INICIAR SESIÓN
Nias Perspektive
Die Musik war laut genug, um den gesunden Menschenverstand zu übertönen. Ich hasste Kneipen. Ich hasste die klebrigen Böden, den Geruch von teurem Alkohol, vermischt mit billigem Parfüm, und die Art, wie Fremde lachten, als gäbe es kein Morgen. Aber heute Abend ging es nicht um mich. Heute Abend ging es um Daniel. Nach drei Monaten zusammen bestand er endlich darauf, dass ich mich nach der Arbeit mit ihm traf, um unseren Jahrestag zu feiern. Ich schaute auf die Uhr meines Handys: 21:42 Uhr. Unwillkürlich huschte ein Lächeln über meine Lippen. Vielleicht war es jetzt soweit. Vielleicht würde ich mich ihm endlich hingeben. Ich schob mir eine lose braune Haarsträhne hinter das Ohr und stieg die Treppe hinauf, die zur VIP-Lounge führte. Der Raum summte vor Gesprächen und klirrenden Gläsern. Meine Augen suchten die Menge ab, und dann fanden sie ihn. Ich erstarrte. Die Zeit schien stillzustehen. Daniel saß in der Ecknische, seine Hand lag besitzergreifend auf dem Oberschenkel einer anderen Frau. Die Lounge war schwach beleuchtet. Ich konnte das Gesicht des Mädchens nicht deutlich erkennen, ebenso wenig wie die Art, wie sich sein Körper zu der Fremden hin neigte. Das leise Murmeln der Stimme des Mädchens kam mir so vertraut vor, ebenso wie die Art, wie ihr rotes Kleid an ihrem Oberschenkel hochrutschte, als sie sich näher an ihn drückte. Die Frau beugte sich vor, lachte über etwas, das er ihr zugeflüstert hatte, bevor sich ihr Mund auf seinen presste. Ich bekam keine Luft mehr. Die Geschenktüte, die ich trug, glitt mir aus den Fingern und landete mit einem leisen Plumps auf dem polierten Boden. Keiner von beiden bemerkte es. Die Welt um mich herum verschwamm zu bedeutungslosem Rauschen. Meine Brust zog sich zusammen, bis sich jeder Atemzug anfühlte, als würde ich Glasscherben schlucken. Nein … Das durfte nicht wahr sein. Ich machte einen zittrigen Schritt zurück. Ich wollte hineinstürmen und Antworten verlangen, aber ich konnte mich nicht bewegen. Meine Füße klebten am Boden fest. Meine Kehle fühlte sich eng und zugeschnürt an, von einer Mischung aus Schmerz und Traurigkeit. Ich drehte mich um und rannte davon. Ich stürmte durch die Clubtüren hinaus in die kalte Nachtluft, Tränen brannten in meinen Augen, als es zu regnen begann. Ich nahm schnell ein Taxi. Die Fahrt nach Hause war wie im Nebel; ich konnte mich nicht daran erinnern. Meine Gedanken waren noch immer benebelt von der Szene, die ich gerade miterlebt hatte. Das Taxi bog in die Einfahrt meiner kleinen Wohnung ein. Meine Finger zitterten, als ich die Haustür aufschloss. Die Wohnung empfing mich mit Stille. Die Tränen, die ich so sehr zurückhalten wollte, brachen endlich hervor, sobald ich die Tür hinter mir geschlossen hatte. Ich fühlte mich klein, dumm und ausgenutzt. Drei Monate. Drei blöde Monate. Alles war mit einem einzigen Kuss dahin. Mein Herz fühlte sich an, als wäre es zerrissen worden. Die Geschenktüte, die ich den ganzen Abend so vorsichtig getragen hatte, wurde mir plötzlich unerträglich. Mit einem erstickten Schrei schleuderte ich sie quer durch das Wohnzimmer. Sie prallte gegen die Wand, bevor sie zerknittert auf dem Parkettboden landete. „Ich hasse dich“, flüsterte ich mit brüchiger Stimme. Ich sank auf das Sofa und vergrub mein Gesicht in den Händen. Das Bild wollte mir einfach nicht aus dem Kopf gehen. Daniels Hand, die auf dem Oberschenkel einer anderen Frau ruhte, seine Lippen auf ihren und die Art, wie er gelächelt hatte. Ein Lächeln, von dem ich törichterweise geglaubt hatte, es sei nur mir vorbehalten. Ich wischte mir die Tränen ab, bevor ich nach meinem Handy griff. Es gab nur eine Person, mit der ich sprechen wollte. Ich scrollte, bis ich Jesses Namen gefunden hatte, und drückte auf „Anrufen“. Es klingelte zweimal. „Nia?“, antwortete Jesse, und schon klang Besorgnis in ihrer Stimme mit. „Hey, solltest du nicht gerade deinen Jahrestag feiern …“ „Er hat mich betrogen.“ Die Worte sprudelten aus mir heraus, bevor ich sie aufhalten konnte. „Was?“, hallte Jesses Stimme wider. „Ich habe ihn gesehen.“ Mein Atem ging unregelmäßig. „In der Eclipse Bar. Er hat ein anderes Mädchen geküsst, Jesse. Er hatte seine Hände überall an ihr.“ Meine Stimme brach in ein Schluchzen aus. „Drei Monate … und er hat mich betrogen.“ Es gab eine kurze Pause auf ihrer Seite. Dann seufzte Jesse. „Endlich.“ Ich runzelte die Stirn. „W-was?“ „Endlich. Ich dachte schon, du würdest nie zur Vernunft kommen.“ „Wovon redest du?“ „Du bist so töricht von deiner Liebe zu ihm geblendet, dass du nicht einmal siehst, dass er dich nur ausnutzt.“ Ich erstarrte. Ich öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber sie unterbrach mich, bevor ich etwas sagen konnte. „Ich glaube, es ist an der Zeit, dass ich dir das sage. Du warst ein bisschen naiv, Nia. Ein Typ, der in einer Beziehung fremdgeht, die erst drei Monate alt ist? Ich bitte dich. Das sagt doch schon alles, was du wissen musst.“ Ich umklammerte das Handy fester. „Jesse, ich habe dich angerufen, weil ich jemanden zum Reden brauchte. Im Moment schiebst du mir nur die Schuld zu. Du machst die Sache nur noch schlimmer.“ „Ich gebe dir keine Schuld“, erwiderte sie, und ihre Stimme wurde sanfter. „Ich sorge mich um dich, Nia. Du verdienst so viel mehr –“ „Hör einfach auf.“ Die Worte kamen schärfer heraus, als ich beabsichtigt hatte. „Du hast Daniel sowieso nie gemocht.“ „Nia, das ist nicht …“ Ich beendete das Gespräch, bevor sie zu Ende sprechen konnte. Einen Moment lang starrte ich auf den Bildschirm. Dann warf ich das Handy auf die Couch und ließ mich daneben sinken. Stille erfüllte die Wohnung. War ich nicht gut genug? Die Frage hallte in meinem Kopf wider, bis ich den Kopf schüttelte. „Nein“, flüsterte ich mir selbst zu. „Ich muss nur dafür sorgen, dass er mir nicht widerstehen kann.“ Ich musste einfach beweisen, dass ich genug war. Ich hatte meine Jungfräulichkeit zweiundzwanzig Jahre lang bewahrt und auf den richtigen Menschen gewartet. Auf den richtigen Moment. Daniel war dieser Mensch. Mich ihm ganz hinzugeben, würde die Risse auslöschen. Es würde uns auf eine Weise verbinden, wie es nichts anderes könnte. Es würde alles in Ordnung bringen: den Zweifel, die Demütigung, die Angst, dass ich nicht genug war, um ihn zu halten. Ich erhielt eine Nachricht von Daniel, in der er fragte, warum ich noch nicht in der Bar angekommen war. Meine Finger fuhren über den Rand meines Handys, während ich eine Antwort auf seine Nachricht tippte. Ich: „Ich habe morgen eine Überraschung für dich. Ich schicke dir den Ort.“ Ich drückte auf „Senden“, bevor ich es mir anders überlegen konnte. Als die Nachricht zugestellt war, atmete ich tief durch, und ein zartes Lächeln umspielte meine Lippen. Mein Blick wanderte zu der Geschenktüte, die auf dem Boden lag. Langsam hob ich sie auf und griff hinein. Ein kurzes, rotes Spitzennachthemd glitt mir in die Hände. Ich hielt es hoch und zwang mir ein kleines Lächeln ab. „Perfekt.“Nia04:12 Die Zahlen leuchteten rot an der Wand, und jede Sekunde, die verging, fühlte sich an, als würde eine Hand auf meine Brust drücken. Das Wasser reichte Raymond bis zu den Knien. Das Wasser war schwarz und eiskalt, trüb von Rost und Öl, und es roch nach Meer und nach etwas Älterem darunter – nach etwas Verfaultem. Jedes Mal, wenn es anschwoll, schlug es mit einem hohlen Dröhnen gegen die Betonwände, das mir direkt den Rücken hinaufschoss und die Striemen auf meinem Rücken in Brand setzte. Ich biss die Zähne zusammen und klammerte mich an seinen Hals. „Marcus, sag was“, bellte Raymond. „Die East Bay ist zugeschweißt, Boss.“ Marcus watete vor uns her, sein Gewehr über die Schulter gehängt, eine Hand an den Ohrhörer gepresst. „Ladetüren eins bis vier, dasselbe. Viktors Team ist am nördlichen Treppenhaus, aber die Unterebene steht bereits unter Wasser. Sie sagen, die Treppe ist weg.“ „Weg?“ „Unter Wasser. Bis zum zweiten Treppenabsatz.“ Das Dröhnen von unten wurde immer l
Raymond Die Kugel, die ich einen Zoll von Daniels Schädel entfernt im Beton vergraben hatte, war kein Fehlschuss. Es war eine Geste der Höflichkeit. Die einzige, die er jemals von mir bekommen würde. „Beweg dich nicht“, sagte ich, meine Stimme so leise, dass sie kaum über die entfernten Schüsse hinweg zu hören war. „Kein Muskel.“ Daniel erstarrte, seine Finger immer noch in Nias Haaren vergraben, seine gebissene Hand tropfte Blut über ihre Schulter. Und dann sah ich sie an. Silbernes Klebeband über ihrem Mund. Die Handgelenke hinter ihrem Rücken mit einem Seil gefesselt, das ihre Haut bereits wundgerieben hatte. Ihr Shirt hing in Fetzen über ihren Schulterblättern, und durch den zerrissenen Stoff konnte ich sie sehen. Lange, wütende Striemen, aufgerissen und rot nässend, zogen sich über ihre Haut, als hätte jemand seinen Namen in sie eingeritzt.Etwas in mir wurde vollkommen, absolut still. Ich war schon früher wütend gewesen. Ich war so wütend gewesen, dass erwachsene Männer
NiaDer zweite Schlag raubte mir den letzten Rest Atem, der mir noch in den Lungen geblieben war. Ein blendender Blitz weißglühender Qual schoss durch meine Schultern und strahlte meine Wirbelsäule hinunter, bis sich mein ganzer Körper vom kalten Betonboden wölbte. Ich konnte den rauen, reißenden Schrei nicht unterdrücken, der sich aus meiner Kehle herauskämpfte. Er prallte von den feuchten Steinwänden ab und hallte wie ein Totenglockenschlag in dem sterilen Raum wider. Ich sackte nach vorne zusammen, meine aufgeschürften Handflächen schlugen hart auf den Boden, während ich mich instinktiv zu einem festen, schützenden Ball zusammenrollte. Meine Stirn drückte fest gegen den körnigen Beton, Tränen vermischten sich mit dem Staub und dem metallischen Geschmack von Blut, das sich auf meiner Zunge sammelte. „Steh auf“, zischte Lilas Stimme, frei von jeglicher menschlichen Wärme, und klang wie ein Dämon, der das Gesicht meiner Freundin trug. Ein weiteres scharfes Knallen von Leder zer
Raymond Die Stille im Lagezentrum des Anwesens war ohrenbetäubender als Gewehrfeuer. Ich stand wie gelähmt vor dem zentralen Eichentisch und starrte auf die zerbrochenen Überreste von Marcus’ Kommunikationsgerät hinab. Aus dem gesprungenen Lautsprecher drang Rauschen, unterbrochen vom rhythmischen, spöttischen Piepton eines ausgefallenen Signals. Entführt. Dieses eine Wort hallte in meinem Kopf wider, schwer und erstickend, und verwandelte die Luft in meinen Lungen in geschmolzenes Blei. Vor fünfzehn Minuten hatte mein Leben noch einen Mittelpunkt. Vor fünfzehn Minuten war Nia noch in Sicherheit, schwanger mit meinem Kind, und ihr sanftes Lachen schwebte zusammen mit dem ihrer Freundin durch die Flure. Jetzt war der Raum, in dem einst ihre Wärme geherrscht hatte, ein riesiger, klaffender Abgrund aus kalter, gewalttätiger Wut. Ein scharfes, ohrenbetäubendes KNACKEN hallte durch den Raum, als meine Faust auf die massive Eichenvertäfelung der Wand prallte. Schmerz schoss mir den
Nia Der stechende chemische Geruch klammerte sich an meinen Rachen und ließ mir den Kopf schwirren, während ich mich mühsam wieder zu Bewusstsein kämpfte. Meine Augenlider fühlten sich an wie Blei – schwer und brennend. Langsam zwang ich sie auf und blinzelte gegen das grelle, flackernde Licht der Leuchtstoffröhren über mir. Der Raum war kalt, steril und roch nach feuchtem Beton und altem Eisen. Meine Handgelenke und Knöchel spannten sich gegen kaltes Metall – ich war fest an einen Industriestuhl geschnallt. „Wo … wo bin ich?“, flüsterte ich; meine Stimme klang heiser und trocken. Ein scharfes, spöttisches Kichern durchbrach die Stille. Ich drehte träge den Kopf, und mir stockte der Atem, als eine vertraute Gestalt aus dem Schatten trat. Daniel stand über mir, ein verzerrtes, siegreiches Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Du Mistkerl“, spie ich, während Adrenalin augenblicklich die nachwirkenden Effekte des Chloroforms überlagerte und ich gegen die Fesseln zappel
NiaJesse räusperte sich laut und durchbrach die bedrückende Spannung mit einem übertriebenen Klopfen ihres Löffels gegen die Kaffeetasse. „Okay, genug mit den schweren Themen“, erklärte Jesse, stützte die Ellbogen auf den Tisch und blickte zwischen Raymond und mir hin und her. „Ich finde eigentlich, wir sollten heute rausgehen – um für das Baby einzukaufen.“ Raymonds Hand erstarrte augenblicklich über meiner. Seine dunklen Augen huschten zu Jesse hinauf, sein Gesichtsausdruck verflachte zu einer Mauer aus unnachgiebigem Marmor. „Nein“, sagte Raymond knapp. „Ach, komm schon, Raymond“, flehte ich leise und drehte meine Handfläche zu ihm, um seine Finger zu drücken. „Es ist nur ein kurzer Ausflug. Wir werden nicht lange weg sein.“ „Ich habe Nein gesagt, Nia“, wiederholte er, und sein Ton ließ keinerlei Raum für Diskussionen. Er wandte seinen Blick wieder mir zu, wobei sich die Härte in seinen Zügen nur ein klein wenig milderte. „Außerhalb dieser Tore ist es im Moment nicht sicher
Nia's Perspektive Ich erwachte im sanften Schein des Morgenlichts, das durch die schweren Hotel Vorhänge drang. Mein Körper fühlte sich schwer an, auf die köstlichste und zugleich erschreckendste Weise beansprucht. Ich spürte einen tiefen, ungewohnten Schmerz zwischen meinen Schenkeln, eine unverb
Nia's Perspektive „Daniel …“, flüsterte ich atemlos, als er sich endlich zurückzog, damit ich Luft holen konnte. Der Name klang selbst in meinen eigenen Ohren seltsam. Ich verdrängte den Gedanken – es spielte keine Rolle. Er war jetzt hier, das war alles, was zählt. Seine einzige Antwort war ein
Raymonds Perspektive Ich betrat die schummrig beleuchtete Suite, das elektronische Schloss schloss sich hinter mir mit einem leisen Klicken. Ich kam gerade von einem angespannten Geschäftstreffen, einer weiteren nächtlichen Verhandlung mit Clan-Mitgliedern, die glaubten, meine Geduld auf die Prob
Nia's PerspektiveIch rückte den zarten Träger des roten Spitzen-Dessous ein letztes Mal zurecht, wobei meine Finger leicht auf meiner warmen Haut zitterten. Der Stoff war verführerisch, kaum vorhanden, an den richtigen Stellen durchsichtig – ganz darauf ausgelegt, einen Mann in den Wahnsinn zu tre







