Im Oktober des zehnten Jahres, an einem Morgen, der so still war, wie Münchner Oktobermorgen still sein konnten, saß Clara Hoffmann an dem Schreibtisch in der Münchner Wohnung und versuchte, in Worte zu fassen, was sie in zehn Jahren verstanden hatte. Nicht für ein Buch, noch nicht, das sechste Buch war noch zu früh, noch zu wenig Form. Sondern für sich selbst, für das sechste Notizbuch, für den Versuch, das Denken so zu fassen, dass es nicht verblasste, bevor es zu dem wurde, was es werden sollte. Das Oktoberlicht in München war anders als das Oktoberlicht in Berlin. In Berlin war der Oktober der Monat des schärfsten Lichts, das Licht, das die Dinge so zeigte, wie sie waren, ohne Weichzeichner, ohne die Milderung, die der Sommer brachte. In München hatte das Oktoberlicht eine andere Qualität, wärmer, goldener, das Licht, das man in der Malerei als Herbstlicht bezeichnete, wenn man meinte: dieses Licht, das die Dinge schön machte, nicht weil sie schöner waren, sondern weil das Licht
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