تسجيل الدخولGianna wusste nicht mehr, wo oben und unten war. Das eiskalte Meer umschlang sie wie tausend eisige Hände und zog sie tiefer in die Dunkelheit hinein. Jeder Teil ihres Körpers schrie vor Schmerz.
Sie versuchte, sich zu bewegen. Ihre Arme fühlten sich zu schwer an. Ihre Beine wollten ihr nicht gehorchen. Das Wasser raubte ihr die letzte Wärme von der Haut.
Sie öffnete den Mund, um Luft zu holen. Salzwasser strömte in ihre Lungen. Qualen durchzuckten ihre Brust. Ihre Augen flogen auf, doch alles, was sie sehen konnte, war Dunkelheit, durchbrochen von schwachen silbernen Mondlichtstreifen hoch oben. So weit weg. Zu weit.
Ein verzweifelter Instinkt sagte ihr, sie solle schwimmen, um zu überleben. Sie strampelte schwach mit den Beinen. Nichts geschah. Die Schwere des Meeres zog sie unaufhörlich nach unten. Ihr Haar schwebte wie dunkle Wolken um sie herum, und winzige Bläschen entwichen ihren Lippen und trieben zur Oberfläche.
Gianna sah zu, wie sie verschwanden. Sie sind frei, dachte sie. Der seltsame Gedanke ließ sie fast lächeln. Sie fragte sich, ob das Sterben sich immer so still anfühlte.
Der Schmerz begann langsam nachzulassen. Die Angst folgte ihm. Alles rückte in die Ferne. Die Stimmen, die sie seit Jahren verfolgt hatten, hallten schwach in ihrem Kopf wider.
Du bist nutzlos.
Du bist verflucht.
Du bringst diese Familie in Verlegenheit.
Ich lehne dich ab.
Jede Stimme wurde leiser als die vorherige, als würde das Meer selbst sie wegspülen. Zum ersten Mal seit Jahren herrschte Stille. Echte Stille. Keine Beleidigungen. Kein Gelächter. Keine Schritte, die ihr folgten. Keine Angst vor Aldos Lächeln. Nur der gleichmäßige Rhythmus des Meeres.
Eine einzelne Träne rollte ihr über die Wange und verschwand im Wasser. Ich habe es versucht, dachte sie. Ich habe es wirklich versucht.
Sie dachte an ihre Großmutter, die einzige Person, die sie jemals ohne zu zögern umarmt hatte, die einzige Person, die ihr jemals die Haare gebürstet hatte, während sie alte Rudellieder summte.
Eines Tages, hatte ihre Großmutter vor Jahren geflüstert, wird dir die Mondgöttin zeigen, warum dein Weg anders ist.
Gianna hatte diesen Worten geglaubt. Eine Zeit lang. Bis die Geburtstage vergingen. Bis kein Wolf kam. Bis die Hoffnung zu schmerzhaft wurde, um sie festzuhalten.
Eine weitere Welle wirbelte ihren Körper sanft herum. Sie wehrte sich nicht mehr dagegen. Wenn das das Ende ist, so wurden ihre Gedanken immer langsamer, bin ich müde. Sehr müde.
Die Dunkelheit hieß sie willkommen.
Dann regte sich ein winziges Flattern in ihrer Brust. So schwach, dass sie glaubte, sie hätte es sich nur eingebildet. Ihre Augen weiteten sich.
Ein weiterer Schlag. Leise. Sanft. Fast schüchtern.
Bumm. Bumm. Bumm.
Wärme breitete sich in ihrem Herzen aus. Das war unmöglich. Die Wärme wurde stärker, nicht stark genug, um das eiskalte Wasser zu vertreiben, aber stark genug, dass sie es wahrnahm. Stark genug, damit sie sich weniger allein fühlte.
Eine Stimme. Nein, keine Stimme. Ein Gefühl. Zerbrechlich. Schläfrig. Traurig. Es streifte ihre Gedanken wie eine Feder.
Gianna versuchte, danach zu greifen. Wer ist da?
Es kam keine Antwort. Nur ein weiterer Herzschlag. Dann noch einer. Die Wärme breitete sich in ihren Adern aus. Silbernes Licht schimmerte tief unter ihrer Haut, bevor es wieder verblasste. Es dauerte nur einen Augenblick, aber es war echt.
Irgendwo tief in ihrem Inneren war etwas lebendig. Etwas, das achtzehn Jahre lang geschwiegen hatte.
Ein plötzliches Bild schoss ihr durch den Kopf. Ein Wald, gehüllt in silbernen Nebel. Die Luft roch nach Regen und Wildblumen. Mondlicht ergoss sich zwischen hoch aufragenden Bäumen.
Mitten auf der Lichtung stand ein Wolf. Sie war anders als jeder Wolf, den Gianna je gesehen hatte. Ihr Fell schimmerte wie Mondlicht auf frischem Schnee. Silber. Wunderschön. Uralt.
Der Wolf sah sie mit sanften Augen an, Augen voller endloser Traurigkeit.
Gianna machte einen Schritt nach vorne. „Bist du …“
Die Wölfin senkte den Kopf. „Ich habe auf dich gewartet.“
Die Worte klangen nicht wie Sprache. Sie flossen direkt in Giannas Herz.
Tränen traten ihr in die Augen. „Du existierst.“
Die Wölfin nickte langsam. „Mein Name …“
Das Bild flackerte. Die Lichtung bebte. Das Meer brandete um sie herum. Die Vision begann zu zerfallen.
auseinander.
„Nein.“ Gianna streckte die Hand aus. „Bitte geh nicht weg.“
Der Wolf trat näher, ihre Stirnen berührten sich fast. „Du warst nie …“ Die Worte gingen im Rauschen des Wassers unter. „… allein.“
Die Vision zerbrach.
Giannas Augen flogen unter der Meeresoberfläche auf. Die Wärme in ihrer Brust brannte nun heller. Nicht genug, um sie zu retten. Nur genug, um sie zu trösten.
Mit herzzerreißender Klarheit wurde ihr etwas bewusst. Sie hatte einen Wolf. Sie hatte schon immer einen gehabt. Aber sie war unter Jahren der Angst, Jahren der Einsamkeit, Jahren des Schmerzes begraben gewesen.
Es tut mir leid, dachte Gianna verzweifelt. Es tut mir so leid.
Ein weiterer Herzschlag antwortete ihr. Sanft. Vergebend. Beschützend. Als ob der schlafende Wolf sie verstehen würde, als ob sie Gianna niemals für irgendetwas die Schuld gegeben hätte.
Die Wärme breitete sich ein letztes Mal in ihrem Körper aus. Dann begann sie zu schwinden. Das Wasser gewann die Oberhand. Ihre Sicht verschwamm. Das Mondlicht über ihr wurde kleiner. Weiter entfernt. Sie konnte ihre Hände nicht mehr spüren. Auch ihre Füße nicht. Nur das leise Schlagen in ihrem Herzen blieb zurück.
Dann Dunkelheit. Völlige Dunkelheit.
Sie schwebte schwerelos. Ohne Schmerz. Ohne Angst.
Ein fernes Heulen hallte durch die Leere. Ein Heulen. Dann noch eines. Dann Dutzende. Der Klang rollte wie Donner durch die Dunkelheit.
Gianna drehte sich langsam um. Zwei purpurrote Augen tauchten vor ihr auf. Sie brannten wie Feuer. Wild. Uralt. Mächtig. Sie machten ihr keine Angst. Stattdessen beobachteten sie sie. Wartend.
Die Augen gehörten einem Wolf, der größer war, als sie es sich jemals hätte vorstellen können. Den Rest von ihm konnte sie nicht sehen. Nur diese brennenden, purpurroten Augen. Er stand irgendwo jenseits der Dunkelheit, sein Blick ließ sie nicht los.
Das Heulen ertönte erneut. Diesmal näher. Der Klang erschütterte die Leere um sie herum.
Etwas antwortete aus Giannas Innerem. Ein winziger silberner Schimmer flackerte in ihrer Brust.
Die purpurroten Augen verengten sich, als hätten sie etwas Kostbares entdeckt.
Dann verschwand alles.
Hoch über dem Meer, auf den Klippen, drehte der Wind die Richtung. Meilenweit entfernt, jenseits von Wäldern und Bergen, lag ein weiteres Alpha-Revier unter demselben Vollmond.
In einem steinernen Herrenhaus mit Blick auf das Meer riss ein Mann sich ruckartig von seinem Stuhl hoch. Sein Atem ging unregelmäßig. Sein Herzschlag donnerte. Er presste eine Hand gegen seine Brust.
„Was ist das?“
Es kam keine Antwort. Nur ein überwältigender Sog. Eine Kraft, wie er sie noch nie zuvor gespürt hatte. Sie krallte sich in seine Seele. Fordern. Rufen. Flehen.
Sein Wolf brach in seinem Kopf mit einem so wilden Brüllen hervor, dass es jede Mauer seiner Selbstbeherrschung erschütterte.
Geh.
Der Befehl war unumstößlich. Er taumelte auf das Fenster zu. Der Geruch erreichte ihn sogar über die Entfernung hinweg. Salz. Blut. Mondlicht. Und etwas Unvorstellbar Süßes.
Seine blutroten Augen weiteten sich. Sein Wolf brüllte erneut.
Gefährtin.
Das Wort hallte durch jeden Teil seines Wesens. Ohne einen weiteren Gedanken rannte er los.
Draußen schrien Wachen verwirrt, als der gefürchtete Alpha über den Hof raste. Knochen knackten. Muskeln spannten sich an. Ein riesiger schwarzer Wolf schoss aus den Schatten hervor, größer als jeder gewöhnliche Wolf. Sein Fell war so dunkel wie Mitternacht. Seine purpurroten Augen loderten im Mondlicht.
Er wurde nicht langsamer. Er raste mit furchterregender Geschwindigkeit durch den Wald. Äste brachen unter seinem Gewicht. Die Erde bebte unter jedem Schritt. Der Geruch wurde stärker. Näher. Näher.
Bis schließlich das Meer in Sicht kam.
Ohne zu zögern stürzte sich der riesige schwarze Wolf von der Klippe. Er tauchte wie ein fallender Schatten in den eiskalten Ozean ein.
Tief unter den Wellen entdeckten seine brennenden purpurroten Augen ein regungsloses Mädchen, das auf den Grund trieb. Und mit unvorstellbarer Sanftheit schlossen sich seine mächtigen Kiefer um den Kragen ihres zerrissenen Kleides.
Gianna wusste nicht mehr, wo oben und unten war. Das eiskalte Meer umschlang sie wie tausend eisige Hände und zog sie tiefer in die Dunkelheit hinein. Jeder Teil ihres Körpers schrie vor Schmerz.Sie versuchte, sich zu bewegen. Ihre Arme fühlten sich zu schwer an. Ihre Beine wollten ihr nicht gehorchen. Das Wasser raubte ihr die letzte Wärme von der Haut.Sie öffnete den Mund, um Luft zu holen. Salzwasser strömte in ihre Lungen. Qualen durchzuckten ihre Brust. Ihre Augen flogen auf, doch alles, was sie sehen konnte, war Dunkelheit, durchbrochen von schwachen silbernen Mondlichtstreifen hoch oben. So weit weg. Zu weit.Ein verzweifelter Instinkt sagte ihr, sie solle schwimmen, um zu überleben. Sie strampelte schwach mit den Beinen. Nichts geschah. Die Schwere des Meeres zog sie unaufhörlich nach unten. Ihr Haar schwebte wie dunkle Wolken um sie herum, und winzige Bläschen entwichen ihren Lippen und trieben zur Oberfläche.Gianna sah zu, wie sie verschwanden. Sie sind frei, dachte sie.
Bevor sie schreien konnte, packten grobe Hände ihre Arme und zerrten sie hinaus in die Nacht.Gianna wehrte sich instinktiv. „Bitte! Lasst mich los!“Einer der maskierten Männer presste ihr eine Hand auf den Mund. „Sei still.“ Seine Stimme war leise und unbekannt.Schrecken durchströmte ihren Körper. Sie trat wild um sich, doch Erschöpfung und Tage ohne richtige Nahrung hatten sie geschwächt. Ihre Füße schabten über den gefrorenen Boden, während die Männer sie durch das schlafende Rudelhaus zerrten. Es wurde kein Alarm ausgelöst. Keine Türen öffneten sich. Niemand kam, um ihr zu helfen.Die kalte Nachtluft schlug ihr ins Gesicht, als sie sie nach draußen zerrten. Der Mond hing hoch über Shadowmoon, hell und wunderschön, als wüsste er nichts von der Dunkelheit unter ihm.Gianna suchte verzweifelt nach jemandem. Einem Wächter. Einem Diener. Irgendjemandem. Der Innenhof war leer. Die maskierten Männer führten sie ohne Widerstand durch das Haupttor. Die Wachen schauten einfach weg.Ihr sa
Er sah sie direkt an.Und lächelte.Gianna hielt den Atem an.Die Kratzer, die sie Aldo ins Gesicht gerissen hatte, waren unübersehbar. Drei knallrote Spuren verliefen von seiner Wange bis zum Kinn und hoben sich deutlich von seiner blassen Haut ab. Einer der Krieger neben ihm bemerkte sie und stieß die anderen an.„Da ist sie.“Der Klang ihrer Stimmen schien sie aus ihrer Angst zu wecken. Einen Moment lang überlegte sie, sich umzudrehen und zurück in den Wald zu rennen. Aber wohin sollte sie gehen? Sie hatte kein Geld. Keine Verbündeten. Keinen Wolf. Nur die Kleidung, die sie am Leib trug, und die Gewissheit, dass es nirgendwo in Shadowmoon wirklich sicher war.Aldo verschränkte die Arme, als sie sich langsam dem Tor näherte. „Du hast uns ganz schön einen Schrecken eingejagt, Gianna.“ Seine Stimme klang ruhig, fast sanft, als hätte er sie nicht erst vor wenigen Stunden in einem dunklen Flur in die Enge getrieben.Gianna senkte den Blick. „Ich war spazieren.“Einer der Krieger schnaub
Liebe Leserinnen und Leser,vielen Dank, dass ihr euch für „Zerbrochene Luna“ entschieden habt. Es bedeutet mir wirklich sehr viel, dass ihr euch entschlossen habt, diese Reise mit Gianna und Massimo zu beginnen.Diese Geschichte ist voller Herzschmerz, Heilung, Rache und einer Liebe, die niemals aufgibt. Ich hoffe, du wirst lachen, weinen, dich ärgern und jeden Sieg gemeinsam mit diesen Figuren feiern.Ich habe vor, dieses Buch mindestens viermal pro Woche zu aktualisieren, und wann immer möglich, werde ich noch mehr Kapitel hochladen, um die Geschichte voranzutreiben. Deine Geduld und deine Unterstützung bedeuten mir alles.Wenn euch die Geschichte gefällt, wäre ich euch unglaublich dankbar, wenn ihr die Kapitel mit „Gefällt mir“ markieren, einen Kommentar hinterlassen und das Buch zu eurer Bibliothek hinzufügen würdet. Eure Unterstützung hilft dabei, dass diese Geschichte mehr Leser erreicht, und motiviert mich, weiterzuschreiben.Vielen Dank, dass ihr „Zerbrochene Luna“ eine Chanc
Das Geräusch des Riegels, der einrastete, hallte durch die Dunkelheit. Und Gianna wurde klar, dass sie völlig allein waren.Einen Moment lang rührte sich keiner von beiden. Die Kerzen an den Steinwänden flackerten und warfen seltsame Schatten auf Aldos Gesicht. Sein Lächeln verschwand nicht, doch in seinen Augen lag etwas, das Gianna das Blut in den Adern gefrieren ließ.„Warum hast du Angst?“, fragte er leise.Gianna zwang sich zu sprechen. „Ich habe keine Angst.“Aldo lachte leise vor sich hin. „Du warst schon immer eine furchtbare Lügnerin.“Sie wich noch einen Schritt zurück und drückte sich gegen die Wand. Ihr Herz hämmerte so heftig, dass sie glaubte, er könnte es hören.„Du hast unser Gespräch mitgehört.“ Es war keine Frage.Gianna schüttelte schnell den Kopf. „Nein.“„Dein Vater hat dich bereits aufgegeben.“ Die Worte trafen sie härter, als sie erwartet hatte.Aldo trat näher. „Deine Mutter verachtet dich. Dein Bruder und deine Schwester verspotten dich. Sogar dein Partner hat
Das Letzte, was sie sah, bevor die Dunkelheit sie verschlang, war Onkel Aldo, der am Rand der Menschenmenge stand, sie beobachtete und lächelte.Schmerz riss Gianna zurück ins Bewusstsein. Ihr Kopf pochte, und die Stimmen um sie herum klangen fern, als befände sie sich unter Wasser. Langsam öffnete sie die Augen.Der große Saal war fast leer. Die Musik war verstummt. Bedienstete bewegten sich leise zwischen umgestürzten Stühlen und halb leeren Gläsern hin und her. Die meisten Gäste hatten sich bereits für diese Nacht verabschiedet.Für einen Moment vergaß Gianna, wo sie war. Dann kam alles wieder zurück. Marco. Die Zurückweisung. Das Gelächter. Chiara in seinen Armen.Ein leises Schluchzen entfuhr ihren Lippen.„Du bist wach.“Die kalte Stimme gehörte ihrer Mutter. Gianna drehte den Kopf. Elena stand neben ihr, immer noch in ihrem eleganten Abendkleid, doch ihr Gesichtsausdruck ließ nichts von der Anmut erkennen, die ihr Äußeres vermuten ließ.„Mutter.“„Steh auf.“Gianna richtete sic







