LOGIN„Ava?“ Das leise Klicken der Badezimmertür ließ mich panisch zusammenzucken. Mit einer blitzschnellen Bewegung faltete ich den vergilbten Brief meiner Schwiegermutter zusammen und schob ihn tief in die Tasche von Ravens weißem Hemd, das ich trug. Mein Herz pochte mir bis zum Hals, als Raven den Raum betrat. Er hatte nur eine graue Jogginghose an, seine Haare waren noch leicht zerzaust. Auf seinen Lippen lag ein seltenes, unglaublich sanftes Lächeln. Er trat von hinten an mich heran, schlang seine massiven Arme um meine Taille und vergrub sein Gesicht in meinem Nacken. „Du bist viel zu früh aufgestanden“, raunte er mit verschlafener, tiefer Stimme. Er küsste die empfindliche Haut hinter meinem Ohr, und ein vertrauter Schauer lief mir über den Rücken. Ich zwang mich, tief durchzuatmen und mein Gesicht im Spiegel zu entspannen. „Ich... ich konnte nicht mehr schlafen. Zu viele Gedanken.“ Raven lockerte seinen Griff ein wenig, drehte mich sanft um und sah mir tief in die Augen. Das Lä
Die Fahrt zurück im Fahrstuhl des Wolkenkratzers war völlig anders als in jener ersten Nacht. Es gab kein eiskaltes Schweigen mehr. Ravens Hand war fest in meine geschlungen, seine Knöchel waren grob verbunden, und er ließ mich keine Sekunde aus den Augen. Es war, als hätte er immer noch Angst, dass ich mich in Luft auflösen könnte, sobald er den Griff lockerte. Als die Fahrstuhltüren sich im 60. Stock öffneten und wir das Penthouse betraten, warfen wir die silberne und die schwarze Maske achtlos auf den Boden. „Dein Vater liegt in einer Privatklinik der Carter-Stiftung im Norden der Stadt“, sagte Raven, während er sich die beschädigte Krawatte vom Hals riss. Seine Stimme war rau, erschöpft von der Anspannung der letzten Stunden. „Er steht unter 24-stündigem Schutz meiner besten Männer. Sterling wird sich ihm nie wieder auf einen Kilometer nähern können.“ Ich sah ihn an, wie er da im schwachen Licht des Wohnzimmers stand. Er hatte sein Imperium riskiert, seine Knöchel blutig geschl
Das leise Summen von Ravens Funkgerät verstarb in der eisigen Stille des Korridors. Julian starrte auf das Gerät in Ravens Hand, und für den Bruchteil einer Sekunde zuckte sein Augenlid. Doch dann kehrte sein arrogantes Grinsen zurück. „Ein Bluff. Du willst mich nervös machen, Carter. Du weißt verdammt noch mal nicht, wo der alte Mann ist. Die Klinik läuft unter einer anonymen Holding in Panama.“ „Glaubst du wirklich, Julian?“, erwiderte Raven. Seine Stimme war von einer so mörderischen, ruhigen Gelassenheit, dass mir ein Schauer über den Rücken lief. Er machte einen langsamen Schritt auf die Mündung von Julians Waffe zu. „Du hast mein System gehackt. Ein netter Versuch. Aber du hast vergessen, wer die Sicherheitssoftware für die Zentralbanken dieses Landes geschrieben hat.“ Julian spannte den Zeigefinger am Abzug. „Bleib stehen, oder ich verpasse dir eine Kugel zwischen die Augen!“ In diesem Moment vibrierte Julians Handy in seiner Brusttasche. Ein schriller, aggressiver Klingelt
Ravens Griff an meiner Kehle war fest, doch als er meine Tränen sah, spürte ich das leichte Zittern in seinen Fingern. Er war verletzt. Der mächtigste Mann der Stadt war durch meine vermeintliche Flucht zutiefst im Innersten getroffen worden. Am Ende des Korridors hallten plötzlich laute, eilige Schritte auf dem Marmor wider. „Hier entlang! Sucht den Nordflügel!“, dröhnte die Stimme von einem von Julians Sicherheitsmännern. Wir hatten nur noch Sekunden. Ich nutzte den Moment, in dem Raven für einen Sekundenbruchteil zur Tür blickte, legte meine Hände an seine Wangen und zwang ihn, mich anzusehen. „Raven, hör mir zu! Bitte!“, flüsterte ich mit brechender Stimme. „Ich habe dich nicht betrogen! Ich wollte nie weggehen!“ Ravens graue Augen verengten sich zu kalten Schlitzen. „Du lagst in meinem Bett, Ava. Und am nächsten Morgen warst du bei ihm.“ „Weil Julian meinen Laptop gehackt hat!“, stammelte ich, die Worte überschlugen sich vor Panik. „Die Pressemitteilung, die ich auf deinem B
Das Schloss Bellevue strahlte im Licht tausender Kronleuchter, doch für mich fühlte es sich an wie ein vergoldetes Schafott. Julian hatte mich in ein Kleid gesteckt, das einer Königin würdig gewesen wäre: eine hautenge, nachtblaue Seidenrobe mit einem tiefen Rückenausschnitt, besetzt mit winzigen Saphiren, die im Licht wie Sterne funkelten. Mein Gesicht war hinter einer filigranen, silbernen venezianischen Maske verborgen, die meine Augen umrahmte. Doch keine Maske der Welt konnte die nackte Angst verbergen, die in meiner Brust raste. „Lächeln, meine Schöne“, flüsterte Julian, während er meinen Arm nahm und mich die pompöse Marmortreppe hinunter in den riesigen Ballsaal führte. Hunderte maskierte Gäste aus der High Society drehten sich nach uns um. Das Tuscheln begann sofort, eine Welle aus Gerüchten, die durch den Raum schwappte. Die Nachricht, dass Ava Vance – die Ehefrau des stummen Milliardärs – an der Seite seines größten Rivalen aufkreuzte, verbreitete sich wie ein Lauffeuer.
Drei Tage. Seit drei Tagen war ich eine Gefangene. Julian Sterling hatte mich auf ein riesiges, von dichten Wäldern umgebenes Anwesen außerhalb der Stadt gebracht. Von außen sah es aus wie ein idyllisches Luxus-Landhaus, aber für mich war es die Hölle. Es gab kein Internet, kein Festnetztelefon, und mein Handy war längst in Julians Besitz. Die Fenster waren aus dickem Sicherheitsglas, und vor jeder Tür postierten sich bewaffnete Wachen mit dem Sterling-Logo auf den Anzügen. „Ihrer Familie scheint das Pech an den Fingern zu kleben, Ava“, sagte Julian, als er am Abend unangekündigt in den prunkvollen Salon trat. Er hielt zwei Gläser Champagner in der Hand und trug ein selbstgefälliges Lächeln, das mir den Magen umdrehte. Ich saß auf einem Sessel am Kamin und starrte in die Flammen. „Wie geht es meinem Vater, Julian? Bringen Sie mich zu ihm, oder der Deal ist geplatzt.“ Julian lachte leise, kam auf mich zu und stellte ein Glas auf dem Beistelltisch ab. Er beugte sich so tief über mei







