LOGINIst es nicht seltsam, wie die Liebe manchmal funktioniert? Ich habe Dreston schon immer geliebt, und für mich war er immer der Eine – meine erste Liebe. Schon als Kind liebte ich ihn, und auch als Teenager änderte sich daran nichts. Und selbst jetzt, als seine Ehefrau, konnte ich ihn nicht weniger lieben. Doch er liebte immer nur Tina – meine beste Freundin aus Teenagerzeiten. Sie trat in unser Leben und nahm ihn mir nicht nur weg. Sie nahm mir mein Glück, mein Lachen und sogar das Mädchen, das ich einmal gewesen war. Ich erinnere mich noch immer an ihre Worte: „Du wusstest, dass er mir gehörte, und trotzdem hast du ihn geheiratet.“ Sie ließ mich glauben, ich wäre die Böse in dieser Geschichte. Vielleicht war ich wirklich töricht, weil ich dachte, meine Liebe allein würde ihn zu mir zurückbringen. Doch nichts änderte sich. Er würde immer sie lieben. An dem Tag, an dem ich die Scheidungspapiere unterschrieb, gab ich schließlich auf. Ich lernte loszulassen, weiterzumachen und neu anzufangen. Und gerade als ich endlich beschlossen hatte, mein Leben wieder in die Hand zu nehmen – gerade als das Universum mich mit einem Mann belohnte, der mich bedingungslos liebte … kam Dreston zu mir zurück. Jetzt will er eine zweite Chance.
View MoreCassienne verließ Dr. Zachs Praxis und hielt den kleinen Rezeptzettel in der Hand. Sie fühlte sich müde und ein wenig schwindelig, und alles, was sie wollte, war, nach Hause zu gehen und ins Bett zu kriechen. Sie ging auf den Aufzug zu, doch gerade als sie einsteigen wollte, drang eine vertraute Stimme durch den Flur.
Diese Stimme. Sie würde sie niemals mit einer anderen verwechseln. Es war ihr Ehemann. Dreston Tremont. Sie blickte über ihre Schulter und sah Drestons große, aufrechte Gestalt zwischen den Menschen im Korridor hervorstechen. Sein Arm lag um eine schlanke Frau an seiner Seite. Während sie gingen, sah die Frau zu ihm auf und enthüllte dabei ihr Gesicht. Es war Tina Arcley – seine Exfreundin. „Hast du diesen Mann gesehen? Er ist so attraktiv. Allein bei seinem Anblick wird mir ganz heiß.“ „Denk nicht einmal daran. Er ist mit seiner Frau hier.“ Zwei Krankenschwestern in der Nähe flüsterten über sie. Währenddessen lächelten Dreston und Tina einander an und wirkten mühelos wie das perfekte Paar. Cassienne konnte sich nicht daran erinnern, dass er sie jemals so angelächelt hatte – nicht mit diesem sanften, liebevollen Blick, den er Tina schenkte. Und sie waren nicht allein. Noch jemand stand bei ihnen – ein Arzt. „Denken Sie daran, sich ausreichend auszuruhen“, sagte der Arzt freundlich. „Da Sie sich noch in einem frühen Stadium Ihrer Schwangerschaft befinden, sollten Sie keine anstrengenden Tätigkeiten ausüben. Ich hoffe, Sie verstehen das?“ Schwanger? Cassienne stockte der Atem. Ihre Hand schnellte zu ihrem Mund. „Die Stimmung Ihrer Frau wird durch die Schwangerschaftshormone beeinflusst werden“, fuhr der Arzt fort. „Als Vater des Kindes sollten Sie häufiger mit ihr hinaus in die Natur gehen. Das wird ihr helfen, gute Laune zu bewahren.“ Cassienne kämpfte darum, den Laut zu unterdrücken, der in ihrer Kehle aufstieg. Der Schock durchfuhr sie und ließ ihre Sicht verschwimmen. „Ich werde mich darum kümmern, Doktor“, erwiderte Dreston mit beschützender Stimme. „Ich werde dafür sorgen, dass sie all die Ruhe bekommt, die sie braucht.“ Durch ihren verschwommenen Blick sah Cassienne, wie sie sich in ihre Richtung drehten. Panik durchströmte sie, und sie schlüpfte schnell hinter eine nahe gelegene Säule. Sie presste ihren Rücken gegen den kühlen Stein. Ihr Herz schlug so laut, dass sie fürchtete, sie könnten es hören. Sie spähte gerade weit genug hervor, um zu sehen, wie Drestons Hand auf Tinas unterem Rücken ruhte und sie mit einer Zärtlichkeit führte, die er Cassienne niemals gezeigt hatte. Er führte Tina zum Aufzug, wobei er seinen Körper so hielt, als wolle er sie beschützen – als wäre sie das Wertvollste auf der ganzen Welt. Cassienne presste sich noch enger gegen die Säule und tat alles, um unsichtbar zu werden. Sie kamen näher – nah genug, dass sie ihre Atemzüge hören konnte. Nah genug, dass sie die Zärtlichkeit in seinen Augen sah, wenn er Tina ansah. Sie versuchte, ihren Atem zu beruhigen. Sie versuchte, ruhig zu bleiben. Sie versuchte, das zu tun, worin sie in den vergangenen fünf Jahren gezwungenermaßen zur Meisterin geworden war – den Schmerz hinunterzuschlucken und so zu tun, als könnte sie ihn ertragen. Das war der Preis für ihre eigene törichte Entscheidung, für den Fehler, den sie vor fünf Jahren begangen hatte, als Drestons Eltern verzweifelt auf sie zugekommen waren. Sie brauchten ihn verheiratet – um das Ansehen der Familie zu wahren. Tina kam nicht infrage. Seine Eltern hatten sie nie akzeptiert. Also wandten sie sich an Cassienne – das Mädchen, das ihn seit seiner Kindheit liebte, das törichte Mädchen, das ihn still und heimlich liebte, selbst als sie nur Freunde waren. Ohne zu zögern hatte sie den Vertrag unterschrieben und zugestimmt, fünf Jahre lang vorzugeben, seine Frau zu sein. In ihrem naiven Herzen hatte sie geglaubt, dass das Zusammenleben mit ihm, das Teilen seiner Tage und Nächte, etwas in ihm wecken könnte. Dass er vielleicht lernen würde, sie so zu lieben, wie sie ihn liebte. Früher waren sie sich einmal nahe gewesen, in ihren unschuldigen Kindertagen. Er hatte sie gemocht – wirklich gemocht –, bevor das Leben sie voneinander getrennt hatte. In der Highschool hatten sie sich wiedergetroffen, und für einen kurzen Moment hatte es sich wie Schicksal angefühlt. Er erinnerte sich damals nicht mehr vollständig an sie, aber sie erinnerte sich an ihn. Sie hätte ihn niemals mit jemand anderem verwechseln können. Und trotzdem war zwischen ihnen noch alles gut gewesen … bis Tina aufgetaucht war. Tina war ihre Freundin gewesen. Cassienne hatte sie Dreston vorgestellt, doch das hatte sich als ihr größter Fehler erwiesen. Sobald Tina in Drestons Leben getreten war, hatte sich alles verändert. Die Jungen, die Cassienne bewundert hatten, wandten sich von ihr ab. Seine Freunde, die sie einst gemocht hatten, vergaßen sie. Die Aufmerksamkeit aller richtete sich auf Tina. Tina wählte keinen dieser Jungen. Sie wählte Dreston – Cassiennes heimliche erste Liebe. Tina war wunderschön, und Cassienne stand ihr darin in nichts nach, aber Tina besaß einen Charme, der überall Aufmerksamkeit auf sich zog. Und genau wie all die anderen Jungen verfiel auch Dreston ihrem Charme. Für Cassienne war er der einzige Junge gewesen. Nun war er der einzige Mann für sie. Und selbst nach fünf Jahren, in denen sie nur dem Namen nach als seine Frau mit ihm zusammenlebte, hatten sich ihre Gefühle nie verändert. Seine Gefühle für Tina ebenfalls nicht. Er liebte sie noch immer. Und jetzt … war Tina mit seinem Kind schwanger. Cassiennes Hände zitterten, während Tränen hinter ihren Augen brannten. Ein Schluchzen stieg scharf und schwer in ihrer Brust auf, doch sie zwang es hinunter. Sie hatte gelernt, den Schmerz so tief zu verschlucken, dass er keinen Laut mehr von sich gab. Tinas Stimme hallte in ihrem Kopf wider – die grausame Erinnerung, die sie ihr immer wieder entgegengeworfen hatte. „Du hast ihn geheiratet, obwohl du wusstest, dass er mir gehört.“ Und Tina hatte recht. Cassienne hatte es gewusst. Trotzdem hatte sie Ja gesagt, denn zuerst war er ihrer gewesen – bevor Tina ihn ihr weggenommen hatte. Der Aufzug gab einen Ton von sich. Die Türen glitten auf. Cassienne beobachtete schweigend, wie Dreston und Tina einstiegen. Sie standen dicht beieinander, eingerahmt von den sich schließenden Aufzugtüren. Erst als sich der Aufzug geschlossen hatte, atmete Cassienne endlich aus. Selbst dann hing ihr Duft noch im Flur. Eine Erinnerung an alles, was sie niemals sein konnte.Dreston lehnte sich gegen das Sofa zurück und schloss für einen kurzen Moment die Augen.Die Erschöpfung stand ihm jetzt deutlich ins Gesicht geschrieben.Seit Tagen hatte er sich gezwungen, ruhig zu bleiben und einem Plan zu folgen, den er längst hasste.Doch dieser Abend hatte etwas in ihm verändert.Zu sehen, wie Cassienne wegen Tina beinahe gestürzt wäre, hatte ihn tief erschüttert.Wenn er auch nur eine Sekunde später reagiert hätte, hätte sie sich verletzen können.Ihr Baby hätte verletzt werden können.Und das hätte er sich niemals verziehen.Als er die Augen wieder öffnete, lag sein Blick vollständig auf Cassienne Rhodes.„Ich kann mich nicht länger von dir fernhalten, Cass“, gab er leise zu.„Es ist Folter.“Cassienne sah ihn an, ohne ihn zu unterbrechen.Sie hörte die Ehrlichkeit in seiner Stimme.Dreston spielte jetzt nichts vor.Dafür war er viel zu erschöpft.„Ich werde die Verlobung absagen“, fuhr er fort.„Und ich werde unsere Ehe öffentlich bekannt geben.“Er hielt kur
Später in dieser Nacht wollte Cassienne Rhodes gerade mit Corren Thornwyck gehen, als plötzlich jemand nach ihrem Handgelenk griff.Sie blieb sofort stehen und drehte sich um.„Was ist passiert?“, fragte sie.Dreston Tremont antwortete nicht sofort.Sein Blick ging an ihr vorbei und blieb stattdessen auf Corren liegen.Dann lächelte er schwach.„Mr. Thornwyck“, sagte er ruhig, „ich glaube, ich habe mich noch nicht richtig dafür bedankt, dass Sie neulich meine Frau gerettet haben.“Cassiennes Augen weiteten sich sofort.Meine Frau?Warum sagte er das hier?„Sie sind wirklich ein guter Freund der Familie“, fügte Dreston hinzu.Corren sah genauso verwirrt aus, auch wenn er es besser verbarg.„Ich habe nur getan, was jeder vernünftige Mann getan hätte“, antwortete er.Dreston nickte langsam.„Und ich weiß das zu schätzen.“Dann wurde sein Blick ruhiger.„Aber wenn es Ihnen nichts ausmacht, würde ich meine Frau jetzt gerne nach Hause bringen.“Bevor Corren etwas sagen konnte, mischte Cassi
Die Musik spielte weiter.Nicht laut.Nicht überwältigend.Gerade genug, um den Rhythmus des Abends aufrechtzuerhalten.Noch immer waren Menschen auf der Tanzfläche.Sie unterhielten sich.Bewegten sich durch den Abend, als hätte sich nichts verändert.Doch etwas hatte sich verändert.Cassienne Rhodes verließ ruhig die Tanzfläche.Sie zog keine Aufmerksamkeit auf sich.Sie sah nicht zurück.Sie ging einfach in Richtung des seitlichen Korridors, der zu einem privateren Bereich des Saals führte.Sie brauchte Raum.Nicht, weil sie überfordert war.Sondern weil sie ihre Kontrolle zurückbrauchte.Ihre Schritte waren gleichmäßig.Ihre Gedanken jedoch nicht.Das war zu nah.Sie konnte es noch immer spüren.Drestons Hand an ihrer Taille.Die Wärme.Die Vertrautheit, die sie so sehr versucht hatte zu verdrängen.Cassienne atmete langsam aus.Konzentrier dich.Mehr musste sie nicht tun.Hinter ihr ging der Abend weiter, als wäre nichts passiert.Doch nicht alle waren zu ihren Gesprächen zurückg
Schließlich wurde die Musik leiser.Sofort zog sie die Aufmerksamkeit auf sich.Die Gespräche verstummten nach und nach.Gläser wurden abgestellt.Alle wandten sich der Bühne zu, ohne dass jemand sie darum bitten musste.Und im Mittelpunkt trat Jeffrey Sandler nach vorne.Mit der Ruhe eines Mannes, der genau wusste, was er gleich tun würde.Er wartete, bis der gesamte Raum ihm seine Aufmerksamkeit schenkte.„Heute Abend“, begann er mit ruhiger Stimme, „geht es nicht nur um Innovation.“Eine kurze Pause.„Es geht um Richtung.“„Darum, wohin wir gehen.“„Und darum, wer uns dorthin führen wird.“Einige nickten.Andere hörten jetzt noch genauer zu.„Wir treten in eine neue Phase der Technologie ein.“Jeffreys Stimme blieb sicher.„Eine Phase, in der Branchen nicht länger voneinander getrennt werden, sondern miteinander verbunden sind.“„Gaming, künstliche Intelligenz, digitale Ökosysteme—das sind keine getrennten Wege mehr.“Dann hielt er kurz inne.„Und um voranzukommen, braucht man mehr











