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Kapitel 3: Blutschulden

last update publish date: 2026-07-23 04:15:57

Die Garage war ein Tempel aus Chrom und Kohlefaser... Ferraris, Lamborghinis und ein mattschwarzer Bugatti, der wie ein schlafendes Raubtier aussah. In der Mitte stand ein Motorrad, das aussah, als wäre es für eine Kriegszone gebaut worden.

Caspian steuerte direkt darauf zu.

"Auf keinen Fall", sagte ich. "Ich steige nicht in einem Kleid auf dieses Ding."

Er warf mir eine Lederjacke von einem nahegelegenen Haken zu. "Zieh das an. Und das hier auch."

Eine Lederhose folgte, zusammen mit Stiefeln. Ich zog mich schnell um, extrem reizbar unter seinen Augen auf mir. Das Leder passte perfekt. Zu perfekt.

"Wem gehörten die, Caspian?"

"Niemandem... nicht mehr." Sein Tonfall war flach, eine Wand, über die ich nicht klettern konnte.

Er schwang ein Bein über das Motorrad und ließ den Motor aufheulen. Der Sound hallte wie eine Herausforderung vom Beton wider. Ich stieg auf und schlang meine Arme um seine Taille. Sein Körper war fest, strahlte Hitze aus, und ich nahm wieder seinen Geruch wahr... Rauch, Whiskey und diesen urzeitlichen Sog, der meine Wölfin unruhig machte.

"Halt dich fest", sagte er.

Wir explodierten aus der Garage, das Motorrad brüllte, während wir die Zufahrt hinabrasten. Die eisernen Tore von Thornhold öffneten sich gerade rechtzeitig, als dass wir hindurchschießen konnten, und dann waren wir auf der Hauptstraße, weit schneller unterwegs, als es legal war.

Zwanzig Minuten später hielten wir vor einer verlassenen Lagerhalle. Verrostetes Metall, zerbrochene Fenster und industrieller Verfall. Es war die Art von Ort, an den Menschen gingen, um zu verschwinden.

"Das ist das Anwesen deines Freundes?", fragte ich, als wir abstiegen.

"David glaubt nicht an äußeren Schein." Caspian ging auf eine Seitentür zu, und sie öffnete sich, bevor er klopfen konnte.

Ein massiver Mann trat heraus, noch größer als Caspian, mit kahlgeschorenem Kopf und kalten blauen Augen. Tätowierungen bedeckten jeden Zentimeter seiner Haut. Er sah Caspian an, dann mich, und seine Lippen verzogen sich zu einem langsamen, wissenden Lächeln.

"Du hast dir ein Haustier gekauft", sagte er. Der Akzent war stark osteuropäisch. "Wie häuslich."

"Sie ist kein Haustier." Caspians Hand fand meinen unteren Rücken, fest und besitzergreifend. "Sie gehört mir. Da gibt es einen Unterschied."

"Gibt es den?" Davids Augen musterten mich. "Sie sieht teuer aus... und terrorisierst."

"Mein üblicher Typ hatte innerhalb einer Stunde nach dem Kauf kein Kopfgeld auf seinem Kopf." Caspian drängte sich an ihm vorbei in die Lagerhalle. "Wir brauchen Informationen. Schnell."

Drinnen war die Lagerhalle eine Hochtechnologie-Festung. Hochmoderne Monitore säumten eine Wand, Waffen eine andere. In der Mitte stand ein Tisch voller Karten und Überwachungsausrüstung.

"Wer hat das Kopfgeld ausgesetzt?", fragte David und trat zu den Bildschirmen.

"Marcus Thorne. Alpha. Alter Reichtum. Sein Sohn schuldete ihm fünf Millionen an Spielschulden, weshalb Rielle überhaupt auf dem Auktionsblock landete."

"Und du hast fünf Millionen für sie bezahlt?" David blickte zu mir zurück. "Was ist so besonders an dem Mädchen?"

"Sie gehört mir", sagte Caspian erneut. Seine Stimme sank in eine nichtmenschliche Tonlage. "Das ist alles an Besonderheit, was sie sein muss."

Etwas passierte zwischen ihnen... ein Blick stummen Verständnisses, an dem ich keinen Anteil hatte.

"Schön." David drehte sich wieder zu seinen Bildschirmen. Seine Finger flogen über die Tastatur. "Marcus Thorne. CEO von Thorne Industries, Alpha des Shadowpaw-Rudels. Nettovermögen: zwei Milliarden. Bekannt für Menschenhandel, Drogen und den gelegentlichen Auftragsmord." David rief weitere Dateien auf. "Er betreibt das Auktionshaus seit zwanzig Jahren. Er verkauft Werwölfe, aber auch Menschen mit seltenem Blut, Medien und..." Er hielt inne, seine Augen verengten sich auf den Bildschirm.

"Und was?", fragte Caspian.

"Gelegentlich... Nachfahren des Ersten Mondes."

Der Raum wurde kalt. David sah mich an, sein Blick nicht mehr klinisch. "Weißt du, was das ist?"

Es war eigentlich keine Frage... es war ein Todesurteil.

Ich schluckte schwer. "Meine Mutter... sie war nicht irgendein Werwolf. Sie war reine Blutlinie. Eine direkte Nachfahrin des Ersten Mondes." Ich blickte weg, die Last des Geheimnisses, das ich jahrelang gehütet hatte, brach endlich zusammen. "Deshalb wollte Marcus mich auf der Auktion haben. Er wollte mich an jemanden verkaufen lassen, den er kontrollieren konnte. Ich schätze, mein Blut ist für ihn mehr wert als Gold."

Stille fiel wie eine Guillotine.

"Verdammt", atmete David. "Caspian, hast du irgendeine Vorstellung davon, was das bedeutet? Wenn sie Blut des Ersten Mondes trägt, könnte sie Erben hervorbringen mit Fähigkeiten, die seit Jahrhunderten verloren sind. Stärke. Heilung. Langlebigkeit. Sie ist ein genetischer Hauptgewinn für Züchter wie Marcus."

"Hör auf, über mich zu sprechen, als wäre ich Vieh", fuhr ich ihn an.

"Du wurdest buchstäblich auf einer Auktion verkauft", merkte David an. "Kein großer Unterschied."

Caspians Telefon klingelte. Er warf einen Blick auf den Bildschirm, und sein gesamtes Auftreten verwandelte sich in etwas Raubtierhaftes.

"Er ist es", sagte er. "Marcus."

Er nahm an und schaltete auf Lautsprecher.

"Mr. Valdyr", Marcus Thornes Stimme war glattes, kultiviertes Gift. "Ich glaube, Sie haben etwas, das mir gehört."

"Ich habe etwas, das ich vollständig bezahlt habe", korrigierte Caspian.

"Sie gehört Ihnen nicht, um sie zu behalten. Bringen Sie sie innerhalb von vierundzwanzig Stunden zurück, und ich storniere das Kopfgeld. Ich erstatte Ihnen sogar Ihren Kaufpreis."

"Und wenn ich mich weigere?"

"Dann werden Sie verstehen, warum man mich nicht bestiehlt. Ich weiß, was Sie sind, Valdyr. Ich weiß, dass Sie nicht nur ein weiterer reicher Alpha sind, der Macht spielt. Aber selbst Lykaner können bluten. Und ich habe Ressourcen, die Sie sich nicht vorstellen können."

"Ich auch." Caspians Stimme war totenstill. "Und im Gegensatz zu Ihnen spreche ich keine Drohungen aus, die ich nicht wahr machen kann."

Die Leitung war tot.

Ich starrte Caspian an. "Du hast Marcus Thorne tatsächlich Nein gesagt?"

"Ich habe ihm gesagt, er soll sich verpissen." Er sah David an. "Ich brauche Standorte, sichere Häuser und Waffen... jede Menge Waffen."

"Du ziehst in den Krieg wegen eines Mädchens, das du vor zwei Stunden getroffen hast?", David schüttelte den Kopf. "Das ist verrückt, selbst für dich. Aber Caspian..." Er hielt inne. "Wenn du sie behältst, musst du sie beanspruchen. Richtig. Ein Kauf reicht nicht aus, um andere Lykaner davon abzuhalten, Jagd auf sie zu machen."

"Ich weiß."

"Bist du sicher?" Davids Blick huschte zu mir. "Denn wenn du sie beanspruchst und sie dann stirbt... wird dich das Band in den Wahnsinn treiben. Bist du sicher, dass du dieses Risiko eingehen willst?"

"Ich bin sicher."

Mein Herz hämmerte. "Was meint er... mich beanspruchen?"

Caspian trat näher, seine silbernen Augen brannten. "Lykaner binden sich nicht einfach so wie Werwölfe, Rielle. Wir binden uns dauerhaft. Ein Biss, eine Beanspruchung, und du gehörst mir, bis einer von uns aufhört zu atmen. Es kann nicht gebrochen werden, und selbst der Tod trennt es nicht vollständig."

Der Raum kippte. "Warte mal, du sprichst von einem Paarungsband?"

"Nicht nur von einem Paarungsband. Dem Band. Du wirst fühlen, was ich fühle. Du wirst wollen, was ich will." Er lehnte sich vor, sein Atem heiß an meinem Ohr. "Wenn ich sterbe, wirst du dir wünschen, du wärst auch tot. Und es passiert heute Nacht, bevor Marcus seine Jäger schickt."

"Ich stimme dem nicht zu..."

"Du hast zugestimmt, in dem Moment, als du auf dieses Motorrad gestiegen bist. Und tief im Inneren weißt du, dass es der einzige Weg ist, wie du das hier überlebst." Seine Stimme wurde leiser. "Marcus wird nicht aufhören. Aber wenn du von mir beansprucht bist, stehst du unter dem Schutz des Lykaner-Gesetzes. Jeder, der dich anfasst, unterschreibt sein eigenes Todesurteil."

"Das geht alles viel zu schnell..."

"Das Leben passiert schnell, Süße." Er nahm mein Gesicht in seine Hände. "Jetzt entscheide dich. Bleib verwundbar, oder lass mich dich markieren und unantastbar werden. Wie soll es werden?"

Hinter uns piepten Davids Computer dringend.

"Wir haben Gesellschaft", sagte David. "Drei Fahrzeuge nähern sich schnell. Sie sind schwer bewaffnet."

Caspians Gesichtsausdruck wurde mörderisch. "Wie weit noch?"

"Fünf Minuten. Vielleicht weniger."

"Dann haben wir keine Zeit für Debatten." Caspian ergriff meine Hand. "Wähle jetzt, Rielle. Lass mich dich beanspruchen, oder ich lasse dich hier und du versuchst dein Glück mit demjenigen, der als Erstes durch diese Tür bricht."

Ich sah zur Tür, dann auf die Bildschirme, die die herannahenden Jäger zeigten. Schließlich sah ich Caspian an... den Mann, der fünf Millionen für mich bezahlt hatte, der Marcus Thorne und seinen Sohn bedroht hatte und der mir nun eine furchterregende Art von Sicherheit anbot.

"Tu es", flüsterte ich.

Sein Lächeln war reine Raubtiernatur. "Braves Mädchen."

Ich drehte mich zu ihm um, mein Puls hämmerte in meiner Kehle.

Dann senkte er langsam seinen Kopf und sein Mund schlug auf meinem ein.

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