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DER LYKANERPRINZ

Author: ferdi
last update publish date: 2026-10-28 18:40:59

Ich kehrte in mein Zimmer zurück, lief auf und ab, dachte angestrengt nach, schluchzte, schniefte. Ich durfte Azila nicht gewinnen lassen. Zumindest nicht kampflos.

Ich hatte Azila mit acht Jahren kennengelernt. Sie war der Fehler meines Vaters. Am ersten Tag, an dem ich Azila sah, bewunderte ich sie sofort. Sie war jung und schön, und sie war auch eine starke Wölfin. Ihre Wölfin war riesig, fast wie ein männlicher Wolf, mit dichtem grauem Fell. Sie erinnerte mich so sehr an meine Mutter, Athena Gritts.

Vater und Azila erzählten mir und Monah früher Geschichten darüber, wie der Fluch der Werwölfe entstanden war. Sie war einmal lieb gewesen. Aber alles änderte sich bei der ersten Gedenkfeier für meine Mutter, als Vater mich als seine Nachfolgerin verkündete.

Das war der Tag, an dem Azila anfing, mich zu hassen.

Meine Gedanken wurden von Kaidas üblichem Hereinplatzen unterbrochen und von einer plötzlichen Idee.

„Ich habe eine Idee, Kaida!"

Ich packte ihre Hand. Sie lächelte.

„Bitteee, ich hoffe, es ist eine gute. Mein Vater hat mir alles erzählt, was bei der Ratssitzung passiert ist."

Ich ließ ihre Hand los, stellte mich vor meinen Spiegel und berührte meinen Hals.

„Ich werde ihre Anschuldigungen gegen sie verwenden."

Ich grinste, und Kaida starrte mich verwirrt an.

„Ich werde den Wolf finden, der mich gebissen hat, und ich werde ihn dazu bringen, einen Vertrag mit mir zu unterschreiben. Sobald wir verheiratet sind, lassen wir uns scheiden. Bis dahin habe ich die Krone schon, und niemand stellt die Krone infrage."

Ich erklärte es ihr. Kaidas Kinnlade fiel herunter.

„Dir ist klar, wie riskant deine verdammte Idee ist, oder?"

Sie runzelte die Stirn, doch ich grinste erneut.

„Ich habe mich entschieden, Kaida. Azila hält sich für schlau? Nun … ich nehme die Herausforderung an."

Ich beendete das Gespräch und griff nach einem Mantel und einer Kappe.

„Wohin willst du jetzt schon wieder?"

Kaida grunzte.

„Schnapp dir einen Mantel und eine Kappe, Kaida. Wir fahren zum Afterlight. Uns bleiben nur noch ein paar Stunden bis morgen, um den Idioten zu finden, der mich gebissen hat."

antwortete ich. Sie zog die Augenbrauen hoch, schnappte sich einen Mantel und eine Kappe und folgte mir.

Wir fuhren zum Afterlight, blieben aber im Auto.

Ich beobachtete aufmerksam die Umgebung. Soweit ich mich erinnern konnte, ging mir ein bestimmter Geruch nicht aus der Nase. Da diese Person nah genug herangekommen war, um mich zu beißen … gehörte der Geruch ihm.

Wir blieben dort, bis es dunkel wurde und die Nachtschwärmer-Wölfe anfingen einzutreffen.

„Uuuugh, wir sind seit dem Nachmittag hier, Vel. Ich bin müde."

beschwerte sich Kaida.

„Du bist müde vom Afterlight? Wow."

erwiderte ich sarkastisch. Sie knurrte leise.

„Wir sind vor dem Afterlight, nicht drin. Du siehst den Unterschied, oder?"

fauchte sie.

Plötzlich trat eine Gruppe Mädchen aus dem Club, die miteinander tuschelten, während ein Mann im Anzug hinter ihnen herauskam. Er telefonierte, während die Leute um ihn herum flüsterten und ihn anstarrten.

Eines der Mädchen erregte bald meine Aufmerksamkeit.

Schlanker Körper. Starkes Make-up. Tanzkleidung. In dem Moment, als sich unsere Blicke trafen, winkte ich sie heran. Nach kurzem Zögern kam sie auf mich zu.

Ich schnupperte an ihr, als sie sich näher beugte, um sicherzugehen, dass sie eine Wölfin war.

„Was ist das für ein Aufruhr?"

fragte ich sie.

Sie kaute laut auf ihrem Kaugummi und starrte mich einfach nur an.

„Ich, äh … ich bin auch zum Feiern hier. Ich bin nur früh gekommen, um mir meinen Lieblingsplatz in der VIP-Lounge zu sichern."

Ich versuchte es erneut, doch sie antwortete immer noch nicht.

Kaida seufzte neben mir und flüsterte etwas vor sich hin.

Die Erkenntnis traf mich sofort. Ich griff in meine Tasche, zog etwas Bargeld heraus und reichte es dem Mädchen.

Sie lächelte und beugte sich näher.

„Dieser mysteriöse Typ mit der Sonnenbrille … er kommt seit zwei Nächten. Er fragt herum, ob eines unserer Mädchen vor zwei Nächten gebissen wurde."

Kaida und ich wechselten einen Blick.

„Na, das war ja einfach."

murmelte ich.

„Einfach? Wie ist es einfach, hier bis zur Nacht zu warten?"

fauchte Kaida erneut, sichtlich angespannt. Ich wandte mich dem Mädchen zu und lächelte.

„Wie heißt du?"

fragte ich. Sie richtete sich sofort auf.

„Das kostet noch mal einen Riesen, den ich nicht will, also tschüss."

antwortete sie, bevor sie davonging. Ich wandte mich an Kaida.

„Was ist los?"

fragte ich.

„Das ist eine schlechte Idee, Velora. Du kennst diesen seltsamen großen Mann mit der dunklen Sonnenbrille nicht einmal, und ich bin mir sicher, dass du als Nächstes auf ihn zugehen willst."

beschwerte sie sich. Ich sah sie an und lächelte schelmisch.

„Du hast recht. Aber ich muss es versuchen. Willst du, dass Azila das Midnight-Rudel anführt? Ich kann nicht kampflos aufgeben. Und denk daran, diese Krönung ist zu Ehren meiner Mutter. Ich muss sie etwas wert sein lassen."

Ich versuchte, sie zu überzeugen, doch sie zuckte nur mit den Schultern und wandte sich von mir ab.

„Wie wäre es damit? Wir gehen zu ihm, stellen Fragen, und wenn sich irgendetwas falsch anfühlt, hauen wir ab und machen es auf deine Art."

Schließlich drehte sie sich wieder um und setzte eine ernste Miene auf.

„Gehen wir."

Wir eilten auf den Mann zu, bevor er in sein Auto stieg. Er hielt inne und nahm seine Sonnenbrille ab, wodurch silberne Augen, eine lange spitze Nase und perfekt geformte Lippen zum Vorschein kamen.

Kaida starrte ihn so intensiv an, dass ich zuerst sprechen musste.

„Ich glaube, du suchst mich."

Er zog verwirrt eine Augenbraue hoch.

„Der Biss?"

sagte ich noch einmal. Plötzlich wirkte er interessiert.

„Lass mich sehen."

äußerte er mit tiefer Stimme.

Ich drehte meinen Hals. Das Mal war wieder erschienen. Plötzlich fuhr er mit seiner Kralle darüber und riss die heilende Wunde wieder auf. Er schnupperte einmal daran. Dann noch einmal.

Dann sah er zu mir auf.

„Steig ins Auto."

befahl er, und ich lachte leise.

„Nein. Ich bin mit meinem eigenen Auto hergekommen, also fahr du. Ich folge dir an einen Ort, wo wir reden können."

sagte ich ihm, bevor ich davonging. Kaida lächelte ihn verlegen an und eilte mir nach. Wir folgten seinem Wagen zu einer leeren Straße, auf der bereits ein anderes Fahrzeug wartete.

Er stieg aus und kam auf uns zu. Ich stieg aus und sagte Kaida, sie solle im Auto bleiben.

„Bevor du mich also etwas fragst, würde ich gern wissen, warum du mich gebissen hast."

begann ich.

„Ich habe dich nicht gebissen. Komm, triff meinen Boss."

sagte er und deutete auf das wartende Auto. Ich folgte ihm. Er öffnete die Tür und drängte mich einzusteigen.

Bevor ich einstieg, gab ich Kaida ein Zeichen, den Motor laufen zu lassen. Dann wandte ich mich um, um endlich den Werwolf zu treffen, der mich gebissen hatte und mutig nach mir gesucht hatte.

Meine Kinnlade fiel herunter. Wut überflutete meine Brust.

Mein Atem blieb mir in der Kehle stecken, während sich meine Fäuste fest ballten.

Dort saß ein Mann mit schwarzem Haar, das ihm über die Augen fiel und sie fast völlig verdeckte, bis auf kurze Blicke auf seine haselnussbraunen Augen hinter seiner Brille.

Sein Gesicht war in jeder Hinsicht scharf geschnitten. Selbst im Sitzen berührte sein Kopf beinahe das Wagendach. Und sein Geruch erfüllte augenblicklich meine Nase. Derselbe Geruch, der mir die ganze Zeit in der Nase gelegen hatte … Der Lykanerprinz. Zevran Wulfe. Ein Name, den ich mit genau der richtigen Leidenschaft hasste.

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