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Zwei

Author: Ree
last update Petsa ng paglalathala: 2026-10-29 11:36:20

Kapitel 2

Kiaras Sicht

Ich wusste nicht, wie lange ich schon fiel.

Unter mir war kein Boden, um mich herum gab es kein Licht, und ich konnte mich an nichts festhalten, während ich immer weiter durch die Dunkelheit stürzte.

Ich hörte noch meinen eigenen Schrei, doch er wurde immer leiser, bis schließlich völlige Stille herrschte.

Dann spürte ich etwas Hartes unter meinem Körper.

Ich schlug mit voller Wucht auf dem Boden auf. Sofort breitete sich ein stechender Schmerz in meinem ganzen Körper aus.

Einige Sekunden lang bewegte ich mich nicht. Ich lag einfach mit geschlossenen Augen da und atmete schwer, während ich versuchte zu verstehen, was passiert war.

Ich lebte.

Irgendwie war ich noch am Leben.

Langsam öffnete ich die Augen und starrte auf den fremden Boden unter mir. Das hier war nicht der Fußboden meines Hauses.

Es gab kein Esszimmer, keinen Axel, keine Vesper und auch keine Menschen, die mich auslachten.

Einen Moment lang dachte ich, dass ich vielleicht nur geträumt hatte. Vielleicht war alles nur ein schrecklicher Albtraum gewesen. Wenn ich richtig die Augen öffnete, würde ich bestimmt in meinem Schlafzimmer liegen.

Ich drehte den Kopf, doch nichts kam mir bekannt vor.

Langsam versuchte ich, mich aufzurichten. Meine Arme waren jedoch zu schwach, um mich lange zu halten, und ich fiel wieder zurück auf den Boden.

Meine Wange schmerzte noch immer von Axels Ohrfeige, und mein ganzer Körper tat vom Sturz weh. Nun lag ich an einem Ort, den ich noch nie zuvor gesehen hatte, ohne zu wissen, wie ich überhaupt überlebt hatte.

Langsam setzte ich mich auf.

Diesmal zwang ich mich, mich umzusehen.

Dieser Ort war seltsam. Und der Himmel über mir war nicht der Himmel, den ich kannte.

Es war dunkel, aber nicht völlig schwarz. Ein schwacher roter Schein lag über den Wolken, als würde dahinter etwas brennen.

Die Luft war kalt und schwer. Es fiel mir schwer, normal zu atmen.

Überall um mich herum wuchsen seltsame Pflanzen aus dem Boden. Einige hatten lange, schwarze Blätter, die sich bewegten, obwohl kein Wind wehte. Andere trugen Blumen, die ein schwaches violettes Licht ausstrahlten.

Plötzlich sah ich etwas zwischen den Bäumen huschen.

Ich erstarrte.

Es war viel zu groß, um ein gewöhnliches Tier zu sein. Ich konnte nur einen Teil seines Körpers erkennen, bevor es in der Dunkelheit verschwand.

Ich schluckte schwer.

„Wo bin ich?“

Meine Stimme klang an diesem fremden Ort erschreckend leise.

Niemand antwortete.

Ich stützte die Hände auf den Boden und zwang mich langsam aufzustehen. Meine Beine zitterten, doch irgendwie schaffte ich es, stehen zu bleiben.

Dann bemerkte ich etwas Seltsames.

Vor mir schwebte ein Licht.

Ich blinzelte mehrmals, aber es verschwand nicht.

Ein durchsichtiges, blaues Fenster schwebte direkt vor meinem Gesicht in der Luft.

Erschrocken machte ich einen Schritt zurück.

„Was ist das?“

Als ich mich bewegte, bewegte sich das Fenster mit mir. Es blieb direkt vor meinen Augen.

Darauf standen einige Wörter.

[System aktiviert.]

Ich starrte auf die Schrift.

„Was?“

Ich streckte die Hand aus und versuchte, den Bildschirm zu berühren.

Meine Finger glitten einfach hindurch.

Sofort zog ich die Hand zurück. Mein Herz begann schneller zu schlagen.

Ich sah mich um und fragte mich, ob sich jemand in der Nähe versteckte und sich einen grausamen Scherz mit mir erlaubte.

„Wer bist du?“

Der Bildschirm antwortete nicht.

Stattdessen erschienen weitere Wörter.

[Host hat die Unterwelt erfolgreich betreten.]

Mein Herz schien stehen zu bleiben.

„Die Unterwelt?“

Ich sah mich erneut um. Diesmal wirkte alles noch furchteinflößender.

Der rote Himmel, die seltsamen Pflanzen, die Menschen, die in der Ferne um ihr Leben rannten, die Kreaturen, die sich irgendwo hinter den Bäumen versteckten, und die Risse, die sich im Boden bildeten.

Ich wich langsam mehrere Schritte zurück.

„Nein, das kann nicht echt sein.“

In der Nähe ertönte ein weiterer Schrei.

Ich drehte mich in die Richtung, aus der er kam. Doch bevor ich sehen konnte, was passiert war, hörte ich etwas anderes.

Jemand atmete schwer.

Anders als die Menschen, die in der Ferne umherliefen, bewegte sich diese Person nicht.

Vorsichtig folgte ich dem Geräusch. Ich schob mehrere seltsame Pflanzen zur Seite, bis ich unter einem Baum einen großen schwarzen Stein entdeckte.

Dann blieb ich stehen.

Unter einem riesigen schwarzen Baum saß ein Mann.

Sein Rücken lehnte am dunklen Stamm.

Seine Kleidung war voller Blut. Eine Hand presste er gegen eine tiefe Wunde an seiner Seite, doch das reichte nicht aus, um die Blutung zu stoppen. Sein Gesicht war erschreckend blass, und jeder Atemzug schien ihm mehr Kraft zu kosten als der vorherige.

Ich stand da und starrte ihn an.

Es sah aus, als könnte er jeden Moment sterben.

Dann öffnete er langsam die Augen.

„Hilf mir.“

Seine Stimme war so schwach, dass ich ihn beinahe nicht verstanden hätte.

Ich sagte nichts.

Man hatte mich gerade in eine fremde Welt geworfen, in der ich weder jemanden kannte noch irgendetwas verstand. Ich hatte keine Ahnung, welche Gefahren in der Dunkelheit lauerten. Und jetzt hatte ich einen verletzten Fremden gefunden, der selbst gefährlich sein konnte.

Ihm zu helfen, war das Letzte, was ich wollte.

Ich drehte mich um und wollte gehen.

„Warte.“

Ich blieb stehen, drehte mich aber nicht um.

„Bitte“, flüsterte er. „Lass mich nicht hier zurück.“

Irgendetwas an seiner Stimme brachte mich dazu, mich wieder umzudrehen.

Sein Kopf war gegen den Baum gesunken, und seine Hand rutschte langsam von der Wunde. Das Blut breitete sich weiter auf seiner zerrissenen Kleidung aus.

„Du brauchst einen Arzt“, sagte ich.

„Hier gibt es keine Ärzte.“

Ich runzelte die Stirn.

„Was erwartest du dann von mir?“

Sein Blick wanderte zu meinen Händen.

„Benutze deine Kraft.“

Ich starrte ihn an.

„Meine was?“

„Die Kraft, die in dir steckt.“

Ein Schauer lief mir über den Rücken.

Woher wusste er von dieser seltsamen Fähigkeit, die ich gerade erst entdeckt hatte?

Ich verstand selbst kaum, was mit mir geschah. Und trotzdem sprach dieser Fremde, als wüsste er genau, wozu ich fähig war.

Ich sah auf meine Handflächen hinunter.

Diese seltsame Wärme war noch immer da. Schwach, aber deutlich spürbar.

„Ich weiß nicht, wie das geht.“

„Dann lern es.“

Bei seiner Antwort hätte ich beinahe gelacht.

Er verblutete gerade und erwartete von mir, dass ich mitten im Nirgendwo lernte, eine geheimnisvolle Kraft zu benutzen?

Doch er lachte nicht.

Seine Augen blieben auf meine gerichtet. Trotz der Schmerzen, die sein Gesicht verzerrten, wirkte sein Blick entschlossen.

„Versuch es“, wiederholte er.

Ich zögerte, bevor ich die Augen schloss.

Fast sofort erschien der blaue Bildschirm wieder vor mir.

[Ziel erkannt.]

[Schwere innere Verletzungen.]

[Unbekanntes Gift entdeckt.]

[Lebenskraft des Ziels: 12 %.]

Meine Augen rissen auf.

Zwölf Prozent?

War er wirklich so nahe am Tod?

Bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, erschien eine weitere Nachricht.

[Empfohlene Maßnahme: Reinigung.]

[Heilfähigkeit einsetzen?]

Ich schluckte schwer.

Wenn es nicht funktionierte, konnte ich seinen Zustand noch verschlimmern. Doch wenn ich nichts tat, würde er wahrscheinlich direkt vor meinen Augen sterben.

„Ja“, flüsterte ich.

Plötzlich strömte Wärme durch meine Handflächen.

Ich keuchte und wollte meine Hände beinahe zurückziehen, doch ich zwang mich, stillzuhalten.

Die Wärme wurde stärker, bis meine Finger in einem schwachen blauen Licht zu leuchten begannen.

Langsam legte ich meine Hände über seine Wunde.

Sein ganzer Körper spannte sich an.

Für einen schrecklichen Moment geschah nichts.

Dann breitete sich das blaue Licht unter seiner zerrissenen Kleidung aus.

Ich spürte einen seltsamen Sog an meinen Händen, als würde eine unsichtbare Kraft etwas aus seinem Körper ziehen. Das Gefühl war fremd und unangenehm, doch ich machte weiter.

Der Bildschirm flackerte vor meinen Augen.

[Reinigung läuft.]

[Unbekanntes Gift wird entfernt …]

[Lebensfunktionen werden stabilisiert …]

Ich starrte auf die Nachrichten und wagte kaum zu atmen.

Das Gift war das Problem. Es reichte nicht aus, seine Wunde zu schließen. Ich musste auch das entfernen, was ihn von innen heraus tötete.

Ich konzentrierte mich noch stärker.

Die Wärme in meinen Händen nahm zu, und ein stechender Schmerz zog durch meine Arme. Einen Moment lang dachte ich, dass ich die Kontrolle über diese seltsame Kraft verlieren würde. Doch ich biss die Zähne zusammen und machte weiter.

Nach und nach wurde die Atmung des Mannes ruhiger.

Die unnatürliche Blässe wich aus seinem Gesicht, und die Blutung ließ nach. Die Wunde war noch immer da, aber es sah nicht mehr so aus, als würde sie ihn innerhalb weniger Minuten töten.

Dann leuchtete der Bildschirm erneut auf.

[Reinigung abgeschlossen.]

[Gift entfernt.]

[Lebenskraft des Ziels: 47 %.]

Sofort nahm ich meine Hände zurück.

Meine Handflächen leuchteten nicht mehr, aber die Wärme unter meiner Haut blieb.

Einige Sekunden lang konnte ich nur auf meine Hände starren.

Ich hatte es geschafft.

Ich hatte tatsächlich jemanden mit einer Kraft gerettet, von der ich nicht einmal gewusst hatte, dass ich sie besaß.

Der Mann öffnete die Augen vollständig.

Er sah auf seine Wunde und dann zu mir. Nach einem kurzen Moment stemmte er sich langsam vom Baum ab und setzte sich aufrecht hin.

„Du hast mich geheilt.“

Ich schüttelte den Kopf. Noch immer konnte ich kaum glauben, was gerade passiert war.

„Ich weiß selbst nicht, wie ich das gemacht habe.“

Er musterte mich, stellte aber keine weiteren Fragen.

Stattdessen versuchte er, aufzustehen.

Obwohl er noch immer schwach war, konnte er stehen, ohne zusammenzubrechen. Er blickte auf mich hinunter, und zum ersten Mal bemerkte ich, wie viel größer er war als ich.

„Danke“, sagte er.

Ich nickte leicht.

Dann erinnerte ich mich wieder daran, wo ich war.

Der fremde Himmel. Die furchterregenden Kreaturen. Die Menschen, die in der Ferne schrien. Das geheimnisvolle System, das vor meinen Augen erschienen war.

Ich hatte kein Zuhause, kein Geld, kein Essen und keine Ahnung, wie ich an diesem Ort überleben sollte.

Der Mann war inzwischen wieder in der Lage, sich zu bewegen. Deshalb machte ich einen kleinen Schritt zurück.

„Du kannst jetzt gehen.“

Er sah mich an, als hätte er mich nicht verstanden.

„Wohin?“

Ich blinzelte.

Erst nachdem ich diese Frage gestellt hatte, wurde mir klar, wie dumm sie geklungen hatte.

Er hatte vielleicht einen Ort, an den er gehen konnte.

Ich nicht.

Ich senkte den Blick.

„Ich habe keinen Ort, an den ich gehen kann.“

Zum ersten Mal veränderte sich sein Gesichtsausdruck.

In seinen Augen lag kein Mitleid, doch ich bemerkte die Überraschung in seinem Gesicht.

„Du hast kein Zuhause?“

Ich schüttelte den Kopf.

Ich hätte ihm alles erzählen können. Von Axel, von der Frau, die er liebte, und von der Tochter, die nie wirklich meine gewesen war.

Ich hätte ihm erzählen können, wie mein eigener Mann mich geohrfeigt, gedemütigt und zurückgelassen hatte, als die Welt zusammenzubrechen begann.

Aber was hätte das geändert?

Dieser Mann war ein Fremder. Er schuldete mir nichts, und ich hatte keinen Grund, ihn mit meinem Leid zu belasten.

Ich hatte für eine Nacht genug geweint.

Der Mann beobachtete mich einen Moment lang schweigend. Dann drehte er sich zum Ausgang um.

„Komm mit mir.“

Ich hob den Kopf.

„Was?“

„Ich habe einen Ort, an dem du bleiben kannst.“ Er warf mir einen Blick zu. „Dort bist du sicherer als hier.“

Ich bewegte mich nicht.

Warum bot er jemandem Schutz an, den er erst vor wenigen Augenblicken kennengelernt hatte?

Ja, ich hatte ihm geholfen. Aber das bedeutete nicht, dass ich ihm vertrauen konnte.

Vielleicht wollte er etwas von mir.

Vielleicht war er einfach ein gefährlicher Mann, der seine wahren Absichten gut verbergen konnte.

Doch er versuchte nicht, mich zu überreden. Er wartete einfach.

Nach einem Moment fügte er hinzu: „Du hast mir das Leben gerettet. Betrachte es als Bezahlung.“

Ich starrte ihn an.

Bezahlung.

Dieses Wort erinnerte mich daran, wie unterschiedlich Menschen miteinander umgehen konnten.

Der Mann, den ich einst meinen Ehemann genannt hatte, hatte mich ohne nachzudenken weggeworfen. Doch ein Fremder, den ich gerade erst gerettet hatte, bot mir einen sicheren Ort zum Bleiben an.

Ich wusste nicht, ob dieser Mann gut oder böse war.

Aber ich hatte keine andere Möglichkeit.

„Okay“, sagte ich schließlich.

Er drehte sich um und ging auf den Ausgang zu.

Ich eilte ihm hinterher und passte auf, nicht zurückzufallen.

Zum ersten Mal, seit Axel mich verlassen hatte, ging ich neben jemandem her, der nichts über meine Vergangenheit wusste.

Er wusste nicht, wie viel Gewicht ich zugenommen hatte, dass mein Mann mich nicht mehr attraktiv fand oder dass ich jahrelang versucht hatte, eine gute Ehefrau und Mutter zu sein.

Er wusste nichts über die Frau, die ich gewesen war, bevor alles zusammenbrach.

Und es schien ihn nicht zu interessieren, mich dafür zu verurteilen.

Er wusste nur, dass ich ihm das Leben gerettet hatte.

Und irgendwie reichte ihm das, um mir etwas anzubieten, von dem ich geglaubt hatte, es nie wieder zu bekommen:

Einen Ort zum Bleiben.

Eine Chance zu überleben.

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