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Kapitel 2

Author: Ellie Wynters
last update publish date: 2026-03-01 05:56:28

Jetzt war Grayson nicht dagegen, dass andere jede sexuelle Erfüllung genossen, die sie wollten. Aber er glaubte an einen Partner zur gleichen Zeit. Dieses Mehrpartner-Beziehungsding war einfach nichts für ihn. Er hatte das gewollt, was seine Eltern hatten, vielleicht mit ein wenig zusätzlicher Würze. Er betrachtete die Ehe seiner Eltern als das Ideal, nach sechsunddreißig Jahren Ehe mit zwei Kindern und sie waren immer noch stark, das Märchen. Als er Morgan jetzt ansah, wurde ihm klar, dass er das mit ihr nicht haben würde.

Er nahm die Augen nicht von ihr, jetzt wissend, dass er die Frau, die er heiraten wollte, nie wirklich gekannt hatte. „Mitmachen?“

„Urteile nicht, bevor du es ausprobiert hast.“ Tina zog ihre Hose an, ohne sich um Unterwäsche zu kümmern. „Morgan sagt, du bist ziemlich… geschickt.“

Der Gedanke machte ihn körperlich krank. „Raus“, wiederholte er. „Ihr beide.“

Morgans Gesicht verhärtete sich. „Das ist auch mein Zuhause.“

„Nein.“ Grayson trat von ihrer Berührung zurück. „Ist es nicht. Nicht mehr. Du hast dieses Recht verwirkt, als du fremdgegangen bist.“

Er drehte sich um und ging aus dem Schlafzimmer, den Flur hinunter ins Wohnzimmer. Hinter ihm hörte er, wie Morgan seinen Namen rief, dann ein gedämpfter Streit mit Tina. Er ignorierte sie und ging direkt zum Barwagen in der Ecke.

Er goss drei Fingerbreit Whiskey in ein Kristallglas und leerte es in einem Zug. Das Brennen in seiner Kehle war eine willkommene Ablenkung von dem hohlen Gefühl in seiner Brust.

Acht Monate voller Lügen…. Waren es wirklich nur acht Monate gewesen? Mit Tina waren es acht Monate gewesen. War sie mit jemand anderem als Tina zusammen gewesen? Wenn sie es nicht als Betrug sah, mit einer Frau zusammen zu sein, war Tina vielleicht nur die Neueste. Wie viele hatte es in ihren zwölf Monaten zusammen gegeben? Er würde nicht fragen, allein zu wissen, dass es Tina gegeben hatte, war das Ende für ihn.

Er hatte ihre Zukunft geplant, während sie hinter seinem Rücken herumgeschlichen war. Mit einer Frau, die sie auf der Party seiner Schwester kennengelernt hatte. Die sogenannte beste Freundin seiner Schwester.

Er schenkte sich noch einen Drink ein und nippte diesmal langsamer daran. Er musste sich erst um den Müll kümmern, bevor er sich betrank.

Aus dem Schlafzimmer hörte er sie noch reden, die Stimmen jetzt lauter.

Grayson blendete es aus und konzentrierte sich stattdessen auf die bernsteinfarbene Flüssigkeit in seinem Glas.

Schritte erklangen im Flur. Tina erschien zuerst, jetzt vollständig angezogen, ihr dunkles Haar zurückgestrichen. Sie warf sich eine Designertasche über die Schulter und blieb am Eingang zum Wohnzimmer stehen.

„Falls es dich interessiert, Morgan ist diejenige gewesen, die mich verfolgt hat.“ Sie klang nicht entschuldigend, stellte nur eine Tatsache fest.

Grayson blickte nicht auf. „Verschwinde verdammt noch mal aus meinem Haus.“

„Weißt du, du hättest wirklich mitmachen können; mich hätte es nicht gestört, ich stehe auf beide.“

Grayson antwortete nicht einmal, er schauderte nur bei der bloßen Vorstellung.

Zuerst sah sie wütend über seine Reaktion aus, dann fiel eine Maske über ihr Gesicht, und sie zuckte mit den Schultern und ging zur Haustür. Einen Moment später fiel sie hinter ihr ins Schloss.

Morgan kam aus dem Schlafzimmer, trug Jeans und einen Pullover, ihr Gesicht vor Wut gerötet. „Wirklich, Grayson, du hast kein Recht, so mit ihr zu sprechen.“

„In welchem Universum darfst du bestimmen, wie ich darauf reagiere, jemanden anderen mit dir in unserem Bett zu finden?“ Seine Stimme blieb leise, kontrolliert. Die Art von Kontrolle, die seine Geschäftsrivalen erschreckte.

„Wirklich, Grayson, warum bist du so aufgebracht? Es ist ja nicht so, als wäre ich mit einem anderen Mann zusammen gewesen.“

„Christus, Morgan.“ Er stellte sein Glas ab, besorgt, es zu zerdrücken, wenn er es nicht tat. „Das ist deine Verteidigung? Dass es nicht zählt, weil sie eine Frau ist?“

Sie verschränkte die Arme, trotzig. „Du übertreibst.“

„Übertreibe.“ Er lachte, der Klang selbst in seinen eigenen Ohren bitter. „Du hast mich während unserer gesamten Verlobung und noch darüber hinaus hinter meinem Rücken gefickt, in unserem Bett, und ich übertreibe?“

„Es ist nur ein bisschen Spaß und ich habe gesagt, du könntest mitmachen. Was ist das große Problem.“

„Was ist das große Problem?“ Er entfernte sich von ihr, brauchte plötzlich Abstand zwischen ihnen. „Es ist Verrat. Es sind Lügen. Es ist Respektlosigkeit.“

„Hör zu, ich wollte es dir sagen—“

„Wann? Nach der Hochzeit? Zu unserem zehnten Hochzeitstag?“ Er deutete auf den Ring an ihrem Finger.

Morgans Kinn hob sich. „Ich liebe dich, Grayson. Diese Sache mit Tina—sie ist nur körperlich.“

„Liebe.“ Das Wort schmeckte sauer in seinem Mund. „Du hast keine Ahnung, was Liebe ist. Das tut man jemandem nicht an, den man liebt.“

„Das ist nicht fair.“

„Fair?“ Seine Kontrolle rutschte, gerade genug, dass seine Stimme lauter wurde. „Nicht fair ist, mich glauben zu lassen, du wolltest dieselben Dinge wie ich. Ein gemeinsames Leben. Kinder. Verpflichtung.“

„Ich will diese Dinge.“

„Mit jemandem, den du betrügst?“

„Mit Tina ist es nicht so. Es ist nicht—“

„Stopp.“ Er hob eine Hand. „Hör einfach auf. Es ist mir egal, wie du es dir selbst erklärst. Es ist vorbei.“

Ihr Ausdruck veränderte sich, Berechnung ersetzte Empörung. „Das meinst du nicht ernst.“

„Noch nie habe ich etwas ernster gemeint.“

„Baby, denk darüber nach, was du wegwirfst.“ Sie kam näher, ihre Hüften schwangen leicht, so wie sie es taten, wenn sie etwas wollte. „Wir passen gut zusammen. Jeder sagt das.“

„Jeder weiß nicht, dass du mich belogen hast.“

Sie griff nach ihm, eine Hand glitt seine Brust hinauf. „Ich habe einen Fehler gemacht. Ich beende es mit Tina. Wir können weitermachen wie vorher.“

Grayson fing ihr Handgelenk ab und hielt sie auf. Er wollte nicht, dass sie ihn berührte. „Es gibt kein ‚wir‘ mehr.“

„Sei nicht lächerlich.“ Ihre Stimme wurde hart. „Du bist wütend. Ich verstehe das. Aber du gehst nicht einfach von allem weg, was wir aufgebaut haben.“

„Alles, was wir aufgebaut haben?“ Er ließ ihr Handgelenk los. „Du meinst das Leben, das du seit dem ersten Tag untergräbst? Was zur Hölle war ich für dich?“

„Gray—“

„Ich will, dass du heute Nacht aus diesem Haus verschwindest.“ Sein Ton ließ keinen Raum für Diskussion. „Nimm, was dir gehört. Lass deinen Schlüssel hier.“ Er würde die Schlösser wechseln lassen, aber nach dem Schlüssel zu fragen zeigte ihr, dass er nicht nachgeben würde.

Morgans Augen weiteten sich. Ihre gewöhnliche Selbstsicherheit verschwand aus ihrem Gesicht. Sie hatte wirklich geglaubt, sie könnte seine Meinung ändern. Was sie ersetzte, war echte Panik. „Du meinst das ernst.“

Es war ihm scheißegal. „Tödlich ernst.“

„Wohin soll ich gehen?“

„Das ist nicht mehr mein Problem.“ Er wandte sich von ihr ab und schenkte sich noch einen Drink ein. „Ruf Tina an.“

Stille spannte sich zwischen ihnen, straff und schwer. Dann Morgans Stimme, jetzt leiser, durchzogen von etwas wie Verzweiflung.

„Ich kann nicht glauben, dass du das ernst meinst, Grayson… Du liebst mich.“

Grayson sah über seine Schulter zu ihr. „Nein, ich bin nicht in dich verliebt, Morgan… Ich war in die Rolle verliebt, die du gespielt hast. Ich muss sagen, du bist wirklich eine fantastische Schauspielerin… Aber es war nicht echt.“ Eis legte sich jetzt über seine Worte. „Pack deine Sachen und verschwinde.“ Es war dasselbe Eis, das jetzt sein Herz einschloss. Er hatte sich für sie verändert, auf eine Weise, die sie niemals verstehen würde. Aber nicht mehr. Von jetzt an würde Grayson er selbst sein. Wenn er niemals die richtige Partnerin fand, die zu ihm passte, dann war das eben so. Emma würde eines Tages Kinder haben, und er könnte sie zu seinen Erben machen.

Sie öffnete den Mund, um weiter zu argumentieren, schien es sich dann aber anders zu überlegen. Mit einem letzten wütenden Blick stapfte sie zurück ins Schlafzimmer.

Grayson sank auf das Sofa, plötzlich erschöpft. Der Whiskey konnte die scharfen Kanten des Verrats oder das hohle Gefühl, das sich in seiner Brust ausbreitete, nicht abstumpfen. Er hatte ihr vertraut. An ihre gemeinsame Zukunft geglaubt.

Was für ein verdammter Witz.

Zwanzig Minuten später kam Morgan mit einem weißen Koffer aus dem Schlafzimmer, ihr Make-up trotz der Situation perfekt. Sie war immer so auf ihr Erscheinungsbild bedacht.

„Ich gehe erstmal“, sagte sie und blieb an der Tür stehen. „Wenn du dich beruhigt hast, wirst du erkennen, was du wegwirfst. Ruf mich an, dann reden wir.“

Grayson antwortete nicht, sah sie nicht einmal an.

Die Tür schloss sich hinter ihr mit einem entschlossenen Klicken.

In der plötzlichen Stille zog er sein Handy heraus und tätigte zwei Anrufe. Zuerst bei seinem Sicherheitsteam, um die Schlösser wechseln zu lassen. Der andere, um seine Mitgliedschaft im Club wieder zu aktivieren. Den Teil von sich selbst, den er für Morgan aufgegeben hatte.

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