LOGINPOV ElowenVor fünfzig Jahren, jenseits von Sand und Bergen, in der großen Küstengemeinschaft von Silbermond, traf eine junge Hexe mitten in der Nacht auf zwei Wölfe. Ihre Mission: einen Friedensvertrag auszuhandeln. Der Vertrag selbst sollte weitere fünfzehn Jahre hin‑ und hergehen, bis beide Seiten endlich zusammenkamen und eine neue Welt schufen: eine Welt, in der sie voneinander getrennt lebten und den Frieden durch diese Trennung bewahrten. Und je weiter unsere Völker voneinander entfernten, desto fester verankerten wir uns in unseren irrigen Überzeugungen. Wir vergaßen unsere gemeinsamen Geschichten und unsere Kultur und verloren das Gefühl dafür, dass alles miteinander verbunden ist.Wölfe und Hexen waren niemals dazu bestimmt, getrennt voneinander zu leben. Beide Völker sind Geschöpfe aus Magie und Mondlicht, die im Einklang mit den Wäldern leben, deren Geist durch unsere Adern fließt. Wir verehren dieselbe Muttergöttin – sie schenkt uns nicht nur das Leben, sondern führt uns
POV Lucian Der schwache Duft nach Moschus und vermischten Gerüchen, der in Elliots Zimmer hängt, ist viel stärker als zuvor – und ich weiß es sofort, als ich seinen Hals sehe. Auch er hat einen ereignisreichen Morgen hinter sich. Und als ich über seine Schulter blicke und die anderen sehe, wird mir klar: Wir sind nicht die Einzigen. »Alpha.« Elliot verbeugt sich leicht und lächelt breit, als er die Tür weiter öffnet und mich hereinbittet. »Entschuldige die Verspätung«, sage ich und schenke ihm ein Lächeln, das hoffentlich nicht zu ernst wirkt. Lily sagt, ich sei manchmal viel zu steif. Um genau zu sein: Ihre genauen Worte waren, dass mein »Ruhegesicht« »schrecklich einschüchternd« sei. Der Gedanke an meine zukünftige Frau lässt mein Herz schlagen. Es fällt mir so schwer, auch nur einen Augenblick von ihr und den Kleinen getrennt zu sein. Mein Instinkt will ständig in ihrer Nähe sein, sie und die Kinder nie aus den Augen lassen. Es ist ein überwältigendes Gefühl – als wäre ich s
POV LilyDas sanfte Summen des leuchtenden Netzes, das die Stadt beschützt, beruhigt meine angespannten Nerven, während ich dem Mond dabei zuschaue, wie er höher am Himmel steigt. In nur wenigen kurzen Stunden, wenn er seinen höchsten Stand erreicht und die Göttin über uns wacht, werde ich mein Leben für immer mit Lucian verbinden – nicht nur als seine Gefährtin, sondern auch als seine Frau.»Du bist doch nicht etwa deswegen nervös?«, fragt mein schöner Gefährte, als er hinter mir ins Bett kommt und mich in seine Arme schließt, während seine Brust meinen Rücken wärmt. »Du bist bereits meine Gefährtin, meine Luna und meine wunderschöne Königin.« Er knabbert sanft an meinem Liebesmal, und jede Faser meines Körpers zittert vor Wohlbehagen. »Das ist nur eine weitere Zeremonie, nur ein weiterer Moment. In meinem Herzen bist du schon meine Frau.« Er küsst mich direkt hinter das Ohr, als er sich an mich lehnt. »Jetzt wirst du es auch vor aller Welt sein.«Ich fürchte mich, es zuzugeben, aber
POV EmmaMein Gefährte kommt ins Apartment, ganz durcheinander, seine Wangen rot vor Verlegenheit, einen Blumenstrauß schlecht verborgen hinter dem Rücken.»Hm«, räuspere ich mich und lenke seine Aufmerksamkeit auf mich, während ich mich müde an den Türrahmen unseres Schlafzimmers lehne.Die Augen meines Gefährten weiten sich vor Überraschung. »Ah, Emma, genau, ich… äh…« Elliot schluckt schwer. »Ich habe etwas Wichtiges mit dir zu besprechen.«»Oh?« Ich hebe eine Augenbraue. »Das ist seltsam, denn ich auch.«»Ah, Emma, ich… meine Frage…« Nervös kniet er vor mir nieder und reicht mir einen Strauß nur teilweise zerdrückter Lilien. »Emma, ich…«»Woher hast du die?« Ich lächle und halte mir die Lilien vor die Nase. Sie sind wunderschön, aber bei all dem Krieg weiß ich, dass es in der Stadt keine Hexen gibt, die Blumen verkaufen.»Aus dem Stadtgarten«, gibt mein schüchterner Gefährte zu, und seine Wangen werden noch röter. »Ich habe vielleicht gegen mehrere Gesetze verstoßen. Ich…«Ich beu
POV LilyLucians Stimme erklingt in meinem Kopf durch unser gemeinsames Band, kurz bevor ich ein sanftes Klopfen an der Tür höre.»Sei bitte freundlich zu ihr«, bittet er mich. »Sie bemüht sich.«Das ist alles, was ich an Vorwarnung bekomme – dann sehe ich Amaryllis vor meiner Tür stehen. Ihre Augen sind rot vom Weinen, den Kopf hält sie erhoben, ihre Hände ringen sich zitternd ineinander, während sie darauf wartet, dass ich etwas sage.»Königin Luna«, sagt sie und senkt den Kopf. »Ich muss dich um ein Wort bitten.«Meine erste Reaktion ist, sie anzuschreien und ihr zu sagen, sie solle sofort verschwinden, weit weg von mir und meinen Kindern. Genau so habe ich es mir immer vorgestellt, wenn sie vor meiner Tür steht. Aber ich hatte auch erwartet, dass sie versucht, meine Kinder zu entführen, oder im Dunkeln lauert, um mich im Schlaf zu töten, oder mir meinen Gefährten wegzunehmen – ich hatte nicht erwartet, sie so zu sehen.Sie ist immer noch stolz wie eh und je, doch ihre Überheblichk
POV AmaryllisEin zorniges Glühen liegt in seinem Blick, als Lucian mich auf die Füße zieht. Ich zucke zusammen, aber ich lasse es geschehen – ich versuche nicht einmal, mich zu wehren. Wenn er mir wehtun will, kann ich nichts dagegen unternehmen. Ich bin ihm ausgeliefert, und das wissen wir beide. Er ist so viel mächtiger, als ich es je war oder sein werde – besonders jetzt, da er der Alphakönig ist.Außerdem verdiene ich jede Strafe, die er mir auferlegen will. Ich habe genug Unruhe in sein Leben gebracht, um das zu verdienen.Doch dann tut er etwas, das mich überrascht. Vielleicht sogar uns beide.Er zieht mich in eine Umarmung.»Du hast dich von jemandem zeichnen lassen«, grinst er in mein Haar, als wir uns voneinander lösen. »Ich dachte immer, ich wäre es, der dich zeichnet.«Mein Herz macht einen Sprung. Wollte er mich wirklich so sehr an seiner Seite wissen? Wir sind zusammen aufgewachsen, haben uns verliebt, so wie junge Wölfe es oft tun. Wir waren sieben Jahre lang verheirate







