LOGINMike Sorenson hat sein ganzes Leben lang nur eines verfolgt: professionelles Hockey. Mit einundzwanzig ist er der beste Spieler, den die Ashford University seit einem Jahrzehnt gesehen hat. Er hat die Geschwindigkeit, die Instinkte, die Hände, von denen Scouts träumen. Er hat einen Vater, der vor Jahrzehnten seinen eigenen Traum vom Eis aufgegeben hat und seinen Sohn nie vergessen ließ, was ihn das gekostet hat. Er hat ein Team, das zu ihm aufsieht, wenn das Spiel auf dem Spiel steht, und Profi-Scouts, die endlich mit Klemmbrettern und Zukunft in den Händen auf den Rängen auftauchen. Dann beginnt sein Körper, ihn zu verraten. Elena Ward soll das eigentlich nicht bemerken. Sie ist Studentin im dritten Jahr im Pflegestudium und absolviert ihre klinische Rotation in der Sportabteilung, vergraben in Kursarbeiten, mit genau null Interesse daran, sich in die Geheimnisse von irgendjemandem verwickeln zu lassen. Aber Muster lügen nicht, selbst wenn der Patient vor ihr es tut. Als sie ihn schließlich mit der Wahrheit in die Enge treibt, leugnet er es nicht. Er fleht. „Bitte. Sag es ihnen nicht. Wenn sie es herausfinden, bin ich kein Talent mehr. Ich bin nur noch ein Risiko.“ Sie willigt ein, sein Geheimnis zu bewahren. Was zwischen zwei Menschen beginnt, wird zu etwas, das keiner von ihnen vorhergesehen hat. Doch die Zeit ist der einzige Gegner, den Mike nicht überlaufen kann. Er will gewinnen, bevor der Schlusspfiff ertönt. Sie will nur mehr Zeit mit ihm.
View MoreMike saß bereits auf der Untersuchungsliege, als Elena hereinkam, ein Bein schwingend, grinsend, als hätte er den ganzen Tag auf ihr Auftauchen gewartet.„Du hast eine Nachuntersuchung angefordert", sagte er. „Priya sagt, du hast speziell nach mir gefragt."„Priya redet zu viel."„Priya ist eine Heilige. Sie sagte, du klangst sehr ernst dabei." Er lehnte sich auf die Hände zurück, alles lässige Arroganz, die Lüge von vor zwei Nächten zusammengefaltet und weggelegt, irgendwo, wo sie nicht herankam. „Also. Was habe ich getan?"Elena schloss die Tür hinter sich. Das Klicken klang lauter, als es sollte.„Du hast mich am Donnerstag versetzt", sagte sie. „Du hast gesagt, etwas ist dazwischengekommen."„Ist es auch."„Danny hat dich um Viertel nach sechs in der Eishalle gesehen."Eine halbe Sekunde lang bewegte er sich nicht. Dann kam das Grinsen zurück, diesmal ein wenig langsamer. „Danny sieht viele Dinge. Er denkt auch, sein Hoodie ist verflucht."„Mike."„Ich bin zurück, um meine Ausrüst
Elena kam zehn Minuten zu früh zur Bibliothek, aus Gewohnheit mehr als aus allem anderen, und richtete ihren Tisch so ein, wie sie es immer tat: Notizen links, Laptop in der Mitte, der Platz ihr gegenüber auffällig leer gelassen.Sechs Uhr kam und ging.Um Viertel nach sechs hatte sie aufgehört, jedes Mal zur Tür zu schauen, wenn sie sich öffnete, und angefangen, ihre Notizen tatsächlich zu lesen. Um halb sieben zog sie ihr Handy heraus.Elena: Kommst du noch?Zehn Minuten lang nichts. Sie sagte sich, dass es keine Rolle spielte, dass sein Training manchmal länger dauerte, dass Leute zu spät kommen durften, dass sie nicht der Typ Mensch war, der herumsaß und auf den Zeitplan eines anderen wartete. Sie schaffte noch eine Seite Notizen, bevor ihr Handy summte.Mike: Sorry. Etwas ist dazwischengekommen.Elena: Alles okay?Mike: Ja. Nur beschäftigt.Sie starrte einen Moment länger auf den Bildschirm, als die Nachricht es rechtfertigte. Etwas ist dazwischengekommen war nicht direkt seltsam
„Dir ist klar, dass so viele Bücher auf einmal zu tragen technisch gesehen eine Gefahr am Arbeitsplatz ist", sagte Mike und fiel neben ihr vor der Bibliothek in Schritt, eine Hand schon ausgestreckt, um die obersten zwei von ihrem Stapel zu nehmen, ohne zu fragen.„Du arbeitest hier nicht."„Ich bin ein besorgter Bürger."„Du bist neugierig."„Besorgter Bürger. Ich habe es dir gesagt." Er balancierte die Bücher gegen seine Hüfte, leicht wie nichts, und Elena ließ ihn, weil darüber zu streiten mehr Energie kostete, als sie nach einem vollen Vorlesungstag übrig hatte.Es war ein guter Tag. Ein leichter Tag sogar, die Sonne war ausnahmsweise mal da, die Art von Nachmittag, an dem sich der Campus weniger wie ein Schnellkochtopf anfühlte und mehr wie ein echter Ort, an dem Menschen lebten. Mike war unangekündigt vor ihrem Gebäude aufgetaucht und behauptete, er wäre nur vorbeigelaufen, obwohl sie inzwischen vermutete, dass die meisten seiner Vorbeiläufe deutlich weniger zufällig geworden wa
Die Klinik war donnerstagnachmittags ruhig, die Flaute zwischen dem Mittagsansturm und den abendlichen Trainings-Check-ins, und Elena hatte fast vergessen, wie es sich anfühlte, im Hinterzimmer zu sitzen, ohne dass ihr Puls erhöht war.„Du hast in zehn Minuten eine Team-Untersuchung", sagte Priya und schob einen Ordner über den Tresen. „Routinekram. Sollte einfach sein."Elena warf einen Blick auf den Namen auf der Lasche und spürte, wie sich etwas tief in ihrem Magen festsetzte, noch bevor sie ihn geöffnet hatte.Sorenson, Michael.Natürlich.Er tauchte genau pünktlich auf, was neu war, und ließ sich auf den Stuhl im Untersuchungszimmer fallen mit der leichten Vertrautheit von jemandem, der diesen Ort vor Wochen aufgehört hatte, seltsam zu finden.„Hast du mich vermisst?", sagte er.„Es sind vier Tage."„Vier sehr lange Tage."„Für wen?"„Für mich. Offensichtlich. Du hast wahrscheinlich kaum bemerkt, dass ich weg war." Er grinste, und es war dasselbe Grinsen wie immer, locker, ein we

















