ログインLena„Lass mich los!", fuhr ich den Mann an, der mich aus meinem Bett zerrte. Er hielt mein Haar fest in seiner Faust. Es war unerträglich schmerzhaft. Er zwang mich, aufzustehen. Meine Füße fühlten sich taub an und zitterten bei jedem Schritt. Ich konnte sein Gesicht nicht sehen, weil er eine Maske trug.„Victor!", rief ich um Hilfe. Keine Antwort!Ich schrie immer wieder seinen Namen, so laut ich konnte. Immer noch keine Antwort. Ich geriet in Panik.„Er ist tot!", sagte der maskierte Mann, ohne sich um mich zu scheren.Mein Körper erstarrte bei seinen Worten. Das konnte nicht sein. Er konnte nicht tot sein; er war dafür eingeteilt worden, mich zu beschützen.Plötzlich schossen mir die Nachrichten wie ein Blitz durch den Kopf:*Dein Wachhund wird dich nicht vor dem retten, was kommt, kleine Erbin.**Genieß deinen Schlaf heute Nacht, Lena. Dir bleiben nicht mehr viele friedliche Nächte.*Die Erkenntnis ließ mich für einen Moment scharf einatmen. Wie waren sie ins Haus gekommen? Ich s
ViktorLena.Der Name traf mich wie ein physischer Schlag. Jeder Muskel in meinem Körper verspannte sich.„Scheiße!", murmelte ich leise. Wie hatte ich das nicht kommen sehen können? Ich tippte auf den Bildschirm und sah, dass sie zusammengerollt in ihrem Schlafzimmer lag und friedlich schlief. Ich war erleichtert. Aber ich musste diese Mistkerle schnell erledigen, bevor sie Zugang zu ihrem Zimmer bekamen. Falls einer von ihnen ihr auch nur ein einziges Haar gekrümmt hatte, schwor ich bei Gott, ich würde ihm einen Knochen nach dem anderen brechen. Bei dem Gedanken biss ich die Zähne zusammen. Ich konnte nicht zulassen, dass irgendjemand sie anrührte.Ich aktivierte den Audio-Feed des Hauses, um sie besser hören zu können.Meine Schritte auf dem Boden waren leise und doch gleichmäßig, während ich vorsichtig hinter ihnen herging und mich im Schatten verbarg. Einer von ihnen drehte den Kopf nach hinten, als hätte er gespürt, dass ihnen jemand folgte. Doch plötzlich blieb er stehen und wa
VictorLena wirkte heute sehr abwesend. Nicht, dass sie das nicht normalerweise wäre, aber in ihren Augen lag etwas, das mir sagte, dass etwas nicht stimmte.„Guten Morgen!", begrüßte ich sie mit meiner üblichen Stimme. Ich musterte sie von oben bis unten, bevor ich ihren Blick suchte. Ihre Augen wirkten sehr blass, ohne das trotzige Funkeln, das sie sonst haben, nur dunkle Ringe darunter.„Du hast also keinen Schlaf bekommen?", fragte ich und wartete auf eine Antwort.„Nur dumme Albträume!", sagte sie schnell und wich meinem Blick aus. Die Art, wie ihre Lippen zitterten, als sie mir antwortete, und wie sie sofort meinem Blick auswich, verriet mir augenblicklich, dass sie log. Irgendetwas stimmte eindeutig nicht, aber ich sagte nichts; ich nickte nur langsam und folgte ihr die Treppe hinunter.Das Esszimmer war sehr still. Ich stand in respektvollem Abstand zu ihr und aß kaum etwas. Ihre Haut sah sehr blass aus, und sie wirkte angespannt, als grübelte sie über etwas nach.Zurück im Si
Lena„Ich habe versucht, sie zu warnen, aber sie wollte nicht hören. Sie ist so stur." Das Klirren eines Glases hallte durch den stillen Raum. Er musste an seinem Alkohol genippt haben.„Sie ist erst 22", erwiderte Viktor. „Du hast dieses Haus aus Zahlen und Schlössern gebaut. Es scheint mir nur fair, dass sie Freiheit gesucht hat, nachdem sie jahrelang eingesperrt war. Natürlich hat sie nicht gehört; sie ist an diesem Ort fast erstickt. Sie hat sich nicht einmal wie die anderen Menschen gefühlt." Er verteidigte mich. Mir war, als hätte endlich jemand versucht, mich zu verstehen.„Ich habe sie nicht eingesperrt; ich habe einen Bunker geschaffen", entgegnete mein Vater. Seine Stimme brach leicht, und mein Magen sackte ab. Ich lehnte meine Stirn gegen das kühle geschnitzte Holz, um mehr zu hören.„Sie hatte keine Ahnung, wie sehr ich versucht habe, sie vor den bösen Blicken meiner Feinde zu beschützen", seufzte mein Vater. Ich tat mein Bestes, vor der Tür nicht zusammenzubrechen. Er hat
LenaDas fluoreszierende Blau meines Handys spiegelte sich auf den nun kahlen, eisigen Flächen meines Bettlakens und warf lange, sich windende Schatten auf meine Vorhänge aus samtigem Stoff. Ein fast unschuldiges Geräusch erfüllte die vollkommene Dunkelheit in meinem Schlafzimmer, als ich auf meinen Bildschirm blickte:„Genieß deinen Schlaf, Lena, viele ruhige Nächte bleiben dir nicht mehr."Ich zog bei der Nachricht scharf den Atem ein und spürte sofort eine kalte Enge, als hätte jemand der Welt die Luft aus meinen Lungen genommen. Meine Hände zitterten heftig. Als ich meine Umgebung wieder wahrnahm, war ich schockiert: Ich blickte nicht auf eine uneinnehmbare Festung, sondern jede Wand kam mir vor wie durchsichtiges Glas. Ich fühlte mich nicht mehr sicher.Es herrschte eine dicke, schwere Stille, die aber nicht beruhigend war, sondern lähmend. Als würde ein lautloser Jäger durch dieses Haus schleichen, um zu töten.Mein panisches Gehirn lief auf Hochtouren und versuchte zu begreifen
LenaDer Morgen brach langsam durch die Fenster in mein Schlafzimmer. Ich zischte vor Schmerz und wachte mit stechenden Kopfschmerzen auf. Ich konnte nicht einmal die Augen öffnen, denn sie waren geschwollen und wahrscheinlich rot von den gestrigen Tränen. Mein Körper fühlte sich taub an. Ich seufzte.Zum ersten Mal in meinem Leben wog die ständige Überwachung durch meinen Vater nicht mehr so schwer.Eine Stunde später saß ich auf meinem Bett, in einem schlichten schwarzen Rollkragenpullover und maßgeschneiderten Hosen, die Haare zu einem unordentlichen Dutt gebunden, und war in Gedanken versunken.Die Türklinke bewegte sich, und mein Blick schnellte sofort in Richtung des Geräuschs. Es war Victor. Er trug seine übliche Kleidung. Der einzige Unterschied war, dass seine Haare leicht zerzaust waren.„Guten Morgen, Lena! Das Frühstück ist unten“, sagte er leise, mit gedämpfter Stimme. Es war das erste Mal, dass er mich überhaupt begrüßte; unsere Gespräche begannen sonst immer mit heftige







