LOGINMike kam vier Tage später aus dem Krankenhaus nach Hause, wieder dünner, die fiebrige Episode hatte ihn mehr gekostet als nur einen Schrecken. Dr. Okafor verschob seinen vierten Zyklus um zwei Wochen, damit sich seine Werte erholen konnten, eine Verzögerung, die sich wie Erleichterung hätte anfühlen sollen und stattdessen wie Versagen auf ihm lastete.„Zwei Wochen", sagte er tonlos und starrte aus dem Fenster seines Wohnheimzimmers auf Studenten, die unten über den Campus liefen, ahnungslos gegenüber allem, was über ihnen geschah. „Zwei Wochen hinter dem Zeitplan. Das sind zwei Wochen weiter weg vom Ende davon."„Es sind auch zwei Wochen, die dein Körper gebraucht hat", sagte Elena und faltete eine Decke am Fuß seines Bettes, versuchte, den engen Wohnheimraum weniger wie einen Krankenhausanbau und mehr wie einen Ort wirken zu lassen, an dem tatsächlich ein Mensch lebte. „Dr. Okafor hat dich nicht bestraft. Sie hat dich geschützt."„Das weiß ich logisch. Es fühlt sich trotzdem wie Verl
Elena taumelte gegen die Wand, als zwei weitere Krankenschwestern hinter der ersten hereinrauschten, ein Wagen rollte mit ihnen hinein, Stimmen überlagerten sich im knappen, effizienten Kürzel von Menschen, die das schon hundert Mal getan hatten und genau wussten, wie schnell es gehen musste.„102,4 und steigend", rief eine Krankenschwester. „Besorgt mir ein Kulturpanel, Blut und Urin, und ruft sofort Dr. Okafor."„Jemand bringt sie aus dem Zimmer", sagte eine andere Stimme, nicht unfreundlich, und eine Hand berührte Elenas Schulter, lenkte sie sanft, aber bestimmt zur Tür.„Ich gehe nicht."„Sie können direkt draußen warten. Wir brauchen den Platz." Die Stimme der Krankenschwester war ruhig, aber unnachgiebig, jahrelange Übung hinter dem Ton. „Er ist in guten Händen. Das verspreche ich Ihnen. Aber wir brauchen den Raum."Elena wich in den Flur zurück, das Herz hämmerte gegen ihre Rippen, sah durch das schmale Fenster in der Tür zu, wie Mikes Bett zum Zentrum eines Schwarms konzentrie
Bis zum dritten Zyklus hatte sich das Krankenzimmer aufgehört anzufühlen wie eine Krise und angefangen, sich wie eine zweite Wohnung anzufühlen, was, wie Elena verstand, eigentlich ein gutes Zeichen sein sollte und sich irgendwie schlimmer anfühlte als die Angst zuvor.Mike war jetzt dünner, merklich, die Wangenknochen schärfer unter Haut, die ihre Sommerfarbe vor Wochen verloren hatte. Seine Dreadlocks waren noch intakt, eine kleine Gnade, von der Dr. Okafor gewarnt hatte, dass sie Zyklus vier womöglich nicht überstehen würden, aber seine Hände, als Elena seinen Puls aus Gewohnheit mehr als aus Notwendigkeit prüfte, fühlten sich jetzt anders an, leichter, als wäre etwas Wesentliches zwischen den Terminen still aus ihm herausgesaugt worden.„Du machst das Gesicht", sagte er, die Augen noch geschlossen, den Kopf gegen das Krankenhauskissen gelehnt.„Welches Gesicht."„Das klinische Sorgen-Gesicht. Das, bei dem du alles an mir katalogisierst, was falsch ist, statt einfach hier zu sitzen
Es war nicht Feld.Mike überprüfte den Bildschirm und atmete aus – halb Erleichterung, halb etwas Härteres, das sich schwer benennen ließ. „Meine Mom. Sie ist unten. Dad parkt gerade das Auto."„Soll ich dir etwas Platz geben?"„Nein." Er ergriff ihre Hand, bevor sie aufstehen konnte, die Stimme fest. „Ich will, dass du hier bist. Ich habe es dir gesagt, Elena – die ganze Wahrheit, immer. Das schließt ein, dass du Teil meines Lebens bist, vor anderen Leuten, nicht nur heimlich."Seine Eltern kamen ein paar Minuten später an. Seine Mutter durchquerte sofort den Raum und umarmte ihn vorsichtig um die Infusionsleitung herum, sein Vater blieb dicht hinter ihr mit einer Sporttasche voller Dinge, die Mike offensichtlich nicht verlangt hatte, die er aber trotzdem brauchte – extra Socken, sein eigenes Kissen von zu Hause, ein abgegriffener Taschenbuchroman, den er als Kind gelesen hatte.„Du siehst schrecklich aus", sagte sein Vater, was angesichts seines Gesichtsausdrucks eindeutig die tiefs
Mike wachte langsam auf, desorientiert, das Krankenzimmer hell vom frühen Morgenlicht, und fand Elena noch immer auf dem Stuhl neben seinem Bett, Haare zerzaust, den Nacken in einem Winkel, der später einen brutalen steifen Hals versprach, offensichtlich irgendwann gegen Morgen im Sitzen eingeschlafen.„Hey", krächzte er.Sie schreckte wach, blinzelte schnell. „Hey. Wie fühlst du dich?"„Als hätte mich ein Lastwagen erwischt, der irgendwie auch noch in meinem Magen war." Er versuchte, sich aufzusetzen, und verzog das Gesicht. „Wie spät ist es?"„Fast acht." Sie streckte sich und verzog das Gesicht wegen ihres eigenen steifen Nackens, und dann schien sie sich an etwas zu erinnern, ihr ganzer Ausdruck veränderte sich. „Mike. Dein Handy hat gegen fünf gesummt. Ich habe nachgesehen, es tut mir leid, ich wollte nicht schnüffeln, ich habe nur den Namen gesehen."Seine Stirn runzelte sich. „Welchen Namen?"Sie nahm sein Handy vom Nachttisch und reichte es ihm, statt zu antworten, und beobach
Um Mitternacht war Elena die Einzige, die noch im Zimmer war.Danny war gegen neun gegangen, widerwillig, nachdem er versprechen musste, den Team-Gruppenchat mit nichts Spezifischerem als „ruht sich bequem aus" zu aktualisieren – eine Formulierung, die sich gleichzeitig wahr und maßlos unzureichend anfühlte für das, was sie in den letzten Stunden beobachtet hatte.Mikes erste schlechte Reaktion kam kurz nach zehn.Es begann klein, eine Anspannung im Kiefer, eine Unruhe in seinen Händen, die sie sofort aus drei Jahren klinischer Ausbildung erkannte – Übelkeit, die sich schneller aufbaute, als die Antiemetika mithalten konnten. Um elf erbrach er sich stetig in eine Schüssel, die sie für ihn hielt, sein ganzer Körper zitternd, Schweiß durchnässte den dünnen Krankenhauskittel.„Es tut mir leid", keuchte er zwischen den Wellen, Demütigung dick in seiner Stimme. „Du solltest das nicht sehen müssen."„Ich habe Schlimmeres gesehen." Sie wischte ihm sanft den Mund mit einem feuchten Tuch ab, l







