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KAPITEL 4 – DER GEHEIME PLAN

Author: Joy Heart
last update publish date: 2026-09-12 19:10:14

Der Regen fiel die ganze Nacht weiter. Savannah konnte nicht schlafen.

Sie lag auf dem kalten Bett und starrte an die Decke, während ihre Hand auf ihrem Bauch lag. Ihr Herz schlug viel zu schnell. Ihre Tränen waren bereits getrocknet, aber der Schmerz wollte nicht verschwinden.

Cassandras Worte gingen ihr immer wieder durch den Kopf.

„Werft sie hinaus, wenn sie sich weigert zu gehen.“

Ihre Brust schmerzte jedes Mal, wenn sie daran dachte. Nathaniels kalte Stimme machte es noch schlimmer.

„Sie wird nicht mehr lange bleiben.“

Sie drehte sich auf die Seite und sah auf den leeren Platz neben sich. Nathaniel schlief schon lange nicht mehr hier. Er berührte sie nicht, kümmerte sich nicht um sie. Jetzt wusste sie, warum.

Er hatte Cassandra.

Er hatte keinen Grund, sie noch bei sich zu behalten.

Ihre Hand strich langsam über ihren Bauch.

„Mein Baby, ich werde nicht zulassen, dass er uns hinauswirft. Ich werde nicht zulassen, dass sie gewinnt.“

Zum ersten Mal dachte sie über etwas nach, das sie sich bisher nie erlaubt hatte zu denken.

Gehen.

Fliehen.

Irgendwo neu anfangen, wo er sie niemals finden konnte.

Der Gedanke machte ihr Angst. Sie hatte keine Familie, kein Geld und keine Macht. Nathaniel kontrollierte alles. Wenn er wollte, konnte er sie wie Staub zermahlen.

Aber dann berührte sie wieder ihren Bauch. Das Baby trat sanft, als würde es auf ihr Herz antworten.

Ihre Lippen zitterten.

„Für dich … werde ich es tun. Ich werde gehen. Wir werden überleben.“

Sie stand leise auf. Das Anwesen war still. Die Dienstmädchen waren alle in ihre Zimmer gegangen. Nur das Geräusch des Regens gegen die Fenster erfüllte die Luft.

Sie öffnete ihren Kleiderschrank und holte eine kleine Tasche heraus. Mit zitternden Händen begann sie, ein paar Kleidungsstücke hineinzulegen. Sie hatte große Angst, aber sie zwang sich weiterzumachen.

Sie versteckte die Tasche unter dem Bett.

Dann öffnete sie die Schublade, in der Nathaniel früher Geld für sie aufbewahrt hatte. Das meiste davon war weg. Er hatte ihr schon vor langer Zeit kein Taschengeld mehr gegeben.

Sie suchte jede Ecke, jede Schachtel und jeden Umschlag ab.

Schließlich fand sie ein kleines Bündel Bargeld.

Nicht viel, aber vielleicht genug für ein Ticket irgendwohin.

Ihre Finger umklammerten das Geld fest.

Es fühlte sich wie Hoffnung an.

Es fühlte sich wie ein Ausweg an.

Doch ihre Gedanken waren weiterhin voller Angst.

Was, wenn er sie erwischte?

Was, wenn er sie zurückschleifte?

Was, wenn Cassandra sie fand und ihr ins Gesicht lachte?

Ihr Atem ging schneller. Sie setzte sich auf den Boden, zitterte und flüsterte vor sich hin:

„Du kannst das schaffen, Savannah. Du musst es schaffen. Für das Baby. Für uns.“

Am nächsten Morgen bewegte sie sich leise durch das Haus. Die Dienstmädchen tuschelten wieder und flüsterten grausame Worte, als sie an ihnen vorbeiging.

„Sie sieht so blass aus.“

„Kein Wunder, dass er sie nicht will.“

„Cassandra ist mehr Ehefrau als sie.“

Savannah tat so, als würde sie sie nicht hören. Sie ging mit erhobenem Kopf an ihnen vorbei, obwohl ihr Herz innerlich zerbrach.

In dieser Nacht kam Nathaniel wieder spät nach Hause.

Savannah blieb im Wohnzimmer. Ihre Tasche war noch immer oben unter dem Bett versteckt. Sie sagte sich, dass sie auf den richtigen Moment warten würde.

Sie musste warten, bis er wieder auf Geschäftsreise ging. Oder vielleicht konnte sie mitten in der Nacht gehen, wenn er zu müde war, um etwas zu bemerken.

Doch die Art, wie er sie in dieser Nacht ansah, ließ ihr Herz stehen bleiben.

Seine Augen waren scharf. Er musterte sie viel zu lange.

Er schenkte sich einen Drink ein, lehnte sich dann an die Wand und beobachtete sie schweigend.

„Du siehst anders aus“, sagte Nathaniel schließlich. Seine Stimme war leise und kalt.

Savannahs Hand zitterte, während sie ihr Glas Wasser hielt.

„Mir geht es gut.“

Seine goldenen Augen verengten sich.

„Du verheimlichst etwas.“

Ihre Kehle wurde eng. Sie zwang sich zu einem kleinen Lächeln.

„Nein. Tue ich nicht.“

Er trat näher. Seine große Gestalt warf einen Schatten über sie.

„Lüg mich nicht an, Savannah. Du bist viel zu schlecht darin.“

Ihr Herz raste. Sie sah nach unten, aus Angst, dass er die Wahrheit in ihren Augen erkennen könnte.

Sie legte wieder eine Hand auf ihren Bauch und versuchte, sich zu beruhigen.

Nathaniel bemerkte die Bewegung. Sein Blick fiel auf ihren Bauch und kehrte dann zu ihrem Gesicht zurück.

„Du glaubst immer noch, dass es meine Meinung ändern wird, wenn du mein Kind austrägst?“, fragte er kalt. „Sei nicht töricht.“

Seine Worte trafen sie tief.

Ihre Lippen zitterten, aber sie sagte nichts.

Später, als er schließlich nach oben in sein Arbeitszimmer ging, eilte Savannah ins Schlafzimmer.

Sie zog die Tasche unter dem Bett hervor.

Sie packte die letzten Dinge ein, die sie brauchte – ihre Dokumente, das Geld und ein paar Kleidungsstücke.

Ihre Hände zitterten heftig. Sie konnte ihren eigenen Herzschlag in ihren Ohren hören.

Sie sagte sich, dass sie heute Nacht gehen würde.

Sie konnte nicht länger warten.

Sie musste fliehen, bevor er sie wie Abfall hinauswarf.

Doch als sie die Tasche schloss und sich zur Tür drehte, erstarrte ihr Herz.

Nathaniel stand dort.

Groß, kalt und nicht zu durchschauen.

Seine goldenen Augen waren auf die Tasche in ihrer Hand gerichtet.

Die Stille war schwer, während der Sturm draußen immer heftiger wurde.

Seine Stimme durchschnitt die Luft wie eine Klinge.

„Savannah … wohin glaubst du, gehst du?“

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