Share

Kapitel 6

Author: Benjamin
last update publish date: 2026-04-27 20:38:33

Ihre Welt kam plötzlich zum Stillstand. Es fühlte sich an, als wäre ein Teil ihres Gehirns einfach dunkel geworden. Die Menschen um sie herum erschraken bei ihrer plötzlichen Reaktion.

„Geht es dir gut? Was ist los?“, fragte die ältere Frau besorgt.

„Ich… ich weiß es… nicht…“, stammelte sie.

„Du weißt es nicht? Was meinst du damit?“, hakte die Frau nach.

„Mich… ich weiß es nicht…“, wiederholte sie leise.

Die Frau musterte sie eine Weile und fragte dann: „Meinst du, du erinnerst dich nicht mehr, wer du bist?“

Sie nickte nur. Mehr brachte sie nicht heraus.

Arias Leben veränderte sich von diesem Moment an für immer. Nachdem sie den schrecklichen Unfall überlebt hatte, erfuhr sie, dass Lila Ashford sie gefunden hatte, als sie gerade auf dem Weg zur Kirche war. Man hatte sie sofort in das Krankenhaus der Kirche gebracht. Es wurde schnell zu einem Polizeifall, doch sie war in einem so kritischen Zustand gewesen – schwer verletzt und dem Tod nahe. Man brachte sie eilig ins St. Stewart Hospital, das direkt neben der Kirche lag.

Sie lag sieben Tage im Koma. Als Aria endlich aufwachte, erinnerte sie sich an nichts mehr. Zuerst behandelten die Schwestern und Ärzte es als Polizeisache, aber Schwester Celestine, die Leiterin des Hospitals, entschied sich dagegen, weiter nachzuforschen, als sie Arias Zustand sah.

Ihre Verletzungen waren eindeutig von Menschen verursacht worden – jemand hatte versucht, sie zu töten. Der Ort, an dem man sie abgelegt hatte, war eine Stelle, die niemand freiwillig betrat. Die Absicht war klar gewesen. Schwester Celestine glaubte, es sei Schicksal oder Gottes Wille gewesen, dass Lila sie genau dort gefunden hatte. Warum sonst hätte sie ausgerechnet an diesem Tag in diesen abgelegenen Waldabschnitt gehen sollen?

Von da an blieb alles vertraulich. Die Schwestern, die Ärzte und Lila hielten ihr Versprechen gegenüber Schwester Celestine und schwiegen eisern.

Es wurde beschlossen, dass Aria, bis sie ihr Gedächtnis zurückerlangte, bei ihnen bleiben und eine neue Identität bekommen sollte. Man nannte sie von nun an Aria – wegen der stillen Stärke und Furchtlosigkeit, die man schon damals in ihr gesehen hatte. Schwester Celestine gab ihr den Nachnamen Stewart.

Mit der Zeit wurden Lila und Aria sehr enge Freundinnen. Als Aria das erste Mal das Haus der Ashfords besuchte, mochte Mrs. Ashford sie sofort. Nachdem sie die ganze Geschichte gehört hatten, beschlossen Mr. und Mrs. Ashford, sie zu adoptieren. Von diesem Tag an wurde sie ihre Tochter, und Lila und Aria wurden die allerbesten Freundinnen.

**Rückblende Ende**

„Schläfst du?“, fragte plötzlich eine sanfte, weibliche Stimme neben ihr.

Aria öffnete die Augen und blickte die Frau an. Sie war vielleicht Anfang sechzig, wirkte aber elegant und strahlte eine erstaunliche Schönheit aus. Sie lächelte Aria warm und beruhigend an.

„Ähm… nein, ich habe nicht geschlafen. Brauchen Sie etwas, Ma’am?“, fragte Aria höflich.

Die Frau lächelte süß und schüttelte den Kopf. „Nein, ich bin zum Beten gekommen und habe dich hier sitzen sehen. Ich dachte, du wärst vielleicht eingeschlafen. Habe ich dich gestört?“

Aria mochte es normalerweise nicht, wenn sich Fremde in ihre Angelegenheiten einmischten, aber diese Frau hatte etwas Besonderes an sich. Sie vermittelte ihr ein mütterliches, tröstliches Gefühl. Aria schüttelte den Kopf. „Überhaupt nicht.“

Die Frau nickte verständnisvoll und sah sie wieder an. „Ich bin Eleanor Knight. Und du?“

„Ich bin Aria Ashford“, antwortete sie.

„Aria… ein ungewöhnlicher Name. Schön, genau wie du“, sagte Eleanor freundlich. Sie betrachtete sie noch einen Moment. „Wohnst du hier in der Nähe?“

Aria nickte. „Ja, im nächsten Block.“

„Ah, deshalb sehe ich dich hier fast jeden Tag“, erwiderte Eleanor mit einem Lächeln.

„Oh“, sagte Aria überrascht. Sie wusste nicht recht, was sie antworten sollte, und fühlte sich plötzlich etwas unbehaglich.

Seit ihrem neuen Leben war sie immer etwas sozial unbeholfen gewesen. Aria war ein stilles Mädchen, das nicht viel redete und neue Menschen eher mied. Partys und Trubel mochte sie gar nicht. Sie wollte einfach nur ein ruhiges, friedliches Leben führen, und diese Kirche war perfekt dafür. Sie blieb am liebsten in ihrer eigenen Welt und teilte ihre Gedanken nur mit Gott. Wer kam und ging, interessierte sie nicht.

„Ähm… tut mir leid, aber ich habe Sie gar nicht bemerkt“, gab Aria etwas verlegen zu.

Als Eleanor ihre Verlegenheit sah, lächelte sie sanft. „Ist schon okay. Ich wusste, dass du mich nicht bemerkt hast.“

„Hm?“, machte Aria überrascht.

Eleanor lachte leise und berührte sanft ihren Handrücken. „Entschuldige, dass ich es dir unangenehm gemacht habe. Ich habe mir schon gedacht, dass du mich nicht bemerkst, weil du dich immer so auf deine eigenen Gedanken konzentrierst und nicht darauf achtest, was um dich herum passiert.“

Sie machte eine kurze Pause und fuhr dann fort: „Und ehrlich gesagt gefällt mir das an dir. Mädchen wie dich findet man heutzutage selten – solche, die sich nicht in die Angelegenheiten anderer einmischen. Außerdem erinnerst du mich an jemanden, den ich früher kannte. Deshalb bin ich überhaupt erst auf dich aufmerksam geworden. Aber ich muss sagen… du bist wirklich sehr schön.“

Aria lächelte höflich. „Danke.“

Sie unterhielten sich noch ein paar Minuten, dann verabschiedete sich Eleanor und verließ die Kirche.

Aria sah ihr nach. Mit ihrer zurückhaltenden Art dauerte es bei ihr normalerweise lange, bis sie jemanden mochte, aber Eleanor hatte es sofort in ihre Liste geschafft. Sie war nicht aufdringlich oder nervig wie so viele andere Frauen.

Plötzlich piepte ihr Handy. Aria schaute darauf und – wie erwartet – war es Lila. Sie nahm den Anruf an. „Was ist?“

„Was ist?! Ernsthaft?! Wo zur Hölle steckst du?! Ich bin hier fast gestorben vor Sorge!“, rief Lila aufgebracht durchs Telefon.

Aria seufzte und schüttelte den Kopf. „Ich komme nach Hause, dann reden wir.“ Damit legte sie auf.

Am anderen Ende starrte Lila ungläubig auf ihr Handy. „Verdammt, Aria! Du hast einfach aufgelegt! Du bist unglaublich!“, schnaubte sie und warf das Telefon auf die Couch.

.........

„Und du hast wirklich zugestimmt, sechs Monate für ihn zu arbeiten?“, fragte Lila schockiert.

„Hm“, brummte Aria nur.

Lila starrte ihre Adoptivschwester und beste Freundin noch einen Moment an und blinzelte dann. „Aria, darf ich mal in deinem Kopf nachsehen? Ich bin wirklich neugierig, was da drin vor sich geht“, sagte sie in ruhigem, aber genervtem Ton.

Arias ruhiger, direkter Gesichtsausdruck ging ihr langsam auf die Nerven. Sie hätte am liebsten wirklich in ihren Kopf geschaut, um zu sehen, was sie sich dabei gedacht hatte.

„Ich habe dieselben Dinge im Kopf wie du. Nichts Besonderes“, antwortete Aria schlicht.

„Verdammt noch mal“, murmelte Lila, stapfte in ihr Schlafzimmer und kam wenige Minuten später wieder zurück. Sie setzte sich neben Aria und fragte: „Wie konntest du einfach so zustimmen?! Aria! Warst du bei der Gelegenheit nicht ganz bei Verstand?!“

Lila konnte es immer noch nicht fassen, dass ihre Schwester tatsächlich Ja zu diesem Vorschlag gesagt hatte.

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Verführt vom schmutzigen Deal des Milliardärs   Kapitel 50

    Vivienne betrachtete ihr Spiegelbild. In ihrem wunderschönen Brautkleid sah sie aus wie ein gefallener Engel aus dem Himmel – einfach wie eine echte Prinzessin. Ja, heute war ihr Hochzeitstag. Sie würde den Mann ihrer Träume heiraten, ihren Bad Boy, Roman Knight.Viviennes Sicht:Hey ihr Lieben, ich bin Vivienne King… und bald schon Mrs. Vivienne King. Ja, ich behalte meinen Nachnamen. Ich war schon immer eine unabhängige Frau, und mein Nachname bedeutet mir sehr viel – er ist ein Teil meiner Identität. Ich habe nie vorgehabt, ihn zu ändern. Und ich könnte nicht glücklicher sein, denn mein zukünftiger Mann und seine Familie unterstützen mich voll und ganz. Es ist ihnen egal, und sie respektieren meine Entscheidung von Herzen.Endlich heirate ich die Liebe meines Lebens – meinen Roman. Unsere Wege haben sich auf so viele dramatische Weise gekreuzt. Wir haben zusammen gelacht, geweint, Eifersucht, Wut und Trennungen erlebt. Aber das Schicksal hat uns immer wieder zueinander geführt, und

  • Verführt vom schmutzigen Deal des Milliardärs   Kapitel 49

    Währenddessen konnte auch Vivienne nicht aufhören, immer wieder verstohlene Blicke zu Roman zu werfen. Er sah unglaublich gut aus, aber gleichzeitig so gebrochen. Sie hatte sich längst entschieden, ihm zu verzeihen und ihm noch eine Chance zu geben.Sie hatte bemerkt, dass er sie die ganze Zeit nur ansah. Sie wusste genau, dass er ihr sofort folgen würde, sobald er die Gelegenheit dazu bekam. Also beschloss sie, es endlich hinter sich zu bringen.Als sich eine passende Gelegenheit ergab, schlüpfte sie in den Palast. Ohne sich umzudrehen, spürte sie, dass Roman ihr folgte, tat aber so, als würde sie es nicht merken.In ihrem Zimmer angekommen, wollte sie gerade die Tür schließen, als er sie aufhielt. Er drückte die Tür auf und trat entschlossen ein.Vivienne hatte zwar gewusst, dass er ihr folgte, doch diese plötzliche Aktion überraschte sie trotzdem. Roman schloss die Tür hinter sich ab und stand ihr nun direkt gegenüber.Beide schwiegen einen Moment und sahen sich mit einer Flut von

  • Verführt vom schmutzigen Deal des Milliardärs   Kapitel 48

    Vivienne wollte den Kopf schütteln, doch ihr Verstand konnte nicht mehr. Stattdessen schlang sie plötzlich die Arme um ihre Mutter, was Isadora nur noch mehr Sorgen bereitete.Isadora zog ihre Tochter sofort fest in die Arme. Sie hatte schon seit Tagen gespürt, dass etwas nicht stimmte – es stand Vivienne deutlich ins Gesicht geschrieben. Während sie sie eng umschlungen hielt, flüsterte sie ihr beruhigende Worte ins Ohr: „Es ist gut, mein Schatz. Du kannst es Mommy erzählen.“Sie führte Vivienne in den weitläufigen Garten und setzte sich mit ihr in den großen Pavillon. Eine Weile saßen Mutter und Tochter einfach nur schweigend nebeneinander. Dann brach Vivienne leise das Schweigen.„Mom… was würdest du tun, wenn Papa dich jemals etwas beschuldigen würde, das du nie getan hast?“Isadora blickte einen Moment lang in den offenen Himmel, bevor sie antwortete. „Ich wäre wütend auf ihn, weil er mein Vertrauen gebrochen hätte. Ich würde ihn ein bisschen bestrafen… aber wenn er sich entschuld

  • Verführt vom schmutzigen Deal des Milliardärs   Kapitel 47

    Vivienne stürmte in ihr Zimmer. Sie war frustriert und konnte einfach nicht fassen, was ihre Mutter getan hatte. Ihre und die Geschichte ihrer Mutter ähnelten sich auf seltsame Weise – beide hatten ihre Erinnerungen verloren und später zurückerlangt. Der einzige Unterschied war: Ihre Mutter hatte einen aufrichtigen, liebevollen Mann an ihrer Seite gehabt, der ihr geholfen hatte. Sie selbst hatte einen Mann, den sie am liebsten für immer vergessen würde.„Warum kann ich diesen Mann einfach nicht vergessen? Warum muss ich mich an alles erinnern? Warum, Gott? Warum?!“, murmelte sie verzweifelt vor sich hin. „Und wenn ich ihn schon nicht vergessen kann, dann lass mich ihn wenigstens hassen! Ich halte das nicht mehr aus!“ Tränen der Verzweiflung liefen ihr über die Wangen.***Der nächste Monat verging wie im Flug, und schon war der Hochzeitstag von Victor und Lila gekommen. Alle waren mit den Vorbereitungen für die Hochzeit und ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt.In all diesen Ta

  • Verführt vom schmutzigen Deal des Milliardärs   Kapitel 46

    Zur Mittagszeit versammelte sich everyone im Essbereich. Vivienne stieß ebenfalls zu ihnen. Die Bediensteten servierten die Gerichte eines nach dem anderen und stellten die eleganten Teller vorsichtig auf den langen, polierten Tisch. Elizabeth und Victoria schauten sich mit stiller Verwunderung um, ihre jungen Augen wurden groß, während sie jedes luxuriöse Detail in sich aufnahmen. Sie hatten in ihrem Leben schon viel Luxus gesehen, aber nichts Vergleichbares – die Royals hoben das Niveau von „posh“ auf eine ganz andere, fast unwirkliche Stufe.Alina hatte sie bereits vorher über Vivienne aufgeklärt und ihnen streng eingeschärft, nicht zu erwähnen, dass sie sie von früher kannten. Als brave, gehorsame Kinder, die immer gut zuhörten, befolgten sie die Anweisungen ihrer Mutter, ohne ein einziges Wort darüber zu verlieren.Victor gesellte sich ebenfalls zum Mittagessen zu ihnen. Während der gesamten Mahlzeit schweiften Romans Augen immer wieder zu Vivienne zurück. Es fühlte sich immer no

  • Verführt vom schmutzigen Deal des Milliardärs   Kapitel 45

    „Wer waren diese Leute, Schwester?“, fragte Edmund.„Ich weiß es nicht. Mama kennt sie irgendwie. Lass uns jetzt lieber deine Probleme anschauen.“ Vivienne wollte nicht länger über sie nachdenken. Lila würde sich jetzt um sie kümmern...........Lila führte die Knights in einen leeren Flügel des Palastes. Sobald sie ein Zimmer betreten hatten, schloss sie schnell die Tür hinter ihnen.Schließlich brach Elara das Schweigen. „Was soll das alles, Lila?“, fragte sie. Die Verwirrung stand ihnen allen ins Gesicht geschrieben.Lila holte tief Luft. „Ihr hättet gar nicht erst herkommen sollen. Zweitens: Es gibt keine Aria Ashford mehr auf diesem Planeten. Und drittens: Erzählt niemals jemandem, dass Vivienne King wie Aria Ashford aussieht.“„Ist das alles, Lila?! Gibt es keine Erklärung für Aria und Vivienne King?!“, fragte Roman aufgebracht. Er konnte einfach nicht glauben, dass Aria tot sein sollte. Es musste eine Verbindung zwischen ihr und Vivienne King geben.Lila nickte. „Die gibt es. N

  • Verführt vom schmutzigen Deal des Milliardärs   Kapitel 1

    „Hallo?“, fragte sie mit zitternder Stimme. Der Schweiß klebte an ihrer Haut, ihr Shirt war völlig durchweicht. Sie stand wie erstarrt in dem stockdunklen Raum und hatte keine Ahnung, wo sie war. Eine Welle blanker Panik überrollte sie, und ihr Herz hämmerte so heftig gegen ihre Rippen, dass es weh

  • Verführt vom schmutzigen Deal des Milliardärs   Kapitel 5

    Als Aria ihn zuerst abgewiesen hatte, war Roman überrascht gewesen. Dass sie jetzt so bereitwillig zustimmte, warf ihn erst recht aus der Bahn. Dazu kam noch seine eigene verwirrende Reaktion auf sie, die ihn völlig durcheinanderbrachte.Er starrte sie einen langen Moment lang ausdruckslos an, sein

  • Verführt vom schmutzigen Deal des Milliardärs   Kapitel 4

    „Es tut mir sooo leid, Baby! Bitte, bitte, bitte verzeih mir!“, jammerte Lila und lief nervös hin und her, während sie sich mit beiden Händen die Ohren zuhielt. Seit zwanzig Minuten bettelte sie schon um Vergebung für den Vorfall von letzter Nacht.Aria schaute nicht einmal auf. Sie blieb konzentri

  • Verführt vom schmutzigen Deal des Milliardärs   Kapitel 3

    „Es tut mir sooo leid, Baby! Bitte, bitte, bitte verzeih mir!“, jammerte Lila und lief nervös hin und her, während sie sich mit beiden Händen die Ohren zuhielt. Seit zwanzig Minuten bettelte sie schon um Vergebung für den Vorfall von letzter Nacht.Aria schaute nicht einmal auf. Sie blieb konzentri

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status