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Author: Shyne
last update publish date: 2026-10-14 19:33:23

Kapitel 2

NORA WINSTON

Ein trockenes Lachen entrang sich meiner Kehle, als ich auf Sandras Nachricht starrte.

Ich sollte sie um meinen eigenen Ehemann anflehen?

Es war nicht ihre Schuld, sondern die von Bryce.

Ich dachte an unsere erste Begegnung vor einem Jahr.

Sie war im Ausland gewesen, als ich Bryce geheiratet hatte, und erst an seinem Geburtstag im letzten Jahr zurückgekommen.

Sie war mit einem einstudierten Lächeln auf mich zugekommen, das nicht bis in ihre Augen reichte.

„Ich habe gehört, du bist Bryces Frau …“ Ihr Lächeln war verblasst, als sie Bryce quer durch den Raum mit einem Blick ansah, den ich auch nach Jahren keine Sekunde lang vergessen habe. Eifersucht.

„Bryce und ich stehen uns ziemlich nahe. Du wirst später doch nicht eifersüchtig auf uns werden, oder?“

Ich hatte einfach nur gelächelt, ohne zu ahnen, was auf mich zukommen würde. Für mich war das nur Sarkasmus. Ich hielt es für eine ganz normale Geschwisterbeziehung, bis ich sah, wie sie ihn ansah, als wäre er ihre ganze Welt.

Da wurde mir klar, dass sie ihn nicht nur als ihren Bruder sah.

Dann … fing Bryce an, lange wegzubleiben, und roch meistens nach Sandra, wenn er zurückkam. Keine Erklärung. Nur dieses übliche sanfte Lächeln und die herzliche Umarmung, während er so tat, als wäre nichts passiert.

Ich hätte weggehen sollen. Vielleicht hätte er mich gehen lassen, aber wohin?

Meinem Vater ist es völlig egal, was hier mit mir passiert. Diese Ehe war meine Art, ihm dafür zu danken, dass er mich aus dem Waisenhaus geholt und wie seine eigene Tochter großgezogen hat.

Ich rappelte mich mühsam auf und stolperte, meine Hand griff nach dem Tisch, um mich abzustützen.

Selbst jetzt fiel es mir nicht ein, einfach wegzugehen. Nicht, weil ich nirgendwo hingehen könnte, sondern weil ein Teil von mir immer noch an einer Hoffnung festhielt, die offensichtlich nicht da war…

*****

AM NÄCHSTEN TAG

Ich lief unruhig im Wohnzimmer auf und ab und hielt mein Handy ans Ohr.

Ich hielt inne, als die Verbindung zum neunten Mal abbrach.

Ich warf einen Blick auf die Wanduhr.

Es war schon nach neun.

Bryce war noch nicht aus dem Büro zurückgekommen.

Normalerweise schrieb er mir immer eine SMS, wenn er sich verspäten würde, aber heute nahm er weder meine Anrufe entgegen noch antwortete er auf meine Nachrichten.

Ein Teil von mir sagte mir, ich solle aufgeben. Wahrscheinlich war er bei Sandra.

Er war gestern Abend nicht nach Hause gekommen und auch heute nicht.

Ich glaubte seinen Worten schon fast und hatte mich mit meinem Schicksal abgefunden, dass er sich nie um mich gekümmert hatte, als er das tat, was er am besten konnte … mir Hoffnung machen.

Mein Blick fiel auf mein Handy, als ich auf die SMS klickte, die er mir zuvor geschickt hatte.

„Hey! Hast du schon gefrühstückt?“

„Hey! Es ist fast Mittag. Was isst du zu Mittag? Soll ich dir etwas zu essen bestellen?“

Ich starrte auf den Bildschirm und biss mir auf die Lippen.

Ich wusste nicht mehr, was ich glauben sollte. Hätte er das geschickt, wenn es ihm wirklich egal wäre?

Vielleicht mussten wir einfach noch einmal darüber reden.

Ich wählte seine Nummer erneut, und nachdem es einen Moment lang geklingelt hatte, endete der Anruf mit einem Piepton.

Ich atmete tief aus, während meine Hand an meiner Seite herabsank; mein Herz raste bereits vor Angst.

War ihm etwas zugestoßen? Bryce war nicht der Typ, der meine Anrufe und Nachrichten ignorierte. Nicht einmal in der Anfangsphase unserer Ehe. Er hatte meine Anrufe immer entgegengenommen, selbst wenn er gerade mitten in einer wichtigen Besprechung war.

Ich lief wieder einen Moment lang auf und ab, dann kam mir plötzlich ein Gedanke.

Sein Assistent.

Ich hielt inne, und gerade als ich die Nummer wählen wollte, fiel mir etwas im Fernsehen auf.

Ein Autounfall.

Ich warf einen beiläufigen Blick darauf und richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf mein Handy, dann hielt ich inne.

Moment mal! Dieses Auto…

Mein Blick huschte zurück zum Fernsehbildschirm, und ich erstarrte, während mir die Kinnlade herunterfiel.

Das Automodell, die Farbe und – obwohl das Kennzeichen unscharf war – stimmten mit dem Auto überein, das Bryce gestern gefahren hatte. Jedes Detail.

Meine Hand zitterte, als ich nach der Fernbedienung griff und die Lautstärke des Fernsehers erhöhte, um die Nachrichten zu hören.

„… Das Opfer wurde ins Krankenhaus gebracht.“

Das war das Einzige, was ich hörte.

Mir lief ein Schauer über den Rücken, meine Knie gaben nach, und meine Hand wanderte unwillkürlich zu meinem Bauch.

Nein. Das kann nicht sein.

Meine Augen suchten einen Moment lang orientierungslos umher, dann stürmte ich aus dem Haus und nahm mir ein Taxi zum Krankenhaus.

Minuten später kam ich im Krankenhaus an und ging direkt zur Rezeption.

„Ich möchte meinen Mann besuchen …“, sagte ich zur Rezeptionistin und rang nach Atem.

„Ihren Mann?“ Die Rezeptionistin starrte mich verständnislos an.

„Er hatte einen Unfall.“

Sie starrte mich einen Moment lang verwirrt an, dann blätterte sie in den Krankenhausunterlagen.

Sie hob den Blick zu mir und sagte: „Frau …, wir haben heute kein männliches Unfallopfer …“

Sie hatte den Satz noch nicht zu Ende gesprochen, als ich einen Mann entdeckte, der den Flur entlangging.

Bryce?

Meine Beine setzten sich in Bewegung, noch bevor ich bewusst entscheiden konnte, zu gehen; mein Blick war auf ihn geheftet, um zu überprüfen, ob er es wirklich war.

Er blieb vor einer der Stationen stehen, und ich sah sein Profil.

Es war wirklich Bryce … Nur dass er nicht verletzt war. Für jemanden, der aus diesem zerstörten Auto gerettet worden war, sah er völlig unversehrt aus.

Hatte ich mich geirrt? Hatte ich mir umsonst Sorgen gemacht?

Er betrat das Krankenzimmer, und gerade als ich ihm folgen wollte, kamen zwei Krankenschwestern an mir vorbei; ihre Unterhaltung ließ mich wie angewurzelt stehen bleiben.

„Herr Winston ist fast durchgedreht, als sie sie hereingebracht haben.“

„Klar sollte er das. Jeder Mann würde ausflippen, wenn er seine Freundin in so einer Situation sähe.“

„Freundin? Ich dachte, sie wäre seine Schwester.“

„Adoptivschwester.“

„Oh.“

Ich blieb abrupt stehen. Seine Freundin?

Ein stechender Schmerz durchzuckte meine Brust, meine Lippen zitterten, als mir die Erkenntnis hart zusetzte.

Nicht er, sondern Sandra war in einen Unfall verwickelt.

Ich stand wie angewurzelt da, die Finger fest an den Seiten, die Beine zitterten unter mir und flehten um Ruhe.

Meine Hand fand die Wand, und ich prallte dagegen, ließ den Atem aus, den ich unbewusst angehalten hatte, und Tränen brannten hinter meinen Augen.

Ich schluckte schwer, blinzelte meine Tränen weg und schleppte mich vorwärts, obwohl jeder Instinkt mir zurief, ich solle

hier umkehren.

Ich erreichte die Tür und blieb stehen.

Sandras Arme lagen um Bryces Hals, ihre Lippen waren in einem leidenschaftlichen Kuss vereint.

Mir stockte der Atem...

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