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Kapitel 3

Autor: Linnea
Tobias saß am Fenster. Sein Gesicht war makellos schön, sein Blick vereinte Kühle und Wärme auf verführerische Weise. Der leichte Höcker auf seinem Nasenrücken verlieh ihm etwas Besonderes. Selbst das Sonnenlicht schien ihn zu bevorzugen.

Lena schnappte nach Luft, als sie ihn sah.

So heiß!!!

Dann fiel ihr ein, dass jetzt nicht der Moment zum Schwärmen war. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Nervös sagte sie: „Professor Strauß.“

Sie senkte den Blick, als hätte sie etwas angestellt – aber eigentlich wollte sie nur ihre Nervosität verbergen.

Im Gegensatz zu ihrer Anspannung wirkte Tobias völlig gelassen. Ganz der typische Lehrer. Er deutete auf den Stuhl gegenüber. „Setzen Sie sich.“

Lena wagte nicht, sich zu setzen. Verlegen lachte sie. „Nein, Professor Strauß, ich stehe lieber.“

Tobias stand auf. Er überragte sie um einen ganzen Kopf. Sie musste zu ihm aufsehen.

„Also – warum waren Sie abgelenkt?“

Sein Ton war sachlich, als würde ihn wirklich nur ihre Unaufmerksamkeit interessieren.

Lena konnte unmöglich die Wahrheit sagen. Nach kurzem Zögern stammelte sie nervös: „Ich... ich hab letzte Nacht schlecht geschlafen.“ Dann entschuldigte sie sich aufrichtig: „Es tut mir leid, Professor Strauß. Das wird nicht wieder vorkommen.“

Ob Tobias ihr glaubte oder nicht, war nicht zu erkennen. Er ging zum Teekocher und riss gemächlich einen Instant-Milchtee auf.

Seine Bewegungen waren entspannt, die Finger schlank, seine Ausstrahlung edel und elegant. Als der Dampf aufstieg, war das Bild fast ein Genuss für die Augen.

„Ich bin erst kürzlich aus dem Ausland zurückgekehrt und mit dem hiesigen Unterrichtsstil noch nicht vertraut. Wenn mein Unterricht langweilig ist, sagen Sie es mir bitte direkt.“

Himmel, was für ein bescheidener Lehrer. Und so einen attraktiven, bescheidenen Professor hatte sie... entweiht. Selbst Lena fand sich abscheulich.

„N-nein, Professor Strauß. Ihr Unterricht ist toll.“ Lena beeilte sich zu antworten.

Sie hatte zwar nicht zugehört, aber an der Reaktion der anderen nach der Stunde war klar, dass er wirklich gut war.

Tobias lächelte leicht. „Dann ist gut.“

Damit reichte er ihr den fertigen Milchtee.

Seine Finger waren wohlgeformt, die Nägel sauber gefeilt.

„Ein Geschenk von einem Kollegen. Studenten mögen so etwas doch.“

Lenas Gesicht wurde heiß. Sie nahm den Becher entgegen. „Danke, Professor Strauß.“

Der Becher war warm, aber nicht zu heiß. Dampf stieg auf, der süße Milchtee-Duft kitzelte ihre Nase.

Seit sie hereingekommen war, stand sie unter Hochspannung. Aber Tobias erwähnte jene Nacht mit keinem Wort. Stattdessen plauderte er entspannt mit ihr. Der warme Duft in der Nase ließ ihre Anspannung nachlassen.

Sie nahm einen Schluck. Eine Süße breitete sich in ihrem Mund aus.

Da kam Tobias’ Stimme: „Das waren Sie in jener Nacht, oder?“

Diese Worte schlugen ein wie ein Blitz. Sie riss den Kopf hoch und sah in seine durchdringenden Augen.

Sein Blick schien alles zu durchschauen.

Er hatte mit ihr geplaudert und ihr Milchtee gemacht – nur um sie in falscher Sicherheit zu wiegen.

„Hust, hust, hust!“ Lena verschluckte sich fast.

Tobias schien vorbereitet. Souverän reichte er ihr ein Taschentuch.

Lena nahm es hastig, wischte sich den Mund und leugnete sofort: „Das war ich nicht. Ich war’s nicht.“

Tobias verengte die Augen, ein halbes Lächeln auf den Lippen. „Ich habe weder gesagt, welche Nacht, noch was passiert ist.“

Lena merkte, dass sie sich verraten hatte. Panik ergriff sie. Der Milchtee schmeckte plötzlich nicht mehr. „Professor Strauß, ich weiß nicht, wovon Sie reden, aber es war bestimmt nicht ich. Deshalb habe ich es ja abgestritten.“

Tobias’ Miene blieb unbewegt. Plötzlich griff er nach ihrer Hand.

Seine schlanken Finger umfassten ihr Handgelenk. Bei der Berührung zuckte Lena zusammen wie bei einer Verbrennung.

Was hatte er vor?

Lenas Herz schlug ihr bis zum Hals.

„Ich erinnere mich – in jener Nacht hatte die Frau ein Muttermal in der Handfläche.“

Damit drehte er ihre Hand um.

In der zarten Handinnenfläche – ein deutlich sichtbares Muttermal.

Auf frischer Tat ertappt.

Tobias hob leicht die Augenbrauen und sah sie an. „Was sagen Sie jetzt?“

Lena fühlte sich völlig entblößt.

Sie hätte weiter leugnen können. Schließlich war sie nicht die Einzige mit einem Muttermal in der Hand. Aber Tobias’ Präsenz war überwältigend. Außerdem hatte ein Lehrer gegenüber einer Studentin automatisch eine gewisse Autorität.

Und egal was sie sagte – er war überzeugt, dass sie es war.

Tränen stiegen ihr in die Augen. Mit zitternder Stimme sagte sie: „Professor Strauß, es tut mir leid. Ich war im Unrecht. Ich hätte nicht mit einem Fremden schlafen sollen. Tun wir so, als wäre es nie passiert. Ich mach so was nie wieder.“

Lena war am Boden zerstört. Bevor die Tränen fallen konnten, stürmte sie aus dem Büro.

Wumm!

Die Tür knallte. Tobias stand verdutzt da.

Er hatte noch gar nichts gesagt. Warum war sie weggerannt?

Er hatte sie nur gesucht, um zu besprechen, wie sie mit dieser Sache umgehen sollten. Schließlich war auch für ihn so etwas das erste Mal.

Normalerweise vertrug er keinen Alkohol und trank nie. An jenem Abend hatten Freunde seinen Einstand gefeiert. Versehentlich hatte er das falsche Glas erwischt und einen Schluck Alkohol getrunken. Bald brannte sein ganzer Körper. Er wollte sich im Bad kaltes Wasser ins Gesicht spritzen – da stolperte ein Mädchen in seine Arme und sah ihn mit feuchten Augen an.

Vielleicht wegen des Alkohols beging er den größten Fehler seines Lebens. Zum ersten Mal verlor er die Kontrolle und schlief mit einer Fremden. Als er am nächsten Morgen aufwachte, war das Mädchen verschwunden.

Er hatte versucht, sie zu finden. Der rote Fleck auf dem Laken ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er war offensichtlich älter als sie. Wie auch immer – er wollte die Sache klären.

Aber dass sie seine Studentin war, hatte er nicht erwartet.

Diese Information war so überwältigend, dass er im Unterricht die Fassung verloren hatte.

Jetzt sah er: Sie war noch aufgelöster als er.

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