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Vom Sündenbock zur Luna-Königin
Vom Sündenbock zur Luna-Königin
Autor: Phonenix

Kapitel 1

Autor: Phonenix
Die Familie Mitchell hatte mich adoptiert, aber in dem Moment, als sie ihre leibliche Tochter Anna Mitchell fanden, änderte sich alles. Sie begannen, mich wie Dreck zu behandeln.

Anna nahm mir sogar Noah Miller, den Gefährten, der eigentlich für mich bestimmt war. Sie vergiftete unsere Eltern und schob alles mir zu. Mein Vater schlug mich so hart, dass mir der Kopf dröhnte. Meine Mutter schrie: „Ich hatte nie eine Tochter wie dich!“

Und einfach so flogen sie mich raus.

Ein Rudelmitglied hatte Mitleid mit mir und gab mir ein Zimmer. Das war alles, was ich hatte.

Aber nachdem ich die Mitchells verlassen hatte, veränderte sich etwas. Mein Heilungstalent brach aus dem Nichts hervor und schon bald war ich die mächtigste Heilerin im gesamten Rudel.

Anna konnte das nicht ertragen. Sie flehte Noah an, seine Beziehungen spielen zu lassen, damit auch sie Heilerin werden konnte. Derselbe Posten. Dieselbe Arbeit.

Noah Miller war der ranghöchste Beta des Alpha, und Anna war seine Gefährtin. Niemand in der Heilergilde wagte es, sich ihr entgegenzustellen. Stattdessen halfen sie ihr dabei, mich zu schikanieren, mich rauszudrängen und mir das Leben zur Hölle zu machen.

Ich biss mir auf die Zunge zusammen und trainierte. Ich lerne jede Heiltechnik, die ich in die Finger bekam, nur um den ersten Platz in der diesjährigen Heilerauswahl zu gewinnen und eine Stelle am Lykan-Hof als persönliche Heilerin des Alpha-Königs zu erhalten.

Sobald ich das hatte, würde mich nie wieder jemand anrühren.

Aber Anna wollte die Anerkennung dafür, den Alpha gerettet zu haben.

Sie machte eine Szene und bestand darauf, ihn selbst zu behandeln. Als wäre es egal, dass sie keinen Funken Heilungstalent besaß. Als wäre es egal, dass sie in keiner einzigen Unterrichtsstunde aufgepasst hatte.

Der Alpha war nur leicht mit Eisenhut vergiftet. Unter ihrer Behandlung breitete sich der Extrakt in kaum zwei Minuten in seinem Blut aus. Er war tot, bevor jemand blinzeln konnte.

Anna geriet in Panik. Sie rannte direkt zu Noah, heulte die Augen aus dem Kopf und gab sich als Opfer. Dann erwähnte sie wie beiläufig: „Ivy ist ohnehin zu nichts zu gebrauchen. Wir können die Schuld genauso gut ihr geben.“

Und Noah, der Mann, den ich drei Jahre lang geliebt hatte, stimmte ohne Zögern zu.

Als ich die Krankenstation betrat, war es bereits vorbei. Die Falle war zugeschnappt, und es gab keinen Ausweg mehr.

Jeder Heiler der Gilde trat vor, um gegen mich auszusagen. Meine Eltern? Die erzählten irgendetwas davon, dass ich eine Verrückte sei, die sie hatte vergiften wollen – deshalb hätten sie mich verstoßen.

Das ganze Rudel wollte mich in Stücke reißen. Ich schrie, bis mir die Kehle blutete, aber niemand hörte zu.

Das Tribunal verurteilte mich wegen Mordes an einem Alpha zum Tode.

Drei Tage saß ich vor der Hinrichtung im Verlies. Jeden Tag schnitten sie Stücke aus meinem Fleisch. Jeden Tag kamen Rudelmitglieder herunter, spuckten mir ins Gesicht und verfluchten meinen Namen.

Und der Welpe, den ich großgezogen hatte? Anna überredete einen ihrer Handlanger, ihn an die Vampirgrenze zu schleppen und ihn dort zum Blutsklaven zu machen.

In der Nacht vor meiner Hinrichtung kam Anna grinsend an meine Zelle. Sie erzählte mir alles und hielt dabei meinen Welpen im Arm.

Mit diesem grausamen kleinen Lächeln schlug sie die Decke zurück.

Meine Augen weiteten sich.

Darunter lag mein Welpe, bereits tot. Sein kleiner Körper war mit Bisswunden übersät. Alles Blut war aus ihm herausgesaugt, die Haut war vertrocknet und klebte an den Knochen. Das verzerrte kleine Gesicht ließ mich ihn kaum wiedererkennen.

Ich drehte durch. Ich warf mich gegen die Gitterstäbe, krallte mich durch den Spalt und wollte Annas Kehle zerreißen.

Da war meine Wölfin längst zermalmt. Ich war nichts mehr. Ich konnte nicht einmal ein Stück Papier zerreißen.

Jetzt bin ich zurück.

Und ich soll verdammt sein, wenn ich wieder für sie den Sündenbock gebe.

Aber wenn ich zurückgehe, um den Alpha zu retten, sterbe ich. Wenn ich nicht auf den Ruf reagiere, werden sie sagen, dass ich ihn vorsätzlich habe sterben lassen.

Ich stolperte aus der Feldklinik, meine Gedanken ein Chaos. Draußen hielt jeder kampffähige Wolf des Rudels die Stellung gegen die Vampire.

Da traf mich die Erkenntnis wie ein Blitzschlag.

Der Alpha-König war ebenfalls in dieser Schlacht gewesen. Beim letzten Mal war er überfallen und in einen Scheitod gestürzt worden.

Wenn ich ihn rettete, wäre ich seine Retterin. Ich stünde unter seinem Schutz. Und vielleicht, nur vielleicht, könnte ich ihn dazu bringen, die Wahrheit zu erkennen. Ich könnte die Mitchells entlarven, Noah bloßstellen und sie alle für das bezahlen lassen, was sie mir angetan hatten.

Ich rannte dorthin, wo er, wie ich mich erinnerte, zu Boden gegangen war.

Er hatte stundenlang gekämpft und war erschöpft, sodass er den Vampir nicht bemerkte, der sich mit ausgefahrenen Krallen von hinten an ihn heranpirschte.

Ich sog scharf die Luft ein, stürmte los und stieß ihn zur Seite – und fing den Todesstoß selbst auf.

Ich sterbe so oder so.

Also würfeln wir.

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