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4

Author: Shyne
last update publish date: 2026-10-14 19:35:26

Kapitel 4

BRYCE WINSTON

Ich stürmte schwer atmend in die Station, die Brust vor Wut brennend.

„Bryce …“, rief Sandra und eilte auf mich zu. „Ist Nora immer noch sauer wegen dem, was passiert ist?“

„Was hast du da gesagt, Sandra?“

Sie wich einen Schritt zurück, und Angst spiegelte sich in ihrem Gesicht wider.

„Br-Bryce … Du machst mir Angst. Warum siehst du mich so an?“

Ich hielt inne, schnaubte verächtlich und biss mir fest auf die Lippen.

„Du hast mich geküsst, Sandra. Du hast mich verdammt noch mal aus heiterem Himmel geküsst!“, fauchte ich, während mir die Galle in die Kehle stieg. Der Gedanke an ihre Lippen auf meinen, an ihre Finger, die sich um mein Hemd krampften, ließ mir vor Ekel den Magen umdrehen.

Sie hatte mich ohne Vorwarnung geküsst, und als ich es schaffte, sie von mir zu stoßen, nachdem ich erst erstarrt war, um zu begreifen, was passiert war, hatte ich Nora an der Tür stehen sehen.

„Bryce…“, sie hielt inne und schluckte schwer. „Das war nicht meine Absicht, okay?“

„Du bist meine Schwester, Sandra! Meine Schwester! Wie konntest du nur so etwas Schreckliches tun?“, fuhr ich sie an, und sie zuckte zusammen.

Meine Gedanken schweiften zu Nora, und ich fuhr mir mit den Fingern durch die Haare, während mein Atem zitterte.

Hatte sie uns so gesehen?

Allein der Gedanke daran ließ meinen Körper zittern. Was, wenn sie uns missverstanden hatte? Was, wenn sie glaubte, ich hätte sie wirklich geküsst? Sie hatte doch schon den Verdacht, dass ich …

Scheiße! Herrgott!

„Bryce –“

„Wie zum Teufel soll ich das Nora erklären?“,

Sie wich ängstlich zurück, ihre Lippen zitterten, Tränen stiegen ihr bereits in die Augen.

„Ich weiß nicht, was über mich gekommen ist, Bryce …“, eine Träne rann ihr über die Wange. „Vielleicht hat der Unfall mich durcheinandergebracht.“

„Bei klarem Verstand würde ich so etwas nicht tun…“

„Und was Nora angeht … Sie hat uns nicht gesehen. Ich glaube, sie war einfach nur wütend wegen des Unfalls. Sie hat nicht gesehen, wie wir uns geküsst haben.“

Ich fuhr mir erneut mit den Fingern durch die Haare.

„Bryce …“ Sandra trat näher und streckte bereits die Hand aus, um mich zu berühren.

„Tu das nicht, bitte.“

Sie biss sich auf die Lippe und zog sich zurück, Traurigkeit legte sich auf ihr Gesicht.

„Es tut mir wirklich leid wegen …“

„Ich schicke dir ein Dienstmädchen vorbei, das sich um dich kümmert.“ Ich griff nach meinem Mantel, der auf dem Bett lag. „Pass gut auf dich auf.“

Und damit ging ich zur Tür.

„Willst du mich ernsthaft so behandeln, Bryce?“ Sandras tränenerstickte Stimme ließ mich innehalten.

„Ich habe mich bereits entschuldigt. Ich habe dir gesagt, dass ich dich nicht absichtlich geküsst habe.“

‚Hast du mich jemals geliebt? Es war schon immer Sandra‘

Meine Fingerknöchel knackten, als ich meine Finger zu Fäusten ballte.

„Nein. Ich liebe dich nicht. Das war von Anfang an nur ein Vertrag.“

Ich schloss die Augen, neigte den Kopf nach hinten und atmete tief aus.

Wie konnte ich ihr das nur sagen?

Ihre Vorwürfe drängten sich mir wieder in den Kopf.

Die Nächte, in denen sie mich gebeten hatte, früher nach Hause zu kommen. Wie sie sich einmal beschwert hatte, dass ich sie kaum noch berührte. Die Male, als sie beim Abendessen auf mich gewartet hatte.

Ich hatte jedes einzelne davon abgetan und sie als anhänglich bezeichnet. Ich hatte mir eingeredet, sie würde überreagieren.

Aber als ich sie vorhin in der Lobby zittern sah und mich zu sehr schämte, um zu ihr zu gehen, wurde mir zum ersten Mal klar, dass ich ihr zu wenig gegeben hatte.

Mit einem letzten Blick auf Sandra fasste ich einen Entschluss. Ich werde mich jetzt auf meine Ehe mit Nora konzentrieren. Ich werde alles wieder in Ordnung bringen. Ich werde alles tun, was nötig ist, damit sie mir vergibt.

„Sandra …“, ich blickte über meine Schulter zu ihr zurück. „Komm von nun an nicht mehr ohne Einladung zu mir nach Hause …“

Die Farbe wich aus ihrem Gesicht, doch bevor sie etwas sagen konnte, hatte ich bereits die Tür aufgestoßen und die Station verlassen.

Ich blieb abrupt stehen, als ich aus dem Krankenhaus trat und sah, dass es regnete.

Mir stockte der Atem.

Nora hat Angst vor Regen. Sie kann nicht allein bleiben, wenn es regnet.

Ich griff nach meinem Handy und wählte ihre Nummer.

Ausgeschaltet.

Mein Herz setzte einen Schlag aus. War ihr etwas zugestoßen? War sie vor Angst in Ohnmacht gefallen?

Mein Blick wanderte langsam umher. Ich hatte mir ein Taxi genommen, sobald ich von Sandras Unfall gehört hatte.

Es ist schon spät, und jetzt wird es schwierig sein, noch ein Taxi zu bekommen.

Scheiß drauf! Ich muss an Noras Seite sein. Ich muss irgendwie zu ihr finden.

Ich atmete tief durch und trat dann in den strömenden Regen hinaus.

Ich zitterte bereits und meine Zähne klapperten, als ich aus dem Spitaltor trat.

Die Straße war stockdunkel und still.

Ich warf einen Blick auf meine Armbanduhr. Es war kurz vor 21 Uhr.

Ich sollte den letzten Bus noch erwischen können, wenn ich es in fünf Minuten zur Bushaltestelle schaffe.

Es war fast unmöglich, aber scheiß drauf! Ich habe Nora schon genug wehgetan. Ich werde nicht zulassen, dass ihr noch mehr wehtut.

Als ich dort ankam, war der letzte Bus bereits abgefahren.

Scheiße!

Meine Kleidung war bereits durchnässt, mein Atem flach, während ich unkontrolliert zitterte.

Mit zitternden Händen griff ich nach meinem Handy und wählte erneut Noras Nummer.

Immer noch ausgeschaltet.

Ich starrte auf den Bildschirm, meine Sicht verschwamm für einen kurzen Moment, bevor ich sie wieder klar bekam.

Geht es ihr gut?

Viele beängstigende Gedanken schossen mir durch den Kopf, aber ich schüttelte sie ab und redete mir immer wieder ein, dass es ihr gut ginge.

Das muss einfach so sein.

Wenn ich sie nur richtig behandelt hätte. Wenn ich früher zu ihr in die Lobby gegangen wäre, wäre das alles nicht passiert.

*****

Am nächsten Morgen schaffte ich es endlich nach Hause, meine Haut war kreidebleich, meine Glieder fühlten sich schwer und taub an.

Ich schleppte mich ins Wohnzimmer, rief schon nach Nora, bekam aber keine Antwort.

Ich blieb im Wohnzimmer stehen und schluckte schwer, als mich Wellen der Angst überrollten.

Normalerweise empfängt sie mich an der Tür. Warum ist sie nicht hier?

„Nora? Schatz?“ Meine Stimme klang zittrig und war kaum mehr als ein Flüstern, als ich auf die Treppe zuging.

Meine Beine gaben nach, und ich fiel mit einem lauten Knall zu Boden.

Ich ignorierte den stechenden Schmerz, der durch mein Bein schoss, als ich mich wieder aufrappelte, doch bevor ich einen Schritt machen konnte, stolperte ich erneut und prallte gegen das Geländer.

„Mr. Winston …“, keuchte Felicia, meine Haushälterin, als sie die Treppe hinunter eilte. „Geht es Ihnen gut?“

„Oh mein Gott! Was ist passiert?“ Sie zuckte zusammen, als sie mir eine Hand auf die Stirn legte. „Sie glühen. Und Ihre Haut … Sie sind ganz blass …“

„Nora …“, brachte ich hervor. „Wo ist sie?“

Die Farbe wich aus ihrem Gesicht.

„Wo ist sie?“, verlangte ich zu wissen und zwang mich, die Augen offen zu halten. „Wo ist meine

Frau?“

Felicia biss sich auf die Lippe und senkte den Blick. „Sie ist weggegangen.“

Ich erstarrte.

„Was?“

Sie hob den Blick zu mir und sagte: „Frau Winston ist gestern Abend ausgezogen.“

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