LOGINLyra Moonstone ist eine Omega ohne Wolf in einer Welt, in der jemand ohne Wolf als wertlos gilt. Als ihr Freund Damon sie verrät und ihre Stiefschwester zu seiner Gefährtin erwählt, verliert Lyra den einzigen Menschen, von dem sie geglaubt hatte, dass er sie bedingungslos lieben würde. Doch der Liebeskummer ist erst der Anfang. Ihre Stiefmutter lässt ihr Erbe einfrieren und versucht, sie zu einer Ehe zu zwingen, die sie niemals wollte. Verzweifelt sucht Lyra nach einem Ausweg. Dann entdeckt sie ein ungewöhnliches Angebot: eine Ehe auf Zeit, für ein Jahr, mit einem geheimnisvollen Fremden. Sein Name ist Kael Draven. Kalt, mächtig und gefährlich verschlossen verspricht Kael ihr Freiheit, wenn sie seine Frau wird. Da sie keinen anderen Ausweg sieht, stimmt Lyra zu. Sie glaubt, dass ihre Ehe nichts weiter als eine geschäftliche Vereinbarung sein wird. Bis sie die Wahrheit entdeckt. Ihr Ehemann ist der Wolfskönig, der gefürchtetste Herrscher der Werwolfwelt. Plötzlich wird die Frau, die alle für wertlos hielten, zur Ehefrau des mächtigsten Mannes der Welt. Doch warum sollte ein König ausgerechnet eine Omega ohne Wolf wählen? Warum fürchtet ihre Stiefmutter den Namen Draven? Und warum sieht Kael Lyra an, als hätte er schon lange vor ihrer ersten Begegnung nach ihr gesucht? Als verborgene Feinde auftauchen und längst begrabene Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit ans Licht kommen, entdeckt Lyra, dass in ihrer Blutlinie eine Macht schlummern könnte, die das Werwolfkönigreich für immer verändern wird. Sie wollte Freiheit, keine Krone. Doch was geschieht, wenn der Wolfskönig herausfindet, dass die Frau, die er geheiratet hat, zur größten Bedrohung für seinen Thron werden könnte?
View MoreDie Mondgöttin hatte jeden Werwolf mit einem Wolf, einem Gefährten und einem Platz in dieser Welt gesegnet.
Jeden außer mir.
Mit einundzwanzig hatte ich gelernt, mit dem Getuschel, den mitleidigen Blicken und den grausamen Witzen zu leben, die mich überallhin begleiteten. In einer Welt, in der der eigene Wolf über Stärke und gesellschaftlichen Status entschied, war es beinahe so, als wäre man mit einem Fluch geboren worden, wenn man keinen Wolf besaß.
Und als Omega machte es alles noch schlimmer.
Mein Name war Lyra Moonstone, die Tochter des verstorbenen Alphas Adrian Moonstone. Ich war in eine Familie hineingeboren worden, die einst Respekt genossen hatte. Doch irgendwie war ich zu der einen Person geworden, die niemand mehr anerkennen wollte.
Ich konnte mich nicht verwandeln.
Ich konnte mich nicht wie die anderen Wölfe verteidigen.
Und den Menschen um mich herum zufolge hatte ich niemandem etwas zu bieten.
Trotzdem gab es eine Sache, die mich weitermachen ließ.
Damon Blackthorn.
Er war der Mann, den ich liebte. Der eine Mensch, der mir das Gefühl gegeben hatte, dass Anderssein nicht bedeutete, unwürdig zu sein, geliebt zu werden.
Zumindest hatte ich das geglaubt.
An diesem Nachmittag stand ich vor dem Spiegel in meinem Schlafzimmer und versuchte zu entscheiden, ob das schlichte blaue Kleid, das ich ausgesucht hatte, für das Abendessen geeignet war. Mein Haar fiel locker über meine Schultern, und mit zitternden Fingern strich ich es zurück.
Damon hatte mir versprochen, mich zu besuchen.
Es waren drei Tage vergangen, seit wir das letzte Mal Zeit miteinander verbracht hatten, und ich vermisste ihn mehr, als ich zugeben wollte. In letzter Zeit war er ungewöhnlich beschäftigt gewesen, doch ich redete mir immer wieder ein, dass seine Pflichten als Erbe der Familie Blackthorn sehr anspruchsvoll waren.
Ich wollte nicht die Freundin sein, die sich über jede Kleinigkeit beschwerte.
Ich wollte jemand sein, auf den er sich verlassen konnte.
Jemand, für den er sich entscheiden würde, selbst wenn die ganze Welt ihm sagte, dass er etwas Besseres verdiente.
Mein Handy vibrierte auf dem Bett.
Ich eilte hinüber und hoffte, eine Nachricht von ihm zu sehen.
Stattdessen fand ich eine Benachrichtigung aus dem Gruppenchat des Rudels.
Jemand hatte ein Foto von einem jungen Wolf gepostet, der gerade seine erste offizielle Position innerhalb des Rudels erhalten hatte. Die Kommentare waren voller Glückwünsche und begeisterter Nachrichten.
Einen Moment lang starrte ich auf den Bildschirm, bevor ich ihn sperrte.
Es war nicht so, dass ich es anderen nicht gönnte, erfolgreich zu sein. Ich freute mich für sie.
Ich fragte mich einfach nur, wie es sich wohl anfühlen würde, selbst einmal etwas zu haben, das es wert war, gefeiert zu werden.
Es klopfte an meiner Tür.
„Komm herein“, rief ich.
Die Tür öffnete sich, und meine Stiefmutter, Morgana Vexley, trat ein, ohne eine weitere Einladung abzuwarten.
Ihr Blick wanderte über mein Kleid, bevor er auf meinem Gesicht hängen blieb.
„Du bist immer noch hier?“
Ich wandte mich vom Spiegel ab. „Ich warte auf Damon.“
Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich leicht.
„Damon?“
„Ja. Er hat gesagt, dass er heute vielleicht vorbeikommt.“
Morgana seufzte leise und missbilligend.
„Lyra, wann hörst du endlich auf, deine Zeit mit diesem Jungen zu verschwenden?“
Ich runzelte die Stirn. „Wovon redest du?“
„Tu nicht so, als würdest du es nicht verstehen.“ Sie ging weiter ins Zimmer hinein. „Damon stammt aus einer der einflussreichsten Familien der Region. Er hat eine Zukunft, einen Ruf und Verpflichtungen. Was genau glaubst du, hat er davon, bei einer Omega ohne Wolf zu bleiben?“
Der vertraute Schmerz breitete sich in meiner Brust aus.
„Ich habe ihn nie gebeten, sich für mich zu entscheiden.“
„Nein, aber du scheinst fest entschlossen zu sein, auf ihn zu warten.“
Ich senkte den Blick auf meine Hände.
Nach dem Tod meines Vaters hatte Morgana die Führung unseres Haushalts übernommen. Ihre Tochter Seraphina hatte nach und nach den Platz eingenommen, den ich einst in dieser Familie gehabt hatte. Deshalb hatte ich gelernt, Auseinandersetzungen so gut wie möglich zu vermeiden.
Es war einfacher, als zu versuchen zu erklären, wie sehr es wehtat, im eigenen Zuhause wie eine Fremde behandelt zu werden.
„Damon liebt mich“, sagte ich leise.
Morganas Lippen verzogen sich zu einem schwachen Lächeln.
„Dann hoffe ich, dass er es beweist.“
Sie wandte sich zur Tür.
„Und Lyra? Vergiss nicht, dass dich der Name deines Vaters nicht für immer beschützen wird. Du musst anfangen, ernsthaft über deine Zukunft nachzudenken.“
Bevor ich antworten konnte, verließ sie das Zimmer.
Ich blieb regungslos stehen und starrte auf die Türöffnung.
Ihre Worte begleiteten mich noch lange, nachdem ihre Schritte verklungen waren.
Vielleicht hatte sie in einer Sache recht. Ich musste über meine Zukunft nachdenken.
Aber ich konnte mir keine Zukunft ohne Damon vorstellen.
Mein Handy klingelte.
Sein Name erschien auf dem Bildschirm, und sofort keimte Hoffnung in meinem Herzen auf.
„Damon!“
„Lyra.“
Seine Stimme klang leiser als gewöhnlich.
Ich setzte mich auf die Bettkante. „Ich habe auf deinen Anruf gewartet. Kommst du noch?“
Für einen kurzen Moment herrschte Stille.
„Etwas ist dazwischengekommen.“
Mein Lächeln verblasste ein wenig. „Oh. Ist alles in Ordnung?“
„Wir müssen reden.“
Bei diesen Worten zog sich mein Magen zusammen.
„Worüber?“
„Nicht am Telefon.“
Ich presste meine Finger gegen die Bettkante.
„Damon, du machst mir Angst.“
„Vertrau mir einfach, Lyra. Ich werde dir bald alles erklären.“
Dann wurde das Gespräch beendet.
Ich starrte auf mein Handy.
Vertrau mir einfach.
Diese drei Worte hatten immer ausgereicht, um meine Ängste zu beruhigen. Doch diesmal hinterließ etwas in seiner Stimme ein ungutes Gefühl in mir.
Ich versuchte, ihn zurückzurufen, aber er ging nicht ans Telefon.
Die nächste Stunde lenkte ich mich damit ab, mein Zimmer aufzuräumen und so zu tun, als wäre ich nicht besorgt. Ich redete mir ein, dass er vielleicht schlechte Nachrichten erhalten hatte oder dass in seiner Familie etwas passiert war.
Es musste eine vernünftige Erklärung geben.
Die gab es schließlich immer.
Zumindest wollte ich das glauben.
Als ich mich schließlich wieder hinsetzte, erschien eine weitere Benachrichtigung auf meinem Bildschirm.
Diesmal war sie von Seraphina.
Es war ein Foto.
Ohne nachzudenken, öffnete ich es.
Und plötzlich schien die Welt stillzustehen.
Damon stand neben meiner Stiefschwester und trug einen eleganten schwarzen Anzug. Seraphina hatte ein wunderschönes rotes Abendkleid an. Ihre Hand lag auf seinem Arm, während sie sich dicht an ihn schmiegte.
Sie wirkten vertraut miteinander.
Viel zu vertraut.
Ich vergrößerte das Bild in der Hoffnung, dass ich etwas falsch verstanden hatte.
Dann bemerkte ich die Bildunterschrift.
Manche Menschen sind einfach füreinander bestimmt.
Meine Finger schlossen sich fester um das Handy.
Warum schickte Seraphina mir das?
Bevor ich begreifen konnte, was ich da sah, erschien eine weitere Nachricht.
Seraphina: Ich finde, du verdienst es, es zu erfahren, bevor es alle anderen wissen.
Mein Herz begann schneller zu schlagen.
Ich: Was erfahren?
Die Antwort kam fast augenblicklich.
Seraphina: Damon hat seine Entscheidung getroffen.
Ich las die Worte immer wieder.
Nein.
Das konnte nicht das sein, was ich dachte.
Damon hatte mir versprochen, dass er niemanden zwischen uns kommen lassen würde. Er hatte mir gesagt, dass es ihm nichts ausmachte, dass ich keinen Wolf besaß.
Er hatte gesagt, dass er mich liebte.
Mein Handy vibrierte erneut.
Diesmal war es Damon.
Damon: Wir müssen unsere Beziehung beenden, Lyra. Es tut mir leid.
Lange Zeit konnte ich mich nicht bewegen.
Ich konnte nicht weinen.
Ich fand nicht einmal die Kraft, ein einziges Wort zu tippen.
Ich starrte einfach nur auf die Nachricht und wartete darauf, dass er mir sagte, es sei ein Irrtum. Ich wartete darauf, dass er mich anrief und mir erklärte, dass es noch eine andere Seite der Geschichte gab.
Doch die Minuten vergingen, und nichts geschah.
Draußen verdunkelte sich der Himmel über dem Anwesen der Moonstones.
Irgendwo im Herrenhaus lachten Menschen und bereiteten sich auf den Abend vor. Das Leben ging weiter, als wäre nichts geschehen.
Doch in meinem kleinen Schlafzimmer zerbrach alles, woran ich geglaubt hatte.
Jahrelang hatte man mir eingeredet, dass sich niemals ein Wolf für ein Mädchen wie mich entscheiden würde.
Ich hatte mich geweigert, ihnen zu glauben, weil ich dachte, Damon sei anders.
Jetzt waren mir nur ein gebrochenes Versprechen und eine Frage geblieben, deren Antwort ich fürchtete.
Wenn der Mann, den ich liebte, mich so leicht verlassen konnte, welche Chance hatte ich dann in einer Welt, die mich von Anfang an nie gewollt hatte?
In dieser Nacht schlief ich kaum.Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, hallten Morganas warnende Worte erneut in meinem Kopf wider.Heirate Kael Draven nicht.Sie hatte es mit einer solchen Angst gesagt, dass ich für einen Moment tatsächlich geglaubt hatte, sie würde sich aufrichtig Sorgen um mich machen.Doch Morgana hatte sich nie genug um mich gekümmert, um mich vor irgendetwas zu beschützen.Warum hatte sie also plötzlich Angst vor dem Mann, den ich zu heiraten beschlossen hatte?Ich saß auf der Bettkante und starrte auf den Vertrag, der auf meinem Nachttisch lag. Meine Unterschrift war deutlich unter der von Kael zu erkennen.Ein Jahr.Mehr hatte ich nicht vereinbart.Ein Jahr Ehe mit einem Mann, den ich kaum kannte, und im Gegenzug würde ich endlich die Kontrolle über mein eigenes Leben zurückgewinnen.Das klang einfach genug.Doch tief in meinem Inneren hatte ich das beunruhigende Gefühl, gerade in etwas hineingeraten zu sein, dem ich nicht so leicht wieder entkommen würde.M
In dieser Nacht bekam ich kaum ein Auge zu.Kael Dravens Vertrag lag auf meinem Schreibtisch. Die Seiten waren ordentlich unter dem Licht meiner Nachttischlampe ausgebreitet.Alle paar Minuten ertappte ich mich dabei, wie ich wieder hinübersah.Eine Unterschrift.Mehr brauchte es nicht, um mein Leben zu verändern.Doch auf welche Art von Leben ließ ich mich damit ein?Ich hatte Kael erst ein einziges Mal getroffen. Ich wusste, dass er reich und mächtig war und es gewohnt war, die Dinge auf seine Weise zu erledigen. Ich wusste auch, dass er eine Ehefrau aus Gründen suchte, die er sich geweigert hatte zu erklären.Was ich nicht wusste, war, ob ich ihm vertrauen konnte.Andererseits hatte mich mein Vertrauen in Damon gelehrt, dass man jemanden jahrelang kennen konnte, ohne wirklich zu wissen, wer er war.Wenigstens war Kael in einer Sache ehrlich gewesen.Er bot mir keine Liebe an.Er bot mir einen Vertrag an.Und vielleicht war das vorerst genug.Ich setzte mich auf, griff nach dem Doku
„Bevor wir über irgendetwas anderes sprechen, habe ich eine Frage.“Kael Dravens Stimme riss mich aus meinen Gedanken.Ich richtete mich auf meinem Stuhl etwas gerader auf. „Welche?“„Warum wollen Sie heiraten?“Die Frage überraschte mich.Ich hatte mich auf Fragen zu meinem Alter, meiner Familie und meinem Verständnis der Bedingungen einer Vertragsehe vorbereitet. Doch ich hatte nicht erwartet, dass er etwas derart Persönliches fragen würde.„Weil ich einen Ausweg aus meiner derzeitigen Situation brauche“, antwortete ich vorsichtig.„Das ist keine vollständige Antwort.“Ich presste die Lippen zusammen.Ich kannte diesen Mann nicht. Ich hatte keinen Grund, ihm alles über mein Leben zu erzählen, besonders, da ich mir nicht sicher war, was er von mir wollte.Doch wenn ich wollte, dass er mich ernst nahm, konnte ich es mir nicht leisten, in allem vage zu bleiben.„Meine Stiefmutter hat eine Ehe für mich arrangiert“, erklärte ich. „Außerdem hat sie meinen Zugriff auf das Geld gesperrt, da
Die Antwort traf am nächsten Morgen um sieben Uhr ein.Ich hatte kaum geschlafen.Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich Damon neben Seraphina stehen und sie mit demselben Lächeln ansehen, das er einst mir geschenkt hatte. Dann erinnerte ich mich an Morganas kalten Gesichtsausdruck, als sie mir mitgeteilt hatte, dass mein Treuhandfonds eingefroren worden war.Um Mitternacht hatte ich aufgehört zu weinen.Um drei Uhr morgens hatte ich aufgehört, darauf zu hoffen, dass Damon mich anrufen würde.Und bei Sonnenaufgang hatte ich eine schmerzhafte Wahrheit akzeptiert.Niemand würde kommen, um mich zu retten.Mein Handy vibrierte auf dem Nachttisch.Ich griff so schnell danach, dass ich beinahe das Wasserglas neben meinem Bett umgestoßen hätte.Auf dem Bildschirm erschien eine unbekannte Nummer.Unbekannt: Guten Morgen, Miss Moonstone. Wir haben Ihre Anfrage bezüglich der Vereinbarung über eine Vertragsehe erhalten.Ich richtete mich im Bett auf.Kurz darauf folgte eine weitere Nachr











