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Kapitel 9 — Der Stolz der Stille  

Autor: L'invincible
last update Última atualização: 2026-02-10 21:06:39

Léa

Am nächsten Morgen dringt das blasse Licht durch die zugezogenen Vorhänge. Der Tag erhebt sich langsam, als hätte er Angst, das zerbrechliche Gleichgewicht dieses viel zu stillen Raumes zu stören. Eine Art Licht, das noch nicht wärmt, aber grausam das beleuchtet, was man lieber im Schatten behalten hätte.

Ich bin schon lange wach. Auf dem kleinen Sofa liegend, mit steifem Nacken und schmerzenden Muskeln, starre ich an die Decke, ohne sie wirklich zu sehen. Ich höre. Kein Wort. Keine Bewegun
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  • Wo alles zusammenbricht   Kapitel 11 — Die Welt gegenüber

    NathanIch dachte, sie würde mich heute Morgen in Ruhe lassen. Nach der Dusche. Nach dem Kaffee. Nach diesem Augenblick, in dem sich unsere Hände berührten, ohne ein Wort. Ich hatte geglaubt, sie würde verstehen, dass das schon viel war. Dass es ausreichend war. Dass ich nicht mehr wollte. Nicht heute.Aber nein.Léa steht auf. Lässt mich einen Moment allein im Zimmer, kommt dann mit einem Tablett zurück. Sie setzt sich an die Bettkante mit dieser ruhigen Selbstsicherheit, die mich immer gestört hat, selbst als sie nur meine Assistentin war. Besonders seit sie viel mehr ist als das. Näher. Manchmal zu nah.— Du isst, sagt sie.Keine Frage. Kein „Möchten Sie?“. Nur ein Befehl. Sanft, aber bestimmt.So war sie schon immer. Selbst im Büro stellte sie keine Fragen. Sie wusste. Sie las zwischen den Zeilen. Sie antizipierte. Als ich noch aufrecht stand, noch Herr über alles um mich herum war, war Léa nicht nur ein Schatten hinter mir. Sie war das stille Getriebe, das die Uhr am Laufen hielt

  • Wo alles zusammenbricht   Kapitel 10 — Was übrig bleibt, wenn alles brennt  

    NathanDas Wasser wurde schließlich lauwarm und dann fast kalt. Ich war zu lange unter der Dusche geblieben. Nicht, weil ich es körperlich brauchte. Sondern weil ich den Moment hinauszögerte, an dem ich herauskommen würde. Den Moment, in dem ich mich dem stellen würde, was sie sehen würde.Mein Körper. Was davon übrig ist.Nicht nur die Wunden, die Narben, die Spannungslinien, die man nicht im Licht zeigt. Sondern alles, was ich nicht mehr tun kann. Die Stille meiner Beine. Die Leere zwischen dem, was ich war, und dem, was ich geworden bin.Als ich schließlich anrief — ein einfaches „Léa?“ kaum hörbar, zwischen meinen Zähnen erstickt — kam sie. Sofort. Kein Wort, keine Frage. Sie öffnete die Tür langsam, geräuschlos, als würde sie ein zerbrechliches Heiligtum betreten.Sie war da. Saß in einer Ecke des Badezimmers, den Rücken an die Wand gelehnt, die Arme um die Knie geschlungen. Sie hatte gewartet, bis ich bereit war. Sie sagte nichts. Bewegte sich nicht. Aber ich wusste, dass sie al

  • Wo alles zusammenbricht   Kapitel 9 — Der Stolz der Stille  

    LéaAm nächsten Morgen dringt das blasse Licht durch die zugezogenen Vorhänge. Der Tag erhebt sich langsam, als hätte er Angst, das zerbrechliche Gleichgewicht dieses viel zu stillen Raumes zu stören. Eine Art Licht, das noch nicht wärmt, aber grausam das beleuchtet, was man lieber im Schatten behalten hätte.Ich bin schon lange wach. Auf dem kleinen Sofa liegend, mit steifem Nacken und schmerzenden Muskeln, starre ich an die Decke, ohne sie wirklich zu sehen. Ich höre. Kein Wort. Keine Bewegung. Aber ich weiß, dass er wach ist. Ich spüre es in der Atmosphäre, in der angespannten Stille, die zwischen den Wänden schwebt. Sein Atem ist nicht mehr der eines Schlafenden. Er ist langsamer, tiefer, fast kontrolliert. Als würde er versuchen, sich unauffällig zu machen. Oder sich selbst zu überzeugen, dass er nicht hier ist.Ich stehe lautlos auf. Meine nackten Füße streifen über den kalten Boden. Ich durchquere den Raum in Stille, vermeide es, die Dielen knarren zu lassen. Die Kaffeemaschine

  • Wo alles zusammenbricht   Kapitel 8 — Verwüstung

    LéaDie Stille im Raum ist erstickend. Mein Herz schlägt schneller, meine Hände zittern leicht, während ich mir Mühe gebe, ruhig zu bleiben. Nathan sitzt vor mir, regungslos in seinem Sessel, sein Blick ins Leere gerichtet. Ich sehe seine müden Augen, seine zitternden Lippen. Selbst bewegungslos scheint er in einem Schmerz gefangen, den ich nicht mehr zu verstehen weiß. Es ist, als würde sein ganzer Körper sich weigern, seine eigene Qual zu akzeptieren. Als hätte er in dieser Lähmung die Fähigkeit verloren, zu kämpfen.Ich könnte fliehen. Es wäre die einfachste, logischste Lösung. Aber ich tue es nicht. Warum? Weil ich das Gefühl habe, ich müsste etwas beweisen. Nicht ihm. Nicht der Welt. Sondern mir selbst. Vielleicht habe ich mich zu sehr mitreißen lassen, zu sehr in dieses Geflecht von Gefühlen und Ängsten verstrickt. Vielleicht sollte ich endlich die Realität akzeptieren: Nathan will nicht gerettet werden.Ich komme ein Stück näher, breche die Distanz zwischen uns. Aber ich wage e

  • Wo alles zusammenbricht   Kapitel 7 — Brüche

    LéaIch wache mit einem Schreck auf. Der Morgen ist noch jung, ein blasses Licht filtert durch die Vorhänge. Ich liege auf der Couch, die Laken umschlingen mich wie ein zerbrochener Kokon. Die Erinnerung an die letzte Nacht verfolgt mich bereits. Nathan, seine Augen auf mich gerichtet, seine Hand ausgestreckt, dieser Kuss, den ich niemals für möglich gehalten hätte. Es war so real, so wahr, und doch scheint alles bereits zu entgleiten. Alles scheint bereits zerbrochen, bevor es überhaupt die Zeit hatte, sich wieder aufzubauen.Ich drehe meinen Kopf. Nathan ist da, reglos in seinem Sessel, sein Blick ins Leere gerichtet. Er hat sich nicht bewegt. Nicht einen Zentimeter. Vielleicht hat er sogar die ganze Nacht nicht geschlafen. Er ist erschöpft, und ich auch. Aber es ist die Angst, die mich erdrückt, diese dumpfe und heimtückische Angst, die mich seit dem Moment nagt, als ich diese Schwelle überschritt, als ich akzeptierte, in diesen Abgrund mit ihm zu fallen.Langsam stehe ich auf, mei

  • Wo alles zusammenbricht   Kapitel 6— Berührungen

    Léa Er sitzt dort, in dem Sessel, den er hasst. Aufrecht, die Hände auf den Armlehnen verschränkt, sein Blick fest in meinen. Immer zu intensiv. Immer zu echt.— Du wirkst abwesend, sagt er ruhig.Ich zucke mit den Schultern, versuche zu lächeln. Aber er ist es, der mich verunsichert. Seine Art, still zu bleiben, während alles in ihm vibriert. Seine scheinbare Ruhe ist ein Trugschluss. Ich kenne ihn. Innen brodelt er. Ich auch.Ich trete näher, zögerlich. Er kann nicht auf mich zukommen. Ich muss den Schritt machen. Und vielleicht ist es das, was mich erschreckt.— Ich habe nachgedacht.— Über was?Ich lehne mich ein wenig vor, tue so, als würde ich etwas auf dem Couchtisch suchen. Mein Arm streift seinen. Wärme. Elektrizität. Das allein. Ein einfaches Berühren. Und doch habe ich das Gefühl, dass es zu viel ist. Oder nicht genug.— Über dich, murmle ich ohne nachzudenken.Die Stille setzt ein. Er rührt sich nicht. Aber seine Finger verkrampfen sich ein wenig auf der Armlehne. Winzig

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