Kapitel 3 Emilia hatte kaum geschlafen, doch es war nicht die Angst gewesen, die sie wach gehalten hatte, sondern das Gefühl, dass sich etwas in ihrem Leben verschoben hatte, ohne dass sie zugestimmt hatte. Das Bild, das Dante ihr geschickt hatte, war keine Drohung gewesen, sondern eine nüchterne Erklärung, und genau das machte es so schwer zu verarbeiten. Er hatte nicht geprahlt, nicht provoziert, nicht versucht, sie mit Brutalität zu beeindrucken. Er hatte ihr gezeigt, wie seine Welt funktionierte, als würde er ihr ein Regelwerk überreichen, das sie nie lesen wollte. Entscheidungen wurden getroffen, sobald eine Grenze überschritten wurde, und niemand diskutierte im Nachhinein über Moral, weil Moral in seiner Struktur keine Währung war. Als sie am Morgen in ihrer Küche stand und versuchte, Kaffee zu trinken, schmeckte alles bitterer als sonst. Sie ging jede Möglichkeit durch, nicht emotional, sondern analytisch, fast wie eine Fallstudie. Zur Polizei gehen würde Aufmerksamkeit erzeug
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