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Kapitel 5

Author: Benjamin
last update publish date: 2026-04-27 17:19:26

Als Aria ihn zuerst abgewiesen hatte, war Roman überrascht gewesen. Dass sie jetzt so bereitwillig zustimmte, warf ihn erst recht aus der Bahn. Dazu kam noch seine eigene verwirrende Reaktion auf sie, die ihn völlig durcheinanderbrachte.

Er starrte sie einen langen Moment lang ausdruckslos an, sein Kopf wie leer gefegt, bevor er endlich wieder sprach. „Natürlich musst du dafür bezahlen. Und nur zur Erinnerung: Es war keine Kleinigkeit, aber auch kein Vermögen. Es ist…“

Bevor er den Satz beenden konnte, fiel Aria ihm ins Wort. „Das funktioniert nicht. Ich habe das Geld nicht. Gibt es eine andere Möglichkeit, wie ich es wiedergutmachen kann?“

Diesmal war Roman nicht überrascht. Er begann langsam zu begreifen, dass sie völlig unberechenbar war. Es hatte keinen Sinn, ihre Antworten vorhersagen zu wollen. Dennoch spielte ihm ihre Reaktion genau in die Hände. Er wollte gar kein Geld. Hätte sie ihn nicht so stark fasziniert, hätte er sie nie hierher bestellt. Was er wirklich wollte, war sie.

Er unterdrückte das Grinsen, das sich auf seinem Gesicht ausbreiten wollte, und fragte: „Na gut. Was schlägst du vor?“

Aria zuckte nur mit den Schultern. „Keine Ahnung. Sagen Sie es mir.“

Roman schwieg eine Weile und tat so, als würde er nachdenken, obwohl er längst genau wusste, was er wollte. Er ging zurück hinter seinen Schreibtisch und setzte sich. „Also schön. In dem Fall kannst du als meine Assistentin arbeiten.“

Aria hob eine Augenbraue. „Aber Sie haben doch schon eine, oder nicht?“

„Stimmt. Du wirst die Zweite sein. Deine Aufgabe wird sein, mich überall zu begleiten und dich um meine Bedürfnisse zu kümmern.“

Aria nickte langsam, als müsste sie das erst einmal sacken lassen. „Also… im Grunde ein Kindermädchen-Job? Sie brauchen ein Kindermädchen?“

Roman war sprachlos.

Damit hatte er absolut nicht gerechnet. Ihre direkte Art machte es unmöglich zu erkennen, ob sie das ernst meinte oder ihn ganz leise auf den Arm nahm.

Auf der anderen Seite des Raumes biss Elara sich fest auf die Lippe, um nicht laut loszuprusten. Das war einfach zu gut. Sie hätte nie gedacht, dass sie Roman Knight einmal so aus der Fassung gebracht sehen würde – und dann auch noch auf so lustige Weise. Sie genoss es in vollen Zügen. Das würde sie Eleanor später auf jeden Fall erzählen. Solche Momente kamen bei Roman selten vor.

Romans Ego begann zu brennen. Er ballte die Fäuste und sagte kühl: „Nenn es, wie du willst, Miss Ashford. Entweder du machst es, oder du zahlst das Geld.“

„Ich habe nicht Nein gesagt, Mr. Knight. Ich mache es“, antwortete Aria ruhig. „Aber wie lange muss ich das tun?“

„Mindestens sechs Monate“, erwiderte Roman, ohne zu zögern. Er wusste selbst nicht genau, warum er sechs Monate gesagt hatte. Normalerweise hätte er maximal einen Monat vorgeschlagen, aber bei ihr… irgendetwas brachte ihn dazu, die Zeit zu verlängern. Sie war eine harte Nuss. Er würde Zeit brauchen, um ihre Mauer zu durchbrechen. Eins stand fest: Er wollte sie, und er würde sie bekommen – egal, was es kostete.

Aria ahnte nichts von seinen wahren Absichten. Trotzdem schrien ihre Instinkte sie an, sich von diesem Mann fernzuhalten.

Sie diskutierte nicht über die Dauer. Stattdessen nickte sie einfach. „Okay. Wann fange ich an?“

„Morgen. Pünktlich um acht Uhr“, sagte Roman. „Du kannst jetzt gehen.“

Aria nickte kurz und verließ das Büro, ohne zu ahnen, welcher Sturm auf sie zukam.

Kaum hatte sich die Tür hinter ihr geschlossen, konnte Elara sich nicht mehr zurückhalten und brach in lautes Gelächter aus.

Roman starrte sie an. „Warum zum Teufel lachst du?“

Adrian schaute genauso verwirrt.

Nachdem Elara gelacht hatte, bis ihr die Tränen in die Augen stiegen, beruhigte sie sich ein wenig. „Entschuldige, ich konnte einfach nicht anders. Glaub mir, Roman, ich habe dich noch nie so verwirrt und sprachlos gesehen. Dieses Mädchen hat dich komplett aus dem Konzept gebracht.“ Sie kicherte erneut.

Romans Verärgerung wuchs. „Könntest du deiner Frau bitte sagen, sie soll keinen Unsinn reden, Adrian?“

Adrian zuckte nur mit den Schultern. „Ich glaube, sie hat recht. Meine Frau hat immer recht.“

Roman fühlte sich verraten. „Du bist komplett unter dem Pantoffel! Deinen eigenen Bruder hast du schon vergessen!“

Adrian ging gar nicht erst auf die kindische Bemerkung ein. Er widmete seine Aufmerksamkeit einfach weiter Elara. Roman schüttelte nur ungläubig den Kopf.

---

Sobald sie Knight Industries verlassen hatte, lief Aria ziellos durch die Straßen. Viele hielten sie für seltsam, aber das war sie nicht. Sie war einfach anders – jemand, der lieber für sich blieb und Ärger aus dem Weg ging. Nur schien der Ärger sie immer wieder zu finden.

Ihre Füße trugen sie schließlich zur Kirche. Seit einem Jahr war das der einzige Ort, an dem sie all ihre Sorgen loslassen und etwas Frieden finden konnte. Hier hatte sie eine zweite Chance aufs Leben bekommen.

Sie trat ein, schloss die Augen und ließ ihre Gedanken ein Jahr zurückwandern…

**Rückblende**

Ihr ganzer Körper schmerzte höllisch. Ihr Kopf pochte, als würde jemand von innen mit einem Hammer dagegen schlagen. Sie versuchte, die Augen zu öffnen, doch ihre Lider fühlten sich bleischwer an, als hätte sie jahrelang geschlafen.

„Sie wacht auf!“, rief eine aufgeregte Stimme. Schritte eilten näher.

Mit großer Mühe schaffte sie es schließlich, die Augen einen Spaltbreit zu öffnen. Ein greller Lichtblitz traf sie und jagte einen stechenden Schmerz durch ihren Kopf. Sofort kniff sie die Augen wieder zu.

„Ist schon gut, ganz ruhig. Mach sie langsam auf“, kam eine sanfte, beruhigende Stimme. Sie klang warm und seltsam tröstlich. Sie tat, was die Stimme sagte.

Als sie die Augen diesmal öffnete, war zuerst alles verschwommen, doch nach und nach wurde das Bild klarer. Mehrere Frauen beugten sich über sie und betrachteten sie mit einer Mischung aus Sorge und Neugier.

Sie versuchte zu sprechen, doch ihre Kehle brannte und ihre Lippen waren trocken und aufgesprungen. „W… Wa… sser…“, krächzte sie mühsam.

Eine der Frauen brachte ihr schnell etwas zu trinken. Nach ein paar Schlucken ließ das schreckliche Trockenheitsgefühl etwas nach.

„Geht es dir jetzt besser?“, fragte die sanfte Stimme erneut. Diesmal schaute sie die Sprecherin an. Es war die älteste der Frauen.

Sie nickte schwach.

Die Frau nickte freundlich zurück. „Wo… bin… ich?“, fragte sie mit immer noch heiserer Stimme.

„Du bist in der St. Ashford Church“, antwortete eine andere Frau. Sie sah jünger aus als die Erste.

„Ki… rche…“, wiederholte sie langsam.

„Ja“, sagte die ältere Frau sanft. „Wir haben dich vor einer Woche schwer verletzt neben der Kirche auf der Straße gefunden. Seitdem lagst du im Koma. Kannst du uns sagen, wer du bist, damit wir deine Familie benachrichtigen können?“

Sie starrte die Frauen schockiert an. Eine Woche? Koma? Aber als sie versuchte, sich zu erinnern, wer sie war… kam nichts. Sie wusste es nicht. Sie hatte keine Ahnung, wer sie war.

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