LOGINLayla Harrison verbrachte drei Jahre damit, ihre Tochter allein großzuziehen, nachdem Cole West, der Mann, den sie liebte, ohne Erklärung aus ihrem Leben verschwand. Jetzt ist Cole zurück und verlangt Antworten, nachdem er die Tochter entdeckt hat, von der er nie wusste, dass sie existiert. Doch Layla zurückzugewinnen wird nicht einfach sein, besonders als sein älterer Bruder Ryan zu der einzigen Person geworden ist, auf die Layla sich verlassen kann. Gefangen zwischen ihrer ersten Liebe und dem Mann, der sie still geheilt hat, steckt Layla in einem Sturm aus begrabenen Gefühlen und gefährlichen Geheimnissen fest, die alle Beteiligten zerstören könnten. Manchmal liegen die schwersten Entscheidungen nicht zwischen zwei Männern, sondern zwischen der Vergangenheit und der Zukunft.
View MoreDer Regen begann vor Sonnenuntergang.
Als ich bei der New York Future Spaces Gala ankam, hatte der Sturm bereits die halbe Stadt verschluckt. Wasser lief in endlosen Bahnen über die Fenster des Luxushotels und verwischte die leuchtende Skyline draußen zu goldenen und silbernen Schlieren.
Ich drehte fast zweimal um, bevor ich hineinging.
Nicht weil ich nervös war.
Sondern weil Orte wie dieser mich zu sehr an das Leben erinnerten, das ich einmal hatte.
Teures Parfüm erfüllte den Ballsaal.
Kristallkronleuchter spiegelten sich auf Marmorböden, die so perfekt poliert waren, dass sie unter den Lichtern nass aussahen.
Wohlhabende Gäste bewegten sich von Tisch zu Tisch, lachten zu laut, schüttelten Hände und taten so, als wären ihre Leben perfekt.
Ich hasste jede einzelne Sekunde davon.
„Du ziehst schon wieder so ein Gesicht.“
Bella tauchte neben mir auf und hielt zwei Champagnergläser.
„Du sagst das immer, als wäre es überraschend“, antwortete ich.
„Das liegt daran, dass normale Menschen versuchen, bei Networking-Events nicht mörderisch auszusehen.“
Ich nahm das Getränk mit einem leisen Seufzen von ihr.
„Ich gehöre nicht hierher.“
„Doch, tust du.“
„Nein. Reiche Menschen können finanzielle Probleme riechen.“
Bella schnaubte laut.
„Girl, bitte. Die Hälfte dieser Leute ist nur einen Skandal vom Gefängnis entfernt.“
Das entlockte mir ein widerwilliges Lächeln.
Bella grinste sofort.
„Da ist sie ja.“
Ich verdrehte leicht die Augen, bevor ich den Ballsaal erneut musterte.
Heute Abend war wichtig.
Unser Architekturbüro war noch klein, kämpfte immer noch ums Überleben, und diese Gala war voller Investoren, die mächtig genug waren, unser Leben komplett zu verändern.
Eine einzige Verbindung hier könnte uns endlich Erfolg bringen.
Und wir brauchten dringend Stabilität.
Für uns.
Für Blair.
Der Gedanke an meine Tochter machte sofort etwas in mir weich.
Ich checkte schnell mein Handy.
Keine verpassten Anrufe.
Gut.
Mein Babysitter hatte versprochen, mir zu schreiben, falls Blair wegen des Sturms aufwachte und Angst bekam.
„Du denkst schon wieder an sie“, sagte Bella wissend.
„Ich denke immer an sie.“
Blairs Ausdruck wurde leicht sanfter.
„Es geht ihr gut.“
Ich nickte, aber die Angst blieb trotzdem unter meinen Rippen.
Die Mutterschaft hatte mein Gehirn dauerhaft verändert.
Jede Entscheidung, die ich traf, drehte sich jetzt um ein neunjähriges kleines Mädchen mit neugierigen Augen und endlosen Fragen.
Ein kleines Mädchen, das mehr als Unsicherheit verdiente.
Die Lichter im Ballsaal wurden plötzlich etwas dunkler.
Ein Schweigen breitete sich durch die Menge aus.
Geistesabwesend blickte ich zur Bühne, während die Moderatorin das Mikrofon richtete.
„Guten Abend, meine Damen und Herren“, verkündete die Frau mit sanfter Stimme.
„Vielen Dank, dass Sie heute Abend an der New York Future Spaces Gala teilnehmen, um Innovation, Wirtschaft und die Zukunft moderner Architektur zu feiern.“Höflicher Applaus folgte.
Ich hörte nur halb zu, während ich einen Schluck Champagner nahm.
„Wir möchten außerdem einen unserer neuesten internationalen Investoren willkommen heißen, der nach mehreren Jahren im Ausland nach New York zurückkehrt…“
Etwas Kaltes glitt plötzlich meine Wirbelsäule hinunter.
Kein Grund.
Nur Instinkt.
„Die West Group.“
Mein Körper erstarrte.
Nein.
Bella bemerkte es sofort.
„Layla?“
Aber die Moderatorin sprach weiter.
„Bitte begrüßen Sie Cole West.“
Das Glas glitt mir fast aus der Hand.
Und dann sah ich ihn.
Drei Jahre verschwanden augenblicklich.
Cole West trat in einem perfekt sitzenden schwarzen Anzug auf die Bühne und sah unter den Lichtern verheerend vertraut aus.
Größer als ich ihn in Erinnerung hatte.
Schärfer.
Irgendwie älter.
Auf eine Weise, die ihn gefährlicher wirken ließ.
Aber seine Augen waren genau dieselben.
Die Art von Augen, die mich einmal glauben ließen, dass ich vollkommen geliebt wurde.
Meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen.
Neben mir murmelte Bella einen Fluch.
„Du hast mir nicht gesagt, dass er zurück ist.“
„Ich wusste es nicht“, flüsterte Bella sofort.
Ich konnte nicht richtig atmen.
Nicht nach all dieser Zeit.
Nicht nach allem.
Cole bedankte sich ruhig beim Publikum, völlig ahnungslos, dass die Frau, die er einst zerstört hatte, weniger als zehn Meter von ihm entfernt stand.
Oder vielleicht wusste er es.
Vielleicht hatte er mich schon gesehen.
Der Gedanke ließ sofort Panik in mir aufsteigen.
„Musst du gehen?“ fragte Bella vorsichtig.
Ich nickte einmal.
Ja.
Zu gehen wäre klug.
Es war notwendig.
Ich griff schnell nach meiner Tasche und drehte mich zum Ausgang des Ballsaals.
„Mama!“
Ich blieb abrupt stehen.
Eine kleine Gestalt rannte quer durch die Lobby direkt auf mich zu.
Blair.
Meine Tochter prallte dramatisch gegen meine Beine und hielt ein Stoffkaninchen fest an ihre Brust gedrückt.
Die Babysitterin kam gestresst hinter ihr her.
„Es tut mir so leid! Sie ist während des Sturms weinend aufgewacht und wollte sich nur beruhigen, wenn sie dich sieht.“
Ich ging sofort in die Hocke.
„Hey, Baby“, flüsterte ich sanft.
Blair legte ihre kleinen Arme um meinen Hals.
„Ich mag Donner nicht.“
„Es ist okay. Mama ist hier.“
Langsam ließ die Spannung in mir nach.
Bis der Raum um mich herum seltsam still wurde.
Nicht völlig still.
Aber anders.
Bellas Gesichtsausdruck änderte sich zuerst.
Panik.
Ich runzelte leicht die Stirn, stand wieder auf, Blair immer noch in meinen Armen—
und sah ihn.
Cole stand am Rand der Bühne und starrte direkt zu uns.
Auf Blair.
Alles in mir blieb stehen.
Der ganze Ballsaal schien um uns herum zu verschwinden.
Coles Gesichtsausdruck wechselte langsam von Verwirrung…
zu Erkenntnis.
Denn Blair hatte seine Augen.
Exakt dieselben Augen.
„Oh mein Gott“, flüsterte Bella.
Ich konnte mich nicht bewegen.
Konnte nicht denken.
Cole stieg von der Bühne herunter, ohne den Blick von dem kleinen Mädchen in meinen Armen abzuwenden.
Ein Schritt.
Je näher er kam, desto blasser wurde er.
Die Leute in der Nähe bemerkten jetzt die Spannung und beobachteten neugierig.
Mein Puls raste heftig.
Nicht hier.
Bitte nicht hier.
Cole blieb direkt vor uns stehen.
Sein Blick glitt langsam zwischen Blair und mir hin und her.
Dann wieder zurück.
Draußen krachte der Sturm laut mit Donner.
Blair vergrub schüchtern ihr Gesicht an Laylas Schulter.
Und Cole sprach schließlich.
Fast so, als könnte er selbst nicht glauben, was er sagte.
„Wie alt ist sie?“
Ich schluckte schwer.
Jeder Instinkt in mir schrie, wegzulaufen.
Aber ich war es leid, wegzulaufen.
„Neun“, antwortete ich leise.
Die Farbe wich vollständig aus seinem Gesicht.
Sein Kiefer spannte sich an.
Und dann sah Cole West mich an—
mit etwas, das beinahe wie Verwüstung in seinen Augen aussah.
„Ist sie von mir?“ fragte er.
COLES POVVivian blieb den restlichen Nachmittag über still.Ich dachte, vielleicht hatte sie es verstanden.Ich lag falsch.In dem Moment, als ich in die Küche ging, um Blair etwas zu trinken zu holen, hörte ich Vivian mit ihr sprechen.„Warum magst du mich nicht?“Ich blieb stehen.Ich blieb in der Nähe der Tür.Blair saß auf dem Sofa.Vivian stand vor ihr.„Ich weiß es nicht.“Vivian runzelte die Stirn.„Ich habe dir so viele schöne Dinge geschenkt.“„Ich habe nicht danach gefragt.“Vivians Gesicht verhärtete sich.„Du solltest dich freuen.“Blair senkte den Blick.„Ich bin glücklich.“„Warum tust du dann ständig so, als würdest du mich hassen?“„Ich hasse dich nicht.“„Warum willst du mich dann nicht hier haben?“Blair schwieg.Vivian ging in die Hocke.„Dein Vater braucht eine Familie.“Blair sah verwirrt aus.„Ich habe eine Familie.“Vivians Gesichtsausdruck veränderte sich.„Du weißt, was ich meine.“Blair schüttelte den Kopf.„Meine Mommy ist meine Familie.“„Und dein Vater br
COLES POVDas Foto des Sorgerechtsdokuments brannte sich noch immer in meinen Kopf.Vivian Moreau.Ihr Name stand am unteren Rand des manipulierten Dokuments, in einer Handschrift, die ich unmöglich verwechseln konnte.Zum ersten Mal, seit ich das Sorgerecht für Blair gewonnen hatte, fragte ich mich, ob ich überhaupt den falschen Kampf geführt hatte.Ich hatte mir wochenlang eingeredet, dass das Sorgerecht für meine Tochter der einzige Weg war, sie zu beschützen.Ich hatte mir gesagt, dass Layla mich von ihr fernhielt.Ich hatte Layla die Schuld gegeben.Ich hatte Ryan die Schuld gegeben.Ich hatte jedem die Schuld gegeben, außer den Menschen, die im Hintergrund die Fäden gezogen hatten.Und jetzt lag Vivians Name vor mir.Ich starrte mehrere Sekunden auf mein Handy, bevor ich den Bildschirm sperrte.Ich würde mich um Vivian kümmern.Aber zuerst musste ich mich um etwas kümmern, das viel wichtiger war.Um meine Tochter.Blair war still gewesen, seit wir aus dem Urlaub zurückgekommen w
LAYLAS POVCole stand vor Blairs Zimmer.Ich wusste nicht, wie lange er schon dort gewesen war.Er sah völlig anders aus.Der kalte Ausdruck, den er im Gericht getragen hatte, war verschwunden.Seine Augen waren auf Blair gerichtet.Unsere Tochter.Das kleine Mädchen, das gerade geweint hatte, weil sie ihre Mutter verlassen musste.Cole schluckte.Sein Kiefer verspannte sich.Er sah aus, als wollte er hineingehen.Aber er tat es nicht.Stattdessen trat er von der Tür zurück.Ich folgte ihm in den Flur.„Du hast sie gehört.“Er blieb stehen.„Ja.“„Sie hat schreckliche Angst.“„Ich weiß.“„Du hast das Sorgerecht bekommen.“„Ich weiß.“„Und jetzt denkt sie, dass sie bestraft wird.“Sein Gesicht verzog sich.„Das war nie das, was ich wollte.“„Warum hast du es dann getan?“Er sah mich an.„Ich dachte, ich könnte ihr etwas geben, was du ihr nicht geben kannst.“Ich starrte ihn an.„Was?“„Stabilität.“Ich lachte bitter.„Sie hatte Stabilität.“„Bei dir.“„Ja.“Er wandte den Blick ab.„Ich
LAYLAS POVDie Nachricht blieb auf meinem Bildschirm.Auf dem Dokument steht ein Name, den du niemals für möglich halten wirst.Ich starrte auf diese Worte, bis sie vor meinen Augen verschwammen.Der Name meiner Mutter war bereits genug gewesen, um mein gesamtes Verständnis unserer Familie auf den Kopf zu stellen.Und nun sagte Bella mir, dass es noch einen weiteren Namen gab.Ein weiteres Geheimnis.Ein weiterer Teil meines Lebens, der vor mir verborgen worden war.Ich sah Ryan an.Er stand am Fenster und bewegte sich nicht.Seit Richard enthüllt hatte, dass Emily seine leibliche Mutter war, hatte er kein Wort mehr gesagt.Sein Gesicht wirkte leer.Nicht wütend.Nicht mehr schockiert.Einfach nur gebrochen.„Ryan.“Er antwortete nicht.Ich trat näher.„Ryan, sieh mich an.“Langsam drehte er sich um.Seine Augen waren rot.„Ich wusste, dass etwas mit mir nicht stimmte.“Mein Herz zog sich zusammen.„Was meinst du damit?“Er lachte kurz und bitter.„Nicht wirklich falsch.“Er senkte de

















