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Kapitel 2

Author: Genesis
last update publish date: 2026-02-05 18:26:08

„Ja, Luna, ganz genau – ich bin es“, spottete Lila, während sich langsam ein selbstgefälliges Grinsen auf ihrem Gesicht ausbreitete.

Ihr gesamter Ausdruck hatte sich verändert. Von der hilflosen, unschuldigen Fassade, die sie während des Festes gezeigt hatte, war nichts mehr übrig. Stattdessen blickte sie mit unverhohlener Boshaftigkeit auf mich herab.

Auch ihr Haar war nicht länger kastanienbraun. Es leuchtete nun in einem intensiven Feuerrot.

Verdammt! War Lila tatsächlich eine Hexe?

Der Rotwein. Sie musste ihn vorhin vergiftet haben.

„Was hast du vor? Was willst du damit erreichen?“, fragte ich schwach und versuchte verzweifelt, meine innere Wölfin zu erreichen.

Doch das Gift musste auch sie getroffen haben. So sehr ich mich auch bemühte, ich konnte keine Verbindung zu ihr herstellen.

So schwer es mir fiel, es mir einzugestehen: Ich war vollkommen machtlos. Lila hilflos ausgeliefert.

„Damit hast du wohl nicht gerechnet, wertlose Luna, oder?“, höhnte Lila.

Sie zog einen Dolch aus der Scheide an ihrer Hüfte und ließ die Klinge drohend vor meinem Gesicht aufblitzen.

„Tu das nicht, Lila. Wenn du mich tötest, wird Marcus dich niemals ungestraft davonkommen lassen.“

Lila brach in schallendes Gelächter aus. Sie warf den Kopf zurück und krümmte sich vor Vergnügen.

„Oh, du bist wirklich zum Totlachen. Vielleicht hättest du Komikerin werden sollen, statt Marcus’ Luna“, sagte sie und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel.

Dann richtete sie ihren hasserfüllten Blick wieder auf mich.

„Ich bin Marcus’ wahre Gefährtin, nicht du. Alles, was einst dir gehörte, gehört jetzt mir.“

Mit einem leisen Knurren drückte sie die Spitze des Dolchs gegen meine Wange und ließ die Klinge langsam in meine Haut schneiden.

Ein stechender Schmerz durchfuhr mich. Warmes Blut rann über mein Gesicht, doch ich war zu erschöpft, um auch nur die Hände zu heben und mich zu verteidigen.

„Ich verrate dir noch etwas, Miss Sophia Evergreen “, sagte Lila mit einem grausamen Lächeln. „Was zwischen Marcus und mir läuft, ist kein Geheimnis. Das gesamte Rudel wusste davon.“

Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen.

„Sein Beta, die Wachen, jedes einzelne Mitglied des Rudels – sie wissen es schon seit Ewigkeiten. Du warst die Einzige, die nichts geahnt hat.“

Ihr höhnisches Lächeln und der Spott in ihrer Stimme trafen mich beinahe ebenso tief wie der Dolch, den sie nun über meinen Kopf hob.

Ein eisiger Schrecken durchfuhr mich, als ich begriff, was sie vorhatte.

Mit weit aufgerissenen Augen starrte ich zu ihr hinauf. Noch immer konnte ich nicht glauben, dass dies wirklich geschah.

Dann stieß sie die Klinge herab.

Der Dolch durchdrang meine Brust und bohrte sich direkt in mein Herz.

„Jeder Mensch, den du jemals geliebt und dem du vertraut hast, hat dich für mich verlassen, Sophia.“

Die Welt vor meinen Augen verschwamm.

Die Geräusche um mich herum wurden leiser, bis schließlich alles in völliger Dunkelheit versank.

So hatte ich mir meinen Tod niemals vorgestellt.

Wut loderte in mir auf. Eine glühende, alles verzehrende Wut über diese unerträgliche Ungerechtigkeit.

Und während mein Leben aus mir wich, schwor ich mir: Sollte die Mondgöttin mir jemals eine zweite Chance gewähren, würden Marcus und Lila für ihren Verrat mit ihrem eigenen Leben bezahlen.

Als ich wieder zu mir kam, stand ich orientierungslos in einem nebligen Wald.

Ich wusste weder, wo ich war, noch welchen Weg ich einschlagen sollte.

Plötzlich erschien vor mir ein strahlendes Licht. Es durchbrach den Nebel und ließ seine sanften Strahlen über meine Haut gleiten.

War ich tot?

War dies das Jenseits?

Langsam ging ich auf das Licht zu und streckte die Hand danach aus.

Doch bevor ich es erreichen konnte, dröhnte plötzlich eine vertraute Stimme in meinen Ohren.

„Luna! Komm schon, es ist Zeit aufzustehen!“

„Was?“

Erschrocken fuhr ich kerzengerade im Bett hoch.

Ich befand mich in einem Zimmer, das mir nur allzu vertraut war.

Fassungslos starrte ich Omega Amy an, die vor meinem Bett stand, während ich verzweifelt versuchte zu begreifen, was geschehen war.

„Der Göttin sei Dank, du bist endlich wach! Du warst völlig weggetreten“, sagte sie lachend. „Wir haben heute noch jede Menge zu erledigen. Schließlich ist morgen euer dritter Hochzeitstag, und das Bankett muss vorbereitet werden.“

„Moment mal … was hast du gesagt? Das Bankett ist morgen?“

„Natürlich. Erinnerst du dich nicht?“

Instinktiv presste ich eine Hand auf meine Brust, genau auf die Stelle, an der Lilas Dolch mein Herz durchbohrt hatte.

Doch da war keine Wunde.

Nicht einmal eine Narbe.

Konnte alles, was ich erlebt hatte, nur ein Albtraum gewesen sein?

Ich sprang aus dem Bett, eilte zu meinem Schreibtisch und zog mein Tagebuch aus der Schublade.

Dieses Tagebuch war für mich unverzichtbar. Darin hielt ich meine Gedanken, wichtige Ereignisse, offizielle Pflichten und Angelegenheiten des Rudels fest. Jeden Morgen schrieb ich außerdem eine Liste mit den Aufgaben des Tages.

Hastig blätterte ich zu dem Eintrag, an den ich mich genau erinnerte – zu den Aufgaben, die ich am Morgen vor unserem Hochzeitstag notiert hatte.

Doch die Seite war leer.

Verwirrt überflog ich die Einträge der vergangenen Tage.

Sie stimmten bis ins kleinste Detail mit meinen Erinnerungen überein.

Konnte es tatsächlich sein?

Hatte die Mondgöttin meine Bitte erhört?

In der naiven Hoffnung, dass dieses Mal vielleicht alles anders verlaufen würde, folgte ich Amy und half bei den Vorbereitungen für das Bankett.

Doch immer wieder sah ich Marcus und Lila vor meinem inneren Auge, eng umschlungen, während Lilas letzte grausame Worte in meinem Kopf widerhallten.

„Jeder Mensch, den du jemals geliebt und dem du vertraut hast, hat dich für mich verlassen.“

War es wirklich nur ein Traum gewesen?

Und wenn ja, warum fühlte sich der Schmerz in meiner Brust dann noch immer so real an?

Am nächsten Tag stand Marcus vor dem versammelten Rudel.

„Meine verehrten Rudelmitglieder, ich heiße euch alle willkommen und danke euch für euer pünktliches Erscheinen. Es ist mir eine Ehre, heute offiziell zu verkünden, dass meine vorbestimmte Gefährtin Lila unserem Rudel beitreten wird. Ich erwarte, dass sowohl Lila als auch Luna Sophia mit demselben Respekt behandelt werden.“

Mir stockte der Atem.

Das Bankett verlief genau wie in meinen Erinnerungen.

Marcus sprach Wort für Wort dieselben Sätze wie damals.

Es war kein Traum gewesen.

Die Mondgöttin hatte meine Bitte um Rache erhört und mir tatsächlich eine zweite Chance geschenkt.

„Sophia! Sophia!“

Ich erstarrte.

„Ja? Bist du das?“

„Oh, gepriesen sei die Göttin! Endlich kann ich wieder mit dir sprechen!“

Es war die Stimme meiner inneren Wölfin.

„Was geschieht hier? Wir …“, stammelte ich vollkommen fassungslos.

„Hör mir zu, Liebes. Ich bin genauso verwirrt wie du. Aber eines weiß ich mit Sicherheit: Wir sind zuvor gestorben. Es war kein Traum.“

„Warum hast du dann nicht geantwortet, als ich dich gerufen habe?“

„Wegen dieser Schlampe. Ihr Gift hat unsere Verbindung blockiert. Wir müssen vorsichtig sein, Sophia.“

Bevor ich meine rasenden Gedanken ordnen konnte, schob Marcus Lila in meine Richtung.

„Sophia, das ist Lila. Es fällt mir nicht leicht, dir das zu sagen, aber … ich habe meine wahre Gefährtin gefunden.“

Ich beobachtete Lila genau.

Sie nahm ein Weinglas vom Tisch und bewegte sich mit anmutigen Schritten auf mich zu. Dabei senkte sie unterwürfig den Kopf.

„Meine Luna, habt Erbarmen mit mir und erlaubt mir, in Eurem Zuhause zu bleiben. Bitte nehmt diesen Rotwein als Zeichen meiner Dankbarkeit an.“

Ich betrachtete das Glas, das sie mir entgegenhielt, und nahm es vorsichtig an mich.

Auf den ersten Blick sah es wie gewöhnlicher Rotwein aus.

Nichts deutete darauf hin, dass sich darin ein tödliches Gift befand.

Hätte ich diesen Trick nicht bereits einmal mit meinem Leben bezahlt, wäre mir niemals in den Sinn gekommen, dass sie mich vergiften wollte.

Ich schüttelte den Kopf und drückte ihr das Glas zurück.

„Nein. Du hast es mit deiner schmutzigen Berührung besudelt. Ich werde es nicht trinken.“

Lila erstarrte.

Offenbar hatte sie nicht damit gerechnet, dass ich ihr Angebot ablehnen würde.

Für den Bruchteil einer Sekunde flackerte unverhohlene Wut in ihren Augen auf. Doch sie verschwand ebenso schnell, wie sie gekommen war, und wurde erneut von ihrer unschuldigen, bemitleidenswerten Maske ersetzt.

Ihre Augen füllten sich mit Tränen.

„Ihr habt recht, Luna. Mein Rang steht weit unter dem Euren. Ich hätte es nicht wagen dürfen …“

„Genug, Lila. Du musst dich nicht entschuldigen“, sagte Marcus beschwichtigend.

Dann wandte er sich mit wutverzerrtem Gesicht zu mir um.

„Achte auf deine Worte, Sophia!“

Ich konnte diese verlogene kleine Schlampe kaum ertragen.

Hätte ich ihr wahres Gesicht nicht bereits gesehen, wäre ich wahrscheinlich erneut auf ihre süße, zerbrechliche Fassade hereingefallen.

Ich funkelte Marcus an und wollte ihm gerade eine bissige Antwort entgegenschleudern, als Lila plötzlich das Glas an ihre eigenen Lippen setzte.

Für einen kaum merklichen Augenblick erschien ein spöttisches Lächeln auf ihrem Gesicht.

Dann trank sie den Wein in einem einzigen Zug aus.

Fassungslos starrte ich sie an.

Hatte sie diesmal auf das Gift verzichtet?

Doch nur wenige Sekunden später brach Lila zusammen.

Blut quoll aus ihrem Mund, während entsetzte Rufe durch den Saal hallten.

Ich wich erschrocken zurück.

Marcus stürzte sofort zu ihr. Sein Gesicht war vor Panik verzerrt.

„Lila! Was ist passiert?“

Sie sank in seine Arme und setzte eine perfekte Maske des Leidens auf. Ihre Unterlippe zitterte, als sie schwach hervorbrachte:

„Luna … ich wollte Eure Ehe niemals zerstören. Warum tut Ihr mir das an?“

Marcus’ Kopf schnellte zu mir herum.

Seine Augen bohrten sich voller eisiger Wut in meine.

Er zog Lila fester in seine schützende Umarmung, während sich sein Blick gefährlich verhärtete.

„Wachen! Ergreift die Luna und sperrt sie in den Kerker!“

„Marcus?!“

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Comments (1)
goodnovel comment avatar
Unbeloved A
die Übersetzung lässt ganz schön zu wünschen übrig
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