Mag-log inSelinaFür einige Sekunden, nachdem die Schockwelle verschwunden war, konnte ich nichts außer meinem eigenen Atem hören. Die Akademie, deren Mauern schon immer von einem leisen magischen Summen erfüllt gewesen waren, war in eine so vollkommene Stille gefallen, dass sie sich falsch anfühlte.Langsam blickte ich mich in der Kammer um, und ein kalter Schauer lief mir über die Haut, als ich erkannte, dass jeder einzelne Runenstein vollständig erloschen war.„Die Leylinien“, flüsterte Elian, während er den Korridor anstarrte, in dem die leuchtenden Runen verschwunden waren.Er trat näher an eine der Wände und presste seine Handfläche dagegen. Sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich, als nichts auf seine Berührung reagierte. „Ich kann sie nicht mehr spüren.“Ich konnte es ebenfalls nicht, und das machte mir mehr Angst als die Dunkelheit selbst. Ich griff nach der Magie, die die Akademie schon immer umgeben hatte, und erwartete den vertrauten Druck auf meinen Sinnen, doch da war nichts.Es w
SelinaKael kniete vor mir, seine Hände zitterten auf dem steinernen Boden, während schwarze Adern unter der Haut seines Halses entlangkrochen.Seine Augen wechselten zwischen ihrer normalen Farbe und einem tiefen, unnatürlichen Schwarz, und als er sein Gesicht zu mir hob, sah ich etwas darin, das meine Brust eng werden ließ.„Bitte“, flüsterte er mit brechender Stimme, während er gegen etwas ankämpfte, das sich in seinem Inneren bewegte. „Wenn ich die Kontrolle verliere, töte mich.“Ich verstärkte meinen Griff um meine Waffe, doch ich konnte sie nicht heben. In Kaels Gesicht lag Angst, aber unter dieser Angst war noch etwas anderes, etwas schmerzlich Menschliches, das mir zeigte, dass er noch immer da war.„Ich werde dich nicht töten“, sagte ich und senkte die Klinge, obwohl jede Warnung in meinem Kopf laut aufschrie.Raymond trat neben mich, seine Augen auf Kael gerichtet. „Selina, ich verstehe, warum du ihn retten willst, aber du darfst nicht zulassen, dass dein Mitgefühl dich blin
SelinaIch starrte durch das wechselnde Licht des alten Siegels auf Carolina und konnte mich nicht dazu zwingen, den Blick abzuwenden, während der Gedanke, dass Kael irgendwo über uns mit diesem Wesen in seinem Inneren war, meinen Magen verkrampfen ließ.„Du hast gesagt, dass die Bedrohung bereits einen Wirt gewählt hat, also sag mir, ob Kael noch gegen sie kämpft“, verlangte ich und schloss meine Finger fester um Raymonds Hand, während die Ketten um Carolina flackerten.Witch Flairs Gesicht verhärtete sich, und zum ersten Mal, seit wir die Kammer betreten hatten, sah ich etwas, das beinahe wie Angst über ihr Gesicht huschte.„Je länger wir hierbleiben, desto leichter wird es für das Wesen, euch zu finden“, warnte Witch Flair, wobei ihr Blick auf die Stelle fiel, an der Raymond und ich miteinander verbunden waren. „Eure Seelenbindung ist mächtig, Selina, aber Macht hinterlässt eine Spur, und dieses Ding hat Jahrhunderte damit verbracht, zu lernen, wie man Spuren durch die Ley-Linien v
SelinaSekundenlang konnte ich Witch Flair nur anstarren, während ihre Warnung sich über die Kammer legte und in mir das schreckliche Gefühl zurückließ, dass alles, was wir geopfert hatten, uns auf etwas noch viel Schlimmeres vorbereitet hatte.Die uralte Bedrohung war seit Jahrhunderten unter dem Königreich eingesperrt, und doch hatte sie irgendwie bereits einen Weg gefunden, die Welt über uns zu erreichen.Raymond trat vor, sein Gesicht verhärtete sich, als er eine Antwort verlangte.„Wer ist das Gefäß?“Witch Flair antwortete nicht sofort, und die Stille ließ meine Wut schneller anwachsen als meine Angst. Sie blickte auf die zerbrochenen Zeichen unter unseren Füßen, bevor sie Raymond mit einem Ausdruck ansah, den ich noch nie zuvor bei ihr gesehen hatte.„Bevor ich es dir sage, musst du etwas über den Fluch verstehen, den ich auf dich gelegt habe.“Raymonds Finger glitten aus meinen, als er sich vollständig zu ihr umdrehte.„Was hat mein Fluch mit allem zu tun, was hier geschieht?“
SelinaIch starrte Carolina an, die innerhalb des uralten Siegels stand, und konnte kaum atmen, während sich die Lichtketten um sie bewegten wie lebendige Wesen.Die uralte Bedrohung benutzte noch immer ihre Stimme, doch ich konnte nun etwas anderes darunter hören, etwas Angespanntes und Verängstigtes, das mich vermuten ließ, dass Carolina darum kämpfte, mich zu erreichen.Ich schloss meine Finger fester um Raymonds Hand und schüttelte den Kopf, weil ich mich weigerte zu akzeptieren, dass die Befreiung meiner Schwester bedeutete, zuzusehen, wie er starb.„Tritt in die Mitte, Selina“, flüsterte Carolinas Stimme, und plötzlich veränderte sich die Kammer um uns herum.Ich sah Raymond mehrere Schritte entfernt stehen, sein Hemd mit Blut bedeckt, während sein Körper auf den Steinboden sank, und ich schrie seinen Namen und streckte die Hand nach ihm aus, doch als ich blinzelte, stand er wieder neben mir und hielt noch immer meine Hand.Raymond blickte auf die leere Stelle, an der die Vision
SelinaDie Treppe schien entschlossen, uns beide zu verschlingen, während Raymond und ich weiter in die Dunkelheit unterhalb der Akademie hinabstiegen.Jeder Schritt führte uns weiter von der Welt oben fort, und mit jeder Ebene wurde die Luft kälter, bis sich jeder Atemzug scharf in meiner Lunge anfühlte.Raymond hielt eine Hand um meine geschlungen, sein Daumen bewegte sich langsam über meine Fingerknöchel, als könnte diese einfache Berührung uns beide daran erinnern, dass wir noch immer zusammen waren.Die Wände veränderten sich, je tiefer wir hinabstiegen, und waren mit Markierungen bedeckt, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Anfangs waren es nichts weiter als schwache Kratzer im Stein, doch wann immer wir an ihnen vorbeikamen, bewegte sich blasses Licht durch die Symbole wie Blut, das durch Adern floss.Ich spürte, wie unser Seelenband auf sie reagierte und unter meiner Haut pulsierte, jedes Mal, wenn die uralten Markierungen erwachten.„Spürst du das?“, fragte Raymond. Ich nic
SelinaIch begann meinen Tag ungewöhnlich gut, indem ich tatsächlich hungrig aufwachte, zum ersten Mal seit meiner Ankunft an der Akademie. Wieder Appetit zu haben war eine kleine Verbesserung und ich würde es als Sieg verbuchen.Hoffentlich verbessere ich mich auch bei anderen Dingen und gewöhne m
Selina Später an diesem Tag, während meiner Mittagspause, entschied ich mich, für die verbleibenden Minuten meiner Pause allein zu sein. Ich ging in ein leeres Klassenzimmer und setzte mich ganz hinten, nahe am Fenster.Plötzlich spürte ich etwas unter meiner Haut – ein warmes Gefühl. Zuerst dacht
Selina~Der Schmerz in meiner Schulter weckte mich auf, bevor die Sonne überhaupt aufging. Ich stöhnte leise, als ich versuchte, mich aufzusetzen. Die Wunde von den Klauen des abtrünnigen Wolfs brannte wie Feuer, jedes Mal wenn ich mich bewegte. Ich bemerkte sofort, dass jemand mich in ein lockere
Selina~Raymond lehnte sich zu mir und nahm einen tiefen Atemzug.War dieser Typ ernsthaft dabei, mich gerade jetzt zu beschnuppern? Ich schimpfte mit ihm darüber, wie ich nicht an ihn gebunden sein wollte und wie ich nicht der fette Witz sein wollte. Und alles, was er tun konnte, war, über meinen







