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Kapitel 7

Autor: Linnea
Tobias nahm das Blatt entgegen. Als er die Worte „intrauterine Schwangerschaft im Frühstadium“ las, verdunkelte sich sein Blick.

Lena beobachtete seine Reaktion genau. Als er nur schweigend auf das Papier starrte, geriet sie in Panik und beeilte sich zu erklären: „Professor Strauß, das Kind ist von Ihnen. Ich... ich hatte noch nie einen anderen Mann.“

Kaum hatte sie es ausgesprochen, wurde sie rot.

Endlich hob Tobias den Blick vom Papier und sah sie an.

Kein Wunder, dass sie von Anfang an so nervös gewesen war.

Sie war erst einundzwanzig, eine Studentin, die noch nichts vom Leben kannte. In dem Moment, als sie von der Schwangerschaft erfuhr, musste sie sich hilflos und verängstigt gefühlt haben. Wenn sie nicht völlig verzweifelt wäre, hätte sie sich bestimmt nicht an ihn gewandt.

Tobias verfluchte sich innerlich. Ein Moment der Schwäche hatte das Leben eines jungen Mädchens aus der Bahn geworfen.

Er legte das Untersuchungsergebnis auf den Tisch und fragte sanft: „Was denkst du?“

Seine Ruhe irritierte Lena. Sie konnte ihn nicht einschätzen.

Aber sie antwortete ehrlich und schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht. Ich... ich hab Angst.“

Tobias sah, wie sie nervös die Finger knetete, und Mitleid regte sich in ihm.

„Angst ist normal. Jeder in deinem Alter würde bei so etwas Angst haben.“

Lena senkte den Kopf und schwieg.

Tobias begann, seine Gedanken darzulegen: „Du bist einundzwanzig und noch im Studium. Im Moment ist dein Studium das Wichtigste. Die beste Lösung wäre, das Kind abzutreiben.“

Die Antwort hatte sie erwartet. Trotzdem zuckte etwas in ihrer Brust. Leise sagte sie: „Ich trau mich nicht, es meinen Eltern zu sagen. Aber für den Eingriff braucht man die Unterschrift eines Angehörigen.“

Tobias sah, wie ihre Wimpern zitterten.

„Zunächst möchte ich mich bei dir entschuldigen. An dem Abend hatte ich getrunken und die Kontrolle verloren...“ Er brach ab, es fiel ihm schwer weiterzusprechen. „Ich bin älter. Ich hätte mich beherrschen müssen.“

Lenas Gesicht rötete sich. Hastig winkte sie ab. „Nein, ich bin auch schuld daran...“

„Wenn du dich für die Abtreibung entscheidest, werde ich dich begleiten. Ich übernehme alle Kosten für die OP und die Erholung danach – bis du dich vollständig erholt hast.“ Seine Stimme war ruhig und fest. Seltsamerweise beruhigte das Lenas aufgewühltes Herz ein wenig.

Wenigstens hatte sie jemanden, mit dem sie reden konnte.

Lena biss sich auf die Lippe und nickte. „Okay.“

Was Tobias sagte, war die beste Lösung. Die Unterschrift und die Kosten – ihre größten Sorgen wären damit gelöst.

Doch dann fuhr er fort: „Ich bin noch nicht fertig. Es gibt noch eine zweite Option.“

Lena stutzte. „Was?“

Eine zweite?

Tobias sah sie an und und sagte ruhig: „Wir heiraten.“

Hä????

Lena riss die Augen auf und starrte ihn an, als hätte sie sich verhört.

Sein Gesicht war völlig gelassen, als wäre ihm nicht bewusst, wie schockierend seine Worte waren.

„Eine Abtreibung schadet dem Körper erheblich. Wenn wir heiraten, kann das Kind ganz normal zur Welt kommen. Ich werde meiner Verantwortung als Ehemann und Vater gerecht werden. Was dein Studium angeht: Im letzten Trimester könntest du ein Semester pausieren. Nach dem Wochenbett machst du weiter. Ich kümmere mich um das Kind. Solange du zu Hause bist, kann ich dir auch beim Lernen helfen. Ich bin zuversichtlich, dass dein Studium nicht darunter leidet.“

Tobias begegnete Lenas fassungslosem Blick.

„Natürlich magst du denken, dass ich deutlich älter bin als du. Aber das ist nicht unbedingt schlecht. Ich habe mehr Lebenserfahrung und kann sie mit dir teilen, damit du manche Fehler nicht machst. Außerdem kriege ich früher Rente als du.“

Was für ein absurder Witz.

Lena hatte nicht damit gerechnet, dass Tobias innerhalb weniger Minuten nicht nur akzeptiert hatte, dass er Vater wurde, sondern auch gleich zwei Lösungen präsentierte – eine davon Heirat. Er hatte sogar schon an ihr Studium und die Kinderbetreuung gedacht.

Das Gehirn eines Professors funktionierte offenbar auf einer ganz anderen Ebene.

Lenas Schock wandelte sich in Bestürzung. „Professor Strauß, das ist doch nicht Ihr Ernst.“

„Doch.“

Sein ernster Blick ließ ihr Gesicht erstarren.

„Ich stelle mich kurz vor. Tobias Strauß, neunundzwanzig, gebürtig aus dieser Stadt. Promotion abgeschlossen, derzeit an der Medizinischen Fakultät des Waldmeer-Vereins tätig. Das Gehalt ist anständig, genug für eine Familie. Da ich gerade erst aus dem Ausland zurück bin, wohne ich zur Miete, aber ich könnte jederzeit kaufen. Ich fahre das Auto meiner Eltern. Nichtraucher, trinke kaum, keine häusliche Gewalt. Hobbys: Lesen und Joggen. Meine Eltern haben eine kleine Firma, ihre Altersvorsorge ist gesichert. Nach der Hochzeit müssten wir nicht bei ihnen wohnen. Gerade am Anfang der Stelle bin ich etwas eingespannt, aber das legt sich. Wochenenden frei, Semesterferien auch – genug Zeit für dich und das Kind.“

Eine derart bodenständige Selbstvorstellung.

Man hätte meinen können, sie wären beim Blind Date.

Lena fühlte sich wie vom Blitz getroffen und brachte kein Wort heraus.

Tobias betrachtete sie geduldig. „Überleg mal, ob das, was ich eben gesagt habe, deinen Vorstellungen von einem Partner entspricht.“

Und ob es das tat. Sie hatte das Gefühl, der Jackpot wäre ihr in den Schoß gefallen.

So ein toller Mann wie Professor Strauß wollte sie heiraten?

Unter dem Tisch kniff sie sich fest in den Oberschenkel.

Au! Das tat weh!

Also kein Traum.

Als Lena seinen ernsten Blick sah, begriff sie endlich, dass das kein Scherz war. Er meinte es vollkommen ernst.

Aber Heirat...

Dieses Wort kam ihr so unendlich weit weg vor. Sie hatte nie darüber nachgedacht.

Das war eine viel größere Sache als eine Abtreibung.

Zögernd brachte sie hervor: „Professor Strauß, kann ich darüber nachdenken?“

„Wie lange?“

„Bis Montag gebe ich Ihnen eine Antwort.“

„Gut.“ Tobias nickte.

In Wirklichkeit brauchte Lena nicht annähernd so lange. Als sie mit wirren Gedanken nach Hause kam und die Tür öffnete, hörte sie Heike und Lukas reden.

„Ich will neue Sneaker.“ Das war Lukas.

„Du hast doch gerade erst welche bekommen“, sagte Heike.

„Die habe ich gestern beim Basketball kaputt gemacht.“

Heike zögerte. „Wie viel kosten die?“

„Hundertachtzig Euro.“

Heikes Stimme wurde schrill. „So teuer? Luki, muss es wirklich so viel sein?“

Lukas klang sofort genervt. „Meine Klassenkameraden tragen noch teurere. Ich kann in der Schule kaum den Kopf heben. Vergiss es, ich brauch sie nicht. Ich bin ja eh daran gewöhnt, ausgelacht zu werden.“

Heike lenkte sofort ein: „Okay, okay, Luki. Mama kauft sie dir.“

Lena erstarrte.

Ihre Familie war nicht wohlhabend. Heike war Hausfrau und verdiente etwas mit Handarbeiten. Wolfgang hatte einen unbedeutenden Posten in der Gemeindeverwaltung, kein hohes Gehalt.

Seit Lena denken konnte, hatten ihre Eltern ihr eingehämmert, wie arm sie waren, wie schwer das Geldverdienen war, dass man nichts verschwenden durfte.

Also bekam sie in der Schule kaum Taschengeld. Erst im Internat gab es ein paar Dutzend Euro im Monat. Und selbst die musste sie erbetteln – von sich aus gaben sie nie etwas. Wenn ihr das Ersparte ausging, musste sie nach Hause fahren und darum bitten, und wurde dafür jedes Mal angemeckert.

Seit der Uni hatte sie außer den Studiengebühren keinen Cent mehr von ihnen genommen.

Hundertachtzig Euro – das war ihr Taschengeld für mehrere Monate in der Schulzeit.

Sie hatte sich ewig einen Ruck geben müssen, bevor sie sich traute zu fragen. Und jetzt bekam ihr Bruder es einfach so.

Eine erstickende Welle erfasste sie. Plötzlich spürte Lena einen überwältigenden Drang, dieser Familie zu entkommen.

Und Tobias schien ihr einziger Rettungsanker zu sein.

Sie stürzte aus dem Haus und blieb unten vor dem Wohnblock stehen. Mit zitternden Händen holte sie ihr Handy hervor und wählte seine Nummer.

„Ja?“ Seine Stimme war wie immer klar und ruhig.

„Professor Strauß.“ Bei dem Klang seiner Stimme füllten sich ihre Augen mit Tränen, ohne dass sie wusste warum. Sie umklammerte das Handy und sagte mit bebender Stimme: „Lassen Sie uns heiraten.“

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