LOGINMeine grausame Zwillingsschwester ist in der Nacht vor ihrer Hochzeit mit Damian Blackwood geflohen, einem gnadenlosen Milliardär und Unternehmensjäger, der alles zerstört, was ihm im Weg steht. Um meine Familie vor dem völligen Ruin zu bewahren, schlüpfe ich in ihr maßgeschneidertes Spitzenhochzeitskleid, verhülle mein Gesicht mit dem Schleier und schreite an ihrer Stelle zum Altar. Ich hatte damit gerechnet, entdeckt zu werden. Ich hatte erwartet, eine stille, verängstigte Rolle zu spielen. Doch in unserer ersten gemeinsamen Nacht in seinem Penthouse drängt Damian mich gegen die Tür, packt mein Kinn und flüstert mir die erschreckende Wahrheit zu: Er weiß genau, wer ich bin. Und es ist ihm egal. Mit meinem Geheimnis als Druckmittel hält er mich in seiner Luxuswelt gefangen und verlangt, dass ich die Rolle seiner unterwürfigen Trophäenfrau spiele, um seine milliardenschwere Fusion abzusichern. Ich bin schwach, erschöpft von Jahren emotionaler Misshandlung durch meine Familie, und völlig überfordert. Doch während Damian mich an meine absoluten Grenzen treibt, hinter verschlossenen Türen, entfacht seine kalte Kontrolle eine explosive, gefährliche Leidenschaft zwischen uns. Er zerbricht mich nicht, er weckt ein wildes Feuer in mir, von dem ich nie wusste, dass ich es besitze. Doch kann in einer Ehe, die vollständig auf dunklen Geheimnissen und atemloser Versuchung aufgebaut ist, die Besessenheit eines Königs den ultimativen Verrat überleben?
View MoreDie Ohrfeige traf mich, noch bevor ich überhaupt sah, wie sich ihre Hand bewegte.
„Wenn du es noch einmal wagst, mich so anzusehen“, zischte Elena, während das Licht auf ihren Ringen glitzerte und sie für einen zweiten Schlag ausholte, „werde ich dafür sorgen, dass du es für den Rest deines erbärmlichen Lebens bereust.“
Meine Wange brannte weißglühend, dann heiß, dann unerträglich heiß, und der Schmerz breitete sich bis in meinen Kiefer aus, als wäre unter meiner Haut etwas aufgebrochen. Ich presste meine Handfläche dagegen und spürte meinen eigenen Puls unter meinen Fingern hämmern, schnell und verängstigt, genau so, wie er es immer tat, wenn Elenas Wut mich traf statt eine Tür, eine Vase oder irgendetwas anderes, das gerade näher war. Tränen schossen mir in die Augen, obwohl jeder Instinkt in mir schrie, ihr nicht die Genugtuung zu geben, und ich hasste mich ein wenig dafür, wie automatisch dieser Instinkt nach sechsundzwanzig Jahren noch immer war. Ich hasste es, dass irgendein kleiner, tierischer Teil von mir noch immer zusammenzuckte, kalkulierte und die Entfernung zum nächsten Ausgang abschätzte, noch bevor ich den Schmerz überhaupt vollständig wahrgenommen hatte.
Ich hatte sie nicht einmal falsch angesehen. Ich hatte nur von den Gästebettwäsche aufgeschaut, die ich gerade zusammenlegte, als sie ins Zimmer gestürmt war und wegen einer Floristin geschrien hatte, die ihre Pfingstrosen im falschen Rosaton gefärbt hatte.
„Es tut mir leid“, flüsterte ich, denn ich hatte vor zwanzig Jahren gelernt, dass die Worte selbst nicht wichtig waren, sondern nur, wie schnell ich sie sagte. Schnelligkeit war Gnade. Schnelligkeit war der Unterschied zwischen einer Ohrfeige und drei.
„Du siehst immer irgendetwas an.“ Sie packte eine Handvoll meiner Haare und riss meinen Kopf nach hinten, sodass ich gezwungen war, ihr in die Augen zu sehen, und für einen schrecklichen Moment dachte ich, sie würde es tatsächlich tun, würde mein Gesicht wirklich so zerschmettern, wie sie es schon ein Dutzend Mal gedroht hatte, wenn ihre Laune schlecht genug war. Meine Kopfhaut schrie vor Schmerz. Meine Augen tränten von dem Zug, heiß und unwillkürlich, und ihr wütendes, wunderschönes Gesicht verschwamm vor meinen Augen zu etwas, das ich kaum noch als das Gesicht meiner Zwillingsschwester erkennen konnte.
„Du hast alles angesehen, was mir gehört, seit dem Tag, an dem wir geboren wurden. Mein Zimmer. Meine Kleidung. Und jetzt meine Hochzeit. Glaub nicht, dass ich nicht bemerkt habe, wie du Damians Foto in der Zeitung angestarrt hast, als hättest du irgendein Recht dazu.“
„Ich will nichts von dir.“ Die Worte kamen dünn und gebrochen aus mir heraus. „Das habe ich nie.“
„Lügnerin.“ Sie stieß mich so heftig gegen die Tür des Wäscheschranks, dass das Holz hart gegen meine Wirbelsäule krachte. Ein scharfer, splitternder Schmerz durchfuhr mich und raubte mir die Luft aus den Lungen. Ich biss den Schrei nieder, der aus mir herauswollte, biss so fest zu, dass ich Kupfer schmeckte, denn Weinen hatte es immer nur schlimmer gemacht, hatte ihr immer nur mehr gegeben, womit sie arbeiten konnte.
„Papa sagt, du hast wieder ohne Erlaubnis die Haushaltsbücher geführt. Hast du gedacht, das würde dich klug machen? Hast du gedacht, das würde bedeuten, dass du wichtig bist?“
„Ich wollte nur helfen—“
„Du darfst nicht helfen. Du darfst die Wäsche zusammenlegen und mir aus dem Weg gehen, bis diese Hochzeit vorbei ist. Danach kannst du wieder niemand sein, so wie Gott es vorgesehen hat.“
Sie ließ meine Haare so plötzlich los, dass ich beinahe umkippte, strich ihre Bluse glatt, als wäre sie auf dem Weg zu etwas Wichtigem lediglich an einem Möbelstück vorbeigekommen, und sah auf mich hinunter, die ich zusammengesunken an der Schranktür lag. In ihren Augen lag etwas, das schlimmer war als Hass.
Langeweile.
Ich war für sie bereits nicht mehr interessant.
„Mach dich vor dem Abendessen sauber. Du siehst erbärmlich aus.“
Sie ließ mich dort auf dem Boden zurück.
Ich weiß nicht, wie lange ich so blieb. Lange genug, dass der Schmerz in meiner Kopfhaut sich zu einem dumpfen, ständigen Pochen legte. Lange genug, dass meine Wirbelsäule steif wurde, dort, wo der Türrahmen sie getroffen hatte, während sich unter meiner Bluse bereits ein Bluterguss ankündigte.
Ich saß mit angezogenen Knien und dem Rücken gegen genau die Tür gelehnt, die mir gerade wehgetan hatte, und erlaubte mir, das zu tun, was ich vor niemandem sonst in diesem Haus jemals tat.
Ich weinte.
Still, methodisch, so wie ich mir das Weinen seit meiner Kindheit beigebracht hatte. Kein Laut, keine bebenden Schultern, nur Tränen, die über mein Gesicht liefen und von meinem Kiefer auf die Wäsche tropften, die ich vor dem Abendessen ohnehin wieder zusammenlegen musste.
Ich dachte an meine Mutter, die nun seit elf Jahren fort war, gestorben, bevor sie überhaupt die Chance gehabt hatte, dabei zuzusehen, wie daraus eine Gewohnheit statt eines Unfalls wurde.
Früher stellte ich mir vor, sie hätte es verhindert. Sie hätte sich zwischen Elenas Wut und meinen Körper gestellt, so wie Mütter es tun sollten. An manchen Abenden erlaubte ich mir noch immer, daran zu glauben.
An den meisten Abenden jedoch, wenn ich ehrlich zu dem rohen, schmerzenden Teil von mir war, der nur in leeren Fluren zum Vorschein kam, vermutete ich, dass sie es einfach ebenfalls nicht bemerkt hatte.
Vielleicht war das der grausamere Gedanke.
Vielleicht war es auch der wahrere.
Sechsundzwanzig Jahre alt, und ich zählte noch immer die Ausgänge in jedem Raum, den ich betrat.
Sechsundzwanzig Jahre alt, und ich zuckte noch immer zusammen, wenn Türen zu schnell zufielen, bei erhobenen Stimmen zwei Zimmer weiter und bei dem ganz bestimmten Klicken von Elenas Absätzen auf dem Hartholz, wenn sie auf der Suche nach etwas war, wofür sie mir die Schuld geben konnte.
Ich hatte aus kleinen, unsichtbaren Gewohnheiten wie diesen eine ganze Architektur des Überlebens errichtet, Mauern, die niemand sonst sehen konnte, und ich war so gut darin geworden, innerhalb dieser Mauern zu leben, dass ich an den meisten Tagen vergaß, dass es jemals eine Version von mir gegeben hatte, die von diesem Haus etwas anderes erwartet hatte.
Schließlich stand ich auf, weil der Boden kalt war und weil das Abendessen vorbereitet werden musste, unabhängig davon, was mein Körper gerade durchgemacht hatte.
Im Badezimmer im Erdgeschoss ließ ich das Wasser laufen, bis es lauwarm wurde, und drückte ein feuchtes Tuch gegen meine Wange. Dabei beobachtete ich den Spiegel so, wie ich es immer tat, als könnte mir das Gesicht einer Fremden entgegenblicken statt meines eigenen.
Die Abdrücke ihrer Ringe waren bereits sichtbar geworden, eine dünne rote Strieme direkt unter meinem Wangenknochen, klein genug, um sie mit etwas Puder zu verstecken. Und ich verstand, ohne dass es jemals jemand laut aussprechen musste, dass genau das der Punkt war.
Elena hatte noch nie eine Spur hinterlassen, die sich nicht bis fünf Uhr überdecken ließ.
So war sie vorsichtig.
Vorsichtig auf die Art eines Menschen, der dies oft genug getan hatte, um genau zu wissen, wo die Grenze lag.
Ich tupfte Puder über die Strieme, mit Händen, die wieder ruhig geworden waren, denn ruhig zu sein war inzwischen das Einzige, was ich noch konnte. Ich starrte mein Spiegelbild an, bis ich das Mädchen, das mir entgegenblickte, wieder als jemanden erkannte, der es wert war, ernährt zu werden, der es wert war, Kleidung zu bekommen, der es wert war, noch einen weiteren Abend zu überstehen.
Das war so viel Freundlichkeit, wie ich mir selbst jemals entgegenbrachte.
Es musste reichen, denn niemand sonst in diesem Haus würde mir mehr geben, als ich selbst hervorbringen konnte.
Ich stand noch immer dort, das Tuch gegen mein Gesicht gedrückt, als ich durch die Tür des Arbeitszimmers am Ende des Flurs die Stimme meines Vaters hörte, leise und dringlich, in einem Tonfall, den ich überhaupt nicht wiedererkannte.
Und etwas in meinem Magen wurde kalt und klein, auf eine Weise, die nichts mit Elena zu tun hatte.
Ich starrte ihn im dämmrigen Licht des Wagens an, mein Herz hämmerte so heftig, dass ich es bis in meinem Hals spüren konnte.„Wer hat ihr geholfen?“Damian antwortete nicht sofort. Stattdessen musterte er mich, so wie er mein Gesicht durch den Schleier hindurch betrachtet hatte, als würde er noch immer abwägen, wie viel Wahrheit ich ertragen konnte, ohne daran vollständig zu zerbrechen.„Weston Cole.“ Er sagte den Namen tonlos, als würde es ihn etwas kosten, ihn preiszugeben. „Er besitzt eine Mehrheitsbeteiligung an einem Logistikunternehmen, das ich seit acht Monaten zu übernehmen versuche. Die Schulden deines Vaters bei mir waren nie ein Zufall, Vivienne. Cole hat diese Familie seit über einem Jahr umkreist und nach genau der Art von Druckmittel gesucht, die die Verzweiflung deines Vaters ihm schließlich in die Hände gespielt hat.“„Ich verstehe nicht. Was hat meine Schwester mit einer Geschäftsübernahme zu tun?“„Alles, wenn er sie davon überzeugt hat, dass es entweder genug Druck
Ich erinnere mich nicht an den größten Teil der Zeremonie.Ich erinnere mich an die Orgelmusik, die in meinen Ohren immer lauter anschwoll und meinen eigenen Herzschlag übertönte. Ich erinnere mich an die zitternde Hand meines Vaters, als er meine in Damins legte, sein Gesicht zu geübter Trauer verzogen, die Vorstellung eines Mannes, der eine Tochter, die er liebte, weggab, statt einer Tochter, die er verkauft hatte, um sich selbst zu retten.Ich erinnere mich daran, Worte gesagt zu haben, von denen ich mich nicht erinnern kann, sie selbst gewählt zu haben. Mein Mund bewegte sich von allein, während der Rest von mir irgendwo außerhalb meines Körpers stand und zusah, wie eine Fremde im Kleid meiner Schwester heiratete.Ich erinnere mich an den Kuss.Kalt. Kurz. Eine Formalität für die Kameras, nichts von der Zärtlichkeit, die ich mir naiv, töricht erlaubt hatte, mir vorzustellen, nachdem ich in jenem Vorraum gewesen war, nachdem er mir gesagt hatte, ich solle nicht zusammenzucken.Ich
Meine Hände wollten einfach nicht aufhören zu zittern, und so oft ich sie auch flach gegen die Seide des Kleides meiner Schwester presste, ich konnte sie nicht ruhig bekommen.„Er besteht darauf, die Braut allein zu treffen.“ Das Flüstern der Koordinatorin trug weiter, als sie vermutlich gedacht hatte, oder vielleicht war es ihr einfach egal, ob die Braut selbst die Bedingungen ihrer eigenen Hinrichtung mithörte. „Kein Vater. Keine Hochzeitsgesellschaft. Nur sie.“Mit einer kalten, absinkenden Klarheit verstand ich genau, warum diese Bedingung mich mehr erschreckte als alles, womit mein Vater mir gedroht hatte. Die Grausamkeit meines Vaters kannte ich in- und auswendig. Sechsundzwanzig Jahre hatte ich damit verbracht, ihre Grenzen, ihre Muster, das genaue Gewicht seiner Hand und die genaue Tonlage seiner Verzweiflung kennenzulernen.Damian Blackwood war ein Fremder, und Fremde, die eine ganze Stadt in Angst versetzten, noch bevor sie überhaupt ein Wort mit mir gesprochen hatten, waren
Die Haustür stand weit offen, als ich das Ende der Treppe erreichte. Das Morgenlicht fiel in einem blassen, gleichgültigen Rechteck über den Marmor, und mein Vater stand reglos mitten darin und starrte auf etwas auf der Eingangsstufe, als könnte es verschwinden, sobald er den Blick abwandte.Elenas Koffer.Gepackt, verschlossen und genau dort abgestellt, wo in der Nacht ein Auto vorgefahren wäre, um ihn abzuholen.„Papa?“ Meine Stimme klang dünn. „Was ist das?“Er antwortete nicht. Mit drei Schritten durchquerte er die Eingangshalle und nahm die Treppe mit jeweils zwei Stufen auf einmal. Ich folgte ihm, meine nackten Füße klatschten auf den kalten Marmor, mein Herz hämmerte so heftig, dass ich es in dem Bluterguss spüren konnte, der noch immer an meinem Kiefer blühte.Elenas Schlafzimmertür stand einen Spalt offen.Ihr Kleiderschrank war, als mein Vater ihn aufriss, halb geleert. Leere Kleiderbügel schwangen nutzlos hin und her, Schubladen waren herausgezogen und standen offen wie Wun











