LOGINEigentlich durfte das alles nicht passieren. Sie durften nicht zusammen kommen. Er war in einer erfolgreichen Band, sie war einfach nur ein Fan. Doch das Schicksal brachte sie zusammen. Hoffnung und Angst waren ihre größten Begleiter. Konnte es überhaupt funktionieren? Oder war es von Anfang an zum scheitern verurteilt?
View MoreUnd auf einmal war es so weit, eines der drei Handys klingelte. Es war Lias Handy, aufgeregt ging sie dran.
,,Herzlichen Glückwunsch Frau Swarts , sie haben zwei Konzertkarten für das Konzert von IDOLS gewonnen. Das Konzert wird diesen Samstag um 20:00 Uhr in Toronto stattfinden. Sie und eine weitere Begleitperson ihrer Wahl werden von unserem Sender drei Stunden vorher abgeholt und dann werden sie exklusiv eins der Mitglieder, ihrer Wahl, persönlich kennen lernen. Die genauen Infos und eine Bestätigung des Gewinns werden ihnen jetzt gleich per E-Mail zugesendet. Wir hoffen, dass sie sich freuen und wünschen ihnen noch einen schönen Abend." „Warte—was? Echt jetzt?“ brachte Lia nur leise heraus, während sie sich schon eine Hand vor den Mund hielt. Mit diesen Worten war das Telefonat auch schon beendet. Die angekündigte E-Mail mit der Bestätigung folgte direkt. Lia sollte nur noch eintragen, wen sie als ihre Begleitperson mitnehmen wollte und welches Mitglied die beiden dann für eine ganze Stunde privat kennenlernen durften. „Das ist doch nicht euer Ernst…“ murmelte sie fassungslos und starrte auf den Bildschirm. Etwas komisch war es schon das man nur ein Mitglied treffen konnte, sonst waren es immer alle oder keiner gewesen. Aber in der E-Mail stand weiter unten die Erklärung die Lia suchte. Da das Konzert so ein spontaner Zusatz Termin war hatte man viel zu planen, deshalb konnte man nur eins der Mitglieder für eine Stunde entbehren. „Okay… das ist irgendwie verrückt organisiert“, flüsterte Lia, noch immer halb ungläubig. Sogar die sonst so beliebten VIP-Tickets, die es einem normalerweise ermöglichten, die ganze Band, zusammen mit hunderten von anderen Fans vor dem Konzert zu treffen, fielen dieses Mal aus. Lia konnte ihr Glück kaum fassen. „Katy wird ausrasten…“ murmelte sie vor sich hin. „Wir werden sie wirklich treffen…“ Sie überlegte nicht lange und entschied sich, Katy mitzunehmen. Die beiden waren nicht nur Schwestern, sondern auch beste Freundinnen, und Lia konnte sich niemand Besseren vorstellen, um diesen besonderen Moment zu teilen. „Natürlich nehme ich sie mit…“ sagte sie leise zu sich selbst, während sie die Auswahl bestätigte. Welchen der sieben sie treffen wollten, war ganz klar, Milo. „Das ist keine Frage“, flüsterte sie und tippte seinen Namen ein. Doch was war jetzt mit Sara? Diese konnte sie nicht mitnehmen und selbst wenn doch, sie würde definitiv eher Chris kennenlernen wollen. „Das wird sie mir nie übel nehmen… hoffe ich“, seufzte Lia und rieb sich kurz über die Stirn. Selbst wenn der, mit denen die beiden Schwestern schrieben nicht der echte Milo wäre, sie würde alles dafür geben, ihn einmal persönlich kennenzulernen. Im Endeffekt war die Entscheidung damit auch schon getroffen, doch irgendwie musste man das Sara schonend beibringen. Seufzend sah Lia auf ihr Handy, sowohl Katy als auf Sara hatten schon in den Gruppenchat geschrieben, dass sie keinen Anruf bekommen hatten. „Oh nein… sie warten schon“, murmelte sie. Die beiden warteten gespannt auf die Nachricht von Lia, ihrer letzten Hoffnung. Es half alles nichts, sie konnte nicht einer der beiden, in dem Fall Sara, nichts davon erzählen. Also atmete sie einmal tief durch und wählte auch schon die Nummer von ihrer Freundin Sara. „Okay… tief durchatmen“, sagte sie leise zu sich selbst. ,,Hey süße, sitzt du?" begann sie das Gespräch. „Ja… sag schon, ich spür schon, dass was kommt“, kam es sofort von Sara zurück. Sara hörte sofort den Unterton, den Lia bei dem gesagten mit übermittelte. Also fing Sara mit einem seufzen an. "Okay was ist los? Ich kenne diesen Tonfall. Sag es einfach direkt und um deine Frage zu beantworten, ja, ich sitze." Sara kannte einfach beide der Schwestern zu gut, sie wusste immer, wenn etwas los war. Hoffentlich hatte sie auch Verständnis für das, was Lia ihr nun sagen würde. ,,Okay, hör zu. Ich habe den Anruf bekommen, ich habe Tatsache gewonnen." „Was?!“ Weiter kam Lia schon gar nicht mehr, denn sie wurde schon unterbrochen. ,,Das ist doch super, ich freu mich für euch, aber ihr müsst mir beide versprechen, jede Menge Fotos zu machen und bringt mir ein T-Shirt oder so mit!" „Äh… warte, du bist nicht sauer?“ fragte Lia irritiert nach. Mit der Antwort hatte Lia wirklich nicht gerechnet. Sara war schon die ganze Zeit davon ausgegangen, dass, wenn eine der beiden Schwestern gewinnen würde, die beiden auch zusammenfahren würden. „Natürlich bin ich nicht sauer, ich gönn’s euch doch!“ sagte Sara sofort. „Ich will nur alles sehen!“ Lia lachte erleichtert. „Okay… das war einfacher als gedacht.“ Natürlich wusste sie, dass beide Schwestern Milo mochten und alles tun würden, um ihn auch nur einmal in ihrem Leben zu treffen. Lia bedankte sich für das Verständnis ihrer Freundin und versicherte ihr, dass man ihr etwas Schönes mitbringen würde. Der schwierige Part war nun erledigt, auch wenn es eigentlich ganz einfach war. „Ich glaub, ich überdenke gerade mein ganzes Leben“, murmelte Lia schmunzelnd. Wie sollte sie es jetzt am besten ihrer Schwester mitteilen? Das sie Milo nun wirklich treffen würden? Sollte sie dem Milo, mit dem die beiden schrieben, mitteilen, dass man sich auf dem Konzert treffen würde? „Nein… das warte ich ab“, entschied sie schließlich leise. Zu beiden Fragen fand sie schnell eine Antwort, doch zuerst schrieb sie noch eine E-Mail an den Radiosender, um ihnen ihre Entscheidung mitzuteilen. Danach war es endlich an der Zeit, ihre Sachen zusammen zu packen und den Heimweg anzutreten. Sie hatte sich dazu entschieden, Katy erst zuhause von dem Gewinn zu erzählen. Was Milo anging, hatte sie sich vorgenommen, ihm nicht zu schreiben. „Wenn das echt ist… dann wird Samstag verrückt genug“, murmelte sie. Sollte es der echte sein würde man das endlich am Samstag herausfinden und es wäre eine hervorragende Überraschung. Lia war keine zwei Sekunden zuhause, da kam Katy schon auf sie zugelaufen. Die Aufregung war deutlich in ihrer Stimme zu hören. ,,Lia, warum hast du nicht geschrieben? Heißt das, du hast gewonnen?“ „Sag schon!!“ rief sie direkt hinterher. Im Radio hieß es nur das der Gewinner kontaktiert wurde, aber ich habe auf I*******m und so keinen einzigen Beitrag gefunden von jemandem der sagt, er oder sie hat gewonnen. Also sag schon, warst du es etwa?" Die ältere fing an zu lachen, ihre Schwester war schon immer die eher aufgedrehtere Person gewesen. „Du bist unmöglich…“ lachte Lia. Da ihre Gedanken grade auf den kleinen kamen, wo war er eigentlich? „Katy… wo ist Julien?“ fragte sie plötzlich ernster. Normallerweise lief er immer auf Lia zu, wenn sie von der Arbeit nach Hause kam, aber jetzt? Der kleine war nirgendwo zu sehen, geschweige denn zu hören. Lia sah ihre kleine Schwester an, die gerade wie ein kleiner Duracell Hase auf und ab wirbelte, und fing in einem ruhigen Ton an. ,,Also, erstmal dir auch einen schönen Tag.“ „LIA!“ unterbrach Katy sie sofort. „Wie mein Tag auf der Arbeit war? Echt super, danke das du nachfragst, wie war deiner denn?“ „Liaaa!“ Aber jetzt mal im Ernst, wo ist mein kleiner Schatz? Ich mag es nicht nach Hause zu kommen und nichts von ihm zu hören. Das ist potenziell gefährlich." Katys Antwort war lediglich, dass sie ihre Augen verdrehte. „Er schläft bestimmt irgendwo“, meinte sie schnell. Lia konnte nicht anders, als bei Katy's aufgeregten Fragen zu lachen. "Ja, du hast recht. Ich habe gewonnen!", antwortete Lia schließlich. "Es war ein aufregender Tag, und ich bin so froh, dass es geklappt hat." „WAS?!“ Bevor sie weiter sprechen konnten, suchte Lia nach Julien. "Julien?" rief sie leiser. Als sie ihn schließlich fand, lag er auf dem Sofa, fest schlafend, mit seinem Lieblingskuscheltier im Arm. „Oh Gott… da ist er ja“, flüsterte sie erleichtert. Lia atmete erleichtert auf und lächelte. "Er hat wohl einen langen Tag gehabt." Katy grinste nur. „Typisch er.“ „Lass ihn schlafen“, fügte Lia leise hinzu. Katy, die immer noch aufgeregt war, konnte nicht anders, als zu grinsen. "Gut, dann erzähl mir ALLES." „Okay, aber setz dich erstmal“, sagte Lia lachend. Lia hatte sich noch Schuhe und Jacke ausgezogen und war zusammen mit einer eiskalten Cola ebenfalls ins Wohnzimmer gegangen. Nun begann das Fragenfeuer ihrer Schwester – was verständlich war, schließlich wollte sie alles über den Gewinn wissen. Lia ließ sich auf dem Sofa neben Julien nieder und nahm einen Schluck von ihrer Cola, bevor sie begann, ihrer aufgeregten Schwester von ihrem Tag zu erzählen. „Also, es war wirklich aufregend. Ich hatte ganz normal da gesessen und gewartet, dass der Anruf kommt. Und dann, als es endlich sechs Uhr war, haben sie tatsächlich angerufen und mir gesagt, dass ich die Tickets für das Konzert gewonnen habe! Ich konnte es kaum glauben, Katy. Wir beide werden Milo treffen! Endlich können wir herausfinden, ob er es wirklich ist.“ Katy lauschte gespannt, während Lia all die Details aus der E-Mail erzählte. Sie würden drei Stunden vor dem Konzert abgeholt werden und hätten eine Stunde exklusiv Zeit mit Milo. Es gab genaue Anweisungen, wann und wo sie sich treffen sollten. „Wie fühlst du dich dabei?“, fragte Katy schließlich. Lia überlegte kurz. „Es ist aufregend, aber auch ein bisschen beängstigend. Ich meine… wir treffen ein Mitglied einer der bekanntesten Bands der Welt. Das ist irgendwie surreal.“ Katy strahlte. „Das ist so unglaublich! Herzlichen Glückwunsch, Lia. Ich freue mich so für dich. Für uns! Ich hoffe so sehr, dass er es wirklich ist. Oh man, Lia… wie soll ich bitte vor Nervosität überleben?“ Lia lachte und erzählte weiter, wie sie vor Freude fast durchgedreht war. Es war ein Moment, den sie nie vergessen würde. Die beiden Schwestern plauderten und lachten über den Gewinn, während Julien friedlich weiterschlief. Es war ein besonderer, glücklicher Moment für die Familie. Lia erzählte Katy auch, dass sie bereits mit Sara gesprochen hatte und deren Reaktion mehr als verständnisvoll gewesen war. Gemeinsam verbrachten sie einen schönen Abend. Julien wachte zwischendurch noch einmal auf, es gab Abendessen, und nachdem der Kleine bettfertig gemacht wurde, schlief er schnell wieder ein. Von Milo hatten sie seit der Konzertankündigung nichts mehr gehört. Vor allem Katy machte sich deshalb mehr als einmal Gedanken, konnte aber nichts daran ändern. Sie hatte ihm sogar Nachrichten geschrieben und zugegeben, dass sie ihn vermisste. Doch es kam nichts zurück – er hatte sie nur gelesen. Bis zum ersehnten Tag änderte sich nichts. Beide Schwestern waren nervös und konnten den Moment kaum erwarten. Julien freute sich auf das Wochenende mit seinem Vater und war glücklich, als er abgeholt wurde. Milo hatte sich nicht gemeldet und wusste daher auch nicht, dass die beiden heute zum Konzert gehen würden. In weniger als zehn Minuten sollte das Auto des Radiosenders kommen und sie abholen. Die Fahrt dauerte etwa eine Stunde. Als sie ankamen, standen bereits viele Fans vor der Konzerthalle und warteten gespannt auf den Einlass. Das Auto fuhr durch einen separaten Eingang, wo die beiden von einer jungen Frau empfangen wurden. „Guten Tag ihr zwei. Lia und Katy, richtig? Ich bin Nadine, eine der Organisatorinnen heute. Herzlich willkommen. Ich bringe euch jetzt in einen Raum im Backstage-Bereich, wo ihr noch kurz warten müsst. Leider haben die Proben etwas länger gedauert. Ihr wartet dort, und Milo kommt gleich zu euch. Ihr habt eine Stunde allein, danach gibt es noch ein paar Fotos, und dann beginnt das Konzert.“ Während Nadine sprach, führte sie die beiden bereits durch den Backstage-Bereich. Lia und Katy setzten sich auf das schwarze Sofa und nahmen jeweils ein Glas Wasser vom Tisch. Kein Wort fiel – beide waren viel zu gespannt. Doch lange mussten sie nicht warten. Die Tür ging schwungvoll auf, und Milo blieb wie angewurzelt im Türrahmen stehen. „Da sind ja meine beiden glücklichen Gewinner, herzli– … ihr?“ Er brach ab. Die kleinen Päckchen, die er in den Händen gehalten hatte, fielen ihm fast aus den Händen. Damit hatte er definitiv nicht gerechnet. Auch die beiden Schwestern waren sprachlos. Vor ihnen stand Milo. Der echte Milo. Genau der, mit dem sie geschrieben hatten. Die Überraschung stand allen ins Gesicht geschrieben. „Habt wirklich ihr beide gewonnen? Ist das hier wirklich Schicksal?“, fragte er überwältigt. „Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet ich ausgewählt werde. Alle dachten, Tyler, Chris oder Eric würden es sein… aber ich freue mich so, euch zu sehen!“ Er setzte sich zu ihnen auf das Sofa. Die Situation war so surreal, dass noch keine richtige Begrüßung stattfand. Katy und Lia sahen sich an – und brachen plötzlich in Gelächter aus. Die Spannung löste sich, und Freude machte sich breit. „Das ist wirklich unglaublich!“, rief Katy. „Als der Anruf kam, konnten wir es auch nicht glauben! Es fühlt sich wirklich wie Schicksal an. Wir freuen uns so, dich zu treffen, Milo.“ Lia nickte. „Ja, ich freue mich riesig, dich endlich persönlich kennenzulernen.“ Sie begannen zu reden, Fragen zu stellen und Geschichten auszutauschen. Irgendwann kam die Frage auf, warum Milo sich nicht gemeldet hatte. Verlegen kratzte er sich am Hinterkopf. Er erklärte, dass das Management ihnen angeboten hatte, spontan für die eigentliche Band einzuspringen. Er hatte sofort zugesagt. „Es war eine verrückte Idee, aber ich fand es eine coole Chance. Das Management hat zugestimmt, und wir hatten extrem viel zu tun. Ich hatte kaum Zeit, mich zu melden. Es tut mir leid.“ Katy und Lia lächelten. „Alles gut, Milo. Wir verstehen das. Das klingt wirklich nach Stress. Und ehrlich gesagt haben wir gar nicht erwartet, dich überhaupt zu treffen.“ Milo wirkte erleichtert. Er erzählte weiter von den Proben und davon, wie aufgeregt er war, heute mit der eigentlichen Band auf der Bühne zu stehen. „Als Voraussetzung sollten wir ein neues Lied performen – das habe ich geschrieben. Die ganzen Proben und alles drumherum… es tut mir wirklich leid. Ich hatte einfach keine Zeit. Aber Katy, ich habe deine Nachrichten gelesen. Ich denke an dich, auch wenn ich nicht antworten konnte. Bitte seid nicht böse.“ Katy schüttelte sofort den Kopf. „Nein, wir sind dir nicht böse. Wir können uns vorstellen, wie stressig das war. Und wir freuen uns wirklich, dich hier zu sehen.“ Lia nickte. „Genau. Wir verstehen das. Und wir freuen uns auf die Zeit mit dir und deine Musik.“ Milo atmete erleichtert auf. Nach einer Weile fragte er leise: „Katy… würdest du mir ein Bild von dem Kleinen zeigen? Ich habe ihn richtig ins Herz geschlossen und würde gern sehen, wie er jetzt aussieht.“ Katy lächelte und zeigte ihm sofort ein Foto von Julien. „Das ist er. Unser kleiner Schatz. Er wächst so schnell.“ Milo betrachtete das Bild und lächelte. „Er ist wirklich süß. Ich verstehe, warum du so stolz bist.“ Nach einer Weile holte er die Geschenke hervor. Kleine Päckchen für beide. Darin waren Autogrammkarten, Merchandise, eine handgeschriebene Notiz, ein Hoodie, eine Trinkflasche, ein Poster und ein Kuscheltier. „Das ist nur eine Kleinigkeit“, sagte er. Die Freude war riesig. Die Stunde verging viel zu schnell. Bevor sie es realisierten, war das Treffen vorbei. Sie machten Fotos, lachten, umarmten sich – und sogar ein Autogramm für Sara sowie eines von Chris organisierte Milo noch schnell. „Ich melde mich so schnell ich kann wieder. Danke für diesen Moment. Ich hab euch lieb.“ „Wir warten auf dich“, sagten beide lächelnd. „Wir haben dich auch lieb.“ Nachdem er gegangen war, saßen die Schwestern noch lange sprachlos da. Kurz darauf wurden sie in die Konzerthalle gebracht. Die Stimmung war elektrisierend. Und als die Band schließlich auf die Bühne kam, brach Jubel aus. Die Musik riss sie komplett mit. Jeder Song, jeder Beat – alles fühlte sich intensiver an. Auch das neue Lied wurde gespielt. Ein Song über Liebe, die real wirkt, aber unerreichbar scheint. Katy musste währenddessen weinen. Lia nahm sie einfach in den Arm und lächelte. Vielleicht war da wirklich etwas Echtes entstanden. Auf dem Heimweg sagte Katy leise: „Es hat mich so berührt… ich weiß nicht genau warum.“ „Manchmal sagen Songs mehr als Worte“, antwortete Lia. „Vielleicht solltest du mit ihm darüber sprechen.“ Katy nickte nachdenklich. Im Taxi redeten sie noch lange über alles. Milo hatte ihnen auch erzählt, dass die anderen Bandmitglieder noch nichts von ihnen wussten und es vorerst so bleiben sollte. Sie verstanden das und versprachen, es für sich zu behalten. Zuhause angekommen, konnten sie nicht schlafen. Zu viele Gedanken, zu viel Aufregung. Sara rief an, und die beiden erzählten ihr alles begeistert. „Das klingt unglaublich!“, sagte sie. „Wie war er?“ „Noch netter als erwartet“, antworteten beide gleichzeitig. Doch kaum war das Gespräch beendet, klingelten ihre Handys erneut. Und was sie sahen, ließ sie erneut erstarren. Doch kaum war das Gespräch mit Sara beendet und eine kurze, fast ungewohnte Ruhe in der Wohnung eingekehrt, vibrierte plötzlich ihr Handy erneut. Diesmal gleichzeitig. Beide Schwestern erstarrten. „Das kann doch nicht schon wieder jemand sein…“, murmelte Lia, während sie nach ihrem Handy griff. Ihr Blick fiel auf den Bildschirm – und in dem Moment veränderte sich die gesamte Stimmung im Raum. „Katy… schau sofort nach. Das ist nicht normal.“ Katy zögerte keine Sekunde mehr. Sie nahm ihr Handy, öffnete die entsprechende App und tippte den Namen der Band ein. Ihre Finger waren plötzlich langsamer, als würde sie instinktiv spüren, dass dieser Moment anders war als alles davor. Als sich das Profil öffnete, wurde es still. Viel zu still. Ein neues Foto. Milo. Er lächelte in die Kamera, Mikrofon in der Hand, als hätte dieser Moment nichts Besonderes an sich – und genau das machte ihn so unwirklich. Doch dann wanderte Katys Blick nach unten. Und blieb dort hängen. Die Bildunterschrift. „Ein besonderer Dank an eine besondere Person da draußen, die meine Tage erhellt. Danke auch für die wunderbare Songinspiration, die du mir bereitet hast. Du weißt, wer du bist.“ Für einen Moment bewegte sich gar nichts mehr. Nicht im Raum. Nicht in ihr. „…Katy?“, hörte sie Lia leise, fast vorsichtig. Aber Katy reagierte nicht sofort. Ihre Augen klebten an diesen Worten, als müssten sie sich erst in etwas Realem verwandeln. „Das… kann nicht sein“, flüsterte sie schließlich. Ihre Stimme war kaum mehr als Luft. „Meinst du… er hat das wirklich über mich geschrieben?“ Lia war bereits neben ihr, der Blick genauso fixiert auf den Bildschirm. Und dann nickte sie. Sofort. Aufgeregt. Ungläubig. Fast ein bisschen lachend vor Schock. „Katy… ja. Das ist doch eindeutig. Das bist du.“ Für einen Moment war da nur Stille. Und dann – ein leises, gebrochenes Ausatmen von Katy. Ihr Herz schlug so laut, dass es sich anfühlte, als würde es alles andere übertönen. „Das ist doch verrückt…“, flüsterte sie. Aber diesmal klang es nicht wie Zweifel. Mehr wie Angst davor, dass es wahr sein könnte. „Ich glaube… er meint wirklich mich.“ Lia grinste jetzt schon, konnte es kaum zurückhalten. „Er hat ein Lied über dich geschrieben. Öffentlich. Das ist nicht mehr subtil, Katy.“ Katy lachte kurz auf – aber es brach sofort wieder in Emotion um. Ihre Hände zitterten, als sie die Nachrichten-App öffnete. „Ich muss ihm schreiben… ich muss einfach…“ Und noch bevor sie es wirklich realisieren konnte, tippte sie bereits: „Ich habe gerade dein neues Foto gesehen… und die Bildunterschrift gelesen. Ist das wirklich für mich? Ich bin sprachlos und überwältigt. Danke für diesen besonderen Moment.“ Sie starrte auf den Bildschirm. Senden. Und plötzlich war da dieses Warten. Dieses unfassbar schwere, aber gleichzeitig aufregende Warten. Lia lehnte sich leicht gegen sie. „Weißt du…“, sagte sie leiser, „ich glaube, das ist kein Zufall mehr.“ Katy schloss kurz die Augen. Und diesmal liefen die Tränen, bevor sie es verhindern konnte. Aber sie lächelte dabei. „Ich weiß nicht, was das hier ist…“, murmelte sie. „Aber es fühlt sich an, als würde gerade alles anfangen.“ Katy hielt das Handy noch immer in der Hand, als hätte sie Angst, es könnte sich gleich wieder verändern. Der Bildschirm war ruhig. Zu ruhig. „Er schreibt bestimmt gleich zurück… oder?“, murmelte sie leise, mehr zu sich selbst als zu Lia. Lia zuckte leicht mit den Schultern, aber ihr Grinsen war nicht zu übersehen. „Wenn er das wirklich über dich gepostet hat, wird er definitiv antworten.“ Katy atmete langsam ein. Und wieder aus. Es fühlte sich plötzlich absurd an, auf eine Nachricht zu warten, die alles verändern konnte – und gleichzeitig so real, dass sie es kaum aushielt. Sekunden vergingen. Dann vibrierte ihr Handy. Einmal. Kurz. Katy zuckte so stark zusammen, dass Lia leise lachen musste. „Okay… okay, ruhig“, sagte Lia, aber sie war selbst viel zu gespannt. Katy öffnete die Nachricht. Von Milo. Und für einen Moment verstand sie den Inhalt nicht einmal richtig, weil ihr Herz zu laut war. „Katy… ich wusste nicht, ob ich das posten soll oder nicht. Aber ich hatte das Gefühl, ich muss es sagen. Und ja… es war über dich.“ Stille. Nicht im Raum – sondern in ihr. Ihre Finger wurden ganz kalt. Sie las weiter. „Ich wollte dich nicht überfordern. Es ist nur… du hast etwas in mir ausgelöst, das ich nicht mehr ignorieren konnte. Und das Lied… das kam genau daraus.“ Katy schluckte. Einmal. Zweimal. Lia beugte sich näher ran, ohne zu lesen – nur um ihre Reaktion zu sehen. „Was steht da?“, fragte sie leise. Katy antwortete nicht sofort. Dann flüsterte sie: „Es stimmt.“ Ihre Stimme brach leicht. „Er hat es wirklich über mich geschrieben.“ Lia atmete hörbar aus, als hätte sie die ganze Zeit die Luft angehalten. „Okay… wow.“ Katy las weiter. „Ich weiß, es ist viel. Und vielleicht ist es zu direkt gewesen. Aber ich wollte ehrlich sein. Und ich wollte, dass du weißt: Du bildest dir das nicht ein.“ Für einen Moment konnte Katy nicht antworten. Sie starrte einfach nur auf die Worte. Als würde sie versuchen, zwischen den Zeilen noch mehr zu finden. Dann begann sie zu tippen. Langsam. Vorsichtig. „Ich wusste nicht, dass ich das in dir ausgelöst habe… ich bin gerade ehrlich überfordert, aber auf eine gute Art.“ Sie hielt inne. Löschte den Satz wieder. Schrieb neu. „Danke, dass du es mir sagst. Ich glaube, ich brauche noch einen Moment, um das alles zu verstehen.“ Senden. Sie ließ das Handy sinken. Und diesmal war da kein Chaos mehr. Nur dieses leise, warme Zittern in ihrer Brust. Lia legte vorsichtig einen Arm um sie. „Du wirkst nicht so, als wärst du wütend“, sagte sie leise. Katy schüttelte den Kopf. Ein kleines, fast ungläubiges Lächeln zog sich über ihr Gesicht. „Ich bin nicht wütend.“ Pause. „Ich glaube… ich bin einfach nur komplett überfordert, dass das wirklich passiert.“ Lia grinste. „Gute Überforderung oder schlechte?“ Katy sah sie kurz an – und musste dann lachen. „Definitiv gute.“ Und zum ersten Mal an diesem Abend fühlte sich alles nicht mehr nur wie ein unglaubliches Erlebnis an… sondern wie der Anfang von etwas, das noch größer werden könnte.Eigentlich war alles die Schuld ihrer Schwester. Zumindest redete Katy sich das seit Jahren ein, wenn sie an diesen einen bestimmten Punkt zurückdachte. Und trotzdem war da dieser kleine, nervige Teil in ihr, der genau wusste: Ohne Lia und Sara wäre alles wahrscheinlich ganz anders gelaufen. Ruhiger vielleicht. Langweiliger definitiv. Denn genau die beiden hatten irgendwann angefangen, ständig über diese Band zu reden. IDOLS. Katy hatte sie damals nur belächelt. „Ihr seid fast dreißig“, hatte sie gesagt, während sie ihren Kaffee gerührt hatte und Lia und Sara sich auf dem Sofa gegenseitig mit Songempfehlungen bombardierten. „Ihr wisst schon, dass man in dem Alter normalerweise keine Boyband-Obsession mehr startet, oder?“ „Das sagt die Frau, die Reality-TV-Drama guckt“, hatte Sara sofort zurückgeschossen. Lia hatte nur gelacht. „Lass sie, sie ist einfach neidisch, weil wir Spaß haben.“ Katy hatte da schon
In den letzten Tagen war es überall Thema gewesen. Betrüger auf Social Media. Nicht irgendwelche kleinen Fake-Accounts, sondern Profile, die täuschend echt wirkten – kopierte Namen, gestohlene Bilder, perfekt inszenierte Identitäten. Sogar Mitglieder von IDOLS waren betroffen. Und sie waren längst nicht die Einzigen. Immer wieder liefen die Geschichten gleich ab. Erst ein harmloser Einstieg, ein bisschen Smalltalk, ein paar freundliche Worte, fast beiläufig. Und dann kam dieser eine Satz. „Wie würdest du es finden, wenn wir uns treffen?“ Ab da veränderte sich alles. Sagte man Ja, ging es weiter: Reiseplanung, Details, und irgendwann dieser unausgesprochene Druck. Geld. Genau da lag der Betrug. Das Management hatte erst vor wenigen Tagen ein klares Statement veröffentlicht – kurz, deutlich, ohne Spielraum. Niemand von ihnen hatte private Accounts. Und keiner würde jemals Fans nach Geld fragen.
Seit drei Wochen schrieben Milo und Katy jeden Tag miteinander und noch immer hatte Katy niemanden davon erzählt. Die beiden verstanden sich ausgezeichnet, sie lachten viel, unterhielten sich aber auch über ernstere Themen. Es schien wirklich, dass man sich auf einer Wellenlänge befand. Beide schienen im jeweils anderen eine Person gefunden zu haben, die sie schon lange suchten. Die Tatsache, dass sie bei jeder Nachricht von Milo anfing zu lächeln, immer wieder an ihn dachte und er mittlerweile sogar schon in ihren Träumen vorkam, machte ihr ein wenig Angst. So lange kannten sie sich nun auch noch nicht, geschweige denn hatten sie sich auch noch nicht einmal gesprochen. Getroffen hatten sie sich selbstverständlich auch noch nicht. Aber es war zu schön, um sich mit dem Gedanken, was das genau war, zu beschäftigen. Lia ahnte schon länger, dass ihre kleine Schwester etwas vor ihr verheimlichte, aber was genau es war, hätte sie sich niemals erträumen können
Und auf einmal war es so weit, eines der drei Handys klingelte. Es war Lias Handy, aufgeregt ging sie dran. ,,Herzlichen Glückwunsch Frau Swarts , sie haben zwei Konzertkarten für das Konzert von IDOLS gewonnen. Das Konzert wird diesen Samstag um 20:00 Uhr in Toronto stattfinden. Sie und eine weitere Begleitperson ihrer Wahl werden von unserem Sender drei Stunden vorher abgeholt und dann werden sie exklusiv eins der Mitglieder, ihrer Wahl, persönlich kennen lernen. Die genauen Infos und eine Bestätigung des Gewinns werden ihnen jetzt gleich per E-Mail zugesendet. Wir hoffen, dass sie sich freuen und wünschen ihnen noch einen schönen Abend." „Warte—was? Echt jetzt?“ brachte Lia nur leise heraus, während sie sich schon eine Hand vor den Mund hielt. Mit diesen Worten war das Telefonat auch schon beendet. Die angekündigte E-Mail mit der Bestätigung folgte direkt. Lia sollte nur noch eintragen, wen sie als ihre Begleitperson mitnehmen wollte und welches Mitglied





