LOGINEmilys Leben war bereits geplant—gehorsame Tochter, perfekte Verlobte, ruhige Zukunft. Dann überschritt sie die falsche Linie. Adrian Carter ist alles, was sie nicht wollen sollte—der Onkel ihres Verlobten, ein skrupelloser Milliardär und ein Mann, der direkt durch ihre sorgfältig aufgebaute Fassade sieht. Eine Nacht verändert alles. Und Adrian hat nicht die Absicht, sie gehen zu lassen.
View MoreEmily
„Warum musst du diese Verlobung durchziehen? Liebst du mich denn nicht mehr?“ Ich hielt inne. Ich stand in der Nähe der Toilette und beobachtete sie. Sie konnten nicht einmal die Tür richtig schließen, was einfach zeigte, wie töricht sie waren. Der Klang von Lilys Stimme, flehend und sanft, drang durch die dämmrige Abendluft. Er war intim, verletzlich. Nathans Arm zog sich fester um ihre Schulter. „So ist das nicht, Lily“, sagte er sanft. „Du weißt, das ist keine Entscheidung, die ich allein treffen konnte. Es ist… es ist entschieden worden, seit wir Kinder waren. Ich habe kein Mitspracherecht.“ Feigling. Lilys Lippen zitterten, aber sie drückte sich enger an ihn. Ihre Wange streifte seine, und ich bemerkte das subtile Neigen ihres Kopfes, die Art, wie sie scharf einatmete, die Augen zu mir herüberblitzen ließ, selbst als sie sich an ihn klammerte, ein Schmunzeln auf den Lippen. Ich hatte das erwartet. Ich hatte schon lange vor heute Abend gewusst, dass es hier eine Vorgeschichte gab. Dass da etwas zwischen ihnen existiert hatte, etwas Zärtliches, etwas Ungesagtes. Aber der Anblick davon jetzt – Lilys leiser Trotz und Nathans vorsichtige Geduld – ließ die Verärgerung in mir aufsteigen. Nicht, weil mir etwas an Nathan lag. Nicht, weil ich eifersüchtig war. Ich stand darüber. Es war die Respektlosigkeit, die ich spürte, die Dreistigkeit ihrer kleinen Vorstellung, genau hier auf unserer Verlobungsfeier. In der Öffentlichkeit, wo jeder sie sehen konnte, diese Leichtfertigkeit. Nathan beugte sich hinab und drückte seine Lippen auf Lilys, zuerst sanft, als wollte er das Terrain austesten, als könnte dieser Kuss die Schärfe ihrer Meinungsverschiedenheit mildern. Lily reagierte sofort, ihre Hand wanderte zu seinem Nacken, die Finger verfingen sich in seinem Haar, ihre Augen dunkel und selbstgefällig, als sie meine quer durch die Menge trafen. Dieses Schmunzeln. Dieser bewusste, dreiste Blick. Sie beanspruchte ihn für sich. Vor meinen Augen. Und was noch schlimmer war: Sie forderte mich heraus, mich darum zu scheren. Nathans Lippen stöhnten gegen ihre, und ich spürte ein kleines, unangenehmes Stechen in meinem Magen – nicht Verlangen, sondern Eindringen. Der Kuss vertiefte sich, uneilig, intim, und für einen Moment erhaschte ich den schwachen Duft seines Parfums – desjenigen, an das sich Lily immer gelehnt hatte, desjenigen, das ich mir nie erlauben konnte zu vergessen. Ich wandte mich ab. Die höfliche Maske glitt wieder an ihren Platz, als ich zur Party zurückkehrte, meine Absätze klickten auf dem polierten Stein, ein Lächeln sorgfältig auf mein Gesicht gemalt. Ich hob eine Hand, nickte und murmelte die üblichen Höflichkeiten zu entfernten Cousins, längst verlorenen Tanten und Familienfreunden, an deren Namen ich mich nicht erinnerte. Mein Glas verließ nie meine Hand. Meine Stimme ins Stocken geriet nie. Drinnen zählte ich die Minuten, maß ihre Dreistigkeit, erinnerte mich an die Art, wie Nathans Hand auf ihrer Taille ruhte, die Leichtigkeit, mit der sie sich an ihn lehnte. Ihre kleine Performance der Liebe – so offensichtlich, so kalkuliert – ließ mir die Haut krabbeln. Nicht, weil ich Nathan wollte, sondern weil ich Jahre damit verbracht hatte, zu lernen, meinen eigenen Raum, mein eigenes Image, meine eigenen Grenzen zu kontrollieren. Und jetzt trampelten sie darüber hinweg, als hätten sie ein Recht darauf. Ich kannte ihre Geschichte, ihre Vergangenheit. Ich hatte es vor heute Abend gewusst. Aber es aus erster Hand mitzuerleben, die bewussten Blicke und kleinen, scharfen Gesten zu sehen – Lilys Hand, die über seine Brust strich, ihre Augen, die meine fingen und hielten, eine stumme Herausforderung – es war dreist. Und es machte mich… wütend. Stinkesauer. Ich nippte an meinem Getränk und tat so, als würde ich die Blumenarrangements bewundern. Nichts an diesem Abend gehörte mir, und dennoch musste ich mich darin bewegen. Lächeln, nicken, teilnehmen. Das war alles, was irgendjemand erwartete. Das war alles, was mir je zu erwarten erlaubt gewesen war. „Emily!“ Eine warme, freundliche Stimme durchbrach meine Gedanken. Ich drehte mich um und sah Mrs. Carter, die Hände vor Freude gefaltet, ein Strauß Orchideen quillt aus ihren Armen. „Ich bin so froh, dass du hier bist! Komm doch rüber, wir hatten noch gar keine richtige Gelegenheit zu sprechen.“ Ich nickte höflich, rückte den Saum meines Kleides zurecht und ließ ein gezwungenes Lächeln meine Züge übernehmen. Die Welt musste nicht wissen, dass ich gerade einen Kuss bezeugt hatte, der nicht meiner war, um mich darum zu scheren. Die Welt brauchte mich ruhig, gefasst und vorzeigbar. Ich bewegte mich auf die Carters zu, hielt den Kopf hoch. Ein paar wohlplatzierte Lacher, ein kleines Erröten, wenn jemand die Verlobung kommentierte, höfliche Wertschätzung, wenn Geschenke überreicht wurden. Meine Maske war makellos, geübt. Und die ganze Zeit spürte ich es: das Gewicht von Augen auf mir. Nicht von Lily. Nicht von Nathan. Jemand anderes. Irgendwo auf der anderen Seite des Gartens, im Schatten unter der Marmorterrasse, beobachtete mich jemand. Ich blickte zurück, scannte die Menge, meine Augen trafen auf welche, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Er hielt seine Augen auf meinen, und ich sah weg; etwas an dem Blick in seinen Augen verunsicherte mich. Als ich wieder zurückblickte, war er vertieft in Gespräche mit einer Gruppe von Männern, die sich leicht verneigten, als sie ihm die Hände schüttelten. Er wirkte wie jemand Wichtiges, aber ich hatte ihn noch nie gesehen. Ich würde wahrscheinlich später Nathan fragen, wenn er mit seinem ‚Rendezvous‘ fertig ist. Ich ging weiter, begrüßte mehr Gäste, plauderte in sorgfältig abgemessenen Tönen, goss mir noch ein Getränk ein, um den Schein zu wahren. Trinksprüche. Höfliches Lachen. Polierte Antworten. Sanftes Nicken. Aufmerksame Augen. Ich spielte die perfekte, gehorsame Schwiegertochter und Verlobte.AdrianIch atmete scharf ein, in dem Moment, als die Worte ihren Mund verließen.„Lass uns Schluss machen.“Für eine Sekunde wurde die Welt im Inneren des Autos still. Nicht diese friedliche Art von Stille – sondern die erstickende. Die Art, die gegen deine Brust drückt, bis das Atmen schwerfällt.Meine größte Angst war gerade wahr geworden.In dem Moment, als sie anfing, meine Anrufe zu ignorieren, wusste ich, dass etwas nicht stimmte. Zuerst dachte ich, ihr sei etwas zugestoßen. Emily hatte mich noch nie zuvor gemieden. Selbst wenn wir stritten, selbst wenn sie so tat, als wäre ihr alles egal, antwortete sie schlussendlich immer. Und sei es nur eine kühle Nachricht oder eine sarkastische Antwort.Aber dieses Mal… nichts.Anruf für Anruf. Nachricht für Nachricht. Ignoriert.In der ersten Nacht redete ich mir ein, sie sei beschäftigt. In der zweiten Nacht begann ich mir Sorgen zu machen. Am dritten Tag war das Unbehagen in meiner Brust zu etwas H
EmilyIch konnte mich einfach nicht dazu bringen, Adrian anzurufen. Oder ihm zu schreiben. Oder mir auch nur die Sprachnachrichten anzuhören, die er mir immer wieder hinterließ.Jedes Mal, wenn mein Telefon vibrierte und sein Name auf dem Bildschirm aufleuchtete, zog sich meine Brust so schmerzhaft zusammen, dass es sich anfühlte, als würde etwas in mir zerbrechen. Die ersten paar Male starrte ich auf den Bildschirm, bis es aufhörte zu klingeln. Danach fing ich an, das Telefon sofort umzudrehen, sobald es vibrierte, als könnte ich so so tun, als würde es gar nicht passieren.Feige. Aber ich brauchte Zeit. Zeit zum Nachdenken. Zeit, um mich selbst davon zu überzeugen, dass ich das Richtige tat.Also vergrub ich mich in Arbeit. Wenn ich nur beschäftigt genug war, müde genug, würde ich vielleicht nicht an die Wärme seiner Hände denken, an die leise Art, wie er meinen Namen aussprach, an die Nachrichten, die wahrscheinlich sanfter klangen als alles, was ich zu hören bereit war.Ich fing a
EmilyIch erinnere mich nicht mehr daran, wie ich die Party verlassen habe.In einem Moment stand ich noch in diesem Waschraum, während Vivians Worte wie Glas durch mich hindurchschnitten. Im nächsten saß ich auf dem Rücksitz eines Autos, während die Lichter der Stadt in Streifen aus Gold und Weiß vorbeizogen.„Wir wollen doch nicht, dass sich der Skandal deiner Mutter wiederholt, oder?“Ihre Stimme hörte einfach nicht auf zu hallen.Als ich das Haus betrat, fühlte ich mich wie ausgehöhlt. Die Stille umhüllte mich wie eine erstickende Decke. Ich begrüßte niemanden. Ich machte das Licht im Wohnzimmer nicht an. Ich ging direkt in mein Schlafzimmer, schloss die Tür und lehnte mich dagegen.Der Skandal meiner Mutter.Nicht irgendein Skandal.Der Skandal.Derjenige, der die Familie Vale zerrissen hatte.Ich glitt langsam nach unten, bis ich auf dem Boden saß, die Knie an die Brust gezogen.Ich hatte Jahre damit verbracht, mich selbst davon zu überzeugen, dass er begraben war. Vergessen. Nu
EmilyIch hätte nicht gedacht, dass mich Adrians Abwesenheit so hart treffen würde. Fünf Tage. Nur fünf Tage, und doch fühlte es sich an, als hätte jemand eine Schicht von mir abgetrennt und alles darunter schutzlos zurückgelassen. Ich bewegte mich durch das Haus, als würde mir etwas Lebenswichtiges fehlen – als hätte ich mein Telefon vergessen, meine Handtasche, meinen Herzschlag.Sogar Lily bemerkte es.Sie hatte angefangen, im Unternehmen zu absolvieren, danke meiner Erwähnung gegenüber Nathan neulich, was bedeutete, dass Nathan auf meine Ausrede hereingefallen war.Vor zwei Nächten kam sie spät zurück, wahrscheinlich um das zu tun, worüber ich lieber nicht nachdenken wollte, mit Nathan. Als sie mich im Wohnzimmer sah, wie ich an einer Tasse Tee nippte, hielt sie inne. „Du bist früh zu Hause. Schon wieder“, sie kam näher, falsches Mitleid lag deutlich in ihrer Stimme. „Was ist passiert? Hat dein Nebenerwerb dich serviert?“Ich verdrehte einfach die Augen und antwortete: „Wenigstens











