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Kapitel 5: Der Gnadenstoß

last update Fecha de publicación: 2026-02-10 17:11:30

Elara

Ich folgte Rhys die große Treppe hinauf. Die Tür zur Gäste-Suite stand bereits sperrangelweit offen und gab den Blick frei auf ein Zimmer, das nach Feuchtigkeit und viel zu schwerem Parfüm roch.

Rhys kniete auf dem Badezimmerteppich. Sein massiver Körper wirkte wie ein Schild, der Seraphina abschirmte. Sie war nur noch ein zerzaustes Knäuel aus Seide und kunstvoll verwuschelten Haaren, das sich eng an seine Brust schmiegte.

Er hob sie mit einer Leichtigkeit hoch, als wöge sie nichts, und trug sie die wenigen Meter bis zum prunkvollen Bett. Dabei fiel mir ein Detail ins Auge, das mich mit einer plötzlichen, völlig sinnlosen Klarheit traf: Sie trug mein Lieblings-Negligé aus dunkelblauer Seide.

Vorsichtig bettete er sie auf die Matratze. Seraphina sah sofort über seine Schulter hinweg zu mir. Ihre Augen wirkten feucht und hilflos, doch ihr Blick war messerscharf. „Rhys, mein Schatz, ich bin schuld. Ich war so unvorsichtig. Ich habe beim Baden gespritzt und die nasse Stelle neben dem Vorleger einfach übersehen. Bitte, gib Elara nicht die Schuld.“

Sie servierte ihm die perfekte Steilvorlage: Sieh nur, wie gütig ich selbst im Schmerz zu deiner unfähigen Gefährtin bin.

Rhys würdigte sie keines Blickes. Stattdessen richtete er seine gesamte Alpha-Autorität wie eine Waffe gegen mich.

„Du hast Wasser auf dem Boden gelassen, Elara.“ Seine Stimme war leise, aber sie schnitt durch die Stille wie ein Skalpell. „Du bist so unerträglich nachlässig. Jetzt ist sie verletzt. Bist du nun zufrieden?“ Er sah mich nicht einmal mit Hass an – es war nur diese distanzierte, kühle Genervtheit.

Noch bevor ich diese Beleidigung verarbeiten konnte, flog die Tür krachend auf. Jaxon stürmte herein, in seinen Hausschuhen mit Wolfstatzen, die Augen geweitet vor Angst. Er rammte mich hart an der rechten Hüfte, um sich an mir vorbeizudrängen und das Bett zu erreichen.

Der Aufprall war trocken und heftig. Ein Keuchen blieb mir im Hals stecken, und ich musste mich krampfhaft am Türrahmen abstützen, um nicht vornüberzukippen. Meine verletzte Seite brüllte vor Schmerz auf. Doch Jaxon hielt nicht inne.

Er kletterte aufs Bett. „Sera! Geht es dir gut? Ist der Knochen kaputt?“

Seraphina streckte sofort die Hand aus, ihr Gesicht verzog sich zu einer seligen Miene. „Oh, mein süßer Ritter. Nein, nur verstaucht. Aber ich brauche meinen tapferen Beschützer, damit er mich heilt.“

Völlig in seine Aufgabe vertieft, nahm Jaxon ihren Knöchel in seine kleinen Hände. Er begann, eifrig über ihre Haut zu pusten. „Heile, heile Segen! Mama sagt immer, das hilft!“

Ich stand da und spürte den pochenden Schmerz in meiner Hüfte.

Ich dachte an die hässliche, rosa Narbe auf meiner Hand, die ich mir durch kochendes Wasser zugezogen hatte. Ich hatte Jaxon nie das Schlimmste gezeigt. Wenn ich verletzt war, erntete ich Gleichgültigkeit. Wenn sie sich den Fuß vertrat, bekam sie seine panische, volle Aufmerksamkeit.

Ich beobachtete, wie Jaxons kleine Hand ihren Fuß umschloss. Die reine, unmittelbare Zuneigung meines Sohnes für diese Frau war eine Wahrheit, die ich nicht länger verleugnen oder ignorieren konnte.

Rhys drehte mir nun endgültig den Rücken zu und beugte sich tief zu Seraphina hinunter.

„Elara“, befahl er, und seine Stimme war nur noch ein funktionales Werkzeug. „Der Erste-Hilfe-Kasten. Hauptbadezimmer. Beeil dich.“

Das war’s. Ich war zu unfähig, den Boden zu wischen, und zu unfähig, einen Verband anzulegen. Ich war nur noch gut genug, um Dinge herbeizuschleifen.

Ich ging zum Hauptbadezimmer. Mein Körper fühlte sich bleischwer an, aber mein Geist war von einer absoluten, fast schon unheimlichen Klarheit erfüllt. Der Schmerz in meiner Seite war nur noch ein dumpfes Hintergrundgeräusch. Ich fühlte keine Wut mehr. Nur noch eine kalte, stille Endgültigkeit.

Ich griff nach dem schweren Kunststoffkoffer. Das Geräusch hallte laut in der sterilen Stille des Marmorbads wider.

Ich kehrte zurück. Ich ließ den Koffer neben dem Bett auf den Boden fallen – absichtlich so hart, dass das dumpfe Aufschlagen Rhys zum Aufhorchen zwang.

Ich war fertig damit, die Dienstbotin zu spielen.

Ich würde das Rudel verlassen. Noch heute Nacht.

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