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Kapitel 3

Autor: Phonenix
Lunas Augen waren blutunterlaufen. Sie stürzte sich auf mich und schlug mir hart ins Gesicht.

„Du verdammte Hündin! Du hast meinen Alpha ermordet!“

Sie packte mich am Kragen und wollte erneut zuschlagen, aber die Wache des Alphakönigs bekam ihr Handgelenk zu fassen und stieß sie zurück. Sein Blick glitt über die Meute, kalt wie Stahl.

„Heilerin Ivy hat dem Alpha-König das Leben gerettet. Wer sie anrührt, hat es mit mir zu tun.“

Aber mit dem Rudel war nicht mehr zu reden.

„Scheiß drauf, wen sie gerettet hat! Sie hat unseren Alpha getötet! Sie bezahlt mit ihrem Blut!“

„Sie ist wahrscheinlich eine Vampirspionin! Und wenn du sie beschützt, bist du auch einer!“

Dann schoben sie sich vor. Eine Wache gegen eine Meute – sie konnte sie nicht alle aufhalten.

Jemand packte mich an den Haaren und riss so stark daran, dass mir ein Büschel direkt aus der Kopfhaut gerissen wurde.

Ein anderer goss mir dreckiges, stinkendes Wasser über den Kopf.

Dann stießen sie die Wache beiseite und schlugen, traten und prügelten auf mich.

Meine Wölfin war nach dem Vampirangriff erloschen. Ich konnte mich nicht wehren. Ich konnte nur am Rollstuhl klammern, die Zähne zusammenbeißen und die Worte herauspressen:

„Ich war es nicht! Ich war doch gar nicht dort, ich habe ihn nie behandelt!“

Aber meine Stimme wurde von ihrem Gebrüll verschluckt.

Anna stand abseits, während Noah und meine sogenannten Eltern sie beschützend umringten. Sie sahen nur zu, kalt und selbstgefällig.

Ich bemerkte, wie sich ihr Mundwinkel nach oben krümmte.

Dann setzte sie wieder ihre traurige Miene auf.

„Bitte, Schwester ... hör auf zu lügen. Gib einfach zu, was du getan hast. Vielleicht werden sie dann gnädig mit dir sein.“

Meine Adoptivmutter spottete. „Gnädig? Sie verdient keine Gnade. Sie hat uns vergiftet, als sie noch unter unserem Dach lebte. Einen Alpha zu ermorden? Überhaupt nicht überraschend. Schande über mich, so ein Monster großgezogen zu haben.“

Noah mischte sich ein, ganz selbstgerecht. „Ich war damals blind. Ich hatte keine Ahnung, was für eine kranke Frau du wirklich bist. Dem Mond sei Dank, dass ich Anna getroffen habe. Sie hat mir gezeigt, wer du wirklich bist.“

Ich lachte innerlich. Was für ein Witz.

Ich habe nie jemanden vergiftet. Es war Anna. Sie war verbittert. Es war Anna. Sie war verbittert, weil man sie all die Jahre hatte im Stich lassen. Also versetzte sie das Essen unserer Eltern mit Abführmitteln und schob mir die Schuld zu. Ich flehte meine Eltern an, mir zu glauben. Niemand tat es.

Jetzt war es wieder dieselbe Geschichte. Alle glaubten Annas Lügen aufs Wort.

Und ihre Worte hatten mein Schicksal besiegelt. Für diese Meute war ich bereits schuldig. Ihre Blicke wurden tierisch.

Dann trat jemand meinen Rollstuhl um.

„Giftiges, undankbares Miststück! Dieses Rudel kennt keine Vergebung. Wir wollen nur deinen Tod!“

Bevor ich überhaupt atmen konnte, krachte sein Stiefel herunter, direkt auf meine ungeheilte Schulterwunde.

„AAAAHHHH ...!“

Der Schmerz schoss wie flüssiges Feuer durch mich. Mir wurde weiß vor den Augen. Ich schrie.

Die Wache hörte mich, wirbelte herum, schlug den Kerl von mir weg und stellte sich zwischen mich und die Meute.

„Ich habe euch gesagt, sie ist die...“

Aber niemand hörte mehr zu.

Noah packte die Wache am Kragen und schleuderte ihn zur Seite.

„Verschwinde!“

Und dann kamen sie wieder auf mich zu.

Ich sah die Wache flehend an. Holt den Alpha-König, bitte.

Dann warf mich eine weitere Ohrfeige zu Boden. Ich krümmte mich zusammen und versuchte, mich zu schützen. Jemand packte mich an den Haaren und zerrte mich hoch. Fäuste prasselten aus allen Richtungen auf mich nieder.

Ich spürte, wie meine Rippen brachen und meine Knochen knirschten. Kehliges Schreien brach aus meiner Kehle, und die Heilergilde hallte wider von meinem Schmerz.

„Mörderische Hündin!“

„Reißt sie in Stücke! Rächt unseren Alpha!“

Sie schlugen auf mich ein. Schrien mich an. Immer wieder.

Ich weiß nicht, wie lange es dauerte. Langsam wurde ich taub.

„GENUG!“

Ein Brüllen erschütterte die gesamte Gilde.

Und dann lastete die volle Wucht eines Alphas auf uns allen. Die Meute erstarrte mit bleichen Gesichtern und sank zitternd zu Boden.

„Alpha-König ... bitte ...“, stammelte einer von ihnen. „Wir suchen nur Gerechtigkeit für unseren Alpha ...“

Luna rappelte sich nach vorn und zeigte mit zitternden Fingern auf mich.

„Alpha-König, sie war es. Sie hat meinen Gefährten ermordet. Bitte, bringt sie zur Rechenschaft!“

„Ja! Sie hat ihre Heilkunst als Vorwand benutzt, um ihn zu erledigen, als er schwach war! Ihr müsst das sehen ...“

„Sie ist eine Vampirspionin! Sie hat die ganze Zeit mit ihnen zusammengearbeitet!“

„Unser Alpha hätte leben können, wenn diese Frau nicht gewesen wäre ...“

Jetzt legten alle nach. Einige begannen sogar zu weinen.

Der Alpha-König lachte nur, kalt und schneidend.

„Lächerlich.“

„Sie war vor wenigen Minuten auf dem Grenzschlachtfeld und hat den Todesstoß für mich aufgefangen. Seitdem ist sie bewusstlos. Wann genau hätte sie jemanden heilen sollen?“

Anna wurde bleich im Gesicht. Sie taumelte zurück, als hätte man sie geschlagen.

Die Meute verstummte totenstill. Alle starrten mich an.

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