Mag-log inIch bin eine Heilerin. Und ich habe eine zweite Chance bekommen. Kaum hatte ich auf dem Schlachtfeld an der Grenze die Augen geöffnet, da knisterte eine Notfallmeldung der Heilergilde durch. „Ivy Mitchell – sofort zur Krankenstation. Der Alpha ist schwer verwundet. Du bist die Einzige, die ihn retten kann.“ Die Worte trafen mich wie ein Faustschlag gegen die Brust. Denn ich hatte genau diese Nachricht schon einmal gelesen. In meinem früheren Leben. Beim letzten Mal hatte ich alles stehen und liegen lassen und war sofort zurückgeeilt, sobald der Ruf mich erreichte. Aber als ich die Krankenstation erreichte, war der Alpha bereits tot. Und dann zeigte jeder Heiler in jenem Raum - meine eigenen Eltern und meine Schwester eingeschlossen - auf mich und schrie, dass ich ihn ermordet hätte. Das Tribunal verurteilte mich zum Tode. Die Kleine, die ich aufgezogen hatte? Sie warfen sie den Vampiren hin wie Speisereste. Sie machten sie zu einem Blutsklavin. Meine Nägel gruben sich so tief in die Handflächen, dass beinahe Blut kam. Nicht diesmal. Ich würde nicht zulassen, dass sich die Geschichte wiederholte. Dann fiel mir etwas ein - an diesem Tag war noch etwas anderes geschehen. Der Alpha-König war von Vampiren überfallen worden und lag in einem Scheintod. Wenn ich ihn rettete, hätte ich den mächtigsten Wolf des Reiches als meinen Schutzschild. Niemand würde es je wieder wagen, mich anzurühren. Ich presste die Augen zu, biss die Zähne zusammen und rannte. Ich fand ihn auf dem Schlachtfeld genau dort, wo ich mich erinnerte. Der Vampir war schon im Sprung, die Krallen ausgefahren. Ich dachte nicht nach. Ich handelte einfach – stieß den Alpha-König zur Seite und fing den Schlag selbst ab.
view moreEines Nachmittags lag der Welpe auf Olivers Schoß ausgestreckt und spielte mit einer kleinen Wolfsfigur aus Holz. Er blickte zu Oliver auf, der den Blick nicht von mir abgewandt hatte, und fragte mit seiner kleinen Stimme: „Papa, warum lächelst du immer, wenn du Mama ansiehst?“Oliver blinzelte, dann grinste er und tippte sich an die Nase. „Weil Mama hübsch ist.“Der Welpe runzelte die Stirn. „Aber ich starre Mama doch nicht so an!“Oliver öffnete den Mund, wurde rot und wusste nicht, was er erwidern sollte.Ich tat, als hätte ich nichts gehört, aber meine Ohren brannten.Oliver war nicht nur gut zu uns. Er sorgte auch dafür, dass jeder, der mir wehgetan hatte, dafür bezahlte.Gegen jedes Rudelmitglied, das an jenem Tag in der Krankenstation Hand an mich gelegt hatte, wurde ermittelt. Die mildeste Strafe war lebenslange Zwangsarbeit: Sie mussten in den Minen Steine schleppen, bis ihre Rücken brachen.Der Mann, der auf meine verletzte Schulter getreten war, wurde von Oliver aus allen Ru
„Danach habe ich lange nach seinen leiblichen Eltern gesucht“, sagte ich und kniff dem Welpen sanft in die pummelige Wange. „Niemand hat sich je gemeldet.“Oliver schwieg eine Weile, als wäre er mit seinen Gedanken weit weg. Dann schluckte er schwer und wiederholte: „Gefunden?“„Ja.“ Ich nickte und strich mit dem Daumen über die kleine Hand des Welpen. „Damals war ebenfalls Winter. Ich verstehe nicht, wie jemand etwas so Kostbares aussetzen kann.“Meine Stimme war voller Kummer, doch über Olivers Gesicht breitete sich ein Grinsen aus. Er sprang auf und zitterte beinahe vor Aufregung.„Das ist perfekt!“Der Welpe und ich starrten ihn gleichermaßen verwirrt an.Er fing sich wieder, setzte sich hin und rieb sich verlegen den Nacken. „Ich meine ... ich könnte ... sein ... sein Vater werden?“Er hob den Kopf und sah mir direkt in die Augen, todernst.„Heilerin Ivy, ich habe mich auf den ersten Blick in dich verliebt. Willst du mich als deinen Gefährten annehmen?“Er sah nicht weg. Seine Aug
Als sie mich wegrollten, schnitt die kalte Stimme des Alpha-Königs durch das Chaos hinter mir: „Nehmt sie alle mit. Werft sie in die Verliese.“Anna brach vollständig zusammen, als die Wache sie fortschleifte. Sie zappelte und schrie um Hilfe, aber es war niemand mehr da, der sie noch hätte retten können.Noah starrte nur leer vor sich hin und leistete keinerlei Widerstand, als die königlichen Wachen ihn fortschleppten. Er wusste, dass er erledigt war. Mit dem toten Alpha war er der aussichtsreichste Kandidat für dessen Nachfolge gewesen, und er hatte alles aufs Spiel gesetzt, um die Sauerei dieser Idiotin zu vertuschen.Ja. Es war ihre Schuld. Ganz allein ihre Schuld.„Alpha-König, das war nicht mein Werk! Es war alles Anna, diese Schlampe, sie hat alles geplant!“Aber der Alpha-König wandte sich nicht einmal zu ihm um.In der Krankenstation wurde es still, nur der schwache Duft von Kräutern lag noch in der Luft. Ich lag in weicher Bettwäsche, atmete leicht und gleichmäßig. Die besten
Anna taumelte unter der Last ihrer Blicke zurück und prallte direkt gegen Noahs Brust. Sie krallte sich in sein Hemd, rang um Haltung und presste ein Lächeln hervor, das eher einer Grimasse glich.„D-das ist nicht echt ... Dieser Kristall muss gefälscht sein! Es ist Ivy, sie hat das eingefädelt! Sie hat den Alpha-König verführt, damit er uns die Schuld in die Schuhe schiebt ...“„Genug!“Die Stimme des Alpha-Königs wurde leise, und seine gesamte Macht lastete wie ein Erdrutsch auf ihnen. Annas Beine versagten, sie schlug auf dem Boden auf und zitterte so heftig, dass ihre Zähne klapperten.Das Rudel kannte jetzt die Wahrheit. Einige ballten die Fäuste und starrten Anna an. Andere bedeckten aus Scham ihr Gesicht. Ein paar murmelten mir sogar unbeholfen Entschuldigungen zu.Luna stand bereits vor Anna, holte aus und schlug ihr ins Gesicht.„Du dreckige Schlampe! Du hast meinen Gefährten getötet und versucht, es jemand anderem anzuhängen!“Anna kippte zur Seite, ihre Wange schwoll bereits





