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Kapitel 2

Author: Washing Wheat
Kapitel 2

KAPITEL 2

„Medikamente allein reichen nicht“, sagte ich vollkommen emotionslos.

„Du kannst sie zusätzlich massieren, sie nachts beim Schlafen festhalten und darauf achten, dass ihre Hände und Füße warm bleiben.“

Yvonnes Gesicht lief dunkelrot an.

„Mary, so habe ich das nicht gemeint ...“

Tony hielt meinen gut gemeinten Rat jedoch für einen trotzigen Wutanfall.

Eisig fragte er:

„Bist du noch immer beleidigt, nur weil ich dir nichts von meiner Geschäftsreise erzählt habe?“

Vor zwei Wochen, an seinem Geburtstag ...

arbeitete ich unter Hochdruck gearbeitet und machte zermürbende Überstunden, nur um meinen Terminkalender freizubekommen.

Eigenhändig kochte ich einen ganzen Tisch voller Lieblingsgerichte und holte ein maßgefertigtes Geschenk ab, das ich Monate zuvor bestellt hatte.

All das tat ich, um seinen Geburtstag mit ihm zu feiern.

Ich wartete bis Mitternacht, doch Tony kam nicht nach Hause.

Erst durch Yvonnes Beitrag in den sozialen Medien erfuhr ich, wo er war.

Tony war für einen medizinischen Fachaustausch ins Ausland geflogen.

Als ich ihn endlich erreichte, tat er die Sache vollkommen beiläufig ab.

„Es ist nur eine Geschäftsreise. Ich musste dich nicht vorher um Erlaubnis bitten. Geburtstag habe ich jedes Jahr. Eine Gelegenheit wie dieses Projekt bietet sich nicht ständig. Ich dachte, du könntest unterscheiden, was dringend ist und was nicht. Hast du nichts Eigenes zu tun? Warum bist du ständig so besessen von meinem Terminkalender?“

Die angesammelte Enttäuschung brach wie eine Flutwelle über mir zusammen.

Ich konnte mich nicht davon abhalten, ihn zur Rede zu stellen.

„Tony, ist es wirklich so, dass ich auf deiner Prioritätenliste immer ganz unten stehe – am wenigsten dringend, am unwichtigsten und am leichtesten entbehrlich bin?“

Während ich die Beherrschung verlor, blieb Tony vollkommen ruhig. Bevor er auflegte, sagte er nur einen Satz.

„Du bist gerade nicht in der Lage, vernünftig zu reden. Wir sprechen darüber, wenn ich zurück bin.“

---

Nachdem ich mich beruhigt hatte, unterschrieb ich die Versetzungsvereinbarung für eine Niederlassung in einer anderen Stadt.

Meine Führungskraft zögerte und sah mich besorgt an.

„Bei einer Versetzung ziehen Sie in eine völlig andere Stadt! Eine so wichtige Entscheidung sollten Sie wirklich mit Ihrem Freund besprechen. Sie haben einen Partner. Sie müssen so etwas Ernstes nicht allein entscheiden.“

Ohne das geringste Zögern setzte ich meine Unterschrift darunter.

„Nicht nötig.“

Als ich das letzte Mal die Stelle gewechselt und zwei Angebote zur Auswahl gehabt hatte, fragte ich Tony nach seiner Meinung.

Er warf nur einen flüchtigen Blick darauf.

„Es ist dein Leben. Warum soll ich für dich entscheiden?“

Yvonne dagegen beriet er geduldig bei jeder einzelnen Bewerbung für die Universität.

Mit seiner Hilfe wurde sie an der besten medizinischen Hochschule des Landes angenommen und konnte später seine Nachwuchskollegin werden.

Tony warf mir ständig vor, nicht selbstständig genug zu sein, mich dauernd zu beschweren und zu sehr an ihm zu klammern.

Wenn ich ihm begeistert eine lustige Geschichte erzählen wollte, setzte er Kopfhörer auf und hörte medizinische Podcasts.

Er behandelte mich, als wäre ich unsichtbar.

Kam ich zu spät zur Arbeit, weigerte er sich, mich zu fahren.

Sein Zeitplan dürfe meinetwegen nicht durcheinandergeraten, betonte er dann.

Wollte ich ihn zu einem Treffen mit seinen Freunden begleiten, erklärte er, ich müsse mir einen eigenen Freundeskreis aufbauen.

Lange glaubte ich aufrichtig, Tony sei von Natur aus distanziert und kühl.

Ich dachte, wenn ich mich nur genügend anstrengte, würde ich eines Tages die Ausnahme sein.

Dann tauchte Yvonne auf.

Sie war die Tochter alter Freunde von Tonys Eltern.

Ihre Familie hatte sie seiner Obhut anvertraut.

Ich nahm an, er würde sie als Belastung empfinden. Doch ohne zu zögern erklärte er sich bereit, sich um sie zu kümmern.

Nie hätte ich erwartet, dass ausgerechnet sie die Ausnahme war.

Tony beantwortete jede einzelne ihrer Beschwerden über ihre Mitbewohnerinnen.

Wenn sie an einem arbeitsreichen Tag Lust auf ein gerade angesagtes Dessert hatte, fuhr er quer durch die Stadt, nur um es ihr zu bringen.

Während ihres Krankenhauspraktikums stellte er sie von sich aus allen vor.

„Das ist meine junge Kollegin. Bitte kümmern Sie sich ein wenig um sie.“

Jedes Mal, wenn ich deswegen mit Tony stritt, sah er mich tief enttäuscht an.

„Sie ist noch ein Kind. Bist du etwa auch eins? Ich kümmere mich aus Verantwortungsgefühl um sie. Willst du deswegen ernsthaft eine Eifersuchtsszene machen? Wie alt ist sie, und wie alt bist du? Du könntest dich genauso gut mit einem Neugeborenen vergleichen.“

Dabei war dieses „Kind“ nur drei Jahre jünger als ich.

Alle Ausreden, die ich früher für Tony gefunden hatte – er sei eben so, die Arbeit nehme ihn zu sehr in Anspruch, er könne anhängliche Menschen nicht ausstehen ...

zerbrachen angesichts der Geduld, die er einer anderen Frau entgegenbrachte.

Aber das war in Ordnung.

Morgen würde meine Operation vorbei sein, und ich würde diese Stadt verlassen.

Danach würden Tony und ich nichts mehr miteinander zu tun haben.

---

Meine beste Freundin Gina erfuhr von der Operation und nahm sich einen Tag frei, um mich zu begleiten.

„Räum schnell das Gästezimmer für deine preisgekrönte Pflegerin auf!“, schrieb sie mir.

Lächelnd antwortete ich:

„Das Gästezimmer ist schon zweimal gereinigt worden, und ich habe dir neue Bettwäsche gekauft. Ich garantiere dir einen angenehmen Aufenthalt.“

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