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3

Author: Shyne
last update publish date: 2026-10-14 19:34:26

Kapitel 3

NORA WINSTON

Mir lief ein Schauer über den Rücken.

Ich stand da und starrte sie an, meine Finger ballten sich an meinen Seiten.

„Sandra ist meine Schwester! Mach keine Witze.“

Unwillkürlich wanderte meine Hand zu meinem Bauch und streichelte ihn sanft.

Ich schnaubte, meine Lippen zitterten. Seine Schwester? Wer zum Teufel küsst seine Schwester auf den Mund?

Für eine blöde Sekunde griff meine Hand nach der Tür – ein Teil von mir wollte sie zur Rede stellen, aber scheiß drauf! Das werde ich nicht tun. Niemals!

Ich blinzelte meine Tränen weg, mein Herz pochte bereits heftig.

Ich hatte mich gerade umgedreht, um zu gehen, als mein Blick wieder auf Bryce fiel.

Er war jetzt aufgestanden, die Augenbrauen zusammengezogen, während er mich anstarrte, als hätte er gerade einen Geist gesehen.

Meine Brust zog sich zusammen, Tränen brannten in meinen Augenwinkeln, aber ich kämpfte gegen sie an.

Mit einem letzten Blick auf ihn drehte ich mich um und schleppte mich davon.

Ich hatte kaum drei Schritte gemacht, als sich hinter mir plötzlich die Tür öffnete, gefolgt von Sandras Stimme.

„Es ist nicht so, wie du denkst, Nora …“, ihre Stimme zitterte.

Ich blieb abrupt stehen, meine Handflächen ballten sich um das Nichts.

„Ich kann es erklären.“

Ich starrte einen Moment lang ins Leere, dann drehte ich mich um.

Sandra stand ein paar Fuß entfernt, hinter ihr stand Bryce.

Mein Blick traf den von Bryce. Für einen kurzen Moment huschte etwas über sein Gesicht. Schuldgefühle. Dann war es schon wieder verschwunden, bevor ich es richtig registrieren konnte.

„Es war nicht Bryces Schuld. Ich musste zu einem dringenden Termin und mir Bryces Auto ausleihen, weil meines kein Benzin mehr hatte …“, sagte sie. „Du musst dir Sorgen gemacht haben, so wie du hierhergeeilt bist.“

„Das war nicht meine Absicht.“

Ich starrte sie einen Moment lang an, dann schnaubte ich verächtlich.

Sie erklärte nicht den Kuss, sondern den Unfall? Wie konnte sie es wagen, so zu tun, als wäre nichts passiert, wo ich doch gerade gesehen hatte, wie sie meinen Mann geküsst hatte?

Mein Blick wanderte zu Bryce, und wieder wollte ein Teil von mir ihn zur Rede stellen. Wegen des Unfalls. Warum hatte er meine Anrufe nicht beantwortet, wenn es ihm gut ging? Warum hat er nicht auf meine SMS geantwortet? Und der Kuss.

Aber wieder hielt ich mich zurück und ließ die Wut in mir brodeln.

Mein Blick traf erneut den von Sandra, und ihre Lippen verzogen sich zu einem spöttischen Grinsen. Ein Ausdruck in ihrem Gesicht, den ich nur zu gut kannte. Als würde sie mir sagen: „Siehst du? Ich habe dir doch gesagt, dass ich dir Bryce wegnehmen würde.“

Sandra und ich hatten uns vor ein paar Monaten zum ersten Mal seit meiner Hochzeit mit Bryce getroffen, und sie hatte mir damals geschworen, dass sie meine Ehe zur Hölle machen würde.

Diese Ehe zwischen mir und Bryce hätte niemals stattfinden sollen. Er hätte eigentlich Sandra gehören sollen. Sie liebte ihn schon seit ihrer Kindheit, träumte davon, ihn zu heiraten, und ich tauchte aus dem Nichts auf und zerstörte diesen Traum.

Ich konnte mich noch gut an die Eifersucht in ihren Augen erinnern, als Bryce mich ihr zum ersten Mal vorstellte, und daran, wie meine Ehe ab jenem Abend den Tiefpunkt erreichte.

„Nora …“, Bryces Stimme riss mich zurück in die Realität, und mir wurde klar, dass er jetzt vor mir stand.

„Geh nach Hause“, sagte er. „Lass uns zu Hause reden. Ich werde dir alles erklären.“

Meine Kehle schnürte sich zusammen, für einen Moment bekam ich keine Luft.

Ich hatte gerade gesehen, wie er eine andere Frau geküsst hatte. Seine eigene Schwester, und das ist es, was er mir sagt? Wir besprechen das zu Hause?

Ich starrte ihn an und biss mir so fest auf die Unterlippe, dass ich Blut schmeckte.

Du willst Sandra haben? Na gut! Nur zu. Ich werde dir nicht mehr im Weg stehen.

Ohne ein weiteres Wort drehte ich mich um, um zu gehen, doch dann sprach Sandra erneut.

„Es ist meine Schuld, Nora. Bitte lass es nicht an Bryce aus…“, sagte sie. „Er hat nur auf mich aufgepasst. Ich hätte ihm nicht erlaubt, hier bei mir zu bleiben, wenn ich gewusst hätte, dass das passieren würde.“

Ich hielt inne und starrte einfach ins Leere. Meine Brust war taub geworden.

Ich schleppte mich davon, ohne auch nur einen Blick auf sie zu werfen.

Ich hielt erst an, als ich in der Lobby war. Meine Beine zitterten, mein Atem ging stockend, und die Tränen, die ich zurückgehalten hatte, liefen mir schließlich über die Wangen.

Ich legte eine Hand auf meinen Bauch, meine Fingernägel gruben sich leicht in meine Haut, während ich alles noch einmal in meinem Kopf durchging.

Der Schmerz, den ich jahrelang ertragen hatte. Die Demütigung. Wie er immer Sandras Seite ergriff, selbst wenn es offensichtlich war. Die Vernachlässigung und die Manipulation.

Ich habe genug davon.

Ich wischte mir die Tränen mit den Handrücken ab und atmete tief durch, als ich das Krankenhaus verließ.

Draußen wählte ich bereits die Nummer meines Anwalts, während ich ein Taxi heranwinkte.

Er nahm schon beim ersten Klingeln ab.

„Hey, Nora. Lange nicht gesehen.“

„Ich will die Scheidung, Nolan.“

„Hä?“ Ich konnte die Bestürzung in seiner Stimme hören. „Das kommt aber ganz plötzlich.“

„Bereite mir eine Scheidungsvereinbarung vor …“ Ich hielt inne und umklammerte mein Handy fester. „Ich verlasse Bryce.“

„Wie lange wird das dauern?“

Am anderen Ende der Leitung herrschte einen Moment lang Stille, dann …

„Mindestens zwei Wochen.“

„Ich verlasse mich auf dich, Nolan“, sagte ich, beendete dann das Gespräch und atmete tief aus.

Endlich gebe ich dir die Freiheit, die du dir immer gewünscht hast, Bryce. Ich hoffe, du hast ein glückliches Leben mit Sandra …

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