로그인Sophia
„Ich liebe dich, Sophia.“
„Jeder, der dir etwas bedeutet, wird dich eines Tages verlassen.“
Zusammengekauert saß ich in der schmutzigen Zelle und starrte zu der kleinen Öffnung hoch oben in der Mauer. Immer wieder hallten diese beiden Sätze schmerzhaft durch meine Gedanken.
Hinter diesem schmalen Fenster lag der Wald, in dem ich erst vor Kurzem gestorben war – ermordet von dieser hinterhältigen kleinen Schlampe.
Wer hätte gedacht, dass die Mondgöttin mich ins Leben zurückbringen würde, nur damit ich denselben Verrat ein zweites Mal durchleben musste?
Dabei war Marcus derjenige gewesen, der mich damals unter den Augen der Mondgöttin angefleht hatte, seine selbst gewählte Gefährtin zu werden.
Mit achtzehn hatte ich ihm meine Zweifel gestanden.
„Wir sollten es beenden, Marcus. Unsere Beziehung ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Ohne eine wahre Gefährtenbindung werden wir niemals vollkommen glücklich sein.“
Genau diese Worte hatte ich zu ihm gesagt.
Doch Marcus hatte sofort den Kopf geschüttelt.
„Auf keinen Fall, Sophia! Zum Teufel mit der vorbestimmten Verbindung! Entweder heirate ich dich, oder ich bleibe für den Rest meines Lebens allein.“
Damals hatten mich seine Worte vollkommen überwältigt.
Ich hatte nur noch seinen Namen flüstern können, während ich ihn fest umarmte und vor Glück weinte.
Ich hatte ihm tatsächlich geglaubt.
Ich hatte geglaubt, dass wir unsere Versprechen ein Leben lang halten würden – selbst wenn die Mondgöttin uns nicht füreinander bestimmt hatte.
Was für eine erbärmliche Illusion.
Ich schlang die Arme fester um meinen Körper und versuchte, die Erinnerungen an unsere glücklichen gemeinsamen Jahre zu verdrängen.
Doch je mehr ich mich dagegen wehrte, desto unerbittlicher drängten sie sich in mein Bewusstsein.
Marcus’ eisiger Gesichtsausdruck während des Banketts stand in so scharfem Gegensatz zu dem liebevollen Mann aus meinen Erinnerungen, dass ich die Tränen schließlich nicht mehr zurückhalten konnte.
„Sophia … bitte weine nicht“, flüsterte meine Wölfin sanft.
„Es ist schon gut, Zyra. Mach dir keine Sorgen.“
„Es tut mir so leid. Ich konnte dich nicht beschützen.“
„Sag so etwas nicht“, antwortete ich sofort. „Du trägst keine Schuld daran.“
Ich tat alles, um sie davon zu überzeugen, dass ich ihr keinen Vorwurf machte.
Die einzigen, die für dieses ganze Desaster verantwortlich waren, waren diese verlogene Hexe und mein treuloser Ehemann.
Lila mit ihren niederträchtigen Intrigen.
Marcus mit seiner kalten, herzlosen Gleichgültigkeit.
Sobald ich aus diesem Kerker herauskam, würde ich keinen von ihnen ungestraft davonkommen lassen.
Ich wischte mir die Tränen von den Wangen und zwang mich aufzustehen.
In diesem Moment nahm ich plötzlich einen schwachen Duft nach Zedernholz wahr.
Ich erstarrte.
Die Stille im Kerker wurde nur noch vom wilden Hämmern meines Herzens durchbrochen.
Was geschah mit mir?
Mein Puls raste, und auch Zyra schien die Veränderung zu spüren. Sie wurde unruhig und begann aufgeregt in meinem Inneren hin und her zu laufen.
Dann stieß sie plötzlich einen begeisterten Schrei aus.
„GEFÄHRTE! SOPHIA, UNSER GEFÄHRTE!“
„Wovon redest du?“, fragte ich ungläubig. „Willst du mich auf den Arm nehmen? Wie sollten wir ausgerechnet hier, in dieser erniedrigenden Lage, unseren Gefährten finden?“
Doch trotz meiner Zweifel wurde das pochende Gefühl in meiner Brust immer stärker.
Auch der Duft nach Zedernholz wurde mit jedem Atemzug intensiver.
Hastige Schritte hallten durch die dunklen Gänge des Kerkers.
Ich hob den Kopf.
Eine hochgewachsene, kraftvolle Gestalt erschien hinter den Gitterstäben meiner Zelle.
Das Mondlicht fiel auf seine breiten Schultern und ließ die Hälfte seines Gesichts im Schatten liegen. Dadurch wirkte sein markantes Profil noch eindrucksvoller.
Als ich den Blick hob, trafen meine Augen auf zwei leuchtend goldene Iriden.
Der Mann vor mir war überwältigend.
Mein heftig schlagendes Herz und Zyras leises, sehnsüchtiges Wimmern ließen keinen Zweifel zu.
Dieser Fremde war mein vorbestimmter Gefährte.
Ohne darüber nachzudenken, trat ich näher an die Gitterstäbe heran.
Er streckte eine Hand durch die Öffnung und legte seine warme Handfläche behutsam an meine Wange.
Seine rauen Finger strichen mit überraschender Zärtlichkeit über die Konturen meines Gesichts.
„Meine Gefährtin“, murmelte er beinahe ehrfürchtig.
„Sophia, spürst du seinen Wolf?“, rief Zyra begeistert. „Die Macht dieses Mannes ist unglaublich!“
„Ich weiß“, antwortete ich ebenso verblüfft. „Eine solche Stärke ist selbst unter Alphas selten.“
Der Fremde trat noch näher an die Gitterstäbe heran.
Sein warmer Atem strich über mein Ohr und trug den intensiven Duft von Zedernholz mit sich.
Die Berührung seiner Haut löste eine überwältigende Hitze in meinem Körper aus.
Erschrocken wich ich einen Schritt zurück.
Ich hatte gerade alles verloren, woran ich geglaubt hatte. Ich konnte mich nicht einfach einem völlig fremden Mann hingeben, nur weil die Gefährtenbindung es von mir verlangte.
Ein amüsiertes Lächeln erschien auf seinen Lippen.
„Du brauchst keine Angst vor mir zu haben, kleine Gefährtin“, sagte er mit tiefer, ruhiger Stimme. „Mein Name ist Ethan Stormridge. Ich bin der Alpha des Embermoon-Rudels.“
Er hielt kurz inne.
Seine faszinierenden goldenen Augen musterten mich nun vollkommen ernst.
„Kommst du mit mir?“
Meine Gedanken überschlugen sich.
Noch vor wenigen Augenblicken war ich verstoßen, verlassen und des Verrats beschuldigt worden.
Und nun hatte die Mondgöttin mich ausgerechnet mit dem Anführer des mächtigsten Rudels des Landes verbunden – vielleicht sogar mit dem mächtigsten Alpha der gesamten Welt.
„Ich …“
„Was zur Hölle glaubst du, was du da tust?!“
Bevor ich meinen Satz beenden konnte, durchschnitt Marcus’ wütende Stimme die Stille des Kerkers.
Er stürmte den Gang entlang und kam direkt auf Ethan und mich zu, gefolgt von einer großen Gruppe aufgebrachter Rudelmitglieder.
Ava verschränkte die Arme fest vor der Brust und blieb stehen. „Moment mal. Bevor ich überhaupt daran denke wegzulaufen – woher weiß ich, dass du nicht schummelst? Seien wir ehrlich. Meine Chancen stehen sowieso beschissen. Du bist ein Wolf. Du wurdest dazu gemacht, Dinge zu jagen.“Sie hasste es, wie er die Regeln aufstellte. Besonders den Teil, bei dem der Alpha entschied, dass sie sich unterwerfen und klein beigeben musste.„Wenn es nach mir geht, kannst du es dir einfach machen und hier stehen bleiben, Kätzchen. Ich muss nicht wie ein ausgehungertes Tier durch den Wald hetzen und dich verfolgen. Ich werfe dich einfach über meine Schulter und bringe dich nach Hause. Na los. Schenk mir den Sieg, wenn du willst.“ Bryan grinste, als hätte er bereits gewonnen.Er war ganz aufgedreht bei dem Gedanken, sie zu jagen. Das bedeutete allerdings nicht, dass er zu stolz war, den einfachen Weg zu nehmen. Er würde verdammt noch mal nicht zugeben, dass sie nirgendwohin konnte. Es spielte keine Ro
Die Wut in dieser Stimme ließ Ava zusammenzucken. Nicht einmal für eine Sekunde hatte sie sich vorstellen können, dass er ihr folgen würde. Sie drehte sich um und stand plötzlich Dominic gegenüber, und er sah völlig außer sich aus.„Dominic? Was machst du hier?“ Sie runzelte die Stirn und sah ihn offen misstrauisch an.Dass er so schnell wieder in ihrer Nähe auftauchte, war bereits unerwartet. Der Ausdruck auf seinem Gesicht war jedoch etwas völlig anderes. Es war eine völlig neue Stufe von Wahnsinn. Der Alpha sah aus, als wäre er bereit, jemanden zu töten.„Und was glaubst du wohl? Ich war unterwegs und habe nach dir gesucht, weil ich dich seit dem Tag, an dem du gegangen bist, nicht erreichen konnte. Du machst ziemlich schnell weiter, wie ich sehe.“ Dominic knurrte die Worte und warf Ryder tödliche Blicke zu.Die ganze Situation war Ava unangenehm. Sie hatte einen tatsächlich anständigen Mann kennengelernt, der den Mut aufgebracht hatte, sie um ein Date zu bitten, nur damit ein weit
Mitternacht war längst gekommen, und er stand noch immer am Fenster seines Arbeitszimmers und starrte zu den Sternen hinauf. Seit fast zwei Tagen hatte er diesen Raum nicht verlassen. Er dachte nach. Schmiedete Pläne. Hin und wieder kam eine Frau nach ihm sehen. Sie blieb nie lange.Das ganze Rudel kannte sein Temperament. Wenn er so aufgewühlt war, war es klüger, ihm aus dem Weg zu gehen, als sein Leben zu riskieren.„Maximilian, hast du überhaupt vor, diesen Raum irgendwann mal für einen Tag zu verlassen? Die Jungs fragen ständig nach dir. Sie verstehen nicht, warum ihr Vater verschwunden ist. Ist es wirklich so schlimm, sich einmal zum Abendessen zu deiner Familie zu setzen?“ Sie kam herein, ohne anzuklopfen. Sie kündigte sich nicht einmal an.Das war eigentlich nicht ihre Art, aber es war ihr egal. Ihre Kinder kamen zuerst.„Ich komme nach unten, wenn mir danach ist. Halt den Mund und verschwinde. Ich habe schon genug im Kopf. Ich brauche keine weiteren Ablenkungen.“ Er sah sie ni
Der einzige Grund, warum Ava Bryan mit seinem Titel angesprochen hatte, war, ihn zu provozieren. Er hatte ihr gesagt, sie solle ihren Platz kennen, also sorgte sie dafür, ihn daran zu erinnern, dass er über ihr stand. Zumindest soweit er wusste. Sie würde ihm ganz sicher nicht verraten, wer sie wirklich war oder dass sie denselben Titel wie er trug.Und sein Gesicht, als sie plötzlich anders mit ihm umging? Unbezahlbar. Sie würde es allein wegen dieses Blicks jederzeit wieder tun.Sie dachte darüber nach, zu ihrer Hütte zurückzugehen, aber sie wollte dort nicht bleiben. Seltsame Erlebnisse, luzide Träume, die ganze Atmosphäre dieses Ortes – all das konnte sie gerade nicht gebrauchen.Wenn sie einen Wächter erwischen konnte, der gerade Feierabend machte, könnte sie ihn vielleicht zu einer Fahrt in die Stadt überreden. Sie wollte nicht zum Rat gehen und fragen, wo ihr Auto war. Diese alten Kerle waren wahrscheinlich sowieso zu beschäftigt, um sich mit ihr abzugeben.Es war auch Zeit, di
„Rate mal“, sagte Bryan, obwohl Ava wusste, dass nicht er sprach.Es war nicht nur die Stimme – diese Art von Stimme, die unter der Erde zwischen Leichen hingehörte. Auch sein Gesicht hatte sich verändert. Schärfere Gesichtszüge, ein Ausdruck, den sie noch nie an ihm gesehen hatte. Schon ironisch, wenn man bedachte, dass sie selbst eine Gestaltwandlerin war und trotzdem noch nie jemanden bei einer Teilverwandlung gesehen hatte.„Ich würde sagen, ein Dämon ist in Bryan gefahren, aber ich habe das Gefühl, dass es das nicht ist.“ Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken.Sie konnte den Blick nicht von diesen langen Eckzähnen abwenden. Sie hatte Geschichten darüber gehört, wie gefährlich Wölfe in ihrer Bestiengestalt wurden, aber Zähne wie diese hatte sie noch nie aus solcher Nähe gesehen.Für einen Moment hätte sie beinahe über sich selbst gelacht, weil sie sich von einem Paar Zähnen erschrecken ließ. Dann erinnerte sie sich daran, was Nuel ihr erzählt hatte, und plötzlich war es nich
Ava verbrachte die ersten Tage damit, Bryan wie eine Landmine zu behandeln, der sie ausweichen musste. Schwer genug, wenn sie unter dem Dach des Alphas lebte.Der Handel des Rates war viel zu lukrativ, um ihn auszuschlagen. Nur ein Idiot hätte sich von dem abgewandt, was diese Männer auf den Tisch gelegt hatten, und Ava war kein solcher Idiot. Wenn sie eine Lücke in der Vereinbarung ließen, hatte sie vor, ihre Taschen so lange leerzubluten, bis nichts mehr darin war.Zu ihrem Glück schien Bryan genauso entschlossen, Abstand zu halten. Sie spielten beide dasselbe Spiel: einander aus dem Weg gehen.Sie bekam trotzdem, worum sie gebeten hatte. Das hielt sie jedoch nicht davon ab, ständig darüber nachzudenken. Warum dieser plötzliche Sinneswandel? Vor ein paar Tagen war er noch bereit gewesen, aus seiner eigenen Haut zu fahren, um sie für sich zu beanspruchen. Jetzt tat er so, als wäre sie ein Möbelstück.Sie war sich nicht einmal sicher, ob sie die Ruhe noch mochte.Hatte sie verdammt no







