Home / Romantik / Seine Wärme / Kapitel 146 : Die Weigerung 2

Share

Kapitel 146 : Die Weigerung 2

Author: Déesse
last update publish date: 2026-09-29 08:49:26

Ich setze mich im Bett auf. Das Zimmer ist bei Tageslicht immens, mit einem unpersönlichen Luxus eingerichtet, der nach Geld und Abwesenheit von Leben riecht, nach Geld und Einsamkeit, nach Geld und Verzweiflung. Abstrakte Gemälde an den Wänden, Leinwände, wahrscheinlich unbezahlbar, die nichts darstellen, geometrische Formen, die keine Geschichte erzählen. Designmöbel mit klaren Linien, schön und kalt wie Eisskulpturen. Ein Teppich so dick, dass meine Schritte darin versinken wie im Sand. Al

Continue to read this book for free
Scan code to download App
Locked Chapter

Latest chapter

  • Seine Wärme    Kapitel 148 : Die Weigerung 4

    Im verlassenen Korridor lehne ich mich an die mit beigem Stoff bespannte Wand und schließe die Augen. Mein Herz schlägt wild gegen meine Rippen. Meine Beine drohen unter mir nachzugeben. Was habe ich gerade getan, verdammt? Ich habe einhundertzwanzigtausend Euro abgelehnt. Ich habe einen zerbrochenen Milliardär herausgefordert, der mich mit einem Fingerschnippen verschwinden lassen könnte. Ich habe das Leben meiner Mutter auf eine Intuition gewettet, auf einen Riss in einem Blick, auf einen Vornamen, in einem Hauch dargeboten. Ich bin völlig verrückt, erzverrückt, ein Fall für die Anstalt. Aber zum ersten Mal seit Monaten, seit Mama ins Krankenhaus eingeliefert wurde, seit sich die Rechnungen auf dem Küchentisch stapelten, seit ich diesen Termin mit der Agentur annahm, fühle ich mich lebendig. Völlig, intensiv, schmerzhaft lebendig. Raphaël Delacroix Ich hätte ihm meinen Vornamen nicht geben dürfen. Ich hätte ihn nicht

  • Seine Wärme    Kapitel 147 : Die Weigerung 3

    Die Stille, die folgt, ist ohrenbetäubend, schwindelerregend, als hätte die Welt aufgehört sich zu drehen. Er starrt mich an mit brennender Intensität, und ich halte seinem Blick stand, ohne zu blinzeln, ohne die Augen zu senken, ohne mich zu entziehen. Wir sind einen Meter voneinander entfernt, getrennt durch einen Abgrund ungesagter Dinge und gebrochener Regeln, und keiner von uns bewegt sich. – Gehen Sie, sagt er schließlich, und seine Stimme ist rau, krächzend. Nehmen Sie das Geld und gehen Sie. Vergessen Sie diese Nacht. Vergessen Sie mich. – Nein. – Ich befehle es Ihnen. – Sie sind nicht mein Chef. Sie sind nicht mein Herr. Sie sind ein Mann, der Angst hat, und ich bin zu dumm, um Angst vor Ihnen zu haben. Er öffnet den Mund, um zu erwidern, aber ich lasse ihm keine Zeit. Ich hole tief Luft und lasse heraus, was ich auf dem Herzen h

  • Seine Wärme    Kapitel 146 : Die Weigerung 2

    Ich setze mich im Bett auf. Das Zimmer ist bei Tageslicht immens, mit einem unpersönlichen Luxus eingerichtet, der nach Geld und Abwesenheit von Leben riecht, nach Geld und Einsamkeit, nach Geld und Verzweiflung. Abstrakte Gemälde an den Wänden, Leinwände, wahrscheinlich unbezahlbar, die nichts darstellen, geometrische Formen, die keine Geschichte erzählen. Designmöbel mit klaren Linien, schön und kalt wie Eisskulpturen. Ein Teppich so dick, dass meine Schritte darin versinken wie im Sand. Alles ist schön, alles ist teuer, alles ist leer. Alles ist wie das Ebenbild des Mannes, der diese Suite bewohnt. Und dann sehe ich sie. Den Umschlag. Er liegt auf der Konsole neben der Tür. Genau wie er es gesagt hatte. Genau wie es das Protokoll verlangt. Ein weißer, dicker Umschlag, ohne Beschriftung, ohne ein Wort, ohne ein Zeichen. Ich weiß, was er enthält. Ich weiß, wie viel er enthält. Einhundertzwanzigtausend Euro. Der Preis einer Nacht. Der Preis eines Lebens

  • Seine Wärme    Kapitel 145 : Die Weigerung

    Wir bleiben reglos, ineinander verschlungen, keuchend wie Schiffbrüchige, die gerade dem Ertrinken entkommen sind. Mein Kopf ruht in der Mulde seines Halses, meine Nase vergraben in seinem Geruch, einer Mischung aus einfacher Seife, Ölfarbe und frischem Schweiß. Sein Herz schlägt gegen meine Schläfe, im selben Rhythmus wie meines. Seine Finger sind noch in meinem Haar, streicheln sanft meinen Nacken, beruhigen den Sturm, der uns gerade durchquert hat. Die Stille, die folgt, ist nicht leer. Sie ist voll, schwer, gesättigt. Voll von allem, was wir nicht gesagt haben. Voll von allem, was wir nicht hätten fühlen dürfen. Voll von diesem verbotenen Ding, das gerade zwischen uns in diesem zu großen Zimmer geboren wurde und das ich nicht zu benennen weiß, oder vielmehr, das ich mich weigere zu benennen, weil Benennen hieße, ihm Leben zu geben. Schließlich ziehe ich mich zurück, ungeschickt, den Körper noch zitternd. Ich stehe wortlos auf, wie immer,

  • Seine Wärme    Kapitel 144 : Die Maske

    Ich beuge mich zu ihm, angezogen von einer unwiderstehlichen Kraft. Unsere Atemzüge vermischen sich im engen Raum, der unsere Gesichter trennt. Mein Mund ist wenige Zentimeter von seinem entfernt, so nah, dass ich die Wärme seiner Lippen spüre, dass ich ihren süßen Geschmack erahne. Aber ich küsse ihn nicht. Das ist die Regel. Die wichtigste Regel, die heilige Regel, die einzige, die mich noch schützt. Nie ein Kuss. Der Kuss ist die Intimität. Der Kuss ist die Tür, die ich nicht mehr überschreiten kann, ohne zusammenzubrechen. Also wende ich den Kopf im letzten Moment ab, feige, und lege meine Lippen auf seinen Hals, auf diese zarte Haut direkt unter dem Ohr. Er stöhnt. Ein reiner, aufrichtiger, primaler Laut, der gegen meinen Mund vibriert und sich in meinem ganzen Körper fortsetzt. Ich sauge an seiner Haut, knabbere sanft daran, spüre den Puls, der unter meiner Zunge schlägt. Meine Hand setzt ihr Werk an seinem Geschlecht fort, wechselt zwisch

  • Seine Wärme    Kapitel 143 : Die Maske

    Ich knöpfe mein Hemd mit ruckartigeren Bewegungen auf, als ich möchte. Seine Augen folgen der Bewegung meiner Finger, verschlingen sie, verbrennen sie. Ich spüre seinen Blick auf meiner Haut wie eine leichte Verbrennung, wie eine Glutspur. Er senkt nicht die Lider, er wendet nicht den Kopf ab aus gespielter Scham. Er schaut, intensiv, gierig, jeden Zentimeter Haut, den ich enthülle, und sein Blick ist beredter als eine Liebkosung. Mein Oberkörper ist breiter als seiner, massiver, schwerer, von Jahren des Sports und der militärischen Disziplin gezeichnet. Eine alte Narbe durchzieht meine Rippen, Erinnerung an einen Sturz vom Pferd mit zwanzig, und seine Augen verweilen darauf mit unverhohlener Neugier. Er stellt keine Frage. Es ist die einzige Regel, die er noch respektiert, und ich bin ihm fast dankbar dafür. Ich beende das Auskleiden, werfe meine Kleider mit einer Ungeduld auf einen Sessel, die mir nicht ähnlich sieht. Wir stehen uns jetzt

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status