf und reichte mir die Hand. „Ich freue mich darauf, dich auf dem Ball zu sehen, Jason. Enttäusch mich nicht.“Ich schüttelte ihm fest die Hand. „Das tue ich nie.“***Ich saß hinten in der Limousine, meine Gedanken rasten vor einem Gemisch aus Triumphgefühl und Entschlossenheit. Das Treffen war besser verlaufen, als ich erwartet
Jasons SichtHeute war es soweit.Ich stand auf, nur ein Gedanke im Kopf: das Treffen mit Matteo Enzogrande. Im Badezimmer betrachtete ich mein Spiegelbild: die grauen Augen, die als charmant und zugleich gefährlich beschrieben wurden, und das sorgfältig frisierte braune Haar. Zweifellos wirkte ich wie ein Mann, der alles im Griff hat. Wie jemand, der noch nie an sich gezweifelt hat.Aber ich kannte die Wahrheit. Unter der makellosen Fassade raste mein Herz.Ich kleidete mich akribisch. Ich wählte einen anthrazitfarbenen Armani-Anzug, den ich mir für genau solche Anlässe hatte maßschneidern lassen. Dazu trug ich ein strahlend weißes Hemd, eine silberne Krawatte und Manschettenknöpfe meines Vaters – eine dezente Erinnerung an das Erbe, das ich zu verteidigen suchte.Vor dem Spiegel übte ich mein Lächeln. Herzlich, aber nicht zu herzlich. Selbstbewusst, aber nicht arrogant. Das Lächeln eines Mannes, dem man vertrauen konnte, auf den man sich verlassen konnte, der seine Versprechen hiel







