LOGINRory schluckte schwer und war unsicher, wie sie dem alten Mann antworten sollte. Doch als die Erinnerung daran, von den drei Menschen verraten worden zu sein, denen sie am meisten vertraute, durch ihren Kopf blitzte, brannte das Feuer der Wut in ihrem Herzen wieder hell.
Sie sah dem alten Mann direkt in die Augen. „Ich werde das regeln. Du brauchst dir darüber keine Sorgen zu machen."
Ein Grinsen spielte auf den Lippen des alten Mannes, offensichtlich erfreut über die pure Entschlossenheit in Rorys Augen. Genau deshalb hatte er sie als seine Schwiegertochter ausgewählt. Sie war intelligent und vor allem zutiefst ihrer Familie ergeben. Sie war diejenige, die seinem Sohn beibringen konnte, Gefühle zu empfinden.
Mr. Dimitrios faltete seine Hände und schenkte Rory ein Lächeln. „Bist du bereit, den Vertrag zu unterschreiben?"
Rory verzog das Gesicht. „Ich habe den Umschlag verloren. Ich weiß nicht, wo ich ihn gelassen habe –"
„Diesen hier?", unterbrach Mr. Dimitrios und hielt genau denselben Umschlag hoch, den er ihr zuvor gegeben hatte.
Ihre Augen weiteten sich. „W-wie hast du den bekommen?"
„Du hast ihn im Auto liegen gelassen", antwortete der alte Mann mit einem gleichgültigen Schulterzucken.
Rory atmete erleichtert auf. Sie dachte, sie hätte ihn irgendwo verloren, besonders da ihr Gedächtnis so neblig war. Sie hatte sogar befürchtet, sie hätte ihn in ihrer Wohnung liegen gelassen – was ein riesiges Problem gewesen wäre.
„Es tut mir leid, ich wollte ihn nicht liegen lassen. Ich habe einfach zu viel im Kopf", entschuldigte sich Rory.
Der alte Mann winkte ab. „Mach dir keine Sorgen. Ich verstehe. Wie auch immer, wie ich fragte – bist du bereit, ihn zu unterschreiben? Oder soll ich dir mehr Zeit zum Nachdenken geben?"
„Ich werde ihn jetzt lesen", antwortete sie.
Rory ging zu ihm und nahm den Umschlag, der jetzt auf dem Tisch lag. Sie zog sofort die Papiere heraus und überflog sie, ihre Augenbrauen zogen sich verwirrt zusammen bei dem, was sie las.
„W-warte … du gibst mir deine Firma?", platzte Rory ungläubig heraus.
„Mein Sohn braucht meine Firma nicht. Er hat kein Interesse daran, sie zu erben, also übertrage ich all meine Vermögenswerte auf deinen Namen, Rory. Du musst nur meinen Sohn heiraten – nun, du musst ihn zuerst überzeugen. Sobald du ihn dazu bringst zuzustimmen, werdet ihr heiraten, und ich werde alles auf dich übertragen", sagte der alte Mann direkt, ohne auch nur zu blinzeln.
Mit zitternden Händen sah Rory zu ihm auf. „Ist dieser Deal nicht völlig ungünstig für dich? Ich meine, ehrlich gesagt, du bittest mich nur, deinen Sohn zu heiraten, und sonst steht nichts in diesem Vertrag. Während ich so viel gewinne, sobald ich mit ihm verheiratet bin. Das ist ein völlig einseitiger Vertrag, Sir."
„Es gibt noch eine Sache, um die ich dich bitten möchte. Aber die Frage ist: Bist du bereit für diesen Gefallen?"
Rory verstummte einen Moment. Was für einen Gefallen könnte dieser alte Mann wohl wollen, außer der Heirat?
Sie räusperte sich. „Du wirst doch nicht nach einem meiner Organe fragen, oder?"
Der alte Mann brach in Lachen aus, fast zu Tränen gerührt von ihrer Frage. Nachdem sein Lachen nachließ, sah er Rory warm an. „Warum um Himmels willen denkst du das? Ich bin ein wohlhabender Mann, Rory. Ich habe Verbindungen in jeden Winkel der Welt. Wenn ich einen Organspender bräuchte, könnte ich leicht einen bekommen. Und am wichtigsten, ich bin vollkommen gesund."
Rorys Gesicht wurde knallrot vor Verlegenheit. „Dann … was ist dieser Gefallen, von dem du sprichst?"
„Ich möchte, dass du mir ein Enkelkind schenkst. Bist du bereit für diesen Gefallen?", fragte der alte Mann, seine Stimme plötzlich ernst.
Rorys Kehle wurde trocken. Nach einem Enkelkind zu fragen war keine einfache Sache. Er bat sie, neun Monate lang ein Leben in ihrem Mutterleib zu tragen.
„Wenn ich dir ein Enkelkind gebe … wirst du mir das Baby dann wegnehmen? Wirst du mir meine Rechte als Mutter nehmen?", fragte sie, ihre Stimme kratzig, als wäre etwas in ihrem Hals steckengeblieben.
Die Stirn des alten Mannes runzelte sich. „Natürlich nicht, Dummerchen. Warum sollte ich dir deine Mutterschaft nehmen, wenn du mir ein Enkelkind schenkst? Ich bin nicht so herzlos, Rory. Ich bin nur ein alter Mann, der sehen möchte, wie sein Sohn eine eigene Familie gründet."
Ein momentaner Ausdruck von Traurigkeit überkam sein Gesicht, obwohl er schnell hinter einem warmen Lächeln verschwand.
„Deshalb habe ich es nicht in den Vertrag aufgenommen – ich wollte dich nicht zwingen. Ich habe dich vielleicht zur Heirat mit meinem Sohn gedrängt, aber ich werde dich nicht zwingen, ein Kind zu bekommen. Ein Kind ist eine völlig andere Geschichte. Ich gebe mich damit zufrieden, nur zu sehen, wie mein einziger Sohn heiratet", sagte er sanft.
Eine Welle des Mitgefühls überkam Rory. Sie dachte plötzlich an ihren verstorbenen Vater. Ihr Daddy war immer der stolzeste Mensch bei jeder ihrer schulischen Leistungen gewesen, und sie wusste, er wäre überglücklich gewesen, sie den Gang hinuntergehen und Mutter werden zu sehen – ein Meilenstein, den er nun nie miterleben würde.
Rory biss sich auf die Lippe und sah den alten Mann aufmerksam an. „Wenn dein Sohn damit einverstanden ist, ein Kind mit mir zu bekommen, dann bin ich damit einverstanden, Mr. Dimitrios –"
„Nenn mich ‚Dad', Rory. Du wirst meine Tochter sein, also solltest du mich Dad nennen", unterbrach der alte Mann schnell.
Rory stieß einen leisen Seufzer aus. „In Ordnung … Dad." Sie hielt inne und spürte einen leichten Stich in ihrem Herzen, als das Wort ihren Mund verließ. „Wie ich sagte, ich bin bereit, ein Kind mit deinem Sohn zu bekommen. Aber er muss dem auch zustimmen – und vor allem, du wirst mir niemals meine Mutterrechte nehmen, selbst wenn dein Sohn und ich uns in Zukunft trennen."
Die Augen des alten Mannes funkelten bei ihren Worten. „Natürlich, Liebes! Ich habe überhaupt kein Problem mit dieser Vereinbarung. Ich werde meinen Anwalt den Vertrag überarbeiten lassen und ihn dir morgen geben."
Rory nickte zustimmend. „In dem Fall … wann darf ich deinen Sohn treffen?"
„Ihr zwei habt euch letzte Nacht schon getroffen. Erinnerst du dich nicht?"
Rory verzog das Gesicht. „Ich erinnere mich an gar nichts."
Sie war letzte Nacht völlig betrunken gewesen. Deshalb war ihr Kopf voller wilder Vermutungen gewesen, als sie aufwachte – sie hatte keinerlei Erinnerung daran, was sie getan hatte.
„Mein Sohn ist derzeit sehr beschäftigt, Rory. Ich bin nicht sicher, wann er das nächste Mal frei hat", antwortete Mr. Dimitrios bedauernd.
„Hast du dann ein Foto von ihm?", hakte sie nach.
„Nein, habe ich nicht."
„Was? Ich dachte, er ist dein Sohn! Es ist doch unmöglich, dass du nicht einmal ein einziges Foto von ihm hast", fragte sie und unterdrückte ihre Verärgerung.
„Nun, mein Sohn mag keine Fotos."
„Was ist mit Social Media? Er muss doch Accounts haben. Wie heißt er noch mal –"
„Mein Sohn hat keine", antwortete der alte Mann kurz angebunden.
„Was?" Rory schrie fast. „Wer hat heutzutage keinen Social-Media-Account? Wir leben in einer modernen Welt. Sogar meine alten Patienten im Krankenhaus haben Social Media. Wie kann dein Sohn keinen einzigen haben?"
„Er hat einfach keinen."
Rory schüttelte den Kopf. Was für ein Mensch war dieser Kerl? Besonders in dieser Zeit, in der sich alles um Social Media dreht. Sogar sie hatte Accounts, obwohl sie sie wegen ihres vollen Arbeitsplans selten nutzte. Was für ein Mann war sie dabei zu heiraten? Ein Mönch?
Rory atmete tief durch und fragte: „Ist er hässlich? Ich meine das nicht böse, D-Dad. Ich will nur sicherstellen, dass dein Sohn tatsächlich ein Mensch ist und kein Alien oder eine Art Kobold."
Der alte Mann kicherte, offensichtlich amüsiert. „Du hast einen ziemlichen Sinn für Humor, Kind", sagte er mit einem warmen Lachen. „Mein Sohn ist nicht hässlich, das kann ich dir versichern. Er ist nur …" Er hielt einen Moment inne und verengte leicht die Augen. „Sagen wir einfach, mein Sohn ist ein wenig eigenartig. Aber er ist gutaussehend – das gebe ich dir mein Wort."
Nach der Rückkehr zur Villa ging Rory direkt in ihre Suite, um sich zu entspannen. Im Badezimmer drehte sie die Dusche auf und ließ das kühle Wasser die Erschöpfung abwaschen, die an ihrem Geist und Körper haftete. Der beruhigende Duft von Lavendelseife ersetzte schnell den schwachen Geruch von Rauch und Alkohol aus der Lounge.Danach schlüpfte sie in einen bequemen Pyjama. Zu müde, um sich mit einem Haartrockner zu beschäftigen, fuhr sie einfach mit den Fingern durch ihr feuchtes Haar und sank in das übergroße Bett.Gerade als sie die Augen schloss, summte ihr Handy auf dem Nachttisch. Sie warf einen Blick auf den Bildschirm und blinzelte überrascht – es war Rue, der per Video anrief.Sie runzelte die Brauen und tippte auf Antworten.Rues Gesicht erschien auf dem Bildschirm. Er lehnte gegen das Lederkopfteil seines Bettes, sein Pyjamahemd war am oberen Kragen aufgeknöpft, und er hielt eine brennende Zigarette zwischen den Fingern. Er stieß langsam eine dünne Rauchfahne aus, während e
Stille hing schwer im Auto, während sie die ruhige Straße entlangfuhren, die zurück zur Villa führte. Rory lehnte ihren Kopf gegen den Sitz und starrte aus dem Fenster auf die verschwommenen Straßenlaternen, die vorbeirauschten. Neben ihr hielt Rue das Lenkrad fest und ernst umklammert, seine Augen starr auf die Fahrbahn gerichtet, in völliger Stille.Ihre Tasche vibrierte plötzlich, als ihr Handy mit einem eingehenden Anruf klingelte.Rory fischte es heraus und warf einen Blick auf den leuchtenden Bildschirm. Ihre Brauen zogen sich sofort zusammen, als sie den Namen ihrer Mutter sah – Amanda. Mit einem leisen, müden Seufzer legte sie das Handy mit dem Bildschirm nach unten auf ihren Schoß und ließ es klingeln.Als Rue ihre Zögerung bemerkte, warf er ihr einen kurzen Blick zu, als das Auto an einer roten Ampel zum Stehen kam.„Wer ist das? Warum gehst du nicht ran?", fragte Rue direkt.„Meine Mutter", murmelte Rory trocken und hielt ihre Augen geradeaus gerichtet. „Sie hat sowieso nie
Als die Nacht tiefer wurde, wurde auch das Gespräch zwischen Rory und Rues Kreis intensiver. Ace war unerbittlich und sprudelte urkomische Geschichten aus ihren College-Zeiten heraus, die Rory vor Lachen fast umbrachten, während sie zuhörte.„Im Ernst, Rory!", neckte Ace und gestikulierte wild in Rues Richtung. „Damals dachten alle, der Typ sei völlig frei von menschlichen Emotionen. Und jetzt sehe ich ihn hier mit dir? Es ist, als würde man ein regelrechtes übernatürliches Ereignis miterleben!"Rory warf einen Blick zu Rue, der still seinen Whisky nippte und sich gegen die weiche Couch lehnte. Trotz seines stoischen Ausdrucks bemerkte Rory, dass ihn das unablässige Necken seiner Freunde nicht im Geringsten zu stören schien.„Er hat wirklich keine Emotionen", mischte Rory sich mit einem spielerischen Grinsen ein und drehte sich zu ihm. „Ehrlich, manchmal frage ich mich, ob er überhaupt ein Mensch ist oder nur ein Roboter, der ausschließlich für Investitionen und Aktienmärkte programmi
Um sieben Uhr abends war Rory vollständig in ihrer Suite in der Dimitrios-Villa vorbereitet, bereit für ihren Abend mit Rue. Sie stand vor dem bodenlangen Spiegel und bewunderte die zurückhaltende Eleganz ihres schwarzen Kleides – eine klassische, maßgeschneiderte Silhouette, die sich geschmackvoll an ihre Kurven schmiegte, ohne zu viel preiszugeben. Es traf die perfekte Balance zwischen Raffinesse und Anziehungskraft, ein Look, den Rue kaum bemängeln konnte, obwohl seine Meinung ihr sowieso wenig bedeutete. Während sie einen Hauch Parfüm auf ihren Hals tupfte, zog ein sanftes Lächeln an ihren Lippen, als sie sich an ihr Telefongespräch am Nachmittag erinnerte.„Zieh dich heute Abend angemessen an. Ich will nicht, dass irgendjemand anderes dich so angezogen sieht außer mir."„So ein arroganter Idiot", murmelte Rory vor sich hin, schüttelte den Kopf und schloss die Augen mit einem leisen Lachen.Sie wusste, dass er sie nur neckte, doch sie musste zugeben, dass es funktionierte – es hin
Am folgenden Tag erwachte Rory bemerkenswert leicht. Dank ihres medizinischen Hintergrunds – wo unaufhörliches Lernen zur zweiten Natur geworden war – fiel es ihr leicht, selbst die komplexesten Daten und komplizierten Details des neuen Megamall-Projekts auswendig zu lernen und zu entschlüsseln. Überzeugt, dass jedes notwendige Informationsstück bereits fest in ihrem Kopf verankert war, hatte sie nichts mehr vorzubereiten. Sie verbrachte den Morgen damit, in der weitläufigen Dimitrios-Villa herumzulungern.Mr. Dimitrios war am frühen Morgen aus dem Krankenhaus entlassen worden und ruhte sich derzeit in seiner Suite im zweiten Stock aus. Da Rory sah, dass der alte Mann stabil und komfortabel war, beschloss sie, die Zeit am Poolbereich zu verbringen.Sie schwamm ein paar leichte Runden im Pool hin und her und lauschte dem sanften Rascheln der Brise.Einen Moment später näherte sich ein Hausmädchen mit einem Tablett. Sie stellte ein Glas frischen Orangensaft und einen Teller mit aufgesch
„Warte eine Sekunde, Rivaz", hakte Rory nach, während sie sein großes Büro betraten. „Warum hast du mich wirklich hierher gebracht?"Rue blieb direkt vor seinem Executive-Schreibtisch stehen, legte sein Jackett über die Rückseite seines Drehstuhls und warf ihr einen eisigen Blick zu.„Ich brauche dich nur, um etwas zu vertreiben", antwortete Rue schlicht, bevor er formell Platz nahm und seinen Laptop aufklappte.Rorys Brauen zogen sich zusammen, völlig überrumpelt. „Vertreiben? Was vertreiben?"Sie erhielt keine Antwort von dem Mann. Sie zuckte mit den Schultern und schlenderte direkt zu dem luxuriösen Sofa in der Mitte des Büros. Ohne zu zögern, lehnte sie sich zurück und ließ sich leicht nieder – als gehöre ihr das gesamte Unternehmen. Sie legte sogar ihre Beine hoch und passte ihre Position an, um es sich richtig bequem zu machen.Währenddessen machte Rue sich still an die Arbeit, seine Finger flogen über die Tastatur, während er Befehle in seinen Laptop eingab und Dokumente auf de







