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Kapitel Zwei: Der Mann, der anhielt

Author: Memzay
last update Last Updated: 2025-12-17 19:22:22

Der Motor ging ohne Vorwarnung aus.

Adrian Kingsley lockerte seinen Griff um das Lenkrad, als die Kontrollleuchten im Armaturenbrett flackerten und dann erloschen. Der Regen hatte aufgehört, doch die Straße vor ihm war immer noch glatt und zog sich endlos durch einen Teil der Stadt, den er so gut wie nie besuchte. Er atmete scharf aus, und ein Anflug von Ärger spannte seine Kiefermuskeln an.

„Perfekt“, murmelte er. Adrian stieg aus dem Auto. Die Nachtluft war schwer und fremd. Dies war nicht die Welt der Glastürme und privaten Tore. Dies war rissiger Asphalt, schwache Straßenlaternen und der schwache Geruch von Öl und Frittiertem in der Luft. Er griff nach seinem Handy – kein Empfang. Deshalb änderte sich seine Stimmung. Dann sah er es.

Ein kleines Essenslokal stand ein Stück entfernt, beleuchtet von einer einzelnen Glühbirne, die flackerte, als könnte sie jeden Moment ausgehen. Dahinter stand eine Frau, ihm den Rücken zugewandt, und packte mit geübten Händen sorgfältig Essen in Behälter.

Sie bewegte sich mit stiller Anmut, bedächtig und konzentriert, als wäre die Welt heute nicht schon grausam genug zu ihr gewesen.

Adrian hielt inne. Er wusste nicht, warum er sie ansah, er wusste nicht, warum er nicht längst über das Notrufsystem des Wagens Hilfe gerufen hatte. Sie drehte sich um. Einen Moment lang schien die Nacht den Atem anzuhalten. Ihr Gesicht wurde von losen Strähnen dunklen Haares umrahmt, ihre Augen waren tief und müde, aber dennoch sanft. Kein Make-up, kein Schmuck, keine Verstellung – nur eine rohe, natürliche Schönheit, die ihn völlig überraschte.

Ihre Blicke trafen sich. Lina spürte es sofort: keine Angst, keine Neugier, sondern Bewusstsein. Instinktiv richtete sie sich auf und wischte sich die Hände an ihrer Schürze ab, während sie den großen Fremden musterte, der neben einem Auto stand, das völlig deplatziert auf ihrer Straße wirkte. Er trug einen dunklen Anzug, seine Haltung selbst in dieser misslichen Lage selbstsicher, sein Gesichtsausdruck wie aus Stein gemeißelt, Reichtum umgab ihn wie eine zweite Haut.

„Kann ich Ihnen helfen?“, fragte sie leise. Ihre Stimme war nicht schüchtern.  Es war ruhig, gleichmäßig, stärker als er erwartet hatte. „Mein Auto ist kaputt“, sagte Adrian mit schroffer Stimme. „Gibt es hier in der Nähe eine Werkstatt?“ Sie schüttelte den Kopf. „Nicht um diese Uhrzeit. Aber … ein paar Straßen weiter ist ein Handyladen. Manchmal haben die noch geöffnet.“ Er nickte einmal. „Danke.“

Er drehte sich zum Gehen um, blieb dann aber stehen. „Habt ihr noch geöffnet?“, fragte er und warf einen Blick auf den Essensstand. „Ja“, antwortete Lina. „Ich verkaufe, bis alles weg ist.“ Irgendetwas an dieser Antwort ließ ihn nicht los. Er griff gedankenverloren in seinen Geldbeutel. „Ich nehme, was ihr habt.“ Ihre Stirn runzelte sich leicht. „Das ist zu viel Essen.“

„Ich habe keinen Hunger“, sagte er. „Aber du arbeitest.“ Sie zögerte. Stolz blitzte in ihren Augen auf – keine Arroganz, sondern Würde.

„Ich nehme keine Almosen an“, sagte sie sanft. Adrian erstarrte. Niemand sprach so mit ihm. „Ich bezahle“, erwiderte er kühl.

Lina musterte ihn lange, dann nickte sie. Sorgfältig packte sie das Essen ein, ihre Bewegungen präzise und respektvoll – als ob selbst diese einfache Geste von Bedeutung wäre.

Als sie ihm die Tüte reichte, berührten sich ihre Finger. Die Berührung war kurz und beunruhigend.

Adrian spürte, wie seine Fassung bröckelte. „Danke“, sagte sie. Er zwang sich, einen Schritt zurückzutreten. „Gute Nacht.“

Während er wegging, redete er sich ein, es hätte nichts zu bedeuten.

Doch aus dem Augenwinkel blickte er zurück.

Sie putzte bereits ihren Stand, die Schultern leicht vor Erschöpfung hängend, völlig ahnungslos, dass sie gerade einen Mann verunsichert hatte, der sich für unantastbar hielt.

Lina sah dem eleganten Wagen nach, wie er die Straße entlangfuhr. Minuten später traf ein Mechaniker ein. Sie kannte seinen Namen nicht, sie kannte seine Welt nicht.

Alles, was sie wusste, war, dass irgendetwas an ihm gefährlich wirkte.  Nicht etwa, weil er grausam war, sondern weil er ihr das Gefühl gab, gesehen zu werden.

Und weit entfernt, in einem von Stille erfüllten Herrenhaus, lag Adrian Kingsley in jener Nacht wach, verfolgt von Augen, die nichts verlangten und doch alles forderten

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