LOGINDie Einladung kam, während Alondras Haare noch nass waren.„Don Salvatore erwartet Sie zum Frühstück“, sagte Rosa von der Tür aus. Sie sah Alondra dabei nicht ins Gesicht. „Im Terrassenzimmer.“Alondra blickte auf ihre verbundenen Füße hinunter. Während des gesamten Bades hatte sie ein einziges Wort immer wieder in Gedanken gewälzt: Wasser. Doch sie war zu keinem Ergebnis gekommen. Sie war zu müde, um sich mit einem Haus anzulegen, in dem sich alles nach dem Zeitplan anderer Leute richtete.Ihre beiden Wachen folgten ihr die Marmortreppe hinunter, eine hinter ihr und eine seitlich von ihr. Nah genug, um sie aufzufangen, weit genug entfernt, um so zu tun, als wären sie gar nicht da. Vor den Türen des Terrassenzimmers blieben sie stehen, ohne dass jemand es ihnen sagen musste. Alondra ging allein hinein.Der Raum öffnete sich zu einem steinernen Balkon hin, von dem aus man eine Aussicht hatte, die sie für einen halben Atemzug innehalten ließ. Das Meer lag glatt und blau bis zu einer sch
Dante hatte nicht geschlafen.Er war am Dock geblieben, bis alles erledigt war, und hatte auf der Rückfahrt beobachtet, wie sich der Himmel von Schwarz zu bleigrau verfärbte. Um sechs lag er in seiner Kleidung auf der Bettdecke und starrte an eine Decke, die ihm keine Antworten gab. Um halb sieben gab er auf und ging nach unten.Der Sicherheitsraum befand sich im Keller des Ostflügels, ein fensterloser Raum voller surrender Monitore und kaltem Kaffee. Der diensthabende Mitarbeiter blickte auf, sah Dantes Gesicht und fand einen Grund, die Außenanlagen zu überprüfen. Dante nahm vor der Reihe von Bildschirmen Platz. Auf dem dritten war ein körniges, graues Bild eines Korridors zu sehen: zwei Wachen vor einer geschlossenen Tür, die vollkommen reglos dastanden. Matteos Tür. Zwei weitere standen auf dem Treppenabsatz darunter, nachdem das Foto am Dock aufgetaucht war. Nichts bewegte sich. Dante hatte auch nichts anderes erwartet. Das Haus schlief noch, und er hatte eine Stunde, die er kein
Alondra erwachte im Sonnenlicht, das auf eine fremde Decke fiel.Heller Stein, ein meerblauer Lichtschein, der darüberglitt, und für einen einzigen gnädigen Moment erinnerte sie sich an überhaupt nichts. Dann pochten ihre Füße in den Verbänden, und die Nacht kehrte in der richtigen Reihenfolge zurück: der Hafen, das Wasser, seine Hände, die ihre Knöchel verbunden hatten, als wäre sie aus Glas.Sie drehte den Kopf.Matteo saß auf dem Stuhl am Fenster.Er war nicht ins Bett gegangen. Er trug noch immer das ruinierte Hemd vom Vorabend, die Ärmel bis zu den Ellbogen hochgeschoben, den Kragen offen, an einer Manschette ein eingetrockneter brauner Fleck. Sein Kopf war gegen die Seitenlehne des Sessels gesunken, und eine Hand hing locker über der Armlehne. Im Schlaf waren die harten Linien seines Gesichts beinahe jugendlich geworden. Er sah aus wie ein Mann, der sich hingesetzt hatte, um Wache zu halten, und den Kampf gegen den eigenen Körper verloren hatte.Er hatte die Tür unverschlossen g
Alondra erwachte, als die Reifen über Kies knirschten und sie den Geruch seiner Jacke wahrnahm: Zedernholz, Rauch und etwas Wärmeres darunter.Einen Moment lang wusste sie nicht, wo sie war. Dann spürte sie den Arm unter ihren Knien, die ruhige Hand an ihrem Rücken, und erinnerte sich schlagartig an alles: den Hafen, die beiden Männer auf den Knien, das Wasser, ihren eigenen abgehackten Atem. Lucio fuhr mit den Augen fest auf die Straße gerichtet, und zweimal sah sie, wie sein Blick zum Rückspiegel huschte. Matteos Kiefer war so fest angespannt wie eine Faust.Sie bewegte sich nicht. Sie war sich nicht sicher, ob sie es überhaupt gekonnt hätte.Der Wagen hielt an. Noch bevor der Motor verstummte, hatte Matteo bereits die Tür geöffnet. Seine andere Hand lag an seinem Hosenbund, während sein Blick die schwarze Linie der Bäume absuchte. Erst als Lucio kurz nickte, hob Matteo sie wieder hoch und stieg aus.Ohne ein Wort zu sagen, trug er sie durch die Eingangstüren und die Treppe hinauf.
Dante sah den Rücklichtern von Matteos Wagen nach, bis sie auf der Küstenstraße verschwanden. Erst dann erlaubte er sich, richtig auszuatmen.Bring es zu Ende. Kümmere dich um sie. Zwei Befehle, und keiner davon sprach das aus, worüber Dante bereits nachgrübelte. Matteo hatte es nicht aussprechen müssen. Jemand hatte gewusst, dass die Ostpiers nur schwach bewacht sein würden, während die ganze Familie in einem Ballsaal stand. Jemand hatte sich ausgerechnet diese Nacht ausgesucht. Die Lieferung, die Gala, das Mädchen – alles auf einmal. Und Matteo glaubte nicht an Glück.Dante ebenso wenig. Es reichte nicht, herauszufinden, wer die beiden Männer und den Lieferwagen geschickt hatte. Er musste wissen, warum ausgerechnet jetzt.Er war müde, und zwar auf eine Weise, die sich nicht durch Schlaf beheben ließ. Drei Jahre lang hatte er einer Wahrheit nachgejagt, die sich jedes Mal auflöste, sobald er glaubte, sie in den Händen zu halten. Ein Informant, dem man in einem leeren Haus die Kehle au
Der Motor tickte, während er abkühlte, und Alondra saß allein auf dem Rücksitz, Matteos Jacke fest um ihre Schultern gezogen, und beobachtete durch die Windschutzscheibe den Hafen.Dante hatte sie hergefahren. Er hatte geparkt, die Scheinwerfer ausgeschaltet und war mit Matteo in Richtung der Flutlichter gegangen, ohne sich auch nur einmal nach ihr umzudrehen, als wäre es das Natürlichste auf der Welt, sie mitten im Nirgendwo in einem verschlossenen Wagen zurückzulassen. Vielleicht war es das für ihn auch.Eigentlich hätte sie sich sicherer fühlen müssen, mit verriegelten Türen und seinen Männern, die sich über den Parkplatz verteilt hatten wie eine Mauer zwischen ihr und allem, was in der Dunkelheit lauerte. Stattdessen drückte die Stille immer schwerer auf sie, schwerer als der Lärm im Ballsaal es je getan hatte, und sie merkte, dass sie es darin nicht länger aushielt.In der Ferne erkannte sie die Umrisse zweier Männer, die auf dem Beton knieten und vom grellen, weißen Licht angest







