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Kapitel 6

Penulis: Pia Westermann
Konstantin und Julius hatten Helene nur ein einziges Mal gesehen, am Tag von Damians Hochzeit.

Bei aller Ehrlichkeit, sie sah gut aus, und so erkannten die beiden sie trotz der langen Zeit auf den ersten Blick.

Als Damians Jugendfreunde verabscheuten auch sie Helene.

Konstantin stichelte von der Seite: „Damian, brennt bei dir daheim die Hütte? Sogar bis hierher kommt deine Frau, um dich in flagranti zu ertappen.“

Damian schnaubte verächtlich.

„Ausgerechnet sie?“

Damians kalte Worte, Carolins triumphierendes Lächeln, der Spott von Konstantin und Julius – alles bohrte sich tief in Helenes Herz.

„Verzeihung, falsche Tür.“

Helene schloss die Tür und zog sich zurück.

Helenes gefasste Haltung überraschte Konstantin und Julius.

„Sieht eine Frau ihren Mann mit einer anderen, macht sie doch sonst gleich ein Riesentheater. Wieso bleibt die so ungerührt? Damian, ob sie dich womöglich nicht mehr liebt?“

„Wie sollte sie? Sie liebt Damian auf Leben und Tod. Bestimmt traut sie sich nur aus Angst, vor die Tür gesetzt zu werden, kein Wort zu sagen.“

Vor der Tür holte Helene tief Luft.

Sie bemühte sich, sich zu fassen, und redete sich zu, sich ihre Worte nicht zu Herzen zu nehmen.

„Hey, Süße!“

In diesem Moment kam der Begleiter auf sie zu.

„Ich habe dich überall gesucht, da bist du ja.“

Ganz selbstverständlich legte er den Arm um Helenes Taille.

„Komm, lass Svenja nicht warten.“

So ungewohnt es Helene war, diesmal wies sie ihn nicht ab.

Durch die Glasscheibe in der Tür sah Konstantin, wie Helene und der Begleiter in vertrauter Pose ein anderes Séparée betraten, und schrie unwillkürlich auf.

„Wahnsinn! Damian, ihr beiden treibt es ja bunt! Deine Frau lässt sich hier doch tatsächlich Begleiter kommen!“

Julius zog seine Schlüsse: „Dann war sie eben gar nicht hier, um dich zu ertappen, sondern hat sich nur in der Tür geirrt?“

Damians schönes Gesicht verfinsterte sich binnen Sekunden auf erschreckende Weise.

Helene, wie konnte sie es wagen!

Sie trug den Titel Frau Hofmann, scherte sich nicht um Anstand und Sitte und vergnügte sich an einem solchen Ort mit Männern – was machte das aus seinem Ruf?

Helene kehrte ins Séparée zurück, Svenja hatte bereits etwas zu viel getrunken.

„Helene, wo warst du nur, warum kommst du erst jetzt?“

„Ich habe mich aus Versehen in der Tür geirrt.“

Von der Begegnung mit Damian erzählte Helene ihr nichts.

Svenja schlug vor:

„Wie wäre es mit einem Spiel? Wir reichen eine Spielkarte von Mund zu Mund weiter, und wer beim Weitergeben versagt, muss zur Strafe trinken!“

Helene hatte an diesem albernen Spielchen wenig Interesse.

Svenja zog sie an der Hand aufs Sofa.

„Komm schon, komm schon, sei kein Spielverderber.“

So wurde Helene zur Teilnahme genötigt.

Der gut aussehende Begleiter kam mit der Karte zwischen den Lippen auf sie zu. Die Nähe des fremden Mannes ließ sie instinktiv den Kopf zur Seite drehen. Etliche Male misslang es, und so musste sie zur Strafe einige Gläser trinken.

Beim letzten Mal überwand Helene schließlich ihre Scheu und nahm die Karte mit geschlossenen Augen entgegen.

In diesem Augenblick stand Konstantin draußen und filmte heimlich mit dem Handy.

Schadenfroh, wie er war, trug er das Video zu Damian.

„Damian, deine Frau weiß sich zu amüsieren! Du fährst ja nicht einmal alle paar Wochen heim – ob da nicht längst ein anderer das Feld bestellt?“

Im Video waren Helene und der Begleiter kurz davor, einander zu küssen.

Bei diesem Anblick loderte Zorn in Damian auf.

So sehr er sie auch verabscheute, er konnte nicht hinnehmen, dass seine Frau ihm vor der Nase mit einem anderen anbandelte.

„Damian.“

Carolin mischte sich ein.

„Sie will damit doch nur deine Aufmerksamkeit erregen.“

Konstantin ging ein Licht auf.

„Stimmt auch wieder!“

„Diese Helene schreckt vor nichts zurück, hat dir sogar etwas in den Drink gemischt – wer weiß, ob sie sich nicht absichtlich einen Begleiter gesucht hat, um dich zu reizen.“

Damian sagte kein Wort und kippte den Wein in seinem Glas hinunter.

Heimlich ließ er den Barbetreiber kommen und verlangte ausdrücklich, jenen Begleiter zu entlassen.

Wie auch immer, Helene war dem Namen nach seine Frau, und es stand keinem anderen zu, sie anzurühren.

Beim Verlassen der Bar brachte Helene die betrunkene Svenja mit zu sich nach Hause.

In der Nacht kehrte Damian in die Villa am Flachwasserufer zurück.

Klick.

Verärgert knipste er das Licht im Schlafzimmer an.

Doch das Bett war leer, von Helene keine Spur.

Margarethe hörte das Geräusch und kam eilig nach oben.

„Herr Hofmann, Sie sind zurück.“

„Wo ist sie?“

„Frau Hofmann ist heute nicht heimgekommen.“

Damians Brauen zogen sich zusammen.

Nicht heimgekommen? Hatte sie sich etwa mit dem Begleiter ein Zimmer genommen?

„Frau Hofmann wohnt schon länger nicht mehr hier. Sie hat mich gebeten, Ihnen das auszuhändigen.“

Margarethe holte die Scheidungspapiere hervor.

Damian nahm sie und sah die Worte „Scheidungsvereinbarung“, auf der letzten Seite ihre zierliche Unterschrift.

Er lachte kalt auf.

Mehr als einmal hatte er ihr angeboten, ihr Geld zu geben, wenn sie nur in die Scheidung einwilligte – stets hatte sie abgelehnt.

Und jetzt auf einmal die Scheidung, was sollte das Spiel?

War das nur ein Rückzieher, um ihn am Ende doch zu ködern?

Ohne zu zögern setzte Damian seine Unterschrift unter die Scheidungsvereinbarung.

Eine Scheidung – nichts lieber als das.

Am nächsten Morgen machte Helene ein einfaches Frühstück.

Sandwiches, warme Milch, dazu gebratener Lachs mit etwas Salat und Tomate als Beilage.

Svenja kam mit benommenem Kopf aus dem Zimmer.

„Du bist wach? Iss etwas.“

Während Svenja das köstliche Essen genoss, betrachtete sie Helene vor sich. Selbst ungeschminkt war sie eine Augenweide – schlank, mit makelloser Haut –, und unwillkürlich entfuhr Svenja ein leiser Seufzer.

Helene war schön und hatte ein gutes Wesen dazu. Dieser elende Hofmann saß im Glück und wusste es nicht zu schätzen.

Nach dem Frühstück erhielt Helene einen Anruf von einer unbekannten Nummer.

„Spreche ich mit Frau Helene Adler?“

„Ja, mit wem spreche ich?“

„Mein Name ist Friedrich Kunz, ich bin der Anwalt von Herrn Hofmann und komme in seinem Auftrag wegen der Scheidung auf Sie zu. Die Scheidungsvereinbarung habe ich gesehen. Herr Hofmann möchte Ihnen eine angemessene finanzielle Abfindung zukommen lassen, und falls Sie möchten, können Sie auch die Villa am Flachwasserufer haben.“

Erst am Vortag hatte auch Damian den Inhalt der Scheidungsvereinbarung zur Kenntnis genommen.

Sie verlangte nichts und ging mit völlig leeren Händen.

Ein Knauser war Damian nicht.

Immerhin hatte sie vier Jahre lang sein Bett geteilt, und so war er durchaus bereit, ihr eine Abfindung in Millionenhöhe zu zahlen.

„Das ist nicht nötig.“

Helene schlug das Entgegenkommen des Anwalts aus.

„Es bleibt bei der Vereinbarung, ich will nichts.“

„Darf ich fragen, wann wir die Scheidung schnellstmöglich eintragen lassen können?“

Helenes Antwort überraschte Friedrich etwas.

„Ich werde mich mit Herrn Hofmann abstimmen und mich wegen des Termins wieder bei Ihnen melden.“

Helene legte auf.

Svenja ärgerte sich über so viel Nachgiebigkeit.

„Helene, bist du dumm? Warum nimmst du die Abfindung nicht, du solltest mehr verlangen!“

Helene schüttelte sanft den Kopf.

„Solange ich nur schnell geschieden bin, ist all das unwichtig.“

Sie hatte Damian ohnehin nicht des Geldes wegen geheiratet.

In all den Jahren hatte sie bei den Hofmanns ein entbehrungsreiches Leben geführt. Nähme sie bei der Scheidung sein Geld, bestätigte das nur den Vorwurf, sie wäre hinter dem Geld her gewesen.

In der Hofmann Gruppe richtete der Anwalt Damian Helenes Worte aus.

„Herr Hofmann, Frau Adler sagt, sie will nichts, sie möchte nur so schnell wie möglich geschieden werden.“

Damian war ein wenig befremdet.

Er besaß ein Vermögen von rund hundert Milliarden, und sie verzichtete wahrhaftig auf jeden Cent?

„Dann sei es, wie sie es wünscht. Ich bin heute Nachmittag geschäftlich im Ausland. Regeln Sie die Scheidungsformalitäten für nächsten Mittwoch.“

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