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Kapitel 55 : Die Konfrontation

Author: Déesse
last update publish date: 2026-08-15 08:12:50

Seine Stimme bricht, kaum merklich. Ein winziger Riss in der Maske der Kontrolle, der Beherrschung, der Macht. Seine Augen werden feucht, seine Lippen zittern, seine Hände verkrampfen sich. Er leidet. Er leidet so sehr wie ich, vielleicht mehr. Weil der Verrat durch einen geliebten Menschen nicht heilt. Er wird nicht vergessen. Er wird nicht vergeben.

— Es tut mir leid, sage ich mit erstickter Stimme, Tränen in den Augen, das Herz in Scherben. Es tut mir so leid, Édouard. Wenn i
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    Er zieht sich sanft zurück, dreht mich um und nimmt mich in die Arme. Unsere Körper sind feucht, aneinandergeklebt, brennend. Unsere Herzen schlagen im Gleichklang, schnell, schmerzhaft, beruhigt. Unsere Beine verschlingen sich, unsere Arme verschlingen sich, unsere Münder suchen sich, finden sich, küssen sich. — Vergib mir, murmelt er gegen meine Lippen. Vergib mir, dass ich gewalttätig war, grausam, ungerecht. Vergib mir, dass ich deinen Körper benutzt habe, um meine Wut auszudrücken, meine Angst, meinen Schmerz. — Es gibt nichts zu vergeben, Édouard. Ich brauchte das. Ich brauchte es, für dich zu leiden, für meine Verbrechen zu bezahlen, mich lebendig zu fühlen. Ich brauchte es, dich in mir zu spüren, stark, mächtig, präsent. Ich brauchte dich, einfach. Dich, nur dich, immer dich. — Ich liebe dich, Théo. Ich liebe dich mehr als alles, mehr als mein Leben, mehr als meinen Tod. Ich liebe dich für immer, was auch immer passiert, was

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    Théo --- Am siebenundzwanzigsten Abend explodiert alles. Wir sind in seinem Büro, wie immer. Die Kamera ist in meiner Jacke, wie immer. Die Aufnahme läuft in meiner Tasche, wie immer. Aber an diesem Abend ist nichts wie sonst. An diesem Abend ist die Spannung auf dem Höhepunkt, die Luft ist voller Elektrizität, Angst, Verlangen. Wir haben den ganzen Tag gearbeitet, die letzten Dokumente vorbereitet, die letzten Details ausgefeilt. Vasseur wird morgen fallen. Oder übermorgen. Oder nächste Woche. Aber er wird fallen. Und wir werden frei sein. Oder tot. — Es ist vorbei, sagt Édouard und legt seine Feder hin, schiebt seinen Stuhl zurück und steht auf. Wir haben alles vorbereitet. Die Beweise, die Zeugen, die Anwälte. Morgen reiche ich offizielle Anzeige gegen Vasseur ein. Wegen Korruption, Erpressung, Machtmissbrauch. In einer Woche ist er suspendiert. In einem Monat steht er vor Gericht. In einem Jahr ist er im

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    Théo --- Am sechsundzwanzigsten Tag setzen wir unseren Gegenangriff um. Sein Büro liegt in warmes Halbdunkel getaucht, nur erhellt von der Lampe auf seinem Schreibtisch und den Flammen im Kamin. Die Schatten tanzen an den Wänden, auf den Büchern, auf unseren Gesichtern. Draußen ist die Nacht ruhig, still, fast friedlich. Drinnen ist die Luft voller Spannung, Angst, Hoffnung. — Also, hier ist der Plan, sagt Édouard und entfaltet ein großes Blatt Papier auf seinem Schreibtisch, holt Stifte heraus, Marker, Notizen. Er hat das vorbereitet wie ein General vor der Schlacht, wie ein Stratege vor dem Krieg, wie ein Liebender vor dem Tod. Er hat sich in den letzten Tagen verändert. Das Misstrauen ist aus seinem Blick verschwunden, ersetzt durch eine kalte, fast wilde Entschlossenheit. Er sieht mich nicht mehr als Verräter an, sondern als Verbündeten, als Komplizen, als Waffengefährten. Er hat mir verge

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    Seine Stimme bricht, kaum merklich. Ein winziger Riss in der Maske der Kontrolle, der Beherrschung, der Macht. Seine Augen werden feucht, seine Lippen zittern, seine Hände verkrampfen sich. Er leidet. Er leidet so sehr wie ich, vielleicht mehr. Weil der Verrat durch einen geliebten Menschen nicht heilt. Er wird nicht vergessen. Er wird nicht vergeben.— Es tut mir leid, sage ich mit erstickter Stimme, Tränen in den Augen, das Herz in Scherben. Es tut mir so leid, Édouard. Wenn ich zurückgehen könnte, wenn ich die Dinge ändern könnte, wenn ich alles auslöschen könnte, was ich getan habe, ich würde es tun. Ich schwöre es beim Kopf meiner Mutter, beim Leben meiner Schwester, bei der Seele meines Vaters. Ich schwöre es bei unserer Liebe, unserer Liebe, die ich getötet, verraten, zerstört habe.— Liebe lässt sich nicht töten, Théo. Liebe lässt sich nicht verraten. Liebe lässt sich nicht zerstören. Liebe beschmutzt man, man beschädigt sie, man verletzt sie. Aber sie

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