로그인Hoffnung.
Das Gefühl war so fremd, dass Gianna es fast nicht wiedererkannte. Seit Jahren hatte sie aufgehört, auf Gutes zu hoffen. Sie hatte aufgehört, sich Freundlichkeit, Akzeptanz und jemanden zu wünschen, der sie ansah und mehr in ihr sah als nur eine Enttäuschung. Doch als sie vor dem prächtigen Saal stand und die Worte des Dieners in ihrem Kopf nachhallten, regte sich etwas in ihr. Ein Partner. Die Mondgöttin wählte für jeden Wolf einen Menschen aus. Eine Seele. Ein Zuhause. Gianna presste eine zitternde Hand gegen ihre Brust. Vielleicht war sie doch nicht vergessen worden. Sie holte tief Luft und betrat den Ballsaal. Der Saal war prächtig. Hunderte von Kerzen hingen an goldenen Kronleuchtern und tauchten den Raum in warmes Licht. Die Luft roch nach gebratenem Fleisch, süßem Wein und teurem Parfüm, und Musik schwebte herüber von den Musikern, die sich in der Nähe des Kamins versammelt hatten. Gelächter erfüllte jeden Winkel. Gianna wünschte sich sofort, sie wäre in ihrem Zimmer geblieben. Die Gespräche verstummten, als die Leute sie bemerkten. Geflüster folgte ihr durch den Saal. „Sie ist tatsächlich gekommen.“ „Die Tochter ohne Wolf.“ „Was, wenn sie niemals ihren Partner findet?“ „Sie ist schon achtzehn.“ Gianna senkte den Blick und bewegte sich zum Rand des Raumes, in der Hoffnung, in der Menge unterzugehen. In der Mitte des Saals standen die mächtigsten Familien von Shadowmoon. Ihr Vater, Alpha Enzo, stand stolz neben ihrer Mutter. Matteo lachte mit seinen Freunden in der Nähe, während Bianca in ihrem silbernen Kleid herumwirbelte und die Aufmerksamkeit genoss. Neben der Alpha-Familie stand Marco De Luca. Gianna erstarrte. Jeder kannte Marco. Als Sohn des Betas wurde von ihm erwartet, einer der stärksten Krieger des Rudels zu werden. Er war groß und gutaussehend, mit dunklem Haar und scharfen Augen, die Mädchen erröten ließen, wann immer er vorbeiging. Er war zwanzig Jahre alt und führte bereits Jagdgruppen in das Gebiet der Abtrünnigen. Die Hälfte der ungebundenen Mädchen in Shadowmoon träumte davon, seine Luna zu werden. Neben ihm stand Chiara. Ihr rotes Kleid schmiegte sich perfekt an ihre Figur, und ihre Hand ruhte besitzergreifend auf Marcos Arm. Gianna wandte schnell den Blick ab. Sie kannte Marco kaum. Sie hatten im Laufe der Jahre nur wenige Worte gewechselt, doch dennoch konnte sie nicht leugnen, dass sie ihn aus der Ferne bewunderte. Er war alles, was sie nicht war. Stark. Selbstbewusst. Begehrt. Plötzlich hörten die Musiker auf zu spielen. Vorne im Saal betrat der Mondpriester die erhöhte Bühne, und es wurde still in der Menge. „Meine Brüder und Schwestern“, verkündete der alte Mann, und seine Stimme hallte durch den Raum. „Heute Abend feiern wir unter dem Segen der Mondgöttin die heiligen Bindungen, die sie für unser Volk bestimmt hat.“ Aufregung ging durch den Saal. Paare drückten einander die Hände. Gianna stand allein da. Der Mondpriester lächelte. „Möge jedes Herz seine Heimat finden.“ Die Musik setzte wieder ein, diesmal leiser. Im Saal begannen sich die Menschen zu vermischen, auf der Suche nach jener seltsamen Anziehungskraft, die eine Seelenverwandtschaft kennzeichnete. Gianna versuchte, den Schmerz in ihrer Brust zu ignorieren. Sie gehörte nicht hierher. Sie wollte gerade nach draußen schlüpfen, als ein Duft sie traf. Plötzlich. Scharf. Wild. Ihr Herz setzte einen Schlag aus. Der Geruch von Kiefer und Rauch umhüllte sie wie eine unsichtbare Hand. Ihr Körper reagierte, noch bevor ihr Verstand begreifen konnte, was geschah. Wärme breitete sich in ihren Adern aus, und ihr Puls beschleunigte sich. Sie blickte auf. Auf der anderen Seite des Ballsaals war Marco völlig erstarrt. Sein Lächeln verschwand. Das Glas in seiner Hand glitt ihm aus den Fingern und zersprang auf dem Boden. Jedes Gespräch verstummte. Marco starrte sie direkt an, seine Augen weiteten sich ungläubig. Für einen unwahrscheinlichen Moment vergaß Gianna zu atmen. Die Verbindung. Es musste so sein. Ihr Partner hatte sie gefunden. Tausend Gefühle überfluteten sie auf einmal. Angst. Freude. Erleichterung. Vielleicht hatte die Mondgöttin ihr Gebet doch erhört. Langsam machte sie einen Schritt auf ihn zu. „Marco.“ Das Wort war kaum über ihre Lippen gekommen, da veränderte sich etwas in seinem Gesichtsausdruck. Der Schock verschwand, und an seine Stelle trat Wut. Reine, brennende Wut. „Nein.“ Seine Stimme donnerte durch den Saal. Die Leute drehten sich um und starrten sie an. Marco schüttelte heftig den Kopf und wich von ihr zurück, als trüge sie eine Krankheit in sich. „Nein“, wiederholte er. Gianna blieb stehen. Verwirrung überkam sie. Marcos Gesicht verzog sich vor Ekel. „Du kannst nicht meine Gefährtin sein.“ Im Raum brach ein Raunen aus. Chiara verstärkte ihren Griff um seinen Arm. Gianna spürte, wie ihr das Blut aus dem Gesicht wich. „Ich verstehe das nicht.“ Marco lachte bitter. „Natürlich verstehst du das.“ Er trat einen Schritt vor, seine Stimme wurde lauter. „Die Mondgöttin erwartet von mir, dass ich das akzeptiere? Sie erwartet, dass ich mich mit einem Mädchen ohne Wolfspflege paare?“ Gianna zuckte zusammen. Er zeigte auf sie. „Ein schwaches Mädchen, das sich nicht verwandeln kann. Eine Last, die ihrer eigenen Familie Schande bereitet.“ Jedes Wort traf sie wie ein Schlag. „Marco“, flüsterte sie. Doch er hörte ihr nicht mehr zu. Seine Wut erfüllte den Raum. „Ich soll eines Tages Alpha werden.“ Er blickte zu den versammelten Rudelmitgliedern. „Ich brauche eine starke Luna an meiner Seite.“ Sein Blick kehrte zu Gianna zurück. „Nicht sie.“ Das Geflüster wurde lauter. Gianna suchte die Gesichter um sich herum ab. Niemand verteidigte sie. Nicht ihr Vater. Nicht ihre Mutter. Nicht ihre Geschwister. Niemand. Marco ergriff Chiaras Hand. Das schöne Mädchen lächelte triumphierend. „Ich lehne dich ab, Gianna Enzo.“ Die Worte zerschmetterten etwas tief in ihrem Inneren. Ein Raunen ging durch den Saal. „Du bist schwach.“ Seine Stimme war gnadenlos. „Du bist nutzlos. Du wirst niemals an meiner Seite stehen.“ Chiara trat näher und schlang ihre Arme um ihn. Marco stieß sie nicht weg. Stattdessen zog er sie in seine Umarmung. „Ich entscheide mich für Chiara.“ Der Saal explodierte förmlich. Einige Leute schnappten vor Schock nach Luft. Andere lachten offen. Gianna konnte sie vor lauter Rauschen in ihren Ohren kaum hören. Ihre Beine fühlten sich schwach an. Ihre Brust brannte. Das war unmöglich. Partner waren heilig. Niemand wies seinen Seelenverwandten zurück. Nicht öffentlich. Nicht so. Verzweifelt wandte sie sich ihren Eltern zu. Der Gesichtsausdruck ihres Vaters war kälter als Eis. Ihre Mutter wirkte verlegen. Matteo grinste. Bianca hielt sich die Hand vor den Mund, um ihr Lachen zu verbergen. Der Schmerz wurde unerträglich. Gianna taumelte rückwärts. „Bitte“, flüsterte sie. Marco sah sie verächtlich an. „Du solltest dankbar sein, dass ich dich jetzt zurückweise und nicht erst nach der Hochzeit.“ Gelächter hallte durch den Ballsaal. „Selbst ihr Partner will sie nicht“, murmelte jemand. „Sie ist wirklich verflucht“, fügte eine andere Stimme hinzu. Gianna bekam keine Luft mehr. Die Verbindung, die noch vor wenigen Augenblicken gefunkt hatte, fühlte sich nun an wie Messer, die ihr die Brust aufschlitzten. Sie schlang die Arme um sich selbst und versuchte, die Teile zusammenzuhalten, die auseinanderfielen. Chiara lehnte ihren Kopf an Marcos Schulter und lächelte sie an. „Du hattest nie eine Chance.“ Tränen trübten Giannas Blick. Der Raum drehte sich um sie herum. Sie machte einen weiteren Schritt zurück. Dann noch einen. Plötzlich ertönte die Stimme ihrer Mutter. „Genug.“ Im Saal wurde es still. Für eine törichte Sekunde dachte Gianna, Elena würde sie vielleicht verteidigen. Stattdessen seufzte ihre Mutter schwer. „Du hast diese Familie wieder einmal blamiert.“ Die Worte zerschmetterten die letzte zerbrechliche Hoffnung in ihr. „Ich habe versucht …“ „Schweige.“ Elenas Gesicht verhärtete sich. „Geh zurück in dein Zimmer.“ Gianna starrte sie an. „Ich habe nichts Falsches getan.“ Der Satz entfuhr ihr, bevor sie ihn zurückhalten konnte. Eine schockierte Stille legte sich über den Raum. Alpha Enzo trat langsam vor. Zum ersten Mal an diesem Abend sah er seine Tochter direkt an, und die Enttäuschung in seinen Augen tat mehr weh, als Marcos Ablehnung es jemals könnte. „Du hättest niemals hierherkommen dürfen.“ Die Worte trafen sie härter als eine Ohrfeige. Giannas Lippen öffneten sich, doch es kam kein Ton heraus. Um sie herum flüsterten die Leute. Spotteten. Lachten. Die Tochter des Alphas stand völlig allein in der Mitte des prächtigen Saals. Marco wandte sich als Erster ab. Chiara klammerte sich an seinen Arm, als sie auf die Tanzfläche zugingen. Die Musiker begannen wieder zu spielen, und das Fest ging weiter, als wäre Giannas Herz nicht gerade zerrissen worden. Schließlich gaben ihre Knie nach. Sie sank auf den kalten Marmorboden. Das Letzte, was sie sah, bevor die Dunkelheit sie verschlang, war Onkel Aldo, der am Rand der Menschenmenge stand, sie beobachtete und lächelte.Das Tuch in Massimos Hand zerfiel unter der Wucht seines Griffs in Stücke.Stille legte sich über den Raum. Luca blickte langsam von dem zerfetzten Tuch zu seinem Alpha.„Massimo.“„Geh.“Dieses eine Wort war so eiskalt, dass es die Luft zum Gefrieren brachte. Luca widersprach nicht. Er kannte Massimo schon lange genug, um die Warnung in seinen Augen zu erkennen.Amara räumte ihre Medikamente weg, bevor sie Gianna einen letzten Blick zuwarf. „Das Fieber lässt endlich nach.“Massimo sagte nichts.„Wenn sie aufwacht“, fuhr Amara sanft fort, „erhebe nicht deine Stimme. Sie hat vor allem um sich herum schreckliche Angst.“Massimos Kiefer spannte sich an. „Ich weiß.“Die Heilerin nickte. „Ich komme morgen früh wieder.“Einer nach dem anderen verließen alle die Krankenstation. Die schwere Holztür schloss sich. Nur das Knistern des Kamins war noch zu hören.Massimo stand neben dem Bett und starrte das schlafende Mädchen an. Marco. Der Name hallte in seinem Kopf wider.Draco lief unruhig auf
Das bewusstlose Mädchen fest an sich gedrückt, wandte sich der gefürchtete Alpha von Crescent Howl vom Meer ab und verschwand im mondbeschienenen Wald.Massimo rannte mit unglaublicher Geschwindigkeit durch die Bäume. Äste peitschten an ihm vorbei. Blätter wirbelten unter seinen Stiefeln auf. Das Mädchen lag regungslos in seinen Armen, fest in seinen schwarzen Mantel gehüllt. Ihr Atem ging flach. Zu flach. Von Zeit zu Zeit durchlief ein schwacher Schauer ihren Körper.Draco schritt unruhig in ihm auf und ab. Schneller.„Ich bewege mich doch schon.“Sie schwindet dahin.Massimos Kiefer spannte sich an. Er hasste es, wie besorgt sein Wolf klang. Er hasste es, dass er anfing, dasselbe zu empfinden.Endlich kamen die Steinmauern von Crescent Howl Manor in Sicht. Die Wachen am Tor erstarrten.„Der Alpha ist zurück!“Einer von ihnen eilte herbei, blieb dann aber abrupt stehen; seine Augen weiteten sich beim Anblick der jungen Frau in Massimos Armen.„Mein Alpha.“Massimos purpurrote Augen h
Gianna wusste nicht mehr, wo oben und unten war. Das eiskalte Meer umschlang sie wie tausend eisige Hände und zog sie tiefer in die Dunkelheit hinein. Jeder Teil ihres Körpers schrie vor Schmerz.Sie versuchte, sich zu bewegen. Ihre Arme fühlten sich zu schwer an. Ihre Beine wollten ihr nicht gehorchen. Das Wasser raubte ihr die letzte Wärme von der Haut.Sie öffnete den Mund, um Luft zu holen. Salzwasser strömte in ihre Lungen. Qualen durchzuckten ihre Brust. Ihre Augen flogen auf, doch alles, was sie sehen konnte, war Dunkelheit, durchbrochen von schwachen silbernen Mondlichtstreifen hoch oben. So weit weg. Zu weit.Ein verzweifelter Instinkt sagte ihr, sie solle schwimmen, um zu überleben. Sie strampelte schwach mit den Beinen. Nichts geschah. Die Schwere des Meeres zog sie unaufhörlich nach unten. Ihr Haar schwebte wie dunkle Wolken um sie herum, und winzige Bläschen entwichen ihren Lippen und trieben zur Oberfläche.Gianna sah zu, wie sie verschwanden. Sie sind frei, dachte sie.
Bevor sie schreien konnte, packten grobe Hände ihre Arme und zerrten sie hinaus in die Nacht.Gianna wehrte sich instinktiv. „Bitte! Lasst mich los!“Einer der maskierten Männer presste ihr eine Hand auf den Mund. „Sei still.“ Seine Stimme war leise und unbekannt.Schrecken durchströmte ihren Körper. Sie trat wild um sich, doch Erschöpfung und Tage ohne richtige Nahrung hatten sie geschwächt. Ihre Füße schabten über den gefrorenen Boden, während die Männer sie durch das schlafende Rudelhaus zerrten. Es wurde kein Alarm ausgelöst. Keine Türen öffneten sich. Niemand kam, um ihr zu helfen.Die kalte Nachtluft schlug ihr ins Gesicht, als sie sie nach draußen zerrten. Der Mond hing hoch über Shadowmoon, hell und wunderschön, als wüsste er nichts von der Dunkelheit unter ihm.Gianna suchte verzweifelt nach jemandem. Einem Wächter. Einem Diener. Irgendjemandem. Der Innenhof war leer. Die maskierten Männer führten sie ohne Widerstand durch das Haupttor. Die Wachen schauten einfach weg.Ihr sa
Er sah sie direkt an.Und lächelte.Gianna hielt den Atem an.Die Kratzer, die sie Aldo ins Gesicht gerissen hatte, waren unübersehbar. Drei knallrote Spuren verliefen von seiner Wange bis zum Kinn und hoben sich deutlich von seiner blassen Haut ab. Einer der Krieger neben ihm bemerkte sie und stieß die anderen an.„Da ist sie.“Der Klang ihrer Stimmen schien sie aus ihrer Angst zu wecken. Einen Moment lang überlegte sie, sich umzudrehen und zurück in den Wald zu rennen. Aber wohin sollte sie gehen? Sie hatte kein Geld. Keine Verbündeten. Keinen Wolf. Nur die Kleidung, die sie am Leib trug, und die Gewissheit, dass es nirgendwo in Shadowmoon wirklich sicher war.Aldo verschränkte die Arme, als sie sich langsam dem Tor näherte. „Du hast uns ganz schön einen Schrecken eingejagt, Gianna.“ Seine Stimme klang ruhig, fast sanft, als hätte er sie nicht erst vor wenigen Stunden in einem dunklen Flur in die Enge getrieben.Gianna senkte den Blick. „Ich war spazieren.“Einer der Krieger schnaub
Liebe Leserinnen und Leser,vielen Dank, dass ihr euch für „Zerbrochene Luna“ entschieden habt. Es bedeutet mir wirklich sehr viel, dass ihr euch entschlossen habt, diese Reise mit Gianna und Massimo zu beginnen.Diese Geschichte ist voller Herzschmerz, Heilung, Rache und einer Liebe, die niemals aufgibt. Ich hoffe, du wirst lachen, weinen, dich ärgern und jeden Sieg gemeinsam mit diesen Figuren feiern.Ich habe vor, dieses Buch mindestens viermal pro Woche zu aktualisieren, und wann immer möglich, werde ich noch mehr Kapitel hochladen, um die Geschichte voranzutreiben. Deine Geduld und deine Unterstützung bedeuten mir alles.Wenn euch die Geschichte gefällt, wäre ich euch unglaublich dankbar, wenn ihr die Kapitel mit „Gefällt mir“ markieren, einen Kommentar hinterlassen und das Buch zu eurer Bibliothek hinzufügen würdet. Eure Unterstützung hilft dabei, dass diese Geschichte mehr Leser erreicht, und motiviert mich, weiterzuschreiben.Vielen Dank, dass ihr „Zerbrochene Luna“ eine Chanc







