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Kapitel 4

Penulis: Pia Westermann
Bei diesem Anblick stieg eine kalte Wut in Helene auf, und ihre Hände begannen unwillkürlich zu zittern.

Also war jene Frau, die Damian bis ins Mark verwöhnte, niemand anderes als Carolin!

Warum musste es ausgerechnet sie sein, ausgerechnet die Tochter ihres Feindes!

„Und wenn nicht!“

Helene gab sich alle Mühe, das Zittern in ihrer Stimme zu unterdrücken.

„Dann streiche ich dir sämtliche Bezüge.“

Damians Stimme war kalt und distanziert.

„Ha.“

Helene lachte, und beim Lachen schossen ihr fast die Tränen in die Augen.

Wie bitter das war.

Um Carolin zu gefallen, war Damian wahrhaftig jedes Mittel recht.

„Lass nur, Damian.“

Carolin schmiegte sich kokett an seinen Arm.

„Sie ist meine Cousine, ihre Eltern sind früh gestorben. Schon zu Hause hat sie mir immer alles streitig gemacht. Es ist doch nur ein Kleid, überlass es ihr.“

Svenja konnte nicht länger zusehen und fuhr Carolin an: „Du schamloses Flittchen! Erst nimmst du Helene die Sachen weg, und dann verdrehst du auch noch die Tatsachen! Gleich reiße ich dir dein loses Maul auf!“

Damians Miene verfinsterte sich sichtlich.

Helene hielt Svenja zurück.

Was zwischen ihr, Damian und Carolin stand, durfte keine Außenstehenden in den Streit hineinziehen.

Damian starrte Helene unverwandt an und wartete ungeduldig darauf, dass sie nachgab.

Helene jedoch drückte der Verkäuferin kurzerhand ihre Karte in die Hand.

„Dieses Kleid nehme ich. Bitte abbuchen!“

Vor dieser unmissverständlichen Weigerung runzelte Damian die Stirn, sein Missfallen war ihm deutlich anzusehen.

Helene ließ Damian links liegen, nahm das teuer erstandene Kleid und wandte sich zum Gehen.

Hinter ihr erklang Damians tiefe Stimme.

„Dieses, dieses und das hier – alle Neuheiten im Laden, packen Sie alles ein und schicken Sie es zu Frau Adler!“

Helenes Schritt stockte.

Sämtliche Neuheiten zusammen kamen auf mindestens mehrere Hunderttausend Euro.

Bloß weil Helene ihr das gewünschte Kleid nicht überlassen hatte, machte Damian es mit dieser fürstlichen Geste wieder gut.

Es schien, als liebte er Carolin wahrhaftig bis ins Mark und ertrüge es nicht, dass ihr auch nur das kleinste Unrecht geschah.

Svenja konnte sich erneut eine Schimpftirade nicht verkneifen.

„Verflucht! Hat Damian Tomaten auf den Augen? Hat so eine tolle Frau und merkt es nicht mal. Was er bloß an dieser falschen Schlange Carolin findet!“

Es gab Helene einen Stich, doch rasch fasste sie sich wieder.

Da sie sich zur Scheidung entschlossen hatte, warum noch seinetwegen traurig sein?

Am nächsten Vormittag schlenderte Helene allein und gelangweilt durch die Straßen und stand auf einmal vor ihrer einstigen Universität.

Auf dem Campus fand gerade eine Jobmesse statt.

Beim Anblick der jungen Studenten, die voller Tatendrang waren, wurde Helene auf einmal ganz wehmütig zumute.

Wäre sie vor vier Jahren nicht so vernarrt gewesen, dass für sie nur die Heirat mit Damian zählte, hätte sie nicht ihr Studium und ihre Laufbahn aufgegeben – vielleicht sähe heute alles anders aus.

„Helene?“

Hinter ihr rief jemand ihren Namen.

Helene drehte sich um und sah tatsächlich ihren Doktorvater aus Studienzeiten, Professor Eckhart.

„Professor Eckhart.“

Eckhart wirkte etwas gealtert, er hatte ein paar graue Haare mehr, doch spitzzüngig war er noch immer.

„Abgemagert bist du, und blass siehst du aus. Ist es dir in all den Jahren wohl nicht gut ergangen?“

„Ich …“

Helene blieben die Worte im Halse stecken. Sie wusste nicht, was sie antworten sollte.

„Ich habe Ihren Mann damals aus der Ferne ein einziges Mal gesehen und sofort gewusst, dass er es nicht ehrlich mit Ihnen meint. Sie wollten ja partout nicht hören und sind mit dem Kopf durch die Wand. Jetzt haben Sie sich den Kopf gestoßen und wissen endlich, wie weh es tut, nicht wahr?“

Eckhart hielt Helene eine Standpredigt. Es wurmte ihn sichtlich, dass aus ihr nichts Rechtes geworden war.

Helene lächelte bitter.

„Ja. Man muss sich erst selbst die Stirn anschlagen, um zu begreifen.“

„Professor Eckhart, wegen des Medikamentenpatents möchte ich Ihnen danken.“

„Das stand Ihnen ohnehin zu. Haben Sie das Geld in der Hand, haben Sie wenigstens einen Rückhalt.“

Erst jetzt verstand Helene die guten Absichten ihres Professors.

Dass Eckhart nicht zu ihrer Hochzeit gekommen war, hieß nicht, dass er sie als Schülerin verstoßen hätte. Er hatte nur, weil er den Abgrund vor ihr kommen sah, nicht mit eigenen Augen ansehen wollen, wie sie hineinsprang.

Zu Mittag aß Helene mit Professor Eckhart in der Mensa.

„Haben Sie jetzt Arbeit?“

Helene schüttelte den Kopf.

Sie hatte durchaus daran gedacht, eine Stelle zu suchen. Doch in den vier Jahren als Vollzeit-Ehefrau hatte sie nur für Damian gelebt und den Anschluss an die Welt fast verloren. Wie sie im Berufsleben Fuß fassen sollte, wusste sie nicht.

Eckhart reichte ihr eine Visitenkarte.

„Der Leiter dieser Firma ist ein Schüler von mir. Wenn Sie wollen, können Sie jederzeit dort anfangen.“

Helene warf einen Blick auf die Karte.

Nordlicht Biotech.

Das war ein erst in den letzten Jahren aufgekommenes Unternehmen, spezialisiert auf die Erforschung von Krebsmedikamenten, also genau ihr Fachgebiet. Auch die Personalstruktur war überschaubar und damit gut geeignet für eine Berufsanfängerin wie sie.

Doch Helene wollte die Beziehungen ihres Professors nicht ausnutzen, um sich durch eine Hintertür einzuschleichen.

Am Nachmittag hatte Eckhart Vorlesung.

Helene ging nach Hause, schrieb einen Lebenslauf und schickte ihn an die Personalabteilung von Nordlicht Biotech.

Schon bald erhielt Helene einen Anruf: Am nächsten Vormittag sollte sie mit den nötigen Unterlagen zum Vorstellungsgespräch erscheinen.

Beim Zusammensuchen der Unterlagen fiel Helene auf, dass ihr Diplomzeugnis fehlte. Es musste in der Villa am Flachwasserufer liegen geblieben sein.

Helene fuhr eilig zur Villa, um es zu holen.

Kaum war sie eingetreten, hörte sie Margarethe telefonieren.

„Herr Hofmann, ist das Geld diesen Monat vielleicht falsch überwiesen worden?“

Aus dem Hörer drang Damians kühle Stimme.

„Dieses Geld ist für die Kosten der Villa. Ab diesem Monat werden Helenes sämtliche Bezüge gestrichen!“

Als Margarethe Helene zurückkommen sah, geriet sie sichtlich in Verlegenheit.

Damian überwies Helenes Haushaltsgeld jeden Monat über Margarethes Konto.

Da Helene in Ungnade stand, hatte Margarethe das Geld heimlich für sich behalten und ihr nur der Form halber ein paar Hundert Euro zugesteckt.

Als Margarethe sah, dass Helenes Miene unverändert blieb und sie wohl nichts bemerkt hatte, atmete sie erst einmal auf.

Sie folgte Helene auf Schritt und Tritt und redete unentwegt auf sie ein.

„Frau Hofmann, haben Sie Herrn Hofmann etwa wieder verärgert? Sie können froh sein, dass Sie Herrn Hofmann überhaupt abbekommen haben. Und wenn er nebenbei eine andere hat, was macht das schon? Er lässt es Ihnen doch an nichts fehlen – warum sich also wegen so etwas mit ihm überwerfen?“

„Hören Sie auf mich, rufen Sie Herrn Hofmann schnell an und entschuldigen Sie sich, dann verzeiht er Ihnen vielleicht noch. Ich meine es ja nur gut mit Ihnen, also seien Sie nicht uneinsichtig.“

Margarethe schwatzte hinter Helene her bis ins Schlafzimmer.

Helene drehte sich um, ein Lächeln umspielte ihre Augen.

„Ob zu meinem Besten oder um dir selbst die Taschen zu füllen – das weißt du doch ganz genau, oder?“

Margarethe war augenblicklich wie vor den Kopf geschlagen.

Mit einem Lappen in der Hand tat sie, als wische sie den Tisch ab.

„Ich … ich verstehe nicht, wovon Sie reden.“

Margarethes ungewöhnliches Verhalten bestätigte Helenes Vermutung.

Wie viel Haushaltsgeld Damian ihr früher Monat für Monat überlassen hatte, wollte Helene gar nicht mehr wissen.

Für sie hatte es ohnehin keine Bedeutung mehr.

Helene fand ihr Diplomzeugnis in der Schublade und wollte gehen.

Margarethe stutzte beim Anblick der Scheidungspapiere auf dem Tisch und eilte ihr nach.

„Sie wollen sich von Herrn Hofmann scheiden lassen?“

Helene neigte leicht den Kopf.

„Da du es ohnehin gesehen hast, gib es bitte Damian.“

Margarethe blickte der davongehenden Helene mit ungläubigem Gesicht nach.

War Helene es nicht gewesen, die sich damals mit aller Macht in die Ehe mit Damian gedrängt hatte?

Nach allem, was sie getan hatte, um in diese Ehe zu kommen, wollte sie den Platz als Frau Hofmann nun wirklich aufgeben?

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