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Kapitel 2

Autor: Phonenix
Die Krallen des Vampirs waren rasiermesserscharf – sie bohrten sich direkt durch mein Schulterblatt.

„Ah!“ Der Schrei brach aus mir heraus, als sich mein Körper instinktiv verkrampfte.

Im nächsten Moment gab es einen dumpfen Aufprall. Ich schlug hart auf dem Boden auf, mitten zwischen Leichen und Blut.

Meine Schulter war hinüber, ja, aber auch meine Eingeweide fühlten sich durchgeschüttelt an. Jedes Organ schrie. Ich zitterte, schweißgebadet, aber unter all dem spürte ich Erleichterung.

Die Wunde war nicht tödlich. Ich würde es überleben.

Eigentlich sollte ich den Alpha behandeln. Aber der Alpha-König stand kurz davor, direkt vor meinen Augen zu sterben. Sollte ich da einfach stehen und zusehen?

Den Alpha-König zu retten, war die perfekte Ausrede. Eine bessere hätte ich nicht haben können.

Mein Kommunikator war mir beim Aufprall aus der Tasche gefallen. Er vibrierte wie verrückt. Ich presste die Augen zu und tat, als wäre ich bewusstlos.

Der Alpha-König und seine Wache schreckten endlich auf. Er wirbelte herum, den Blick auf mich geheftet.

„Bringt ihr Hilfe – sofort!"

Dann zerschmetterte er den Schädel des Vampirs mit einer Hand.

Das Morgenlicht schlich herauf, und die Vampire zogen sich zurück. Die Kämpfer auf dem ganzen Schlachtfeld drängten sich um mich, während sie meinen blutgetränkten Körper zur Heilergilde trugen. Dank der Leibwachen des Alpha-Königs wussten alle, dass ich den Schlag für ihn aufgefangen hatte.

Ich wusste, dass ich diese Wette gewonnen hatte.

Mal sehen, wie Anna mir diesmal die Schuld in die Schuhe schiebt.

Die Heilerin, die mich zusammenflicken sollte, um mich zu versorgen, war Julia Smith, Annas kleiner Schatten. In dem Moment, als sie mein Gesicht sah, erstarrte sie. Mit weit aufgerissenen Augen sprudelten die Worte nur so aus ihr heraus: „Ivy? Aber sie müsste doch auf der Krankenstation sein und den Alpha behandeln! Was macht sie hier?“

Der Wache, der mich hereingebracht hatte, antwortete in scharfem Ton: „Heilerin Ivy hat mit bemerkenswertem Mut gehandelt. Sie hat den Schlag für den Alphakönig aufgefangen und ihm das Leben gerettet. Sie ist seine Retterin. Ich erwarte, dass sie die bestmögliche Versorgung erhält.“

Julia öffnete den Mund. Schloss ihn. Öffnete ihn wieder. Es kam nichts.

Also steckte auch sie mit drin.

Beim letzten Mal hatte die gesamte Gilde geschlossen auf mich gezeigt. Noah musste jeden Einzelnen von ihnen bestochen haben.

Da der Wache des Königs direkt daneben stand, wagte Julia es nicht, irgendjemandem eine Nachricht zukommen zu lassen. Sie machte sich einfach an die Arbeit – reinigte und heilte meine Wunde, vorsichtig, nervös.

Der Vorgang dauerte ganze zwei Stunden.

Schließlich öffnete ich blinzelnd die Augen und gab mich verwirrt.

„Wo ... wo bin ich? Was ist passiert?“

Der Wächter beugte sich vor und grinste.

„Heilerin Ivy, dem Mond sei Dank. Sie sind wach. Wir schulden Ihnen alles. Sie haben den Alpha-König gerettet.“

Ich schüttelte den Kopf und gab mich weiterhin benommen. Dann schnellte ich hoch, als wäre mir plötzlich etwas eingefallen, und schlug mit der Hand auf die Pritsche unter mir.

„Oh nein - nein, nein, nein! Der Alpha wartet noch darauf, dass ich ihn behandle! Ich kann doch nicht hier liegenbleiben!“

Ich warf die Decke beiseite und versuchte aufzustehen, und ignorierte das Brennen in meiner Schulter. Der Wächter eilte herbei, um mich aufzuhalten.

„Bitte, Sie müssen sich ausruhen. Die Gilde hat andere Heiler, die sich um ihn kümmern ...“

Ich wehrte mich gegen seinen Griff und schwankte auf den Beinen, als könnte ich kaum stehen.

„Nein, ich muss sicherstellen, dass es ihm gut geht. Ich muss ihn sehen.“

Ich gab mich noch panischer, zwang mich nach vorn, dann fasste ich mir an den Kopf und taumelte zurück. Der Wächter fing mich gerade noch auf.

Ich sah zu ihm auf, schwach und atemlos.

„Bitte ... bringen Sie mich dorthin. Ich muss zur Krankenstation. Ich muss wissen ...“

Er runzelte die Stirn. „Aber Ihr Zustand ...“

„Dann krieche ich eben dorthin.“

Er gab nach und schob mich hinüber.

Als wir die Krankenstation erreichten, wimmelte es dort von Rudelmitgliedern. Schwere Stille hing in der Luft wie eine Gewitterwolke kurz vor dem Ausbruch.

Anna stand draußen mit einer Miene voller aufgesetzter Trauer.

„Es tut mir so leid“, sagte sie, ihre Stimme triefend vor falschem Kummer. „Ich habe alles getan, was ich konnte. Aber der Alpha ... er ist tot.“

Dann wechselte ihr Ton – nur ein bisschen.

„Ehrlich gesagt hätte er es vielleicht geschafft. Wenn Heilerin Ivy nicht die Vorschriften missachtet und einfach getan hätte, was sie wollte ...“

Der Alpha war der stärkste und angesehenste Anführer gewesen, den dieses Rudel je gesehen hatte. Ihre Worte waren der Funke im Pulverfass.

„Wo ist Ivy? Bringt sie heraus!“

„Sie hat den Alpha ermordet! Sie wird dafür bezahlen!“

„Sie arbeitet sicher mit den Vampiren zusammen!“

„Tötet sie! Tötet sie sofort!“

Ich saß nur in meinem Rollstuhl und sah zu, wie sie weiter Salz in die Wunde streute.

Dann entdeckte mich jemand.

„Da ist sie! Ivy, die Mörderin, sie ist genau hier!“

Jeder Kopf drehte sich. Jedes Augenpaar heftete sich auf mich.

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