LOGIN„Nein.“—Noah legte sein Handy langsam auf den Tisch.—„Was?“fragte Elias.—„Nein.“—„Das beantwortet meine Frage nicht.“—„Luca plant den Junggesellenabschied.“—Stille.—Elias blinzelte.—Einmal.—Zweimal.—Dann:—„Oh.“—„Ja.“—„Großes Oh.“—„Riesiges Oh.“—Damit war eigentlich alles gesagt.—Denn Luca und Planung waren eine gefährliche Kombination.—Nicht weil er schlecht plante.—Im Gegenteil.—Luca plante zu gut.—Viel zu gut.—Mit Tabellen.—Ordnern.—Zeitplänen.—Und gelegentlich Notfallstrategien für hypothetische Alpakas.—„Vielleicht wird es harmlos.“sagte Elias.—Noah starrte ihn an.—„Glaubst du das wirklich?“—„Nein.“—„Danke.“—„Gern.“—Wenige Minuten später erschien eine Nachricht in der gemeinsamen Gruppe.—Luca:WICHTIGE INFORMATION.—„Oh nein.“murmelte Noah.—Luca:Ab sofort gelten folgende Regeln:—„Es gibt Regeln.“—„Natürlich gibt es Regeln.“sagte Elias.—Luca:Regel 1: Keine Fragen.Regel 2: Absolut keine Fragen.Regel 3:
Der Strom fiel um 20:17 Uhr aus.—Ohne Vorwarnung.—Ohne Drama.—Einfach:—Klack.—Und alles war dunkel.—„Oh.“sagte Noah.—„Oh.“sagte Elias.—Stille.—Dann ertönte aus der Wohnung gegenüber eine sehr deutliche Stimme:—„VERDAMMT!“—Noah musste sofort lachen.—„Zumindest wissen wir, dass es nicht nur uns betrifft.“—„Hilfreich.“—„Sehr.“—Elias griff nach seinem Handy.—Das Display erhellte die Dunkelheit.—„Scheint die ganze Straße zu sein.“—„Perfekt.“—„Du klingst nicht überzeugt.“—„Ich hatte gerade gewonnen.“—„Bei welchem Spiel?“—„Das ist nicht wichtig.“—„Du hast verloren, oder?“—„Ja.“—„Dachte ich mir.“—Nach einigen Minuten wurde klar:—Der Strom würde nicht sofort zurückkommen.—Also holten sie Kerzen hervor.—Mehrere.—Viel mehr, als Noah erwartet hatte.—„Warum besitzen wir so viele?“—„Du kaufst jedes Jahr Weihnachtsdekoration.“—„Das beantwortet die Frage nicht.“—„Doch.“—Fair.—Bald flackerte warmes Licht durch die Wohnung.—Gol
Die Liste tauchte an einem verregneten Sonntagnachmittag auf.—Eigentlich suchte Noah etwas völlig anderes.—Einen Garantiebeleg.—Oder eine Bedienungsanleitung.—Oder irgendetwas Vernünftiges.—Stattdessen fand er eine alte Mappe.—Und in dieser Mappe:—Ein zusammengefaltetes Blatt Papier.—Vergilbt an den Kanten.—Mit ihrer Handschrift.—„Elias.“—„Hm?“—„Komm mal her.“—„Bitte sag mir nicht, dass du wieder alte Nachrichten gefunden hast.“—„Schlimmer.“—Sofort wurde Elias misstrauisch.—„Wie schlimm?“—„Vergangenheits-Noah-und-Vergangenheits-Elias-schlimm.“—„Oh nein.“—„Oh doch.“—Neugierig setzte sich Elias neben ihn.—Noah faltete das Blatt auseinander.—Und beide erkannten es sofort.—Die Liste.—Eine völlig spontane Liste.—Geschrieben vor Jahren.—An einem Abend voller Zukunftspläne.—Damals hatten sie beschlossen, alles aufzuschreiben, was sie irgendwann gemeinsam erleben wollten.—Einfach so.—Ohne großen Plan.—Ohne Erwartungen.—Nur als Spie
Es begann mit Langeweile.—Und Langeweile war bekanntlich gefährlich.—Vor allem, wenn Noah beschloss, sein Handy aufzuräumen.—„Ich mache Ordnung.“verkündete er.—Elias blickte von seinem Buch auf.—„Mutige Worte.“—„Heute wird aussortiert.“—„Das sagst du seit drei Jahren.“—„Heute meine ich es ernst.“—„Natürlich.“—Noah ignorierte den Kommentar.—Zumindest versuchte er es.—Eine Stunde später hatte er exakt drei Screenshots gelöscht.—Und stattdessen fünfhundert alte Fotos angesehen.—„Produktivität.“murmelte Elias.—„Forschung.“—„Nostalgie.“—„Auch das.“—Noah scrollte weiter.—Fotos.Videos.Alte Chats.—Ein digitales Archiv ihres Lebens.—Und dann entdeckte er einen Ordner, den er völlig vergessen hatte.—Sprachnachrichten.—Sehr alte Sprachnachrichten.—Aus der Zeit der Fernbeziehung.—Automatisch hielt er inne.—„Elias.“—„Hm?“—„Komm mal her.“—Etwas in seiner Stimme ließ Elias sofort aufsehen.—Nicht besorgt.—Aber aufmerksam.—Er setzte s
„Das ist keine gute Idee.“—Noah stand mit verschränkten Armen im Wohnzimmer.—Und betrachtete die große Tafel an der Wand.—„Doch.“sagte Luca.—„Nein.“—„Doch.“—„Nein.“—„Doch.“—Tom hob die Hand.—„Zur Information: Diese Diskussion läuft seit zwölf Minuten.“—„Dreizehn.“korrigierte Luca.—„Danke.“—Die Tafel war riesig.—Viel zu riesig.—Und mitten darauf stand in großen Zahlen:Noch 127 Tage—„Das macht mich nervös.“murmelte Noah.—„Das ist der Sinn eines Countdowns.“—„Nein, ist es nicht.“—„Doch.“—„Nein.“—„Doch.“—Elias trat neben Noah.—Betrachtete die Tafel.—Und verzog das Gesicht.—„Okay.“—„Oder?“fragte Noah sofort.—„Ja.“—„Danke!“—„Sie ist wirklich groß.“—„Danke!“rief Luca begeistert.—„Das war kein Kompliment.“—„Zu spät.“—Tom seufzte.—„Er hört nur die Hälfte von Gesprächen.“—„Die positive Hälfte.“—„Leider.“—Trotz aller Proteste blieb die Tafel hängen.—Natürlich.—Denn sobald Luca etwas installiert hatte, war es prakti
Die E-Mail kam an einem Dienstagmorgen.—Unspektakulär.—Still.—Ohne jede Vorwarnung.—Und veränderte trotzdem alles.—„Elias.“—Noah saß mit einer Tasse Kaffee am Küchentisch.—Sein Laptop stand offen vor ihm.—„Hm?“kam die Antwort aus dem Schlafzimmer.—„Elias.“—Diesmal etwas lauter.—„Was ist passiert?“—Sekunden später erschien Elias in der Tür.—Noch halb verschlafen.—Mit zerzausten Haaren.—Und genau diesem Anblick, den Noah heimlich liebte.—„Warum schaust du so?“—Noah deutete wortlos auf den Bildschirm.—Elias trat näher.—Las.—Und blieb abrupt stehen.—„Oh.“—Eine Sekunde.—Noch eine.—Dann:—„Oh.“—„Ja.“sagte Noah.—„Großes Oh.“—„Sehr großes Oh.“—Die Nachricht war kurz.—Sachlich.—Freundlich.—Und enthielt genau eine Information, die plötzlich wichtiger war als alles andere.—Das Datum.—Ihr Datum.—Der Tag ihrer Hochzeit.—Zum ersten Mal stand er schwarz auf weiß vor ihnen.—Nicht irgendwann.—Nicht bald.—Nicht vielleicht.—







