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Zu spät für Reue: Sie wird niemals verzeihen
Zu spät für Reue: Sie wird niemals verzeihen
Auteur: Fiona Jan

Kapitel 1

Auteur: Fiona Jan
In der 25. Schwangerschaftswoche erwischte Susan Rohm ihren Mann im Krankenhaus dabei, wie er sie betrog.

Der hochgewachsene, gut aussehende Mann im schwarzen Mantel hielt ein zartes, wunderschönes Mädchen schützend im Arm. Sie trug einen weißen Fuchspelzmantel, ihre Wangen waren rosig, ihr kleines Gesicht in einen weichen Wollschal gehüllt und ihre Züge waren so fein wie die einer Porzellanpuppe.

Susan umklammerte den Untersuchungsbericht so fest, dass ihre Fingerknöchel weiß hervortraten. Der kalte Wind peitschte ihr ins Gesicht, doch der stechende Schmerz in ihrem Herzen war eisiger als jede Böe.

Ken sah sie aus der Ferne. Sein Gesichtsausdruck war gleichgültig, keine Spur von Scham darüber, dass er erwischt worden war. Er öffnete dem Mädchen persönlich die Autotür, seine Haltung war voller Zärtlichkeit.

Der unnahbare, kalte Mann von Welt konnte also auch so eine fürsorgliche, sanfte Seite haben.

Das Mädchen schien Susan bemerkt zu haben. Sie hielt inne, warf Susan einen verwirrten Blick zu und fragte dann Ken: „Warum starrt uns diese alte Frau die ganze Zeit an, Ken? Kennst du sie?“

Der eisige Wind heulte ihr um die Ohren.

Susan konnte nicht verstehen, was das Mädchen zu Ken sagte.

Doch an den Lippenbewegungen des Mädchens konnte sie die Worte „alte Frau“ ablesen.

Alte Frau?

Damit meinte sie wohl mich.

Susan musste bitter lächeln.

Sie war doch erst 24.

Aber mit ihrer ohnehin schon leicht molligen Figur, dem durchschnittlichen Aussehen, eingepackt in eine schwarze Daunenjacke und eine schwarze Wollmütze, wirkte ihr Körper im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft aufgedunsen und schwerfällig. Dazu kam ihr fahles Gesicht – sie sah tatsächlich aus wie eine Frau in den Dreißigern oder Vierzigern. Wie konnte sie da mit einem so jungen, strahlenden Mädchen mithalten?

Ken half dem Mädchen schützend ins Auto.

Susan stand steif wie eine Salzsäule da und starrte dem davonfahrenden Auto nach.

Sie und Ken hatten nur wegen des Kindes geheiratet. Für einen Goldjungen wie ihn war diese erzwungene Ehe ein Makel in seinem Leben, und das Kind in ihrem Bauch war nur das Werkzeug, mit dem sie ihn dazu gezwungen hatte.

Er hasste sie abgrundtief.

Sie hingegen war seit acht Jahren heimlich in ihn verliebt. Aber Susan wusste genau, dass sie ihm nicht gewachsen war. Also hatte sie unermüdlich gelernt und ihn zu ihrem Lebensziel gemacht, nur um in seine Fußstapfen treten zu können.

Schließlich ging ihr Wunsch in Erfüllung und sie wurde seine Assistentin, durfte endlich in seiner Nähe sein.

Jene Nacht hatte nicht nur ihn aus der Bahn geworfen, sondern auch ihren letzten Funken Stolz und Würde vor ihm erbarmungslos zerstört.

Sie würde niemals seinen angewiderten Blick danach vergessen, als hätte er etwas Ekelhaftes, Schmutziges berührt.

Nur ein so wunderschönes Mädchen wie dieses verdiente ihn.

Eine heiße Träne rann ihr über die Wange, gefolgt von einem stechenden Schmerz im Unterleib. Schnell legte sie eine Hand auf ihren Bauch und stützte sich mit der anderen an einer nahen Steinsäule ab.

Eine vorbeikommende Krankenschwester sah sie, eilte herbei, um sie zu stützen, und brachte sie in ein Behandlungszimmer.

Die Aufregung hatte nur vorzeitige Wehen ausgelöst.

Nachdem sich alles wieder beruhigt hatte, verließ Susan das Krankenhaus und schleppte sich, körperlich und seelisch erschöpft, allein mit dem Auto zurück zur Villa in Seeblick.

Das war die Villa von Ken.

Frau Guter hatte erfahrene Kindermädchen aus dem Anwesen der Familie Guter geschickt, um sich um sie zu kümmern.

In diesem Moment saßen die beiden Kindermädchen, die sich um sie kümmern sollten, im wohlig warmen Wohnzimmer wie die Herrinnen des Hauses, genossen das Essen und lachten und plauderten.

Die Kindermädchen hörten ein Geräusch, blickten zum Eingang – und sahen, dass Susan zurück war.

Eines der Kindermädchen stand auf, trat auf sie zu und fragte: „Wie war das Ergebnis der Untersuchung?“

Ihr Ton war arrogant und herablassend.

Sie sollten sich eigentlich um sie kümmern, benahmen sich aber eher wie Aufseherinnen, die hier die Herrin spielten.

Susan warf dem Kindermädchen nur einen kühlen Blick zu, ignorierte sie und ging direkt auf die Treppe zu.

Das Kindermädchen runzelte unzufrieden die Stirn.

„Antworte mir!“

Susan ignorierte sie weiterhin.

Das Kindermädchen blickte Susan hinterher und zischte verächtlich: „Sieht aus wie ein fettes Schwein. Bildet sich wirklich ein, sie wäre die junge Herrin der Guters. Was für eine Angeberin.“

Zurück in ihrem Schlafzimmer saß Susan auf dem Bett, fühlte sich leer und verloren.

Weder Ken noch seine Familie schätzten sie als Schwiegertochter.

Frau Guter hatte darauf bestanden, dass sie und Ken heirateten.

Herr Guter war schwer krank. Da kam die Nachricht von iher Schwangerschaft wie ein Segen. Die Hochzeit wurde eilig arrangiert, um den kranken Patriarchen mit gleich zwei frohen Botschaften aufzumuntern.

Ob es Zufall war oder wirklich an dem erhofften Segen lag – der Zustand von Herrn Guter besserte sich tatsächlich allmählich.

Erst danach hatte sich die Einstellung von Frau Guter ihr gegenüber etwas gebessert.

Doch der Rest der Familie Guter behandelte sie weiterhin mit Verachtung.

Der heutige Krankenhausbesuch diente auch dazu, das Geschlecht des Babys festzustellen. Es war ein Mädchen.

Frau Guter hatte die Nachricht aus dem Krankenhaus sicher schon erhalten.

In diesem Moment vibrierte ihr Handy.

Susan wurde aus ihren Gedanken gerissen.

Sie holte ihr Handy aus der Tasche. Als sie das Display sah, erstarrte sie. Es war ihr Professor.

Sie nahm ab.

„Professor Kenn.“

„Es gibt einen Platz für ein Promotionsstudium in Stanford. Hättest du Interesse?“

Bei diesen Worten von Simon war Susan für einen langen Moment wie erstarrt.

Da sie nicht antwortete, sagte Simon: „Kein Interesse, also...“

„Ich mache es.“

Susan kam wieder zu sich und ihre Antwort war sofort und unmissverständlich.

Nun war es an Simon zu schweigen.

Er wusste besser als jeder andere, wie hart Susan gearbeitet hatte, nur um das Recht zu haben, an der Seite von Ken zu stehen.

Jetzt, wo sie endlich am Ziel war, verheiratet und schwanger, wie konnte sie da einfach alles aufgeben?

Er hatte diesen einen letzten Platz und hatte sie nur auf gut Glück gefragt.

„Professor Kenn.“ sagte Susan.

Simon antwortete: „Dann komm morgen um zehn Uhr Vormittag in mein Büro.“

„In Ordnung.“

Simon sagte nichts weiter und legte auf.

Sie legte das Handy weg.

Susan atmete tief durch. Plötzlich fühlte es sich an, als würden sich die dunklen Wolken verziehen und den Mond freigeben.

Es war an der Zeit, aufzuwachen.

Ein Mann, der dich nicht liebt, wird sich weder durch ein gemeinsames Kind binden lassen, noch wird er dir auch nur einen zweiten Blick schenken.

Kurz darauf erhielt sie einen Anruf von Frau Guter, die sie bat, zum Anwesen der Familie zu kommen. Susan sagte zu, sie vermutete, es ginge um das Baby.

Plötzlich fühlte sie sich wieder lebendig.

Sie ging ins Bad, um ausgiebig zu duschen.

Als Susan vor dem Schminktisch saß und in den Spiegel blickte, sah sie ein aufgedunsenes, rundes Gesicht, dunkle Augenringe, Tränensäcke, tiefliegende Augen und Flecken auf den Wangen.

Ein so hässlicher Anblick musste doch jeden abstoßen!

Wie konnte eine Frau wie sie es wagen, an der Seite eines Prinzen wie Ken zu stehen?

Sie schminkte sich, zog eine rosa Daunenjacke an und setzte einen weißen, runden Hut auf. Sofort sah sie viel frischer aus.

Eigentlich hatte sie vorgehabt, selbst zum Anwesen der Familie zu fahren.

Doch kaum war sie aus der Tür, klingelte ihr Telefon. Es war Ken. Seine kalte Stimme befahl nur: „Komm raus.“

Susan zuckte zusammen.

Wahrscheinlich hatte Frau Guter ihn angewiesen, zum Anwesen zu kommen.

„Okay“, antwortete sie.

Sie verließ die Villa.

Sein Rolls-Royce parkte direkt vor dem Eingang. Dasselbe Auto, in dem vor zwei Stunden eine andere Frau gesessen hatte.

Sie atmete tief ein, trat vor und stieg ein.

Sobald sie im Auto saß, stieg ihr ein leichter Parfümduft in die Nase – der süßliche Duft eines jungen Mädchens. Im Wagen lag ein kleiner rosa Teddybär, eindeutig das Lieblingsplüschtier eines Mädchens.

Als sie aufblickte, bemerkte sie das Haargummi an seinem Handgelenk.

So markierte ein Mädchen ihr Revier.

Ken musste dieses Mädchen wirklich mögen.

Susan unterdrückte den bitteren Geschmack in ihrem Herzen und schnallte sich an.

Der Chauffeur fuhr langsam los.

Susan starrte schweigend aus dem Fenster.

Früher hätte sie jede Sekunde allein mit ihm zu schätzen gewusst und versucht, ihm näherzukommen. Selbst wenn er sie abwies, hätte sie unermüdlich versucht, ein Gespräch anzufangen.

Sie hatte sich der naiven Illusion hingegeben, dass sie nun Mann und Frau waren, ein Kind erwarteten und ein langes Leben vor sich hatten. Sie dachte, wenn sie nur eine gute Ehefrau und Mutter wäre, würde Ken sie vielleicht eines Tages ansehen.

Aber am Ende hatte sie sich nur selbst belogen.

Der Mann kümmerte sich nicht um ihre Gefühle. So kalt wie immer fragte er nur: „Welches Geschlecht hat das Kind?“

Der Mann kümmerte sich nicht um ihre Gefühle. So kalt wie immer fragte er nur: „Welches Geschlecht hat das Kind?“

„Es ist ein Mädchen“, antwortete Susan.

Ken hörte es, ohne eine Regung zu zeigen. Keine Miene verzog sich in seinem markanten Gesicht. Er sagte nur mit ruhiger Stimme: „Sobald das Kind auf der Welt ist, lassen wir uns scheiden.“

Die Worte hingen in der Luft.

Susans Finger verkrampften sich.

Es fühlte sich an, als würde eine eiserne Faust ihr Herz zerquetschen, und ihr stockte der Atem.

Diese Ehe konnte ohnehin nicht von Dauer sein. Obwohl sie es erwartet hatte, tat es unendlich weh, es von ihm persönlich zu hören.

Sie biss sich auf die Lippe und antwortete: „Okay.“

Ken warf ihr einen Seitenblick zu, anscheinend überrascht von ihrer schnellen Zustimmung.
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