LOGINPOV ManuelMeine Hände zittern, als ich meine Wohnung verlasse und zur großen Allee hinuntergehe, dann weiter zum Bahnhof. Der Himmel ist noch dunkel, die ersten Sonnenstrahlen haben den Horizont noch nicht durchbrochen, und ich muss kurz stehen bleiben, um den Sternen beim Verblassen zuzusehen. Es kommt so selten vor, dass ich nach draußen gehe, und fast nie, wenn es noch dunkel ist. Seit die Eisenhut-Seuche sich von Wolf zu Wolf über den ganzen Kontinent ausbreitet und wir Silbermond zu unserer Hauptstadt gemacht haben, dürfen nur sehr wenige Zivilisten länger als ein paar Stunden draußen bleiben.Es ist eine strenge Regel, aber zum Schutz von allen notwendig. Es gibt eine Ausgangssperre von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang — und ich spüre eine leise Aufregung, sie gerade jetzt zu übertreten. Obwohl ich annehme, dass es bei einer Aufgabe vonseiten der Clanchefin nicht wirklich ein Verstoß ist. Und auch nicht gegen das Protokoll, wenn ich den Ausweis vorzeige, um den Zug der Stadt a
POV ParrisManuel ist niedlich, wenn er errötet.Er ist mir ausgewichen, das weiß ich. Und trotzdem steht er jetzt vor meiner Tür, als wäre zwischen uns alles in Ordnung — seit jenem Mal, mitten im Nirgendwo. Wir sind uns näher gekommen, sehr nah. Ich glaubte, dass er es auch wollte, dass er diese Anziehung genauso spürte wie ich.Aber am nächsten Morgen war er gegangen. Ohne sich zu verabschieden. Ohne eine Erklärung. Seit Wochen bin ich wütend. Wie konnte er einfach so gehen? Wir hatten nichts Falsches getan, oder? Liegt es daran, dass ich ein Mischling bin, ein seltsames Wesen — nicht ganz Zauberer, nicht ganz Wolf? Wegen meiner spitzen Ohren?Was für ein Dummkopf.»Ich habe etwas für dich«, sagt Manuel und greift in seine Hosentasche. Mein Herz setzt einen Schlag aus — bis ich sehe, was er mir entgegenstreckt. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber als er mir einen versiegelten Umschlag mit dem Wappen der Clanchefin reicht, werde ich ernüchtert.Armer Dummkopf. Was hast du di
POV ManuelEs sind Wochen vergangen, seit ich meine Urgroßmutter das letzte Mal gesehen habe. Ich hätte mir denken müssen, dass etwas im Gange ist, als sie vor meiner Tür stand — mit einem Lächeln auf den Lippen und einem Korb voller Leckereien in der Hand.»Lass uns zusammen frühstücken«, schlägt sie vor und reicht mir eine Kanne frisch gepressten Orangensaft. Woher sie mitten im Krieg Orangensaft herbekommt, ist mir ein Rätsel. Aber an Elowen Thorpe ist alles ein Rätsel.»Äh … na gut«, sage ich und trete einen Schritt zurück, um sie einzulassen. »Stimmt etwas nicht?«Sie stellt den Korb auf den Esstisch.»Warum sollte etwas nicht stimmen, damit ich eines meiner Enkelkinder besuche?«Ich verschränke die Arme und seufze tief.»Lass deine Show stecken, Großmutter. Was willst du?«Ihr klares Lachen lässt sie um zwanzig Jahre jünger wirken. Sie legt einen Scone auf einen Teller, der wie von Zauberhand erscheint, dann reicht sie mir die Hand, um die Kanne entgegenzunehmen.»Ich brauche di
POV LilyEine geheimnisvolle Stimmung umgibt die alte Hexe, als sie sich an das Ende des Tisches setzt und zwei alte Pergamente nebeneinander ausbreitet, bevor sie uns auffordert, näher zu kommen und sie zu betrachten.»Es ist seltsam, wie das Schicksal funktioniert«, sagt sie, und ihre traurigen Blicke wandern von einem zum anderen, als würde sie in jedem von uns etwas sehen, das wir noch nicht selbst bemerkt haben. »Wir haben hier, in diesem Raum, alles, was wir brauchen. Drei Paare, durch das Schicksal verbunden. Ihr seid alle Mischlinge oder mächtige Alphas. Ist euch bewusst, wie selten das ist? Wie außergewöhnlich?«»Nur einer von zwanzig Wölfen findet seine Seelenverwandte«, bemerkt Lucian, und wir blicken ihn alle an, überrascht, dass er diese Zahl so genau kennt. »Im Rudel von Valnoir liegt diese Zahl sogar noch niedriger. Bei der letzten Zählung gab es nur drei vorbestimmte Paare unter tausend Wölfen.« Er zuckt mit den Schultern. »Um ehrlich zu sein, habe ich mir darüber nie
POV LilyEmmas Haut strahlt sanft vor Glück, während sie sich neben mich setzt. Ich lächle und spüre, dass mein eigenes Licht auf ihres antwortet. Als sie die Arme ausstreckt, um Arden zu nehmen, verschlucke ich mich fast an meinem Wasser — so sehr überrascht und erfreut mich ihre Neuigkeit.»Du und Elliot?« Ich sehe sie mit großen Augen an, hocherfreut. »Ein Baby? Oh Emma, ich freue mich so für euch beide.«Eine klare, kostbare Träne rollt über ihre Wange. Sie nickt und schmiegt sich an mich, während sie meiner kleinen Tochter die Flasche gibt.»Ich glaube, ich werde mich an dieses Gefühl gewöhnen müssen«, sagt sie und lacht, ihr Herz leicht und voller Hoffnung zum ersten Mal seit langer Zeit. »Vielleicht sollte ich auch auf Aspen warten. Zwillinge liegen in der Familie.«»Ist dir klar, was das bedeutet?«, lache ich, während ich meinen kleinen, murrischen Jungen tanzen lasse. »Die Sonnenwende ist in drei Tagen. Der perfekte Moment für eine Hochzeit.«Emma errötet.»Wir können das nic
POV ElliotHeute ist etwas anders. Es ist ein Wendepunkt, ein Moment des Wandels. Ich spüre es in der Luft.Aber auf der anderen Seite ist jeder Morgen wie ein Wunder, als würde ich von Neuem geboren, nur um inmitten eines unmöglichen Traums aufzuwachen. Ich hätte nie gedacht, die einfache Freude zu kennen, meine Gefährtin schlafen zu sehen — ich bin der vereidigte Beta des mächtigsten Alphas der Welt, und Betas haben kein Recht, eine Gefährtin zu haben. Sie haben keine Familie, keine Bindung, die nicht der Treue gegenüber dem Wolf ist, dem sie ihr Leben lang die Treue geschworen haben. Ich habe das Dienen immer als Ehre angesehen, ohne je etwas anderes zu verlangen.Bis ich Emma traf und meine Welt auf den Kopf gestellt wurde.Vom ersten Augenblick an, als ich sie sah, war ich unwiderstehlich von ihrem feurigen Geist und ihrer tiefen, gütigen Seele angezogen. Unsere ersten Begegnungen waren zufällig, elektrisierend, als sie den Zauber vorbereitete, der das Leben meines Alphas retten







